Ausgabe 
31.8.1912
 
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immer reHt' f=. R Er nahm -Än! Wsilier das' MeV Mieder ab, machte stramm kehrt und stapfte ins' DUnkes, dorthin, wo die Laternen des Marletenderivagens gelblich auf- leuchteten >

Dafür sollte der Frechling ihm Rede stehen e= litt vier­zehn Tagen, wenn der Lunte Mck ab gestreift war... Warte, du Affe! Wollen sehen, wer am dosten. schießt von Nus zweien!. f -

H Tränen der Wut jund WnrpöruNg! in den Äugest,- sprachlos hatte Molly dem Auftritt zn geschaut: Mas ist abscheulich, Herr Ostincke!"-

Wieso?" näselte der Leutnant, >,is doch höchstens 'ne Ehre für den Unteroffizier, tojettn. er seinem Zugführer einen Gefallen tun kann!"

ftsÖ sag' es meinem Vater h verlassen Sie sich draus!" (Fortsetzung folgt.)

Alfred v. Berger.

Von R i Ha r d M. M e y e r (Berlin).

Alfred V. Berger war am 30, April 1853. in Wien geboren. Vein Vater war der berühmte Advokat Johann Nepomuk Berger,- der als, Mitglied des freisinnigen -Bürgerministeriums" einen Augenblick lang eine bedeutende politische Rolle spielte, dann aber zusammen mit dem später so übelberüchtigten Grasen Taaffe und dem polnischen Grafen Potocki durch sein Ausscheiden dies Mini­sterium spaltete und auf unübersehbare Zeit dem' österreichischen Liberalismus die Regierungsfähigkeit nahm, ein Schritt, der ihm, schwerlich mit Unrecht, von seinen bisherigen Gesinnungs­genossen nie verziehen wurde. Der Sohn ist -ein leidenschaftlicher Bewunderer des. Vaters gewesen; er hat (mit seinem Bruder, dem ultramontanen Reichsratsmitglied Wilhelm v. Berger, ge­meinschaftlich) in dem schönen BuchIm Vaterhäuse" ihm tot Denkmal gesetzt und auch in der reichen AufsatzsaMmlungBund j>er Heimat" ihn lebhaft verteidigt. Vielleicht, weil von jener Neigung, das eigene Urteil sehr hoch zu bewerten und von jener Unzuverlässigkeit, die man dem Vater nachsagte, in dem Sohn ein gut Teil fortlebte. , t

Johann Nepomuk Berger hatte als Mmister einen hohen Orden mit der sarkastischen BemerkungMitgefangen, mitbehangen" an­genommen, aber von dem Recht, den Adelstitel zu führen, das damit verbunden war, nie Gebrauch gemacht. Gleich nach seinem Tode aber Machten beide Söhne erfolgreich ihre Ansprüche geltend ; so daß sie erbten, was der Vater nicht besessen hätte. . Man denkt an den Scherz des geistreichen Villers über Religionswechsel:! sonst könne man doch nur vertauschen, was Man besitze, die Religion aber werde vorzugsweise von Leuten -gewechselt, die keine haben. . -ä

Von seinem Vater her hatte Alfred v. Berger auch indisches Blut in den Adern, was ihm später nicht mehr gegenwärtig war. Sein höchster Ehrgeiz war, ein Wiener zu sein, vielmehrder Wiener", wie ja die eifrigsten Repräsentanten städtischer ^hpen meist eingewanderten Familien angehören. (Der Vater war aus Prosnitz in Mähren gebürtig.) Keine dichterische -Persönlichkeit seiner Zeit stand ihm näher als Ferdinand- v. Saar, der Dichter derWiener Elegien". Seine Heimatsschilderungen sind das Persönlichste und Schönste, was er geschrieben hat, und seine Dankrede auf Raimund die Krone seiner literarischen Charak­teristiken. Sein tiefster Schmerz war nicht, daß ihm die Leitung des Burgtheaters erst nur leihweise anvertraut, -bann zu spät übergeben wurde; sondern, daß man ihn nicht als Lyriker würdigte. In der Tat sind seine Gedichte denen Saars wohl vergleichbar, außer, daß 'zu häufig der Geist statt des. Gemüts spricht; aber seine wirkliche Bedeutung werden wir so wenig in Bergers Lyrik finden, -als Berger selbst -die Saars zu dessen lebhaftem Verdruß. "=== in feiner Dramatik finden wollte. - , > .

Berger war als Schriftsteller vielseitig tätig. Er hat, wie alle hervorragenden Wiener, Novellen geschrieben: gut geschrie­bene, feilt pointierte, psychologisch oberflächliche Erzählungen, die etwa die des geistreichen Historikers Guglia oder des witzigen Juristen Burckhardt seines Amtsgenoffen am Burgtheater nur durch ihre Ausdehnung übertreffen. Ganz anders steht es mit seinen kritischen und dramaturgischen Büchern. Alfred von Berger ist wohl der bedeutendste literarische Dramaturg unserer Zeit gewesen. Als Theaterleiter haben Brahm und Reinhardt ihn sicher übertroffen zwar habe ich nie einer Aufführung in einem von Berger geleiteten Theater beigewohnt, kann aber zu­verlässigen Berichten trauen; und welche dauernde Wirkung hat er wohl in Hamburg oder Wien Hinterlasten? Als Kritiker sind -Bahr und Schlenther und Kerr ihm überlegen, die viel melst Beobachtungsgabe, viel Mehr Interesse für schauspielerische Eigen­art besitzen. Aber in der Kunst, an einem Theaterstück neue Seiten zu zeigen; in dem Talent, den Schauspielern die Grund­lage der künstlerischen Wirkung zu geben; in der Fähigkeit, etrt Drama von Shakespeare, Schiller, Hebbel deut Publikum gegen­über mit allen Reizen einerNovität" auszustatten, ward dieser Wiener nicht einmal von dem Berliner Meister der Dheater- Eauserie, von Theodor Fontane, erreicht.

Ws er war eben Wiener. Er war SuMWacksen Mit jenem wienerischen Verhältnis zum Aurgtheater,- wie es der Berliney der entsprechenden Kreise etwa zur Universität hat; mit jener Freude an den Mimen, mit jenem Adelsstolz des Stammgastes an dem ersten Meater deutscher Kunst, wie sie nur an der Douast gedeihen, wie sie aber doch von dem gelehrten Germanisten an der Hochschule bis zu dem autodidaktischen Polizeiosfizianten alle Kreise erfüllen. Im Grunde war er, der der typische Wiener seist wollte, Wiene bielleicht nur in diesen beiden Dingest: in seinem Verhältnis zu der Stadt selbst, und zu ihrem vornehmsten Theater.- Wien hat er geliebt, wie nur diese Stadt geliebt wird; nur daß M ihm nicht wie Karl Lueger gegönnt war, seine Liebe fruchtbar zu machen. Das Burgtheater war das Ziel seiner langen Liebe.- Tie Ehe mit Stella Hohenfels, der reizvollen Schauspielerin ast der Burg, verschloß ihm lange den Platz, für den er geboren schien; aber int Grunde sind feine dramatischen Vorträge, feine Studien und Kritiken, ist sogar feine Hamburgische Dramaturgie (die er so zu beginnen die Naivität oder das Raffinement besaß) für die Burg geschrieben und über seine unmittelbaren Zuhörep fort geht die Rede immer nut nach Wien.

Uber schon diese Ausdauer entspricht sticht ganz wenigstens dem herkömmlichen Bild des Wieners. Auch äußerlich entsprach Berger ihm nicht. 5?;Sr war auf feine Größe und Körper stärke S, wie alle, denen in der Jugend Schwächlichkeit eigen und früher wahrscheinlich war. Die ungeheuerliche Figur mit dem Kttenben Bauch unb dem bis zur Formlosigkeit aufgeblasenen hat Max Liebermann mit künstlerisch,er Schadenfreude ver­ewigt und freilich mehr -das Körperliche durch eilte über die Ufer tretende weiße Weste betont -als die eigentümliche Grazie, die in dem Mann lag, wenn er sprach, ja wenn er sich bewegte. Ist Weimar kam fein Wagen spät in der Nacht vor dem Gasthause an, in dem wir wohnten; wir zitterten vor den Schritten des Riesen aber nichts war zu vernehmen: er erzählte uns am folgenden Tag, daß er, sobald er in ein Gasthauszimmer käme- Pantoffeln anzöge. Das mag man nun symbolisch deuten wie man will: als liebenswürdige Rücksicht des wohlerzogenen Ge- sellschaftsmenschen oder auch alsLeisetreterei"; denn es ist nicht zu leugnen, daß Berger recht sehrDiplomat" war. Ist Wien empfahl er sich durch Wendungen, die astf den Thronfolger berechnet waren; in Berlin opferte er in einer Denkrede auf Wildenbruch den zu Feiernden feiner Furcht für unmodern ge­halten zu werden. Schließlich steckt 'wohl in jedem Dramaturgen etwas vom Schauspieler. . . _

Aber Berger war jedenfalls mehr Dramaturg als Schau­spieler. Seine Luft, über dramatische Thematas' und dramaturgische Fragen zu reden, war unerschöpflich. -Es gehen überhaupt über, feine unermüdliche Freude an geistreichen Vorträgen und Mono­logen, Anekdoten genug um; aber im Mittelpunkt blieb immer das Theater. Dachte er gar an feine geliebte Burg, so ging die übrige Welt verloren. Ein Wiener Schriftsteller erzählte nur: als die Direktion Berger besonders nahegerückt schien, habe Berger auch Hermann Bahr, als den einflußreichsten Kritiker, besucht.- Berger geht in lebhaftem Einzelvortrag in der Stube auf und ab; Bahr liegt auf dem Sofa und hört zu, wie Berger schließlich im Eifer des Monologs entwickelt:Und wenn ich dann erst so weit bin, bann wird von dem Kerl, beut Hermann Bahr, auch keins von feinen Schundstücken mehr -aufgeführt . £ ," Bahr ver­neigt sich dankend; Berger merkt es nicht. 1

Das ist nicht undenkbar. Denn eben diese Mischung von Naivität und Raffinement, -diplomatische Berechnung und thea­tralische Selbstberauschung machte den Mann so interessant, so­bald er sprach was eben nichts Seltenes war verschwand die Unförmlichkeit; jedes Wort war effektvoll, aber nicht bloß aus Berechnung, sondern weil iit jedem Wort das ganze Interesse des geistreichen, vielbelesenen uitb vielbewunderten Mannes lag./ Er war der Weltmann unter den Dramaturgen; aber nicht mit jelter blasierten Diplomatenpose, die Dingelstedt unausstehlich m'achte,- fonbern mit einer stets frischen Genußfähigkeit, die ihn liebens­würdig machte. Genau so, wenn er schrieb. Sei» Genuß war gewiß nicht frei von Eitelkeit; in seinem Genuß ant Kunstwerk empfand er sich selbst, freute sich feiner geistigen Gewandtheit^ feiner Originalität feiner Genußfähigkeit. Aber das gah eben feiner durchaus unnaiven Art, die Kunstwerke aufzunehwem eine persönliche Naivität als Gegengewicht Berger,- so lebhaft er es verstand, unzufrieden zu fein, war keinWiener Raunzer ; von der Scheltsucht -der Grillparzer und Bauernfeld besaß er so. wenig wie von ihrer Unfähigkeit, dem Wiener Boden bnzu- kommeii. Er hatte zu viel Freude an sich, um dauernd an dem Mißgeschick zu leiden, das ihn so lang von dem Platz Heinnch Laubes hielt; und daß diese behagliche, und übrigens tn vielen großen Talenten wohlbegründete, Melkeit durch seine treue Sehn­sucht geadelt wurde, hebt das Bild des merkwürdigen .Mannes fast in die Höhe ei-:->s psychologischen Problems,

Verm^chLss.

* K a f f e e b e r e i t u n g o h n e F e n e r. Die neiiesten For­schungen über die Beschaffenheit der Kaffeebohnen ergaben, daß die ungesunden und bitteren Bestandtetle tote Koffein und Tannm durch -das kochende Wasser gelöst und zur vollen Wirkung ge­bracht werden, daß dagegen andererseits die Oele, durch die Wohl-