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von der absoluten Güte und Frische eines jeden einzelnen Exemplares überzeugen. Ein echter Herbstpilz ist auch der kleine Mousseron, der einen schwachen zwiebelähnlichen Geruch hat und vorzüglich als Zutat zu Hammelfleisch paßt. Steinpilze bringt der September oft noch in reichen Mengen; es finden sich auch kleine Vorräte schwarzer niederdeutscher Trüffeln ein. Diese sollen zwar das Aroma der echten französischen Perigord-Trüfeln nicht erreichen, doch aber besser sein, als die Konserven dieser Art.
■ Von Gemüsen bringt der Monat uns Sommer- und Wintergaben, Weißkohl-, Wirsing- und Rotkohl und eingelegten Sauerkohl, Reste von Bohnen und Erbsen oder Schoten, Blumenkohl, Kohlrabi, Mohrrüber und weiße Rüben und von Früchten alle Arten Sommer- und Herbstäpfel, von Birnen die beliebten Salander, Butterbirnen und Kaiserkronen, von Pflaumen, neben roten, gelben und grünen, die echten blauen Pflaumen, die man in Süddeutschland und Oesterreich auch Zwetschen nennt, und deren Wichtigkeit auch darin liegt, daß sie die begehrtesten Saisonkuchen und das wichtige Dörrobst geben, nicht zu vergessen das im Winter unentbehrliche Pflaumenmus.
Aus dem Tagebuch eines Emigranten.
Unter dem Titel „Notes intimes d'un emigre" haben die Herren Paul und Martial de Pradel de Lamase soeben die Erinnerungen ihres Großonkels, des Chevaliers de Pradel de Lamase, veröffentlicht, der zu den Emigranten zählte und in der königstreuen Armee Condes gegen das republikanische Frankreich diente. Diese Erinnerungen des Herrn von Lamase sind darum interessant und reizvoll, weil er die Gewohnheit hatte, seine Erlebnisse und Empfindungen auf frischer Tat niederzuschreiben, und sein Tagebuch daher eilte Fülle von anschaulichen Zügen zur intimen Geschichte der Jahre 1789 bis gegen 1800 enthält. Noch am 1. Januar des Jahres 1789 war das Offizierkorps von Straßburg, wo Herr von Lamase damals Artillerieleutnant war, lustig und guter Dinge. Das Tagebuch erzählt: „Gestern war der erste Tag des neuen Jahres: Meine Kameraden und ich haben seinen Vorgänger vergnügt begraben. Das Glas in der Hand, bis zum Rande gefüllt mit dem vorzüglichen Weine von den Hügeln der Mosel, haben wir die Bitz lanz der verflossenen 12 Monate gezogen... Auf! Es leben die Liebe, die Jugend, und die Vergnügungen dieses Erdentales!" 6 Monate später — und es heißt in dem Tagebuche: „Man berichtet mir aus Paris, daß dort eine große Erregung herrsche. Das Volk, dem man unmögliche Hoffnungen vorspiegelt, bildet sich ein, daß der Zusammentritt der Generalstaaten eine Erlaubnis, die schlimmsten Ausschreitungen zu begehen, bedeute. Es scheint auch, daß die Bewegung alle Provinzei ergreift, und selbst wir hier in Straßburg empfinden, daß sich etwas verändert hat." Das sind die ersten Symptome der großen Katastrophe, die das Tagebuch verzeichnet. Jetzt folgen die Ereignisse sich Schlag auf Schlag. 1791 fühlte sich bereits die im Limousin ansässige Familie des Herrn von Lamase nicht mehr sicher, und er geleitet seine Eltern am 3. Juli dieses Jahres nach Deutschland, wo sie in Offenburg sich niederließen. Der Offizier selbst kehrte auf seinen Posten zurück, weil er sich zur Auswanderung noch nicht entschließen konnte. Aber der Boden fing ihm an unter den Füßen zu brennen. In Pfalzburg meuterte das Regiment Auvergne und nur durch geschickte Vereinigung von Energie und Ueberredungskunst brachte Herr von Lamase das schwierige Stück fertig, die Grenadiere noch im letzten Augenblicke zur Besinnung zu bringen. Nicht lange, und das Tagebuch bekennt geradeaus: „Unsere Uniformen sind ganz einfach verdächtig." Die Offiziere werden belästigt, die Auswanderung ist nicht länger aufzuschieben. So begibt sich Herr von Lamase am 30. Dezember 1791 auch seinerseits über die Grenze zur Armee von Koblenz, aber die Verbannung kommt ihm bitter an, und er beruft sich auf Verse Schillers, um seine Niedergeschlagenheit darüber zu kennzeichnen.
Die Schilderung, die Herr von Lamase von dem Treb, ben der Emigranten in der Armee von Koblenz gibt, ist sehr .ungeschminkt. „Der schlimmste Skandal ist der, daß der größte Teil der Emigranten keine andere Sorge kennt, als den königlichen Hoheiten den Hof zu machen. Viele diese« Unglücklichen, die den Ernst, ja den Schrecken der Lage noch nicht begriffen haben, bilden sich ein, es handele sich nur um einen schnell vorübergehenden unglücklichen Augenblick, u. sie würden bei ihrer demnächstigen Rückkehr nach Frankreich um so höher belohnt werden, je mehr offenkundigen Eifer und je mehr Ergebung für ihre Herren sie gezeigt haben." Macao und Pharao waren an der Tagesordnung, und man intrigierte sich gegenseitig um die Einladungen beim Grafen von Artois, der so weit möglich, noch immer seine frühere verschwenderische Lebensweise fortsetzte. Nach der Auflösung der Koblenzer Armee ging Herr von Lamase zu dem von Kaiser Franz II. unterhaltenen Heere Condes über. Im Frühling 1796 erschien bei diesem Heere der Graf von Provence, der spätere Ludwig XVIII. und nahm eine Parade „seines" Heeres ab. Der Herr von Lamase war königstreu bis in die Knochen, aber er war nicht blind, und der bourbonische Prätendent gefiel ihm gar nicht. Er sei, so schrieb er in seinem Tagebuch, noch dicker geworden und sehe auf seinem Pferde wie ein Krüppel aus. „Wir defilieren vor ihm, aber nicht in unserer gewöhnlichen Ordnung. Man hat uns in so viele Gruppen eingeteilt, als das französische Heer unter Ludwig XVI. Regimenter zählte, wodurch jede dieser Gruppen auf weniger als ein Dutzend Menschen verkleinert wurde. In dieser Art verliert eine Parade ihre Feierlichkeit und nähert sich einer militärischen Parodie." Ein allerliebstes Streiflicht auf die Stimmung dieser Zeit wirft die von Lamase verzeichnete Unterhaltung zwischen den Vorposten der beiden Armeen. Jenseits des Rheines standen die „Patrioten", diesseits die Royalisten. Der Royalist rief etwa herüber: „Guten Tag, Kamerad! Ich teile Dir eine gute Neuigkeit mit: wir haben den König." „Und wir das Königreich." „Wir werden es wieder erobern: wir brauchen keine Jungfrau von Orleans dazu." „Ihr habt aber doch eine." „Na, die wäre?" „Der Degen Eures Königs". Lamase bemerkt zu diesem drolligen Zwiegespräche: „Die Loyalität verhindert uns in Lachen auszubrechen, aber wir haben die größte Lust dazu."
humoristischer.
* Erne Gemeinheit. Als Oscar Hammerstein nach in New Yoük in der Manhattan-Oper schaltete, wurde er ständig von einem Jäger nach Freibilletten belagert. Monatelang war es dein hartnäckigen Mann gelungen, seinen Platz ohne Entgelt Au ergattern, bis eines Abends das Haus von dem zahlenden Publikum gänzlich gefüllt war. >Tas schreckte aber den Mann nicht ab, der wieder an der Klasse erschien und sein Gewohnheitsrecht geltend machte. Hammerstein, der benachrichtigt wurde, meinte, man solle dem Manne sagen, der .Direktor wäre in der Nacht plötzlich gestorben. Mit trauriger Miene verkündete also der Kassierers „Mr. Hammerstein ist leider heute nacht gestorben!",— „S8te, • rief der Mann entrüstet, „er ist gestorben und hat, mir für heute abend keine Karten hinterlegt! Da gehe ich bestimmt nicht gU seinem Begräbnis !"
Geographisches verschiebratsel.
Heidelberg — Elsaß — Amiens — Weißenburg — Friedrichsruh — Versailles — Lothringen.
Vorstehende Namen sollen derart untereinander geschoben werden, daß eine Buchstabenreihe, von oben nach unten gelesen, den Namen einer Stadt im nördlichen Deutschland ergibt.
Auflösung in nächster Nummer. , i
Auflösung des Gitterrätsels, in voriger Nummer.: R A D
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Ahrweiler eis t 1 t
Daghestan g r n
Redaktion: I. V.: August Goetz. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen NniversitätS-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.


