Die Dame im Pelz.
.Roman von G. W. Appleton.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Als ich mich umschaute, sah! ich auf der anderen Seite der Straße das strahlende Gesicht des Inspektors Beale. Er kam gleich zu uns herüber.
Nun, Herr Doktor, sagte er zu mir. Sie scheinen ja vergangene Nacht schwer beschäftigt gewesen zu sein, heh? Alle Achtung vor Ihren Leistungeir! Ich kann mir zwar nicht Vörstetten, wie Sie's fertiggebracht Huden, aber jedenfalls war es ein verdammt feines Stück Arbeit, und Sie haben uns viel Mühe erspart. Daß wir Bertholdi eingefangen haben, wissen Sie wohl schon?
Nein, antwortete ich; aber das ist ja ein großartiger Glücksfall und freut mich ungemein.
Glück allerdings. Ich möchte nur wissen, wer ihn so schön angeschossen hat. Er hatte ein hübsches Loch in der Kniekehle. Das Ausreißen verging ihm, — fiel einem von unseren Leuten direkt in die Arme. War das Ihr Werk, Herr Doktor?
Ich deutete aus Mortimer, der nun seinerseits antwortete: Diese kleine Leistung darf ich wohl mir zuschreiben. Wenigstens habe ich auf jemanden geschossen, nachdem er mir eine Kugel am -Ohr vorbeigejagt hatte. Unter den obwaltenden Umständen hielt ich mich dazu für berechtigt, Herr Beale.
Der Inspektor lachte herzlich. Ich. kann Ihnen offen gestehen, versetzte er, daß ich an Ihrer Stelle ebenso ge- handelt, wahrscheinlich nur etwas höher gezielt hätte. Mann Gottes! Was hätte denn einer sonst tun sollen?
Und was wird mit Cißen? fragte ich.
Das wird natürlich eine kleine Vernehmung absetzen, bei der Sie und Ihr Freund Mortimer als Zeugen fungieren werden. Weiter nichts. Was mit Bertholdi geschieht, weiß ich selbst noch nicht genau. Da eine fremde Regierung um seine Auslieferung wegen Hockverrats nachgesucht hat, so befindet er sich zwischen Tür und Angel. Meiner Ansicht nach wird er bei uns verurteilt und aufgeknüpft werden.
Könnte man denn nicht ein Geständnis aus ihm herauspressen? fragte ich. Ich bezweifle sehr stark, daß die Verschwörung gegen Fräulein Garcia hiermit schon vollkommen gesprengt ist.
Das glaub' ich auch nicht, pflichtete er mir bei. Ich werde alle Hebel in Bewegung setzen, um etwas aus ihm 'rauszubringen, doch derartige.Burschen sind sehr verschwiegen, und ich möchte wetten, daß man bei diesem selbst mit Daumenschrauben nichts erreichen würde. Dagegen werde ich jetzt nach Wandsworth gehen, um Ihr Drenst- mädchen ins Gebet zu nehmen. Davon verspreche ich mir mehr, Aber ich bin der Meinung, daß; sie uns mehr nützt,
Mittwoch, den 30. Oktober
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wenn Sie Ihren Antrag zurückziehen, so daß sie freie Beweglichkeit hat. Für eine gute Beobachtung werde ich schon Sorge tragen, und wir können durch sie auf sehr wichtige Spuren gebracht werden.
Ich war selbstverständlich sofort bereit, seinem Wunsche zu entsprechen. Ich sagte es ihm, und damit verabschiedeten wir uns. Im Fortgehen rief ihm Mortimer jedoch nochmal zurück.
Nebenbei bemerkt, Herr Inspektor, fragte er ihn, ist unser nächtliches Abenteuer bereits in die Oeffentlichkeit gedrungen? Hat schon was in den Morgenblätteru gestanden?
Nicht daß ich wüßte, erwiderte der Inspektor, wir haben bis jetzt nichts verlauten lassen, aber für die Abendblätter möchte ich nicht mehr gutsagen. Es ist ost wunderbar, wie Zeitungsmenschen die Sache in Erfahrung bringen. Ich werde später bei Ihnen Vorkommen, Herr Doktor, und Sie das Resultat meines Interviews mit dem Mädchen wissen lassen. Damit verschwand er in der Richtung nach seinem Bureau.
Nun, Mortimer, sagte ich zu meinem Freunde, als der Inspektor fort war, hier möchte ich dich verlassen. Es ist, glaube ich, die höchste Zeit, daß ich mal nach meinen Patienten sehe — vorausgesetzt, daß ich überhaupt noch welche habe. Du bleibst heute doch bei uns? Du mußt doch hören, was der San Franziskoer Verbündete antwortet.
Gewiß, antwortete Mortimer. Da jetzt der Festtage halber Gerichtsferien sind, habe ich ja nichts in der Stadt zu tun — hier dagegen gar mancherlei.
Unter anderem hauptsächlich mit Helen, versetzte ich scherzhaft.
Das gebe ich gern zu, lieber Junge, ohne jeden Vorbehalt. Schieb also los zu deinen Kranken; ich werde mich derweilen etwas angenehmer mit den Gesunden unterhalten.
Es war, wie ich erwartet hatte. An vielen Stellen wurde ich sehr kühl empfangen. In nicht wenigen Familien wurde mir sogar rund heraus erklärt, daß man infolge meiner Vernachlässigung meinen bis dahin verhaßten Konkurrenten Dr. Bunvorthy zugezogen habe und auf meine ferneren Besuche verzichte. In einigen wenigen Fällen sand ich dagegen eine sehr freundliche Aufnahme, wie um mich für die Abweisungen, die ich an anderen erfahren hatte, einigermaßen zu entschädigen. Diese Patienten waren meistenteils junge Leute, die sich für meine eigenartigen Abenteuer derartig interessierten, daß sie sich auf meine Ankünft freuten wie auf das Erscheinen der Fortsetzung eines spannenden Zeitungsromans. Sie fragten mich denn auch so nach allen Richtungen hin aus, daß ich meiner armen Nerven wegen sehr froh war, als ich mich wieder auf dem Heimweg befand.
Das Mittagbrot war gerade vorbei, als sich Inspektor Beale anmeldete. Ich empfing ihn allein in meinem Sprechzimmer.
Also, Herr Doktor, begann er, ich habe eben mit dem


