Mittwoch, den 2. April
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Frauenliebe.
Roman von Horst Bodemer« (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) 14. Kapitel.
Der Graf kommt nicht mehr nach Mo reih und! die Nachrichten, die ihm zuteil werden, sind oft wenig befriedigend. i
Das reibt seine Nerven auf.
Hätte Frau von Moreth nur ein wenig Entgegeukom- Men gezeigt, ihn auch- 'nur mit kurzen Worten ausgefordert: „Sprechen Sie einmal selbst bei uns vor!" — er wäre sofort dazu bereit gewesen. Aber dieser kalte Ton, den sie Nnschlug, wo es sich um Löben und Sterben seines einzigen Kindes handelte, ließ es ihm nicht angeraten erscheinen, nach Moreth zu fahren. Gewiß, man würde ihn Nicht Hindern, Eva zu sehen, falls der Arzt keine Einwände Urachte, aber die Lust, die drüben wehte, Ivar ihm zrr eisig. Er war gewohnt, mit Respekt ausgenommen zu werden, die ihm das meiste! verdankten, in deren Händen sich seine Eva befand, blieben steif und kühl! Oft war er entschlossen, den Arzt zrr sich zu bitten ,aber inr letzten Augenblick ver- ivarf er den Gedanken doch immer wieder. Was er wissen wollte, wurde ihm gesagt, warum sollte er sich also eine Blöße vor dem fremden Manne geben? Ob er eine Autorität kommen lassen sollte? Das war ein Ausweg. Professor von Leyden aus Berlin vielleicht, den er persönlich kannte? Die Tür konnten dem Moreths nicht weisen und der berühmte Arzt wäre sicher gern bereit gewesen, dem besorgten Vater nach der Untersuchung Rede und Antwort zu stehen. Wer er, der sonst kühl überlegte, Vorteil und Nachteil kühl.äbwog und dann mit aller Entschlossenheit verfolgte, was er für richtig hielt, wurde schwankend.
Da fühlte Graf Relendorff, daß er sich dem Greisen- alter näherte. Er verschob die Absendung des Telegramms von Tag zu Tag — und Gott fei Dank besserte sich Evas Anstand. ’.
Eines Morgens wurde ihm die Nachricht huteil: „Lebensgefahr ist nicht mehr Vorhänden."
Befreit atmete er auf.
Auf dem Lande spricht sich alles schnell herum, oft Wird dabei aus einer Mücke ein Elefant gemacht. Es kursierten die wahnsinnigsten Gerüchte über den Grafen und Hans-Wilhelm. Und um zu zeigen, wie man an dem geprüften Ehemann und seiner Frau hing, forderte inan von allen Seiten täglich Nachrichten ein.
Moreths bekamen viele Briefe, die ihnen Wohl taten und als Eva das erste Mal wieder klar denken konnte, er- K"' [te man es ihr. Man wollte ihre ersten lichten Momente t mit schlimmer Kunde vom Vater trüben, womöglich trat sonst ein Rückfall ein.
Aber dies Bemühen war vergeblich.
l.Jst Papa nicht da?" unterbrach sie Hans-Wilhelm und bte Mutter.
„Jetzt nicht. Aber du wirst ihn bald sehen."
Prüfend ruhte ihr Gesicht auf ihrem Mann.
„Du siehst elend aus."
„Er ist die ganze Zeit nicht von deinem Bett gewichen," sagte Frau von Moreth.
Da verklärte ein Lächeln ihr blasses Gesicht.
„Küsse mich Häns-Wilhelm! Die Arme kann ich freilich nicht heben, so schwach bin ich."
Und unter einem Kusse schlummerte sie wieder ein — weiterer Genesung entgegen.
.„Jetzt müssen wir ihren Vater bitten, zu uns zu kommen," sagte er zu seiner Mutter.
Die hagere Frau von Moreth ist in dieser Zeit noch schlanker geworden.
„Mein lieber Junge — ich rate ab."
Erstaunt sieht er die Mutter an.
„Aber Mama, es könnte Evas Tod sein!"
Ein versonnenes Lächeln liegt um ihren Mund.
!„Niuim mir's nicht übel, ich versteh'dich nicht!"
>„Eva hat bis heute treu an deiner Seite gestanden — auch als du dich wieder verleiten ließest zu spielen."
Beschämt senkt er den Blick.
„Ich sage das nicht, um dich an eine schwache Stunde zu erinnern, denn deine Verfehlungen hast du jetzt mit deinem Weibe, nicht mehr mit mir ins JRetrte zu bringen, sondern um dich folgerichtig zu überzeugen, was Frauenliebe vermag. — Denkst du wirklich, Eva würde die Wahrheit nicht vertragen können?"
^Wenigstens habe ich Angst, ein Rückfall könnte kommen."
„Sei unbesorgt, sie hat schon Schwereres um Deinetwillen auf sich genommen mit ruhigem, festem Willen, sie trägt auch dieses noch."
„Aber wozu die Aufregungen, Mama?"
Du bist doch noch recht töricht, lieber Hans-Wilhelm! Entweder sie bringt jetzt eine Aussöhnung zwischen Euch zustande — und das glaube ich — oder sie steht doppelt stark an deiner Seite. — Das Leben bringt uns oft gar harte Kämpfe."
Er ist nicht überzeugt; mit großen Schritten geht er schweigend inr Zimmer auf nnb ab. Ruhig blickt ihm die Mütter nach, sobald er ihr den Rücken zudreht. Endlich bleibt er vor ihr stehen. .
„Das Experiment scheint mir zu gewagt."
„Du Kleingläubiger!"
„Du hast gut reden!"
Da steht sie auf und ergreift seine Hände. i
„Hans-Wilhelm, du wirst mir z rgeben müssen, ich bin eine schwer geprüfte Frau!"


