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Die Flsmmenzrichen rauchen.
Roman aus dem Jahre 1813
Von Max Karl Böttcher-Chemnitz.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Gibt es Menschen, die die Armut fröhlich macht? — Hier lief einer durch den Park von Heidehorst, und er lachte, froh seiner Armut, und er schalt sich einen Vermessenen, daß er nur einen Augenblick seine Augen zu den Sternen erhoben hatte.
Wintzer trat ins Schloß. Der alte Freiherr von Altenlohe lag auf seinem Ruhebett auf der Schloßterrasse, in warme Decken gehüllt. Der Lehrer begrüßte ihn und reichte ihm wortlos das Blatt, den Aufruf des Königs. Ohne sich zu unterbrechen, las der Freiherr, ließ dann die Hand mit dem Matte auf die Decke sinken und sagte schmerzlich: „Nun geht's los, und ich kann nicht mit. O, daß ich zehn Jahre jünger wäre!"
„/Sie haben zwei, gnädiger Herr, die für Sie die Klingen mit schwingen werden!"
„Meinen Sie? Na, wir wollen sehen. Rufen Sie, bitte, Werner!"
Paul Wintzer durchschritt zwei lange Korridore und trat dann in ein riesengroßes, hohes Gemach, Werners 'Zimmer. Man Tonnte meinen, ein Forstmann hätte es inne gehabt. An den Wänden Geweih an Geweih und andere Ja'gdtrophäen, in großen Schränken alle Arten von Gewehren und Waffen, und auf der Diele riesige Felle selbsterlegten Hochwilds. Nur an einem Fenster stand eine Bank, grob gezimmert, darauf allerhand Werkzeug, Schraubstock und Wetzsteine. Davor stand der Junker von Altenlohr. Seine geschwungene Nase verriet den Altenlohe sofort, sein blondes Haar dankte er wohl dem germanischen Vater, die großen, dunkeln, sinnenden Augen wohl seiner gallischen Mutter.
Bei Wintzers Eintritt stand er am Werkzeugtisch, trat mit dem Fuße einen Hebel, der schnurrend einen großen, runden Schleifstein in Bewegung setzte. Er wandte sich nur kürz zu Wintzer und bot ihm den Gruß. „Einen Augenblick, Paul. Sieh nur, wie der Stahl sich bäumt und wie der Stein ihn zwingt. Er weint Funken, feurige Tränen. Nur seiner Schärfe willen sprüht er Tränen, und mit seiner Schärfe wird er wieder Tränen schlagen!" Er drückte mit junger, fester Faust einen alten Säbel bester Klinge auf den schwirrenden Stein. Scharte um Scharte schwand dahin, und als die Waffe mit scharfer Schneide vom Stein sprang, hielt er sie dem Freunde hin: „Fertig! Wenn der auf einen Schädel niedersaust, gibt's Gäste in Himmel und Hölle!"
„So kampfeslüstern, Werner?"
f,Schon längst! Ach«, wenn es doch los ginge! Was zaudern die Großen !— — Wir alle harren des Rufes und —"
.„Und hier ist der Ruf!" Er hielt dem Junker des Königs Aufruf hin, den Werner ihm fast au§ der Hand riß und mit fliegenden Augen überlas, währenddessen Wintzer eine Base suchte und dm Strjauß der Baroneß Gisela, dem er die Veilchen entnommen hatte, hineinsteckte. Als der Junker zu Ende gelesen hatte, warf er Säbel und Zettel hin, umfaßte den Freund und schüttelte und rüttelte ihn Und rief in einem fort: „Sie sind aufgewacht, die Zagen sind aufgewacht! Nun gnade Dir Gott, Bonaparte! Du.hast vor sieben Jahren Schäflein gefunden und wirst jetzt reißenden Wölfen gegenüberstehen! Fort, fort, Paul, zum Vater. Seinen Segen will ich holen und einen Kuß von Gisela! Den Säbel um und fort, fort! Der erste muß ich sein im Dorfe! Meinen ganzen Mut will ich über sie ausschütten, über die Heidehorster, und fortreißen will ich sie zum heiligen Kreuzzug, denn es wiro ein Kreuzzug, ein heiliger Krieg!"
„Willst du zu den Lützowern?"
„Wozu das? Mit dir und mit allen andern aus dem Dorse ziehe ich. Ich will nichts mehr und nichts' Besseres' sein, als Ihr alle. Nicht darauf, wo einer kämpft, kommt es an, sondern daß er kämpft und wie er kämpft. Nur zuschlagen will ich. Die heilige Begeisterung und der große Haß machten uns alle gleich. Aber hinaus muß xr, der Korse, hinaus aus dem Lande und mit ihm der letzte seiner Mannen!"
Des Junkers Antlitz glühte vor Begeisterung, und als er mit Wintzer auf den Altan zum Vater trat, neigte er sich nieder, küßte dem Vater die Hand und sagte dann mit fröhlichem Munde: „Nun ist's so weil, Vater. Morgen ziehe ich aus und gegen den Feind. Meinen Säbel und deinen Segen, das beides will ich mitnehmen, sonst nichts, aber wenn ich Wiederkehre, will ich mit vollen Händen kommen: Sieg, Vater! Sieg will ich mitbringen und ein Vaterland, frei vom welschen Tyrannen, einig und stark. Dann gebe ich dir den Degen zurück und will als Dank nur ein Wort von dir: du hast wacker gcMmpft, mein Junge!"
Der alte Freiherr zog gerührt Werner an seine Seite, küßte ihn auf die Stirn und sagte: „Gehe mit Gott, mein Sohn! Alles Gute möge auf Dich herabiommen, und wenn der Krieg dich raubt für immer, dann, mein Junge, dann sehen wir uns ja bald wieder, droben in jenen Gefilden, wo aller Hader schweigt, und nun will ich einen Boten sende,l zu deinem Bruder Linthardi nach Prag, ihm deinen Entschluß mitzuteilen. Er wird sicher das Gleiche tun toie Du, wenn er's nicht schon getan hat!" Dann raffte er sich mit Mühe empor, stützte sich auf seinen Diener und befahl: „Ruft mir Gisela!"
Das Mädchen stand schon hinter der Tür und trat nun zum Vater. Der schob' sich mühsam vom Ruhebett Und stand nun vor seinen Kindern. Und mit harter, kalter Stimme


