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Firnenrsulch.
Roman von Paul Grabern.
Mrchöruck verboten.!
(Schluß.)
. War es nicht wie ein titanenhaftes, urgewülttg^ Trmmphieren über die Alltagsgesetze, die die Tiefen be- herrschen? Der Hohe, der Starte, entwindet sich den Schranken; sein trotziger Mut setzt sich den Purpur lodernden Sonnenglanzes auf den Scheitel — er reißt das fliehende Licht an sich, Herrenhaft, unbekümmert um die dämmer- graue kleine Welt da unter ihm!
Nun war Malmort heran.
„Gottliebe — warum tatest du mir das?" Dicht stand er vor ihr, so dicht, daß sein heißer, vom Eilen fliegender Atem ihre Wange streifte.
„Woher wußten Sie?"
Wie mechanisch nur entrang sich ihr die Gegenfrage. Sie beherrschte dabei im Innern nur das eine dumpfe Gefühl der Erwartung einer Katastrophe, des unentrinm- baren Herannahens des Schicksals.
„Ich ahnte, ich wußte, daß du noch einmal hierherkommen würdest — zum Abschiednehmen, lind siehst du, mein Ahnen trog mich nicht!"
Sie starrte dabei in sein Gesicht, so verändert, mit flammenden Blicken, leiden; chaftlich zuckend, so zum Fürchten und doch in Seligkeiten erschauern machend. So mußte Semele zumute gewesen sein, als sich Zeus über sie beugte, sie zu umfangen in seiner furchtbaren Herrlichkeit.
„Es trog nicht." Noch näher neigte er fein Antlitz zu ihr, schon streifte sie fein Bart. „Es will ,daß wir uns finden. Nun hab' ich dich!" — Wie unter einem Blitzschlag zuckte sie zusammen unter seiner Berührung. „Und nun laß ich dich nicht mehr. — Mein, mein! Ewig mein! Und wenn da draußen die ganze Welt zusammenbricht. — Du!"
Irre Küsse taumelten brennend auf ihr Gesicht nieder; sie litt sie, bewegungslos; aber dann zündete seine Glut in ihrer Seele. In leidenschaftlichem Ausbrechen umfing sie ihn, preßte sie sich an ihn — wie im Rausch. Nun hatte sie die ersehnte Stunde, die eine einzige des Glücks — nun wollte sie sie auskosten!
Und da gestand sie zwischen seinen atemraubenden ^Liebkosungen, leise stammelnd:
„Es mußte hier sein, Wulfrin! Es mußte. Die Stätte ist geweiht für uns."
Er preßte sie von neuem an sich. Ja, ja — er wußte, weil er ihr damals erzählt, daß hier die Wiege der Mal- morts gestanden.
Sie hatte die Hände um seinen Nacken geschlunZM. So, das Haupt zurückgeneigt, sprach sie nun zu ihm weiter:
„Weißt du auch, was ich damals empfand, Wulfrin, als du hier mit mir standest, in Trauer über das Erlöschen deines .Geschlechts?"
„Nun?"
Erwartungsvoll sah er ihr in die großen, feuchtschim- mernden Augen, darin ein höchstes Leuchten entzündet war.
Mit einem leidenschaftlichen Ruck riß sie sein.Haupt zu sich hernieder; so hauchte sie ihm mit glühendem Atem ins Ohr:
„Selig die Frau, die dir den ersehnten Erben schenken durfte — dreimal selig!"
„Gottliebe!"
Sie fühlte sich hochgerissen, umklammert, wie zur Vernichtung, und dann brach es über sie herein wie eine brausende, prasselnde, alles niederwerfende Meereswoge, in der sie ertrank in seligem Ersterben. Nur an ihr Ohr scholl wie ans weiter dumpfer Ferne immer wieder ein einziges, leidenschaftszitterndes Wort: „Gottliebe, Gottliebe!"
, Als sie wie aus tiefer Ohnmacht wieder erwachte, war die jauchzende Purpurglut auf den Firnen droben erloschen. Starr und bleich, gespensterhaft drohend, standen nun die Berggiganten über ihren Häuptern, die vorhin so bacchantisch gelockt hatten. Aber neben ihr kniete der geliebte Mann und bedeckte ihre Hand mit heißen Küssen.
Da war ihr alles wieder gegenwärtig, was geschehen war, und plötzlich sprang sie empor, einen erschütternden Schrei ausstoßend: „Rehe!"
Auch Malmort schreckte zusammen. Eine finstere Falte stand zwischen seinen Brauen; aber dann tröstete er:
„Es wird sich ein Ausweg finden lassen — ich werde sie nun doch in eine Pension schicken —"
Aber es war, als hörte sie ihn nicht. Wie irr starrten ihre Augen vor sich hin: Wortbrüchig, eine Ehrlose!
„Gottliebe — Einzige! So hör' doch!"
In liebevoller Angst wollte er sie an sich ziehen, aber sie stieß ihn fast zurück Ivie voller Entsetzen. Nur ein dumpf stöhnender Laut antwortete ihm; dann schlug sie die Hände vors Gesicht.
Erschüttert redete er auf sie ein, von Zukunftsplänen; er wollte sie nicht lassen — er könne es nicht! Sie wäre ihm mehr als sein eigen Kind. Und wenn er selbst zum Papst gehen sollte — er habe ja einen Verwandten in Rom, in hoher Stellung — er müsse nun die Scheidung seiner Ehe durchsetzen. Sie müsse sein werden, auch vor den Menschen — sein geliebtes Weib.
Aber all die beschwörenden, liebeatmenden Worte drangen nicht mehr zu ihrer Seele. Da stand, furchtbar auf- gerichtet, nur das eine erbarmungslose Bewußtsein: Vernichtet!
Und wieder griff er nach ihren Händen.
Da gab sie ihr Antlitz frei, aber es war wie versteint: kein Blutstropfen mehr in dem starren, lieben Gesicht. Nur ein unerschütterlicher Entschluß stand darauf eingemeißelt.
„Nichts davon, Wulfrin! Das alles kann mir die Achtung deiner Tochter nicht wieder geben.Es bleibt nur eines: Wir trennen uns — auf der Stelle. Du gehst zurück in dein Haus, zu deinem Kinde. Was du tatest, darüber bist du


