Ausgabe 
1.11.1913
 
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darinn geraden vnd beholfflich sein wolle, das wir bei vnßer freiheit eynigkeit vnd Herkommen pleiben mögen. Wollen wir mit vnßern schuldigen willigen diensten vmb ewer gnade verthienen. Geben vnder der stat Mintzenberg ingesiegel samb- stags noch innocanit anno etc. XVc IX.27)

(Fortsetzung folgt.)

den obersten herrschaftlichen Beamten bei Ganerbschaften (zusam­mengesetzt aus der die Gesamtheit andeutenden Borsilbe Ge und Unerbe = Mit-Anerbe, Miterbe). Seit dem Aussterben der Falken- steiner 1418 ist Münzenberg eine Ganerbenburg bis zum heu­tigen Tage. Die Siebenherrschaft von 1418 hatte sich bis zu dem hier in Rede stehenden Jahre 1509 im Erbgang zu einer Vier­herrschaft vermindert. Unter diesen 4 Herrschaften, den Ganerben, wechselte jährlich das sog. Bau amt, das im Namen aller 4 Herrschaften die laufenden Geschäfte führte. Bauamtsverweser oder Baumeister war ein von der betreffenden Herrschaft! mit Zustimmung der 3 anderen ernannten Beamter, gewöhnlich deren Amtmann. Mer auch der Inhaber der betreffenden Herr­schaft wurde während des Jahres gelegentlichBaumeister" ge­nannt. So wird an obiger Stelle Graf Eberhard von König­stein, dem 1509 das regierende Bauamt zugefallen war, selbst buwemeyster zu Mintzenberg genannt. Als er dagegen nach 4 Jahren, 1518, wieder an der Reihe ist, das Bauamt zu führen, wird in dem unten folgenden Protokoll beS Todesurteils sein AmtmannBaumeister" genannt. Diesem stand die höchste Ge­richtsbarkeit, so besonders auch das Urteil über Leben und Tod und dessen Vollstreckung, zu. Doch hatte er dann noch 3 Bei­sitzer: den Zentgrafen (Stadtschultheiß) von Münzenberg und die beiden Schultheißen der Nachbarorte Oberhörgern und Eber­stadt. Die höchste Justiz- und Verwaltungsbehörde bildete die Versammlung von Deputierten sämtlicher Herrschaften aus dem sog. Baurechnungstag, der jährlich am Gallustage, dem 16. Oktober, stattfand. Jede der 4 Herrschaften durfte dazu beliebig viel Deputierte senden, hatte aber immer nur eins Stinime. Die Versammlung nahm zunächst die Whör und Prü­fung der Schloß?- und Staotrechnungen vor. Dann, wurden die etwaigen Eingaben der Gemeinde beraten und Beschlüsse über die verschiedensten, das Schloß und die Stadt berührenden An­gelegenheiten gefaßt, die dann als Bauamtsabschlüsse der Bürger­schaft zur Nachachtung vom Zentgrafen von Münzenbcrg bekannt gemacht wurden. Dieser hatte als herrschaftlicher Beamter den Vopsitz im Schöffengericht, das nur für geringere und un­erhebliche Zivil- und Strafsachen zuständig und dem Bauamt tmterworsen war. ,

27) 9tjm Samstag, den 3. März 1509.

Veemrs^tss«

* Peter Rosegger hat am 31. Juli dieses Jahres seinen 70. Geburtstag in stiller Zurückgezogenheit begangen, beschäftigt mit der Neuausgabe und Neueinteilung seiner Werke, die im Verlag von L. Staakmann in Leipzig als Ausgabe letzter Hand zu erscheinen begonnen hat. In einfacher, guter Ausstattung wie alle Bücher dieses Verlages sollen sämtliche Schriften desBauern­dichters", in vierzig Bänden erscheinen, von denen bis jetzt zwei herausgekommen sind. Die Schriften des Waldschulmeisters und Das Buch der Novellen (Bd. 1). Der erste Band enthältDie Schriften des Waldschulmeisters" und als Einleitung eineLebens­beschreibung des Verfassers, von ihm selbst" in der der greise Poet mit seiner liebenswürdigen, humorvollen Plauderkunst von seinem Leben und von seinem Wirken erzählt, das immer beseelt war von dem brennenden Wunsche, der leidenden Menschheit zu helfen, sie zu führen nach 'hohen Zielen, sie zu leiten in ihr eigenes Innere, um sie gut und gütig zu machen. So sagt er in dem einleitenden Lebenslauf:Ich habe mein schwaches Talent nicht vergraben, ich habe mich nicht betören lassen von jener Lehre, daß der Poet neben dem Schönheitsprinzipe keine Absicht haben solle, und auch nicht von jener, die im Dichterwerk n u r Zweck will, sei es nach dem Moralischen oder dem Materiellen hin. Ich habe die Gestalt genommen, wie sie das Leben gab, aber sie nach eigenem Ermessen beleuchtet. Ich habe die hellsten Lichtpunkt dorthin fallen lassen, wo ich glaube, daß das Schöne und Gutes steht, damit entschwindende Güter wieder ins Auge und Herz der Menschen dringen möchten. Des Niedrigen habe ich gespottet, das Verderbliche bekämpft, das Vornehme geehrt, das Heitere geliebt und das Versöhnende gesucht. Mehr kann ich nicht tun. Soll es nun heute sein oder in noch späteren Tagen, willig mag ich meinen morschen Wanderstab zur Erde legen, willig meinen Namen verhallen lassen, wie des heimkehrenden Aelplers Juchschrei verhallt im Herbstwind. Aber ich i ch selbst möchte mich an dich, du liebe, arme, unsterbliche Menschheit klammern und mit dir sein, durch der Jahrhunderte Dämmerung hin den Weg suchen helfen den Weg zu jener Glückseligkeit, die das menschliche Gemüt zu allen Zeiten geahnt und gehofft hat." Diesen hohen Zielen ist Rosegger Zeit seines Lebens treu geblieben, und weil er sich selbst getreu geblieben ist in all der

Effekthascherei Und Sensationshast unserer Zeit, darum ist et so stark und so eindrucksvoll geblieben von seinem ersten Werk? an, und darum wird diese Gesamtausgabe, deren Preis recht mäßig gehalten ist, auch in den breitesten Volkskreisen die ihre Örende Aufmerksamkeit erregen und hinleiten zu den ewigen

len allen Menschenwesens, dem Gemüt, der Seele. Der hohe Optimismus eines erlauchten Poeten hat immer die Welt besser verstanden, als die, denen in der Hetze des Alltags der Buck verloren ging und das Gefühl für das Leben in deut Menschen. Wenn alles äußerliche abgelegt ist, Reichtum, Besitz- Würde, Amt dann bleibt nur der Mensch, dann spricht Mensch' zum Menschen und die Maske, die im öffentlichen Leben von so vielen getragen wird deckt keine Fäulnis und keinen Um-, wert mehr zu. Dann bleibt nur der dauernde, der ewige Wert., lnd den hat von unseren lebenden Dichtern vielleicht kein zweiter o erkannt, als der Schneiderlehrling von Kathrein am Haucn- 'tein, Peter Rosegger.

* Z u in Schmuck der Wohnung sind ichöne Bilder neben frischen Blumen am empfehlenswertesten und auch am be­gehrtesten, aber trotz der Vollendung, die die Drucktechnik erreicht hat, sind gute Bilder zu erschwinglichen Preisen immer noch nicht allzu häufig. Nun bringt der bekannte Verlag Tromitzsch & Sohn (Frankfurt a. d. Oder) zu seinen vielen schönen Kunstdrucken Pieter de Hooch 8 wohlbekannte und viel verehrteH ollän- dische Wohnstub e", die Perle der Alten Pinakothek in München. Die noch immer wachsende Beliebtheit dieser Hooch- schen Glanzleistung hat eine Unzahl von kleinen und großen Re­produktionen hervorgerufen, von denen mau ja in der Regel sagen kann, daß sie ihren Zweck insofern erfüllen, als sie eine leidliche Vorstellung des Originals ermöglichen. Aber eine Wiedergabe, die wirklich den vollen, saftigen Reiz des außerordentlichen Werkes umschloß, fehlte bis zur Stunde. Ueberraschend sind, in wahrhaft künstlerischem Mühen, die Schwierichetten der Reproduktion über­wunden worden. Der immer ernst arbeitende Verlag hat sein Bestes geliefert, ein Meisterstück, das des Hoochschen Meisterstückes würdig ist. Nicht nur der ivundervolle Dämmerklang im hohen Gemache, nicht nur das berühmte Spiel der aufprallenden und zurückgeworfenen Sonnenstrahlen ist mit verblüffender Treue wiedergegeben, sondern auch den anderen Feinheiten der Kunst Hoochs ist volles Recht geschehen. Bon den anderen farbigen Kunstblättern, die der Verlag eben jetzt herausbringt, seien die schönen Landschaften von Corneille MaxFrühling am Starn­bergersee", ein duftiges Gedicht, dann Pattl Vorgangs ernster, von innigschlichtem Heimatgefühl durchwebterGrunewaldsee". Fritz BayerleinsAlte Brücke" und die bravouretiseSchueeschmelze" von Müller-Landeck hervorgehoben. Auch Hermann Hoffmanns sarbenüppigeTulpen" und Reynolds liebenswürdigesAlter der Unschuld" werden in der Trowitzschen Wiedergabe viele überzeugte Freunde finden. Das Original des letzteren Bildes befindet sich in der National-Gallery, London; die Originale der anderen dürften vielen von den Kunstattsstellungen in Berlin, München und Düssel­dorf her bekannt sein. Bis auf das Reynolds-Blatt, dessen Preis Mk. 12,50 ist, kostet jedes Bild Wik. 25.

Büchertisch.

Meister-Novellen neuer Erzähler. Neue­ster Band (1913). Mit Bildnissen und Einleitung von Richard W enz. In Bibliotheks-Band 2.50 Mk. Leipzig, Hesse u. Becker Verlag. Auch dieser Band der Meister-Novellen neuerer Erzäh­ler hält, was er verspricht: Alle Geschichten sind meisterhaft er­zählt. Der Kreis ist weit gezogen. Neben alteren Berühmtheiten wie Rosegger, neben Beyerlein, Holzamer und Salus kommen Autoren wie Kurt Münzer und Erich Pauls ,sit Wort, neben Helene Voigt-Diederichs treten Luise Glaß, Elisabeth Goedicke> M. Herbert. Besonderes Interesse dürfte der Beitrag von Wal­ter 831 o ent, des Verfassers der erfolgreichen Romane der letzten JahreDas eiserne Jahr" undVolk wider Volk", er­regen, zumal in der hier erstmalig in Buchform erscheinenden! ErzählungS o l d a t e n b l u t" ein ganz ähnliches Thema ßca handelt wird.

Arithmogriph.

1 2 2 5 niederländischer Bildhauer.

2 112 landwirtschaftliches Gerät.

3 14 5 ein Tier.

4 2 3 5 Werkzeug.

2 5 4 2 deutscher Strom.

5 3 4 2 5 5 2 ein Insekt.

1 2 3 4 2 5 lyrischer Dichter.

Auflösung in nächster Nummer.

Auslösung des Rösselsprungs in voriger Nummer: Wenn, was Gott dir zur Freude beschert, Deine Torheit in Leid verkehrt, Wird er dich künftig der Miih' entheben Und das Leid dir schon fertig geben. E. Geibel.

Nedaktioit: K. Neuratb. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchen Universitäts-Buch» und Steindruckerei. N. Lange, Gieße»,