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Samstag tzen 2. August
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Roman von Paul Grabern.
'Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
„Sie wollen also wirklich morgen früh! cttiteijeit? Ihr fester Entschluß?"
Bessow fragte es Gottliebe, mit der er unter den hoche ragenden Dannen am Trafoihotel in der Stunde vor dem Diner auf und nieder ging.
„In," bestätigte Göttliche. „Wir sind ja auch lange genug hier gewesen, fast vier Wochen."
Sie hatte in der Tat ihre Dante zur Abreise bewogen, was Frau Morell, iu Furcht vor neuen alpinistischen stln- ternehmungeu Göttliches, nur recht gewesen war. In Bessow hatte die bevorstehende Trenuungsstunde ernste Gedanken erweckt. Jetzt ivar die Entscheidung für, ihn gekommen: Sollte er um Gottliebe anhalten oder nicht? Seine Neigung für sie hätte durch den gestrigen schweren Aerger nicht gelitten. Die Frage war nur: Wie würde Göttliche sich zu ihm stellen? Ein Korb wäre ihm etwas entsetzlich Peinliches gewesen bei seinem htochgesteigerten Selbstgefühl. Er wurde aber aus Gottliebe nicht klug, ihre Stimmungen wechselten so. Manchmal war sie so lieb gegen ihn — wie zum Beispiel neulich auf der Geisterspitze — uud dann wieder so kalt spöttisch. Heute nachmittag nun wieder Hütte sie ihre weiche, gute Stimmung — ob er's da wagte?
Göttliche ahnte seine Gedanken, sie war auf seinen Antrag aefaßt, und sie wußte, was sie ihm erwidern würde. So oft hatte ihr die Tante ja zugeredet, den Regierungsrat ein bißchen aufzumuntern. Das hatte sie aus echt weiblichem Stolz ab gelehnt, gerade das Gegenteil hatte sie getan. Wenn er nun trotzdem um sie warb, so hatte sie sich also nichts vorzuwerfen.
Lange hatte sie geschwankt, sollte sie ihn nehmen oder nicht? Der gestrige Tag hatte es entschieden. Es war eine stille Resignation über sie gekommen. Jahrelang hatte sie in. dunklem Träumen und Sehnen auf ein großes Glück gewartet. Nun war eine urgewaltige, tiefe Liebe an ihr vorbeiaangen, und sie hatte nicht die Hand danach ausstrecken dürfen. Das Glück narrte eben die Menschen nur. Wozu daher weiter harren und sehnen, bis die Jugend verblüht war und kein Freier mehr kam? Und sie war ja, ohne Vermögen und ernsten Beruf, doch auf die Ehe cm- gewiesen. So sollte es denn also sein! Wollte Bessow sie haben, so wie sie war, mit dem, was sie ihm geben konnte — gut, so wollte sie sich ihm nicht verweigern.
„Fräulein Rhyngaert!" begann der Regierungsrat bedeutungsvoll. Er war jetzt entschlossen, deu großen Wurf zu tun. „Die Stunde der Entscheidung treibt mich zu Worten, die sich mir schon manchmal auf die Lippen gedrängt haben. Es ist mir bald vier Wochen lang vergönnt gewesen, Ihnen —"
Gottliebe, die gesenkten Hauptes, mit ernster Miene neben ihm herging, horchte unwillkürlich plötzlich- auf —A nach der Ferne hin, nach dem Hotel zu. War von nicht eben ein heller Ausschrei herüb er geklungen?
Aber dann hörte sie weiter auf Bessows Worte: _
„— vergönnt gewesen, Ihnen nahe zu sein. Auf Reisen lernt man sich ja schneller kennen als sonst im Leben, und so glaube ich denn wohl, Fräulein Rhyngaert, wir haben in dieser Zeit Gelegenheit gehabt —"
Abermals trat eine Störung ein. Durch die Bäume auf einem kleinen Seitenweg vom Hotel her, der die Straße zum Dorf hinunter abschuitt, kamen plötzlich eiligen Schritts zwei Damen gegangen, auch Hotelinsassen.
„Im Ort wird man doch gewiß Näheres darüber erfahren! Es ist ja zu schrecklich!"
„Ja, so eiu blutjunger Mensch — und die Stütze seiner alten Mutter, Ivie der eine Führer sagte."
„Furchtbar! Und von der Ortlerspitze ist er abgestürzt?"
„Ja! Und am Morgen ist er erst noch frisch und gesund mit einer Dame oben gewesen."
Eilig waren die Damen vorübergehastet. Gottliebe blieb stehen. Es war ihr plötzlich, als hätte ihr eine eiskalte Hand ans Herz gepackt.
„Hörten Sie eben, was die beiden sprachen?"
Verwundert sah Bessow ihre ihn angstvoll anstarrenden Blicke.
„Ich habe nicht hingehört," erwiderte er; er war ja zu sehr mit sich selbst beschäftigt gewesen. „Aber was ist denn?"
„Irgend ein Unglück muß passiert sein — am Ortler" — sie wagte es nickt auszusprechen, was sie weiter dachte. „Kommen Sie — zum Hotel!" Und schon begann sie mit fliegenden Schritten den Pfad zurückzueilen, den die Damen eben hergekommen waren.
Ter' Regierungsrat war wütend. Dieser lächerliche, plumpe Zufall! Gerade jetzt!. Und daß sie, die doch schott hätte merken müssen, worauf er abzielte, einfach wegliefl Es war doch eigentlich stark — sehr stark.
Aber dennoch folgte er ihr.
Gottliebe trat auf den freien Platz vorm Hotel. In Gruppen standen dort die Leute zusammen, Bergführer, von Fremden umringt, alle mit ernsten, aufgeregten Gesichtern. Klopfenden Herzens trat sie der nächsten Gruppe zu.
„Ich denke, der Ortler ist gar nicht gefährlich," horte sie gerade einen Herrn zu dem Führer sagen. „Wie konnte, er denn da nur verunglücken?"
Der Führer zuckte die Achseln. „Wann einer halt Unglück haben soll! Er ist vielleicht beim Suchen zu weit an den Abhang vorgetreten und hat beim Bücken das Gleichgewicht verlören." , c m
Jetzt stand Gottliebe dicht bei den Sprechenden. „Wer ist abgestürzt?" Ihre Augen hingen in furchtbarer Spannung an den Lippen des Führers, ihr Herz stockte in diesem Moment.
Ter Mann drehte sich zu ihr hin:


