Mittwoch den 5t. Januar

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Glückslasten.

Noman von Hanns von ZobeltiK (Nachdruck verboten^ (Fortsetzung.)

Signe hatte nur mit halber Aufmerksamkeit hingehört. Eie sah mit ihren scharfen Augen drüben, ziemlich entfernt, Eberhard und Hoburg und jene junge Frau im gelben Kleide mit dem blendenden Nacken. Und etwas wie ein leiser Ver­druß flieg in ihr auf. Wie konnte sich Hoburg, nach dem, was er ihr vorhin gesagt, dieser dieser Frau zu gesellen! Dann lächelte sie das widrige Gefühl nieder: was ging das sie an? Und damr begann auch Eberhard schon wieder zu tanzen, ivieder wie vorhin

Sag mal, Friedel, da sieh, bitte: mit wem tanzt Eber­hard eigentlich?" fragte Mama.

Friedel klemtnte das Monokel ein und tat, als ob er suchte und nichts sehe.Hardi unser Hardi . . .?"Er will's nicht sehen" dachte Signe.

Mer da kam das Paar ganz in der Nähe vorüber und Mutter fragte noch einmal höchst interessiert:Da, Friedel, grad vor uns"

Ach so, Mama ... ich lernte die Dame nicht!. . und dabei lächelte er so malitiös, mit zusammenge­kniffenen Lippeti, daß Stgne wußte: er kennt sie doch. Aber eine Krähe hackt natürlich der anderen die Augen nicht aus. 1

Gleich darauf kam Vater. Er war in rosigster Stim­mung, hatte allerlei alte Bekannte getroffen, bei Dodo ein paar Glas Sekt getrunken, im holländischen Teezimmer sich von irgend einer Schönheit einen Bolsschen Li.ör kre­denzen lassen, hatte viel Bewunderung seiner Aeltesten glatt heruntergeschluckt und wollte jetzt int Tunnel soupieren. Auch Friedel war nicht abgeneigt. So wurde Dorothee herbeizitiert, es fügten sich schnell in ihre Eskorte noch ein paar junge Herren ein, so daß man wenigstens den Vor­zug eines kleinen, in sich geschlossenen Kreises hatte.

Gerade als man einen Tisch erobert hatte, fand sich der Prinz ein, und Friedel forderte ihn auf, mitzutun, ehe es Signe hindern konnte. Vielleicht hätte sie das auch nicht getan sie war sich selbst nicht ganz im klaren. Es war etwas in ihr, wie die Lust, mit der Gefahr zu spielen, und dann sagte sie sich zugleich wieder: Eine Gefahr? Wo ist denn da eine Gefahr"

Mer so richtete sie es doch ein, daß der Prinz nicht un­mittelbar neben sie zu sitzen kam, sondern auf der anderen Seite des Tisches, zwischen Mutter und Dodo. Und bereute es gleich wieder, denn nun war sie dem fast verzweifelten Blick seiner Augen erst recht ausgesetzt. Den frecktch wohl nur sie bemerkte. Oder legte sie in die grauen Augen etwas hinein, was gar nicht darin lag?

Jedenfalls war Hoburg sehr still. Ueberaus artig gegen Mutter, verbindlich gegen Dorothee, aber nicht gerade ge» sprächig. Und das gefiel Signe, denn sie dachte unwillkürlich an manche Stundet: fadesten Gesellschaftsklatsches im Salon der Fürstin zurück. Und während sie mit Friedel und Herrn von Horseck plauderte, dachte sie doch auch:Eigentlich sieht Hobttrg gut atts. Seine Schönheit der Himmel bewahr mich vor jedw sogenannten Männerschönheit! Aber die alte Rasse verrät sich in jedem Zug, in dem gut geschnittenen schmalen Gesicht, in der hageren Figur, in den langen schmalen Händen."

Man sprach über das Fest, man sprach über Wohltätig­keitsfeste überhaupt. Vater war enthusiasmiert, Mutter kritisch, Friedel ablehnend. Und Dodo fand es reizend, um gleich darauf energisch zu versichern: nicht zehn starke Gäule brächten sie noch einmal in solch eine Sektbude. Dabei wurde sie rot über das gattze Gesicht und kicherte dann etwas ver­legen, was ihr reizend stand. Friedel versuchte ein paar Mal, den Prinzen in das Gespräch zu ziehen. Aber Hoburg antwortete immer ausweichend mit halben Worten, die eben- eeine Bejahung wie eine Verneinung bedeuten konnten.

richt war er unaufmerksam.Oder", dachte Signe, vielleicht folgt er nur der Maxime seiner Kreise, die nicht gern nach irgend einer Seite hin ohne zwingenden Grund verletzt." Aber immer, wenn er es unbemerkt tun zu können glaubte, streifte fein Blick wieder zu Signe hinüber. Bald mit kurzem Aufflammen, bald wie in stummer Bitte.

Es wurde ihr immer peinlicher. Und um sich selbst abzulenken, widmete sie sich desto mehr ihrem jungen Nach­bar zur Linken, plauderte, scherzte mit ihm, kokettierte viel­leicht ein wenig, um dann plötzlich zu bemerken, daß sie hier ein anderes Feuer entzündete, das im Begriff stand, lichterloh aufzuflammen. . .Was denkt sich dieser Herr von Horfeck! Ein lieber netter Mensch, prächtiger Gesell­schafter, famoser Tänzeralles: ja! Aber nur hier iticht Hoffnungen erwecken, die nie in Erfüllung gehen können!" . . Sie versuchte schnell einen kalten Wasserstrahl ins Feuer zu gießen, aber der schien mehr wie Oel zu wirken. Wahr­hastig, dieser blutjunge Leutnant machte ihr verliebte Augen, wurde sentimental, sprach von dem seligen Glück seiner soeben verheirateten Schwester und von der eigenen Sehnsucht nach einer Häuslichkeit. Du lieber HiMmel, am Ende hatte er auch nur zu tief in das Sektglas geguui.

Dann blickten mit einem Male war's Zufall!i alle gleichzeitig auf. Dicht am Tische vorüber schritt Eber­hard mit einer kleinen Gesellschaft, die kanariengelbe Dame am Arm. Er stutzte einen Moment, als er die Eltern und Geschwister sah, nickte dann flüchtig, vielleicht mit einem kleinen Verlegenheitszug um den Mund, und ging weiter. Ein paar Tische entfernt nahm die Gesellschaft Platz.

Vater schmunzelte:Pompös! Allewetterchen!" Doch er bekam gleich einen Blick von Mutter, der ihn erst er« staunt aufsehen, dann verstummen ließ. Schnell trank er sein Glas teer, mit einer gewissen verschämten Emsigkeit.