Ausgabe 
30.12.1912
 
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Glückseligkeit.

I zu geben. .

Gewiss, an und für sich hatte der Komlirerzrenrat gegen bte I Offiziere nicht das geringste einzuwenden, er begegnete ihnen stets i I mit Iber größten Liebenswürdigkeit, ein- oder zweimal im Winter t I lud er sie auch zu sich in das Haus, aber trotzdem bestand da eine Schranke, die nicht zu überschreiten war, und ehe der Kom­merzienrat seine Tochter einem1 Leutnant zur Frau gab, eher geschah sonst was. Das wußte Leutnant von Brinken selbst am allerbesten, und wenn es ihm auch im Laufe des, letzten! Jahres gelungen war, Schön-Ellens Liebe zu gewinnen,, die Ein­willigung des Vaters fehlte noch, und selbst Ellen, die sich« nichts sehnlicheres wünschte, als daß ihre heimliche Verlobung bald eine offizielle sei, sah keine Möglichkeit, den Vater umzustimmen. Ja, sie wagte es sogar nicht einmal, mit dem Baler auch nur ganz tm allgemeinen darüber zu sprechen, was bann geschehen würde, wenn sie sich doch noch einmal in einen Leutnant verlieben solle.

Silvesterabend im Kasino in übermütiger Sektstimmung mit der» Kameraden abgeschlossen hatte, und bei der es sich barum handelte, daß er bis heute abend um zwölf Uhr, ehe die Glocken das alte Jahr zu Grabe läuteten, nicht nur mit der schönen Ellen, der Tochter 'des schwerreichen Kommerzienrates, verlobt sein wolle, sondern daß er vor allen Dingen das allen unglaublich erscheinende Kunststück fertiggebrackst habe, den Kommerzienrat zu bewegen, zu dieser Verlobung seines einzigen Kindes seine Einwilligung

Ilses Seligkeit, als sie erfuhr, daß es nun wirklich nach Hause gehen sollte, kannte keine Grenzen.

Sie sprang und lachte und war so kindlich ausgelassen, tote ihre Mutter sie eigentlich noch nie gesehen.

Und wenn er mich auch gar Nicht totff, wenn s nup des Kindes wegen ist. Es soll nicht hin und her geschrckt werden zwischen seinen Eltern. Und wenn er mrr setzt bte Türe weist sie preßte die Zähne in die Lippe, um nicht laut auszuschluchzen so soll und muß er mir auch Ilse lassen ganz allein unb für immer dachte sie.

Am nächsten Morgen reisten sie ab.

Sie kamen am Abend in der Heimat an. Gerda ließ das Gepäck auf dem Bahnhof und ging den kurzen Weg nach ihrem Hanse zu Fuß, das Kind an der Hand, das ganz still geworden war und nur ab und zu die Hand der Mutter zärtlich druckte und an ihre Lippeii zog. Mit zitternden Knien durchschritt bte junge Frau den kleinen Vorgarten ihres traulichen Herms, ihr Herzschlag stockte saft, als sie bie Klingel gezogen hatte und bann Schritte hörte.

Das Mädchen öffnete und prallte zurück.

Herr Gott, die gnädige Fran!" stammelte sie.

.Still wir wollen den Herrn überraschen," flüsterte Gerda.

Der Herr ist drinnen," sagte das Mädchen leise.

Portftren^ins °Zimmer^^Sie^ ftlbf^blieb' v^borge/ stehen. I Aber so verzagt Schlön-Ellen auch ost war, wenn fie mit bemi Da saß ihr Mann über seine Arbeit gebeugt. Sie sah sein kühn I Geliebten zusammentraf, Leutnant von Brinken gab trotzdem die aefchnittenes Profil den fein geformten, bartlosen Mund, den sie I Hoffnung noch nicht auf. Wenn es gar Nicht anders ging, mußte N r o geliebt hatte Das dich/dunkle Haar, durch das sich die List, die er sich ausgedacht hatte, zum Ziele fuhreni, bettn baß

on Sckläsen ckon Silberfäben zogen er seine Wette verlor und zu bent Schaden inGestalt zahlloser

Jetzt wandte Ts Gerchb den Kopf und mit einem halb- Sektflaschen, bie er bann zu bezahlen hatte, auch noch heu Spott

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«AjÄ'ÄÄ - *** *" ÖtfiÄWÄffÄ A mpin klünes Mädchen" murmelte er ergriffen, seines Hauses gab. Cs war em kühner Plan, den er fick aus-

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Ja Hans, ich komme, um dich zu fragen, ob wir ob I um sich bei diesem durch dne Karte anmelden zu lassen, in der du es noch e'inmal versuchen willst mit mir. Ich ich habe er den Herrn Kommerzienrat tn einer brtngenben, persönlichen nachgedacht über uns ich habe viel Schuld ich wir Angelegenheit um eme kurze Unterredung bat.

müssen doch beide unser Kind erziehen," sagte sie scheu mit ver- I Der Diener ging, um den Gast anzumelden, und voller Un- sagenber Stimme. , I geduld wartete Leutnant von Brinken auf dessen Rückkehr. Gott

Gerda" der Mann griff sich an den Kopf, als träume I ^i Dank, der Kommerzienrat war bereit, ihn zu empfangen, crGerda!" das klang wie ein .Jubelschrei, und plötzlich - - - - - - ------------

hatte er das Kind, das sich noch immer an ihn schmiegte, achtlos beiseite geschoben und stürzte auf bie Frau los.

Er riß sie in seine Arme und bedeckte ihr Gesicht Mit Küssen.

Gerda, daß du zu mir kommst daß du so zu mir gt> sprachen ich weiß nicht, wie ich dir danken soll, Gerda, ich chwöre dir, ich werde diese Stunde nie vergessen. ,,^ch bin em chlcchter Kerl, ich habe schuld an allem ich hätte versuchen ollen, dich zu verstehen, ich habe dich so ost gekrankt, bin oft so ähzornig, so brutal gewesen."

Sie hielt ihni lächelnd den Mund zu, ihre Augen standen voll Träneti.Nichts mehr davon, Hans, wir haben beide schuld. Wir haben uns bdbe all bie Jahre betragen wie zwei ungezogene, eigensinnige Kinber, aber ich als Fran, ich hatte nachgiebiger fein foltert__u

/Gerda, daß du so sprichst," er schüttelte ungläubig den Kopf, aber seine Augen ruhten voll Bewunderung auf ihr.

Sie wurde rot.3a, ich habe viel gelernt ba braunen, sagte sie.

Und kommst du nur des Kindes wegen?" fragte er feste und senkte frinen Blick tief in den ihren. Sie barg das Gesicht <m sdner Schulter, und er fühlte, wie sie zitterte.

Gerda, ich will wieder um deine Liebe werben mir wollen noch einmal Flitterwochen halten, aber die sollen zu Jahren werben," sagte er zärtlich.

Sie sah lächelnd zu ihm aus. .. , | gl ,

Glaubst du wirklich baß war betbe nun aut einmal ganz I Um was sanft werden, daß mir uns nie wieder ftrciten werden?

Auch er mußte lächeln.Wenn cs wieder einmal über uns kommt, bann wollen wir an diese Stunde denken.

Und an unser Kind," sagte Gerda teile, und sich Wtzt erst erinnernd, baß sie nicht beide allein im Zimmer waren, blickten sie sich gleichzeitig nach Ilse um. , <. . k

Die lehnte unbeweglich, an des Vaters Schreibst] ch, oie Händ­chen hatte sie in der Erregung gefaltet, und aus ihren^ Augen tropfte Träne auf Träne, aber das ganze Gesichtchen strahlte vor

und so standen sich denn bie beiden Herren wenig spattr tn bent großen Arbeitszimmer des Hausherrn gegenüber. Der Kom­merzienrat war ein hoher, eleganter Fünfziger, dem niemand den Bankier ansah. Mit vollendeter Liebenswürdigkeit hieß er den! jungen Offizier milllontincn, ohne auch nur irgendwie sem Er­staunen über den um diese späte Abendstunbe doch, etwas Un­gewöhnlichen Besuch zu »erraten. Die Aufklärung hierüber über­ließ er seinem Gast, und der sagte denn jetzt sofort: ,,Ich habe um* Verzeihung zu bitten, Herr Kommerzienrat, daß ich Sie heute abend störe, noch dazu, wo Sie Gäste bet sich sehen Aber die Angelegenheit, die mich, zu Ihnen führt, ist fo unendlich wichtig für mich, daß fie keinen Aufschub duldet. Ehe das alte. Iaht zu 'Ende geht, muß die Sache geregelt sein, wenn ich nicht viel­leicht schon morgen---Und nicht wahr, Herr Kommerzten-

rat, das werben Sie nicht wollen, daß ich morgen I Run auch ohne, baß ich zu Ende spreche, werben Sie mich verstehen.

Diese Worte waren ein Trick, auf den der Kommerzienrat hineinfallen sollte. Er selbst hatte mit keiner Silbe von einem] Totschießen gesprochen, das konnte er später mit gutem Gewissen beschwören, uno wenn der andere seine Worte falsch auslegte, bann war das dessen eigene Schuld. , v , . .

Und der Trick gelang wirklich, denn der Kommerzienrat machte ein ganz entsetztes Gesicht:Um Gottes willen, Herr Leut­nant, reden Sie nickst von solchen Singen, wer wird denn alles, gleich immer so tragisch nehmen! Sicher sehen Sie viel zu schwarz, - handelt es sich denn überhaupt?"

Der Leutnant schwieg eine ganze Weile, um die Wirkung seiner Worte zu erhöhen, bann sagte er enblich:«wj brauche heute abend noch hunderttausend Mark/

Der Kommerzienrat glaubte nicht recht gehört zu haben j Hundert---hunderttausend Mark? Und ba kommen Sie

zu mir» Die soll ich Ihnen geben? Soviel Schulden haben Sie?

Der Leutnant sah dem Kommerzienrat offen und frei tn me Augem habe keine Schulden, Herr Koinmerzienra , Nickst einmal die üblichen Kleiderschulden, ^ch lebe m vollständig geregelten Verhältnissen, sonst hätte ich es doch gar Nicht erst bi.* 1FS

von etwa siebenundzwanzig Zahnen, /img mit großen, erregten 1 ) h wieder sah der junge Leutnant den Hausherrn offen und Schritten in fdnem Zimmer auf und ab und zerm^terte sich sein f^^nn sagte er:Ich bedauere, darüber keine Auskunft