Ausgabe 
31.7.1912
 
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Lommerleulnants.

Roman von Walter Bloem. Copryght 1910 by Grethlein 8c Co. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Der Oberst ging die Reihe entlang und wiederholte die Frage nach Namen und Stand. Dann trat er mit ein paar raschen Schritten vor die Mitte der Herren, streifte noch einmal kreuz und quer mit den Augen ihre Front ab und sprach:

Meine Herren, ich begrüße Sie. Ich habe mir erzählen lassen, daß das Regiment, das zu führen ich seit kurzem die Ehre habe, einen überaus tüchtigen Ersatz an Reserve­offizieren sein eigen zu nennen das Glück hat. Ich kann also mit vollem Vertrauen Ihrer Mitwirkung an unserer gemeinschaftlichen Arbeit entgegensehen. Wer, wie ich, zwei Feldzüge mitgemacht hat, weiß, was die Armee an den Offizieren des, Beurlaübtenstandes besitzt. Sie kommen zu uns, um bei uns.zu lernen ich bin aber überzeugt, daß Sie uns auch etwas mitbringen: Sie bringen uns einen Gruß des Volkes, zu dessen Schutz wir bestimmt sind. Sie, bringen uns einen Gruß der Geistesarbeit, die unterm Schirm unserer Waffen gedeihen soll. In diesem Sinne begrüße ich Sie alleals das lebendige Band zwischen dem aktiven Offizierkorps und dem Volk, um dessentwillen wir alle da sind. Ich wünsche Ihnen, daß Sie sich Wohl fühlen in unserer Mitte, und daß Sie nach Ablauf Ihrer acht Wochen nicht nur gebräunt und gekräftigt, sondern auch an militärischen Kenntnissen bereichert und durch freudige Erinnerungen gefördert an die Stätte Ihrer Lebensarbeit zurückkehren mögen. Ich danke Ihnen, meine Herren!"

Er grüßte, und wiederum flogen die Hände der ein­gezogenen Herren an die Helmschienen.

Nun wandte er sich zu den Stabsoffizieren, welche bisher, von den Hauptleuten und aktiven Leutnants um­ringt, den Worten des Obersten zugehört hatten, und schritt im Geplauder dem Korridor zu, der auf das Regiments- burcau führte.

Kaum war er verschwunden, da löste sich die feierliche Erstarrung, und die Gruppen der aktiven und Reserveoffi­ziere vermischten sich zu lautem Gelächter, schnarrendem Geplauder und säbelrasselnd, sporenklirrend schritten die Herren über den hallenden Kasernenhof zum Kasino hinüber.

An allen Fenstern der endlosen Fronten wurden neu­gierige Köpfe sichtbar an allen Wasch trögen standen Gruppen von Soldaten in Feldmützen und Drillichzeug, die nun ihre Arbeit unterbrachen und, Bürsten mtb1 Mon­turstücke in der Hand, zur vorgeschriebenen Haltung er­starrten, bis die Gruppe der Offiziere an ihnen vorüber war.

Und als nun Hie ersten der Herren die Stiegen der

Treppe zum Kasino betraten, da scholl von drinnen der schmetternde Klang der Regimentsmusik, die den Einzugs­marsch der Gäste aus Tannhäuser den einrückenden Kame­raden entgegensandte.

Nach wenigen Minuten, die man harrend und plau­dernd im Rauchzimmer zugebracht, erschien der Kasinovor­stand Oberleutnant Menshausen und bat die Herren zu

In breiten Güssen fiel die langsam sinkende Nachmit­tagssonne durch die hohen Fenster des Speisesaales über die hufeisenförmig aufgestcllten Tische, auf denen heute zur Feier des Tages der reiche Silberschmuck des Regiments blinkte, umgeben von einer wahren Ueberlaft bunter Herbst­blumensträuße, die dem Garten des Kasinos entstammten. und .um die Tafel gruppiert etwa vierzig blühende Jugend­gestalten r von dem Kommandeur des ersten Bataillons, Major von Sassenbach, der als einziger Stabsoffizier an der Tafel teilnahm, bis herunter zum blutjungen Fahnen­junker, der kaum der Presse entschlüpft war und sich im Rock des Füsiliers uno angesichts so vieler Vorgesetzter kaum zu rühren kaum den Mund aufzutun getraute.

Allen diesen Erscheinungen gemeinsam war der vor­schriftsmäßige Schnitt des Haars, soweit sich dies nicht schon verflüchtigt hatte und spiegelnde Stirnen oder Glatzen sreiließ war gemeinsam der modische Bürstenschnitt des Schnurrbarts, gemeinsam die straffe Haltung, die lebhaften und doch gemessenen Bewegungen, der scharfe Klang der Stimmen, die gewohnt waren, im Gelände weite Ent­fernungen zu beherrschen oder sich durch das Rollen des Schnellfeuers hindurch Geltung zu verschaffen.

Auf den ersten Blick aber waren die Herren des Be­urlaubtenstandes an der bleicheren Hautfarbe, der etwas nachlässigeren oder steiferen Haltung, dem mehr ins Geistige gewandten Ausdruck der Gesichter und Augen zu unter­scheiden. Doch das alles würde sich nun bald verwischen waren doch diese sechs Männer nur hierhergekommen, um wieder Soldaten zu werden, um sich wieder einzufügen in den gewaltigen Organismus, in dem auch sie nichts als dienende Räder sein sollten und sein wollten.

Diese Einfügung ,und diese Anpassung, so sagte Flam­berg "sich stillsinnend, diese Verschmelzung würde ihnen der Geist der Kameradschaft erleichtern. Der Geist der Kameradschaft, der alle, denen Seine Majestät Epaulettes und Schärpe verliehen hatte, zu einer.großen Schar von Verbrüderten zusammenschloß, in der ungeachtet aller Ab­stufungen der Begabung und militärischen Befähigung, un­geachtet aller Klüfte der Herkunft und der Anschauungen, jeder gleichberechtigt war, in der es keine andern Unter!» schiede gab, als die der Dienststellung und auch diese Unterschiede galten nur im Dienst außerhalb des Dienstes gab es nicht Vorgesetzte, nicht Untergebene gab es nur ältere und jüngere Kameraden gab es nicht aktive Offi­ziere und nicht Offiziere des Beurlaübtenstandes gab es nur Offiziere, das heißt: Träger des einen preußischen