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Sommerlkutnsnts.
Roman von Walter Bloem.
Copyright 1910 by Grethlein & Co.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Ws die 'Gruppe am Biwak der zweiten Kompagnie vor- überkam, 'hemmte Nelly ihren Schritt... schon von weitem sah sie, den ihr Blick suchte . . .
Frobenius Hatte seine Kompagnie b:im Gepäck antreten lassen und hielt Gewehrappell ab . . . gewissenhaft ging er von Mann zu Mann... jeder mußte mit ausgestreckter Rechten die Waffe, aus der die Verschlußteile entfernt waren, in die Höhe halten, und der Kompagnieführer schielte durch den Lauf hindurch, ob er auch gründlich gesäubert sei...
Tausend, wie er sich verändert hatte in den paar Manövertagen! — Ordentlich militärisch sah er aus ... ordentliche kriegerisch, der gelehrte Herr, trotz seiner großen Brille... mit den kotbespritzten Reitstiefeln, dem kurzverschnittenen Bart, der zerknitterten Feldmütze überm tiefgebräunten Gesicht . . .
Nelly wußte: jetzt durfte sie nicht stören! Und schnell folgte sie ihren Reisegefährtinnen, die, von einer ganzen Schar Offiziere umschwärmt, ihren Vater zu begrüßen gingen. —
Wo aber die Unteroffiziere der Zweiten um ihr Feuer- chen 'hockten und sich! ihre Erbswurstsuppe zurechtbrutzelten, da war ein junger Bursch Halbleibs emporgeschossen...
Himmel! !— die Oreade, die lauschend hinterm Felsen schwieg! die H!eldin all der zallosen Lieder, welche ihim zugeflogen waren auf den Märschen der letzten Tage...
Auf! !— auf! iht entgegen! — aber, Teufel nein, Wer Kar man denn? — Ein armer KomMiß kn abe. . . nichts [als ein ganz gewöhnlicher Kaldaunenschlucker . . .
Er in seiner schirmlosen Feldmütze, in seinem geflickten Tressenvock, mit feinen ungewaschenen Händen... und sie ... sie wandelte fern, fern und unerreichbar... wie ein Leibhaft gewordener Dichtertraum . . .
. Wer suchten nicht ihre Augen? — suchten sie nicht — ' Nun hatten sie gefunden. . . ihn gefunden. . .!
We flaumig!en Bäckchen flammten... sie nickte ihm' kurz Und gemessen.... ,
i Na sprang er auf. . . stand stramm . -. . legte die Hand [art die Feldmütze... und warf sich dann wieder lang hm neben das qualmende Feuer . . . überhörte die plumpen Späße seiner Kameraden,- des Sergeanten Metzges, des OberlazarettgeWfen Nattermüllerr des . Unterofftzpers Franzkowiak. -' ! i ! ' ! .. l‘ • ' ,
Stumm Und ausgehungert löffelte 'er aus dem blechernen Kochaeschirrd.eckel seine Erbswurstsuppp. in sich hinein
— seine Seele aber formte den letzten Vers zn seinem Morgenliede:
„In Demut will ich- pflücken, was mir das Glück geoffenbart ganz ohne Sinn beglücken, ist Glückes Art — ist — Glückes — 'Art.*
*
Vor dem Bataillonsstabszelt, der einzigen Behausung inr ganzen Biwak, die mit den Wohnungen zivilisierter Menschen eine entfernte AehUlichkeit hatte, unter dem Vordach, das wenigstens einen dürftigen Schutz gegen den immerzu mUnter niederströmenden Regen bot, hatte fich eine lustige Tafelrunde zusammengeschart . . . ein Paar hochkant gestellte Kisten bildeten Tische und Sitzgelegenheit . . . . das Service bestand aus groben Steinguttellern, aber die erlesensten Delikatessen der Saison gab's diesmal zn schmausen statt der üblichen Fcldkost, der Preßgcmüse-i suppe, des halbverbrutzelten Konservengoulasch. . . Das' heißt, auch diese kriegsmäßigen Speisen fanden ihre Abnehmer ... die drei Damen kosteten sie mit Begeisterung . . . . die mitgebrachten Herrlichkeiten überließen sie den Herren... .
Den Sekt trank man aus ramponierten Kaffeetassen!...
HAN meiner is kein Henkel dran . . .!"
„Schad' nischt — is Henkell drin!" schmunzelte her flaumbärtige Carstanjen.
Sassenbach hielt eine kleine Rede auf den holden Besuch: „Mit hold meine ich' natürlich: nur die gnädige [Frau, nicht euch', ihr Mädels . . . das bildet euch bloß nicht ein!"
Mit galantem, stürmischem „Oho!" protestierten die Leutnants.
Frau Cäcilie War still... sie nahm sich zusammen; denn einmal hatte sie einen Blick ihres Gatten aufaefangen, der mit stummer, banger Beobachtung an ihr hing, als sie hingerissen . . . selbstvergessen mit Martin Flamberg geplaudert. . .
[Doch immer verglich! lechzend, qualvoll ihr armes Herz.
Hier ein friedlich knisterndes Herdfeuer — dort eine jetzt verhalten glostende, oft aber heiß und goldigrot auflodernde Glut.
Warum bin ich herausgekommen? — Nutzlose Onä- Ictci! 1 f
Und doch zählt, sie angstvoll Viertelstunde um Viertel>- stunde, die verrann unter neckendem Geplauder, hin und wieder flatternden Scherzworten.
Der Sekt schäumte in bläuen Emaillebechern, in 'zerbrochenen Dassen aus dem Fünfzigpfennigbasar. Gleichmäßig tropfte draußen der Regen aus den ziehenden Nebel- fchwaden hernieder. Die Dämmerung! sank. Gesättigt,


