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schaffe». Je nachdem, ob ein reiches oder armes Zapfenjahr ist, gibt es viele oder wenige Burundnks. In manchen Jahren, so 1910, treten sie massenhaft auf, während sie in anderen, wie z B. 1911, sehr selten Vorkommen. Nur ihrer großen Fruchtbarkeit haben diese niedlichen Tierchen die Erhaltung ihrer Art zu verdanken; Haben sie doch außerordentlich viele Feinde; denn nicht nur Kala- nokmarder, Zobel und Edelmarder, «Eulen und, Habichte stellen ihnen beständig nach, sondern auch der Bär, der sie int Spätherbst und Frühjahr aus ihren Bauen hervorgräbt und sie mit;amt ihren Nüssevorräten verzehrt. Neuerdings gehört auch leider der Mensch zu den Feinden des Burunduk, denn die Pelzhändler zahlen 4 bis 5 Kopeken für den -einzelnen Balg. c ,

Auch der Jerf oder Vielfraß, stellt dem Burunduk nach. Der Jerf ist «eins der interessantesten Wildtiere der nordischen Waldz-one. Er ist fast über den ganzen hohen europäischen Norden, über ganz Mittel- und Nordsibirien und den Norden Amerikas verbreitet und variiert in Größe und Färbung be­deutend. Man stelle sich, einen kleinen Bären mit buschiger Rute vor, dann wird man sich ungefähr ein richtiges Bild dieses ge­fräßigen und gewandten Räubers machen. Durchschnittlich wird ein ausgewachsener Jerf 40 bis 50 Pfund wiegen, doch kommen auch bedeutend stärkere Exemplare vor. Die Hauptnahrung des Vielfraßes besteht in Ratten, Mäusen, Amphibien und Rep­tilien, doch stellt er auch mit großem Geschick den Auer- und Birkhühnern nach und wird besonders brütenden Hennen und ihren Gelegen sowie jungen Hühnern gefährlich^ Auch gelingt I es dem Vielfraß häufig, Holzhasen zu erbeuten, ;a er wagt sich I sogar an Remitiere heran, verschont auch Elchkälber und schwache I vder kranke erwachsene Elche nicht. Nur wenige Hunde wagen es, 'mit dem Jerf anzubinden, denn sein Gebiß, und» seine Krallen sind furchtbare Waffen. Es sind sogar Fälle bekannt, daß sehr in die Enge getriebene Jerfe dem Jäger gefährlich wurden. "X et Jerf wird im allgemeinen nur gelegentlich erbeutet oder in Eisen gefangen. Nach Aussage der Eingeborenen gibt es wohl kein Raubtier, «das so täppisch in die Eisen gerät wie der Vielfraß, -nur vielleicht den entschieden sehr dummen Luchs' ausgenommen.

Der Vielfraß wäre längst ausgerottet, wenn er nicht ein rem nächtliches und sehr scheues Tier tväre und nicht so unstet um­herwandern würde. Ein Vielfraß-, der heute in irgend emem Waldteile auf Schneehasen jagte, kann morgen 40 oder 50 Kilo­meter weiter die Nester der Birkhühner plündern. Er, bevor­zugt das Gebirge als Aufenthaltsort, da ihm dort Klüste und Höhlen willkommenen Unterschlupf bieten, lebt aber auch m reich­licher Menge in den Heiden und Tannenwaldungen des Flach­landes. Hier schläft let den Tag über in undurchdringlichen Dickungen, «um dann zur Nachtzeit feine Raubzüge zu unternehmen.

«Egon Frhr. v. Kap-herr.

Die Ahnen des rrinematographen.

Unter den Millionen, die heute einen Teil ihres Bildungs- und Unterhaltungsbedürfnisses mit Hilfe desKientopps" be­streiten, dürste manch einer nicht wissen, mit welch einer alten Erfindung wir es dabei im Grunde zu tun haben sofern nämlich das WortErfindung" überhaupt am Platze ist gegen­über einer Sache, die sich so langsam und schritttveise entwickelt hat, wie diese. Denn der Stammbaum unseres Kinematographen reicht «zurück bis in graue Vorzeiten; schon Dädalus in Kreta soll der Sage nach einen Apparat konstruiert haben, der eine Reihe von -Bildern zu einem -einzigen, in Bewegung befindlichen einte, und Lucretius meint in -Buch 4, Vers 772 seiner Schriften, daß die durch ihn erzielte optische Täuschung vermöge des Thauma- tvopen erzeugt worden sei, der darauf beruht, daß ausreichend starke Lichtempfindungen noch eine Weile fortdauern, nachdem die Lichtquelle bereits erloschen ist. Allgemein hat man sich unter einem ThauMatrvpen eine kreisförmige Scheibe zu denken, die derart in Schwingungen versetzt wird, daß man blitzschnell bald die eine, bald die andere Seite zu sehen bekommt; ist nun z. B. hier ein Mensch in hockender Stellung und dort ein Pferd abge­bildet, so erblickt man einen Reiter; in gleicher Weise ver­schmelzen auch zwei Grundfarben zu einer Mischfarbe oder ein horizontaler und ein vertikaler Strich zu einem Kreuz. Ein der­artiger Apparat, und zwar unter dem vorerwähnten Namen, wurde 1827 in Paris gezeigt; bei diesem geschah die Drehung mittels zweier Fäden, von denen einer in der Verlängerung eines Durchmessers der Scheibe lag, um so die Bewegung zu beschleunigen. Uebrigens darf' es als -ziemlich verbürgt gelten, daß schon in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts ein italienischer Mechani­ker, Brusio, einen -ähnlichen Apparat ersann, um durch ihn Ludwig XIII. während eines Anfalls von Trübsinn zu zer­streuen; er nannte ihn Miracle des cochons, weil er dar­aus lauter kostümierte Schweine in drolligen Stellungen veran­schaulichte. 1832 wurde daun von Stampfer der Stroboskop er­funden, ebenfalls eine kreisförmige Scheibe, auf der mehrere «Figuren in nach und nach angenommenen Stellungen gezeichnet waren. Zwischen ihnen befanden sich Oeffnungen, durch die man während des Drehens der Scheibe in einem gegenüber stehen­den Spiegel die dargestellte Figur in Bewegung sah. Fast in

die gleiche Zeit füllt die Erfindung des Phänakistoskops grie­chisch Däuschungsappamts oder Phantoskops durch Platcaih der sich wohl nur wenig vom Stroboskop unterschied. Als be­deutend vervollkommnet erwies sich dagegen der Anfchützsche Tachyskop oder Schnellseher, der lange Reihen photographischer Aufnähmen eines Gegenstandes in der Bewegung, bei der inter­mittierenden Beleuchtung eines durch eine Geißlersche Röhre schlagenden Jnduktionssunkens zeigt. Die letzten beiden dec langen Ahnenreihe, in der man jedoch, wenn der Raum es ge­stattete, noch manche Lücke ansfülleu könnte, sind nun der Edison- sche Kiuetoskop und der Lumisresche Kinem-atograph, v«on denen der letztere jedoch den Vorzug besitzt, daß man die Bilder einem großen Publikum gleichzeitig vorführen kann, während bei dem! letzteren «sie nur eine Person sieht, wenn sie durch die Schauspalts der Kamera blickt. Uebrigens hat Edison seinen Kinetoskvpen auch mit einem« Phonographen kombiniert.

Vermischter.

Er hat sich allen vorgestellt.. Unter diese, Ueberschrift erzählt jemand Mit guter Laune in derKöln, Ztg." folgendes Vorkommnis aus dem Alltagsleben: Die Höf­lichkeit ist eine Tugend; und es hat auch einen gewissen Rei»- diejenigen, mit denen man in gesellschaftlichen oder geschäftliche» Verkehr tritt, kennen zu lernen. Zuweilen kann man.aber Meran irre werden, wenn man Zeuge einer Vorstellung in einem öffent­lichen Lokal wird. So beobachtete ich kürzlich in einer voll­besetzten Wirtschaft in der Nähe des Domes, wie ein Fremdling unter dem Bestand seines einzigen Bekannten eine lange Tuche- reihe auf und ab «zog und unter Gemurmel den Akt der Vorstellung ausübte. Daß dabei einige Gläser sieleii, ein Hund auf die Pfoten getreten wurde, auch die Umfassen eines bescheidenen Nachbartischchens ausstchen mußten, um den Vorstellungsgast du.rch- zulassen, sei nur nebenher erwähnt. Auch will ich als höchst nebensächlich vermerken, daß ein mit der Vorstellung Beglückter noch geraume Zeit unter dem Tisch Tauchübimgen nach seinem in Verlust geratenen Kneifer abhielt. Schließlich trat, nachdem noch durch einen eingeschobencn Stuhl für den Fremdling die Tischordnung, soweit noch möglich, in Unordnung gebracht war, allmählich wieder Ruhe ein. Ob nun wirklich der,Zweck der Uebung.erreicht und allen bewußt geworden war, daß nunmehr Herr Schmitz aus Nippes der Tafelrunde als 31. eingereiht war, entzog sich meiner Beobachtung; doch konnte ich die mit erheblichen Zweifeln vermischte Betrachtung nicht unterdrücken: mußte denn das sein? Hätte es nicht genügt, wenn Herr Schmitz sich neben seinen Freund gesetzt und durch dessen Vermittlung seine nächsten Nachbarn kennen gelernt hätte? Dabei kam mir die Verordnung eines ehemaligen deutschen Landesfürsten in die Erinnerung, der sich Luch der privaten Lebensführung seiner Landeskinder oft annahin Nnd sich überderlei praesentationcs" eine sehr respektable landesväterliche Ansicht gebildet und diese im Verordnungswege kundgegeben hatte. Der Chronist meldet sie in folgender Fassung:Nachdem «uns häufige querelae zugegan­gen war, daß Unsere Cavaliere, Offiziere und Bcambte bet den Zusammenkünften ohn' sonderlich Ursach sich und Andere namentlich präsentieren, insonderheit auch schon daun, wenn sie in der räum­lichen caupona zusammengesessen sind, als wodurch viel rumor geschiehet und die convcrsationes turbieret werden, während ein effectus von solchen präfentationibus nicht verursacht wird, sin- temeutal die Nomina nicht einmal zum Verständnis deren, wel­chen präsentiert wird, promulgieret werden, so befehlen Wir Euch hiermit, daß Ihr Euch von solchen präsentationibus stracklich ab- stinieret und soll, wer gleichwohl sothane präsentationes an sich und andere vornimmt, die caupona auf 'Jahresfrist interdicieret werden, und sollen die, so gleichwohl contravenieren, ohn' An­sehen der Person nachdrücklicher Straff verfallen sein. Sind Euch übrigens gnädig gewogen. Datum, den 5. Hornung 1659. Wilhelm".

* Macht der Gewohnheit. Das Kaffeekränzchen unter­hält sich über die Hochzeit, die heute früh stattgefunden hat. Und denkt Euch", berichtet die am besten unterrichtete Dame, gerade als Frank und die Wittve die Treppe zum Altar hinauf- geheu wollten, ging das Licht aus." 'Allgemeine Ohs und Ahs der Ueberraschung.Nun, und was taten die beiden?" fragt schließlich eine gierig.Na, sie gingen halt weiter. Sie kannte doch den Weg."

» versteSrätsel.

Aus jedem der folgenden Wörier sind der Reihe nach drei zusammeubäugeude Buchstaben zu entnehmen, so daß sich daraus ein Sprichwort ergibt.

Schmorbraten, Langensalza, Festung, Landbau?, Catgut, Apolda, Schimmel, Bundesstaat.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Neujabrs-Bilderrätiels in voriger Nummer: Freude, Glück und Segen bring das neue Jabr.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lauge, Gieße».