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See Hinaus. , , . ~ ..
Und plötzlich weinte Gerda zornige, bittere Tranen.
Warum konnte sie denn hier draussen nrcht Ruhe und Frieden frnben’ Warum konnte Ilse nicht vergessen rote andere Kinder jtnb sich ganz an die Mutter anschließen?
Sie hörte nicht, daß Schritte sich nahten, erst als Fran Hoch- burg bW vor ihr stand, blickte sie aus tränengefüllten Augen auf.
Frau Hochburg ließ sich neben ihr nieder. ,,Es Ivar m« doch zu viel, das Gehen aus den Steinen — darf ich ehrten Gesellschaft leisten?" und als Gerda stumm nickte und dann hastig mit ihrem.Taschentuch über die Augen fuhr, schlang sie zärtlich den Arm um die junge Frau.
„Wollen Sie mir nicht sagen, was Sie bedrückt, liebe Frau Gerda? Ich frage nicht aus Neugier, ich habe Sie und Jlschen lieb gewonnen in dieser Zeit. — Vielleicht kann ich Ihnen Helsen?"
Und Gerda sprach!. "Es war ihr eine Erleichterung, sich einmal rückhaltlos auszusprechlen gegen eine so feine, kluge Frau.
Maria Hochburg hörte zu, ohne sie zu unterbrechen.
„Kind, Kind, wie ist .es nur möglich, daß zwei so begabte, geistig hochstehende Menschen, die so gut zueinander passen, sich so auseinander leben können," sagte sie dann ernst.
„Wir passen eben nicht .zusammen, das stst das Unglück,"
nachsichtiger, das, was er an ihr getadelt hatte, in anderer, gütiger Weise gesagt hätte — dann, ja dann wäre manches andere gekommen. Nur er ioar an allem schuld.
Gerda sprang auf und ging auf dem Balkon Han und her. ytohitti, rief da Ilses Stimme aus dem Zimmer.
Mutt^iA KL gmrz- vergessen, dir den Drief an Papa m geben. Da auf dein Tisch liegt er — bitte, schreck! doch die Adresse
„Sßarum schläfst du denn noch nicht?" Sie beugte sich über das Bett, und die Kleine schlang noch einmal die Aermchen um her Mutter Hals Und wßte sie. Da fühlte Gerda, daß die Wange des Kindes tränenfeucht war.
„Du hast ja schon wieder geweint, Ilse.
,^Jch bange mich so nach Papa/, schluchzte auf.
Gerda legte das Kind in bte Kissen zurück und wischte ihm sorglich die Tränen ab, dann streichelte sie ihr beruhigend die Wangen, aber ^^'ckMpn"war, nahm sie den Bries und ging ^^Ohin Zögen^ös-fnete Gerda beit Umschlag. Da stand in Ilses ungelenker Kindevhandschrist:
„Liber Papa!
Warum körnst du noch immer nicht her? Ick bange mich ser nach! dir nick ich weine ost aber das darf die Mutti rach ^ehen sonst ist sie böse. Dir .ist ess ser hipsch und dm Onkel st ser gut zu mir. Liber Papi, rat ist doch.bald dem Geburts-- ;ag, da kanns du doch nich ohne uns sem. Kom, doch her oder schreibe das wir komen sollen wenn du wtlls kom ich auch ganz allein, wenn die Mutti mich auf die Eilebahn letz. Liber Papa ich habe dich ser lieb und ich bange mich! ser nach dir £iein;e
ich will dir was ser hipsches zum Geburtstag schenken
Gerda faltete den Brief wieder zusammen, steckte ihst in einen neuen Umschlag und schrieb die Adresse darauf.
Um ihren Mund lag ein harter, trotziger Zug. —
Schon am nächsten Tage fragte Ilse, ob noch keine Antwort ijbtt torent Papa an fie g^vmNlen tvare, unp btc JJciitteT Mrte ihr, daß das noch! nicht möglich sei. AN Nachmittag fragte sie wieder, und als sie auch am, nächsten Tage wieder eine verneinende Antwort erhielt, brach sie plötzlich m Tranen aus, und Gerda konnte sie nur mit Mühe beruhigen. Sie atmete tote befreit auf, als Hochburgs den Seesteig herunterkamen und. fragten, ob sie nicht mitgehen wollten, weiter hinauf nach dem ©temitranb, um schöne, bunte, platt cckgeschlisfene Sterne zu suchen.
Das Kirck war gleich Fetter und Flamme, all er. Kummer schien öergefren, aber Gerda erklärte, daß sie sich müde suhle Und lieber allein zurückbleiben wolle.
' Sie suchte sich einen Platz, w ert ab von den Strand korben und schwatzenden Menschen, setzte sich in den Sand und sah auf
rief Gerda erregt.
Die Aeltere schüttelte den Kopf.
„Sie haben es gemacht wie so viele Eheleute — <§te erwarteten einer vom anderen das Glücklichmachen, ohne selbst etwas dc-tzu zu tun. Der gute Wille aber, der mußt natürlich, vorhanden sein," setzte sie leiser hinßu. „Denken Sie nur an die Vielen Ehen, wo Mann und Frau ganz verschieden sind! Wo die Frau einfach nicht imstande ist, den Mann zu verstehen, nur in Wirtschaftssorgen und Kleinlichkeiten aufgeht, ober der Mann nichts weiter ist als ein brutaler Genußmensch, ober gar geistig tiefer steht als die Frau. Bei Ihnen sind alle Glücksmöglichkeiten gegeben. Und — seien Sie Mir nicht böse, wenn ich hart werde — Sie haben ein Kind, ein liebes, feinfühliges Kind, um dieses Kindes wegen hätten Sie sich unter allen Umständen ineinander fügen müssen." „ ,, , ,, _
„Ich ging ja fort mit Ilse, damit sie nicht weiterhin Zeugs der häßlichen Streitigkeiten zwischen ihren Eltern sem sollte,"
„Ilse liebt aber ihre beiden Eltern gleich, —
Gerda seufzte. „Sie leben in so glücklicher, so harmonischer Ehe — Sie haben gut reden." .
Frau Hochburg errötete. „Ja, liebste Frau Gerda, glauben Sie denn, daß es nicht auch bei uns Kampfe gegeben, hat? Gerade weil so viel Gleiches .ist zwischen Ihrer Ehe und der unseren^ gerade darum habe ich so herzliches Interesse für Sie. Bei Ihnen liegen die Verhältnisse doch ganz ahnhtch — ZK Mann ist sehr bedeutend auf seinem Gebiet, und Sie — bitte, bitte, seien Sie mir nicht böse — ich finde Ihre Gedichte ja sehr niedlich, aber —" , ....
Wenn sie nicht geschrieben worden waren, wäre es ein Unglück, zu der Ansicht bin ich selbst gekommen," sagte Gerda bitter.
Und dann, wir Frauen müssen doch weicher, nachgiebiger sein als die Männer, wir sind doch, die Schwächeren trotz allem und allem, und gerade in dieser Schwäche liegt liniere Starke, Glauben Sie mir, Ihr Gatte wird es Ihnen nie vergessen, wenn Sie jetzt nachgebett, er wird immer in Ihrer Schuld blecken.
„Wer weiß, ob er nicht froh ist, mich los zu sein.
Das glauben Sie doch wohl selbst nicht, Frau Gerda. Kann denn eine echte, tiefe Liebe überhaupt sterben? Ich glaube sicher, daß er jetzt, wo Sie zum erstenmal flür längere Zeit voneinander getrennt sind, auch über Ihre Ehe nachdenken wird und sich bann auch nicht ganz freisprechen wird von Schuld- ^nd ^venn auch nicht — es ist Ihre Pflicht als Mutter, Ihrer Ilse den Vater wiederzugeben."
Gerda seufzte, dann faßte fte nach der Hand Frau Hoch- burgs und drückte sie. „Ich danke Ihnen, Sie meinen es gut mit mir — aber ich weiß heute noch nicht, was ich tun werde, ich- will noch einmal Nachdenken über alles."
J Ilse und Hochburg waren jetzt wieder ganz nahe heran gekommen. Beide schleppten.schwer an den gefundenen Steinen. Ilse hatte ihr Eimerchen bis an den Rand vollgepackt und einen besonders schönen Stein trug sie in der Hand.
„O Mutti, ich habe einen ganz wundervollen, großen Stein gefunden, daraus mache ich einen Briefbeschwerer für Pappi zum ^H^hburg hatte einige selten hübsch abgeschliffene Steine in sein Taschentuch geknüpft, jetzt legte er sie seiner Frau in den Schoß.
„Aber Mann, willst du bte etwa alle nntnehmen? Denk an bie Ueberfracht," meinte sie entseht.
,Dasür kaufen wir gar keine Mitbringsel, alle Freunde und Verwandte bekommen solch einen seinen Briefbeschiocrer inttge- bracht, da machen wir noch riesige Ersparnisse. Sie sah ihn so erschreckt an, daß er lachen mußte.
„Na, beruhige dich — da mußt du mich doch nun lchon genug kennen, um zu wissen, daß bas nicht mein Ernst ist. Nur ein ober zwei besonders schöne will ich zum Andenken mitnehmen.
„Onkel Hochburg, kannst du mir nicht vielleicht lchon heute zeigen, rote man Briefbeschwerer macht?" fragte xfrfr plötzlich, „Morgen nämlich — vielleicht muß ich morgen schon abrerien, sie wurde dunkelrot. ,, „ . , rr „ m ,,
„Was der tausend, du willst uns hier allein lasten? Wohin soll denn die Reise gehen?" . \ _
„Es ist möglich, daß wir zu meines Mannes Geburtstag nach Hause fahren," sagte Gerda, aber sie sah Frau Hochburg nicht an dabei. „Morgen aber sind wir bestimmt noch hier.
Gleich- darauf verabschiedete sie sich mit Ilse, bte immer vor dem gemeinschaftlichen Abendessen zu Bett gebracht wurde, Frau Hochburg gab Gerda einen zärtlichen Kutz: „Tun sie es, tun Sie es," flüsterte sie ihr ins Ohr.
Ilse schmiegte unterwegs zärtlich ihre Wange an die Hand bcV SJtllttCT.
„Fahren wir wirklich zu Pappis Geburtstag nach Hause?" fronte fic.
Ich weiß noch nicht — quäle mich nicht," sagte diese schroff«
Die erste Post brachte einen Brief Hans Gerolds an seins Frau. Er schrieb:
„Liebe Gerda! ,
Es tut mir leid, wenn ich Dich durch btc Bitte, bte ich heuttz an Dich richten muß, betrübe. Es jütb jetzt zehn Wochen, daß Du Ilse allein gehabt hast, ich henke, es ist nicht unbillig vost mir, wenn ich Dich nun bitte, sie mir für einiget Tage zu schicken«
Bitte, schicke ober bringe sie Sonntag bis Rostock, ich werde, sie von bort abholen ttnb sie Dir nach acht bis zehn Tagen! wohlbehalten roieber bis Rostock zurückbringen. In der Hoffnung, datz es Dir in jeder Beziehung gut gebt, mit bestem Gruß, Hans.
An seine Tochter hatte er ein kleines Briefchen eingelegt, das lautete:
„Meine liebe, kleine Jste! .
Ich danke Dir sehr für Dein liebes Briefchen und freite mich, daß Du den Papa, der sich sehr nach seinem Töchterchen sehnt/ noch nicht vergessen hast.
Nein, an meinem Geburtstag will ich nicht so schrecklich einsam sein, wie jetzt all bte Wochen, ba soll mein, fischen zu mir kommen. Ich habe die Mama gebeten. Dich nur zu schicken. Ich grüße und küsse Dich, mein liebes Kind. . Dem Vater/
Gerda schickte keine Antwort auf den Brief ihres Mannes, aber noch am selben Tage begann sie zu packen, fieberhaft eckig und aufgeregt


