Ausgabe 
2.4.1913
 
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von Mo-

Asnutq schlinqt er die Arme nm seine Mutter und drückt sie liebevoll an seine breite Must! so kindlich, so herzlich, wie er nicht getan seit mehr als zwanzig Jahren. _

Da legt sieh ein glückliches Lächeln aus Frau vo.. reths verhärmtes Gesicht.

Glaubst du mtii an deine Mutter, Hanv-Wilhelrn?

Bei Gott, ich will es dir beweisen! Besprich nut Eva schonend, was geschehen soll, blind will ich Eurer Fuhh

rmtq folgen!" v , ...

tiefet gehst auch du dem neuen Leben zu, du lvirst genesen, fest weiß ich es jetzt. Durch Frauenliebe nurd's geschehen!" r ,

Andächtig küßt der Sohn der Mutter schmale Hande.

*

Eva wie ihr Vater hatten Konzessionen machen müssen. Eine Aussöhnung kam zwar zustande, aber innerlich blieb es beim alten. Der Graf und Haus-Wilhelm verkehrten rntt- einander so wenig wie möglich allerdings ; er nannte Relen- dorfs nunPapa", nicht mehrOnkel", das war aber auch alles. c

Sie trugen beide nicht allzu schwer daran. Eva wurde kräftiger, stundenweise durfte sie schon das Bett verlas­sen. Hans-Wilhelm aber rief die Arbeit, denn die Frühjahrs­bestellung stand vor der Tür.

Während der bösen Wochen hatte Drewel in altbe­währter Pflichttreue das Gut verwaltet, die Geräte für die neue Kampagne instand bringen lassen und hie und da an Haus und Hof ausgebessert.

Der Graf war viel zu den Sitzungen des Herrenhauses in Berlin, er hatte beim Etat des Ministerpräsidenten eine sstede gehalten, die gewaltiges Aufsehen erregte. Er for­derte in scharfen Worten, die Behörden sollten strenger gegen Verletzung der Autorität vorgehen, denn auf ihr beruhe in allererster Linie die Macht des Staates.

Das war ja vielen aus der Seele gesprochen, aber von dem kühlen Relendorfs hatte kaum einer einen so energischen Vorstoß erwartet; int Herrenhause pflegt, mit Ausnahme von ganzgroßen Tagen" der Redestrom ruhig zu plätschern.

Im Kreise aber, obgleich man auch hier, in dem kon­servativen Pommern, sich offen zu des Grafen Anschauungen bekannte, verzog sich mancher Mund zu einem spöttischen Lächeln.

Ob er wohl die Rede dem guten Hans-Wilh!elm im! Kon- zept vorgelesen hat?" meinte Jochen Düsedau.

Und int reservierten Zimmer des Schwarzen Adlers antwortete man dem unverbesserlichen Junggesellen:

Er markiert jetzt den Partriarchen, er will uns allen einen moralischen Rippenstoß versetzen, vor allem seiner Tochter!"

Die lächelte, als sie die Rede las.

>,Hans-Wilhelm, schreiben wir es uns hinter die Ohren!" Gewiß/' entgegnete er ruhig, wir wollen das gerne jun, wenn Vater einen dauernden Frieden mit uns macht. Vorläufig ist's doch weiter nichts wie ein Waffenstillstand."

Der läuft dem Frieden immer voraus," antwortete Eva mit zufriedenem Lächeln.

Frau voit Moreth dachte im stillen:

Wenn sich beide Parteien nicht stark genug fühlen, um den Krieg fortzusetzen!"

Sie wenigstens war fest entschlossen, auf ihrer Po­sition auszuhalten und Evas glaubte sie sich sicher zu fein. Wenn nur Haus-Wilhelm nicht plötzlich einmal in einer leichtsinnigen Stunde den Pakt brach.

*

Graf Relendorfs kam sofort nach seiner Rückkehr aus Berlin auf Moreth.

i3d) habe mit Professor von Bergmann gesprochen, der ja auch im Herrenhause sitzt. Es wird gut sein, du begibst dich auf vier bis sechs Wochen in ein Bad."

Eva lehnte es entschieden ab.

Du irrst, du kennst Frauenliebe nicht!"

Nirgends kann ich mich besser erholen, als hier bei Hans-Wilhelm und Mutter."

Fratt von Moreth dankte ihr im stillen diese Antwort. Bevor man einer Kranken mit solchen Dingen kam, sprach Man doch mit den Angehörigen darüber. Sie fühlte sich tief verldtzi durch dieses Beiseiteschieben. Auch Hans-Wil­

helm konnte sich einer unangeneynten Empfindung nicht erwehren, um des lieben Friedens willen schwieg er aber-

t,Reden Sie ihr, bitte, gut zu, gnädige Frau," bat nun der Graf.

Aber sie erwiderte frostig:

Dazu habe ich keine Veranlassung. Evas Gesundheit macht ja erfreuliche Fortschritte."

Da trumpfte auch Hans-Wilhelm auf.'

Das meine ich auch!"

Da empfahl sich der Graf viel schneller, als er ursprüng­lich gewollt.

Kaum hatte sich hinter ihm die Tür geschlossen, so schlang Eva die Arme um ihren Mann.

Nicht wahr, Hans-Wilhelm, du behältst mich gern hier?'< Aber mein Herzblatt, wie kannst du nur so fragen!" Frau von Moreth saß in ihrem bequemen Stuhl und nickte dazu. Sie war sehr befriedigt, weil sie ihre Schwieger­tochter richtig eingeschätzt hatte.

Und Eva blühte auf unter der Frühlingssonne. Die Nachbarn kamen und schüttelten die Köpfe.

Daß Sie sich aber so schnell erholt haben, gnädige Frau!"

Da schwieg- sie und sah nur Hans-Wilhelm glücklich an.

Der ging mit aller Pflichttreue seiner Arbeit nach. .

(Fortsetzung folgt.)

Alt-Laubach und seine Bewohner.

Bon Pfarrer Nebel zu Laubach.

(Fortsetzung.)

Auch Zauberei und Hexenglaube spielte eine große Nolle. Es gab viele Leute, die einGesan" machen tonnten, oder die etwas wissen" oderkönnen". Zu einem schwächlichen Kind rief man eine solche Fran. Sie konstatierte, daß das Kind das Abnehmen" habe, und dagegen half das Messen. An drei Abenden hintereinander kam die Fran, ohne ein Wort zu sprechen, nahm einen selbstgesponnenen Faden und maß damit das au die Tür gestellte oder auf die Erde gelegte Kind dreimal unter gwisper­ten Beschwörungsworten in die Länge und in die Breite. Nach dem drittenmal wurde am dritten Tag der Faden zusammcn- gewickelt, das Kind Mußte hindurchspucken, darauf wurde der Faden verbrannt. Derselbe Mann, an dem als schwächliches Kind diese Prozedur, wie er mir selbst beschrieb, vorgeuonrmeu wurde, erzählt mir auch, daß er sich als 17jähriger junger Mensch habe berede, lassen, gegen den Rotlauf am Fuß eine Frau,rufen zu lassen die etwas konnte. Sie strich über den Fuß und blies ihn an wobei sie etwas unverständliches murmelte. Tas tat sie nn drs Tagen, dann war der Fuß gut. Noch heute gibt es Leute, dii allerlei können. Sehr gewöhnlich waren auchGesnne"-Segen bei Blutungen. Wenn sich auf dem Feld beim Fruchtschneiden jemand mit der Sichel geschnitten hatte, nahm man einen Stein und sprach:Fleisch und Bein, du sollst schwüren wie dieser Stein, im Namen des Vaters usw." Ties spr ch mau dreimal, beim drittenmal warf man den Stein weg, worauf das Blut stillstand, Ein anderesGesan" gegen das Blut lautete:Heilsam sej diese Wunde, heilsam sei diese Stunde, heilsam sei der Tag, da Jesus Christus geboren war." Dabei wurden die WundrändeL zusammengedrückt, und dies mit jedesmal zugefügtemim Namen des Vaters usw." dreimal gesprochen.

Wenn etwa die Schweine nicht fraßen, wurde der blinde MerK aus dem Armenhaus geholt, der feinGefan" machte.

Um: neugekaufte Hühner oder Tauben zu gewöhnen, sprach Man, ehe man sie das erstemal herausließ, dreimal zu ihnent Hier schick ich euch auf Jesu Garten, nnf euch heute abend wieder zu erwarten. Im Namen usw." Oder das neue Huhn ward dreimal unter die Bettdecke gesteckt und dreimal in den Spiegel! gucken lassen und dabei gesagt:Drück dich wider die Wand, so wirst du in Haus Und Hof bekannt. Im,Namen usw." Wenn dieses Gesan auch vou einer aus Gonterskirchen hierher verheirateten Frau stammt, so dürfen wir doch annehmen, daß es auch in £aug bach heimisch war. Oder das Tier ward dreimal von einer Hand zur anderen um ein Stuhlbein gedreht, und dabei gesagt:Dreh dich um und kehr wieder um, flieg aus und kehr wieder nach Haus. (Lückenhaft.) Im Namen usw." Wenn eine .Kuh sich verfangen hatte (aufgebläht war), half folgendesGesan":Rott Schwarze, weiße, je nachdem) Kuh hast dich verfangen, wie unser eiland am Kreuze gehangen; ihm schadete das Hangen nicht,- dir schade das Verfangen nicht. Im Namen usw." Auch drem mal gesagt.

Wenn ein Kalb oder Ferkel zur Welt kamen, durfte man nichts davon sagen, sonstkönne fe Am was antun". Auch darf inan während der ersten drei Tage nichts aus dem Haus verleihen.

Um1 ein Rind anzulernen, sagte man dreimal:Du sollst gehen unter diesem Joch wie die heilige Frau noch. Im Namen usw.