Ausgabe 
1.12.1913
 
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Montao, den Dezember

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Ksurrnblut.

Boman Von Gerhart b. Anryntor (Dagobert b. Gerhardt).

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Peteru traf das Wort lute ein Peitschenhieb; er krümmte sich bei der unbewußten Anspielung des anderen schmerzhaft zusammen; den Ellbogen auf den Tisch gestützt und die heiße Stirn gegen die bebende Hand pressend, so saß er da und verharrte in längerem brütenden Schweigen. Endlich raffte er sich auf und zwang sich gilt der heiseren Entgegn nnng:Darauf ließ sich manches erwidern, aber es tut hier zu weh." Er deutete auf seinen Hals.

,,Js' auch jar nich nötig, daß Se sich Mühe jeben; mich kriegen Se doch nich herum! Uebrigens wird's Zeit für inich, in die Klappe zu sehen; Sie sollten sich auch legen!"

Ein leises Klopfen am Fensterladen machte beide anf- horchen.

Peter war heftig erschrocken. Sein böses Gewissen wit­terte stets die Schergen des Gerichts.

Machen Sie noch nicht auf!" flüsterte er dem anderen zu,fragen Sie erst, wer es ist."

Wer klopft denn?" fragte Gebauer, der aufgestanden und an das niedrige Fenster gehinkt war.

Ein guter Freund," tönte es gedämpft von draußen, Friedrich Just; ich habe Ihnen was mitzuteilen."

Gebauer kehrte sich nach dem Zimmer zurück und sah Peter verständnislos an:Kennen Sie diesen Namen? Wenn nicht, dann muß sich der Mann wohl irren."

Peter hatte überlegt: von Friedrich Just war, soweit er ihn kannte, keine Verräterei zu befürchten; doch immerhin galt es, borsichtig zu sein und erst abzuwarten, ob Just wirklich zu Gebauer wollte, oder ob er wußte, wer hiev verborgen war, und ob er für den Verborgenen eine Mit­teilung hatte. Er erhob sich, machte dem Invaliden ein Zeichen mit der Hand und schlich behutsam ins Neben-, zimmer.

Nun erst ging Gebauer mit einer angezündeten Kerze nach dem Flur und öffnete die Haustür.

Ein kleiner, rundlicher Herr, den Schlapphut in die Stirn gedrückt und ein Tonpfeifchen mit duftig glimmendem Maryland im Munde, trat gemütlich über die Schwelle.

Herr Gebauer, nicht wahr? Habe Ihren Namen von Fräulein Meerholt nennen hören. Darf ich einen Augen­blick bei Ihnen eintreten? Ich komme in nachtschlafender Zeit, aber die Sache ist wichtig und leidet keinen Aufschub."

Sie waren in die vordere Kellerstube getreten, und d^e fast geleerte Weinflasche und die beiden Gläser auf dem Tische verrieten für Inst, daß der, den er sprechen wollte, noch anwesend war.

Mein lieber Herr Gebauer", hob er diplomatisch lächelnd an,lassen Sie mich dreist einmal ins Neben-,

zimmer, ich habe dem Herrn da drinnen etwas zu sagen; es handelt sich um einen Rat, für den er mir ewig dankbar sein wird."

Gebauer zögerte, er wußte nicht recht, sollte er die An­wesenheit Peters zugeben oder verleugnen. Doch da öffnete sich schon die Tür, und Peter/ der gelauscht hatte, jstandl selbst im Rahmen Und fragte gespannt:Was bringest Sie mir, Herr Just? Bitte, treten Sie nur hier herqinch und sich zu Gebauer wendend:Lassen Sie sich nicht stören und gehen Sie ruhig zu Bett; wenn dieser Hers hier fort will, werde ich ihn sheranslassen. Schlafen Sio wohl!"

Er zog Just mit sich in das Hinterstübchen, schloß die Tür und schaute voll innerer Unruhe auf den späten Gast.

Dieser ließ sich auf einen Stuhl fallen und fragte:

Gestatten Sie? Ich bin hundemüde! Bin vor einer Stunde erst ans Potsdam zurückgekommen mit dem Staats­anwalt Teil, der im Neuen Palais eingeladen war. Nehmen Sie aber Ihre Hand aus der Brnsttasche, es ist nicht nötig, daß Sie nach einer Waffe suchen, ich bin als Ihr Freunds gekommen.

Der andere errötete und zog befangen seine HanU wieder unter dem Brustteil seines Jacketts hervor, wo er in der Tat bei der Erwähnung des Staatsanwalts nach seinem dort verborgenen Revolver getastet hatte.

Vorsicht ist zu allen Dingen nütz, Herr Just", mur-i melle er, gezwungen lächelnd,übrigens glaube ich Ihnen: Sie sind schon einmal als Freund zu mir gekommen."

Freut mich, daß Sie sich daran erinnern, um so schneller wird unser Geschäft erledigt sein." Er schaute uach der Tür und fragte:Wird per Alte nicht horchen?"

Peter schüttelte mit dem Kopfe:Er ist angetrunken und würde zu solcher Beschäftigung nicht recht fähig sein; übrigens kann man ja nachsehen." Er ging zur Tür und machte sie schnell auf.

Was gibt es denn?" lallte Gebauer, der schon in seinem Bette lag.

Nichts, nichts! Schlafen Sie nur! Will meinem Gaste nur ein Glas Wein eingießen."

Peter nahm die Flasche, in der noch ein kleiner Rest Wein vorhanden war und kehrte nach der Hinterstube zurück:Sie können sprechen, Herr Just; nur nicht zu laut, wenn ich bitten darf."

Just tat einen Zug aus seinem Pfeifchen, paffte ein Wölkchen aromatisch duftenden Rauches von sich und sagte, scheinbar ganz unbefangen:Es wird Ihnen vielleicht schon bekannt sein, daß Karl Ritter, alias Carvalho, verhaftet ist, und daß man einen Teil des in Giesdorf geraubten Geldes bei ihm gefunden hat."

Das interessiert mich ganz und gar nicht", stieß Peter gepreßt hervor.

Just gab sich den Anschein, als ob er diese. Zwischen­bemerkung gar nicht gehört hätte, und fuhr immer im selben gemütlichen Tone fort;Wenn nun Ritter oder Carvalho