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hmgespäht, und sp oft ein Zweig im Gebüsch geknackt, hatten sich seine Augen vor Entsetzen weit geöffnet.

Er mußte furchtbare Angst ausgestanden haben und mög­licherweise hatte er allen Grund dazu gehabt, denn kurze Zeit darauf hörte ich, in der Ferne einen Schuß, und hinter mir lautes Rufen. Vielleicht war's ein Jäger gewesen, welcher seine Hunde abrief von jenem Manne indes habe ich nie wieder etwas gehört.

Ich ließ mir , die Warnung gesagt sein und ritt von nun an nur noch in offenem Lande schnell dahin, während ich überall da, wo jemand im Hinterhalt liegen konnte, äußerst vorsichtig war. Ich verhehlte mir das Gefährliche meiner Lage durchaus nicht hatte ich doch noch Hunderte von Meilen in diesem Lande zu durchreisen. Aber trotzdem wollte kein Gefühl der Furcht in mir aufkommen, denn ich hatte die Deutschen stets als freundliche, gutherzige Leutchen kennen gelernt, deren Finger sich lieber um die Pfeife als um ein Schwert schlossen nicht etwa, weil es ihnen an Mut gebrach, o nein, sondern weil diese treuherzige, friedfertige Nation mit jedermann in Ruhe leben wollte. Woher hätte ich auch wissen sollen, daß! unter dieser anheimelnden, ruhigen Oberfläche ein Feuer glühte, das ebenso mächtig auflodern, aber noch anhaltender brennen würde, wie bei den Italienern oder Spaniern?

Bald sollte ich noch mit schlimmeren Dingen als mit rauhen .Worten und bösen Gesichtern Bekanntschaft machen. Ich hatte eben ein gut Stück Heideland durchquert und näherte mich einem kleinen Gehölz, als ich einen Mann zwischen den Stämmen erblickte, dessen Erscheinung mich in nicht geringes Staunen ver­setzte. Sein Rock war so reich mit Gold geziert, daß er im Licht der Sonne wie Feuer strahlte; um den Nacken hatte er ein rotes Tuch geschlungen, welches er mit der einen Hand zu halten schien. Aber der Bursche schien schwer betrunken zu sein, denn er wankte unsicher hin und her. ''

Als er so auf mich zukam, hielt ich mein Pferd an und schaute voll Abscheu auf die Gestalt da vor mir. Wie kounte jemand, der eine so kostbare Uniform trug, sich am hellen Tage in solcher Verfassung sehen lassen? Aber auch er betrachtete mich mit prüfender Miene und schritt nur zögerud vorwärts. Plötzlich schien er aber doch seiner Sache sicher zu sein, denn er rief mit lauter Stimme:Gott sei Dank!", tat noch einige Schritte, vorwärts und fiel dayn auf der staubigen Landstraße nieder. Jetzt bemerkte ich, daß das, was ich für ein rotes Tuch gehalten hatte, eine ungeheure, klaffende Wunde war, aus welcher das Blut strömte. Blitzschnell war ich aus dem Sattel und eilte, ihm beizusteheu.

Guter Gott!" rief ich aus,und ich meinte. Sie seien betrunken!"

Ich sterbe," stöhnte er,dem Himmel sei Dank, daß ich einen französischen Offizier gefunden habe, so lange ich noch sprechen kann!"

Ich bettete ihn zwischen das Heidekraut und flößte ihm etwas Branntwein ein. Auf der sonnbeschienenen Halde ringsum lag tiefer Friede; kein lebendes Wesen war weit und breit zu sehen, als der sterbende Mann an meiner Seite. Ich bog mich zu ihm nieder.

Wer hat Ihnen das getan, und wer seid Ihr? Was ist das für eine Uniform, die Sie da tragen?"

Die der neuen Ehrenlegion Napoleons. Ich bin der Mar­quis St. Arnaud, der neunte meines Stammes, der sein Blut im Dienste Frankreichs vergießt. Lützows wilde Jäger sind hinter mir her gewesen und haben mich verwundet. In jenem Gebüsch dort habe ich mich vor ihnen geborgen und nach einem Frair- zösen ausgespäht. Da kamen Sie; freilich wußte ich nicht, oh Sie Freund oder Feind wären, aber der Tod saß mir im Rücken, und ich durfte keine Zeit mehr verlieren."

Mut, Mut, lieber Kamerad! Ich habe schon mehr als einen gesehen, der schlimmer daran war als Sie, und später noch seiner Wunden gelacht hat."

Nein, nein, mit mir geht's zu Ende."

Dabei legte er seine Hand auf meinen Arm, und nun sah ich allerdings, daß seine Nägel schon blau waren.

Hier tn meinem Rock befinden sich wichtige Papiere, bringen Sie sie sofort dem König von Sachsen in Hof. Er hält noch zu Uns, wenn auch die Königin uns feindlich gesinnt ist. Sie be­müht sich, ihn uns abtrünnig zu machen, und wenn ihr das gelingt, so werden die übrigen deutschen Fürsten seinem Beispiel folgen, denn der König von Preußen ist sein Onkel und der König von Bayern sein Vetter. Die Papiere werden ihn be­stimmen, auf unserer Seite zu bleiben; aber sie müssen ihn er­reichen, ehe er sich anoers entschließt. Versuchen Sie, sie ihm beute noch zu übergeben und Sie werden ganz Deutschland für den Kaiser gewinnen. Das Pferd ist mir unter dem Leibe erschossen worden, sonst hätte ich vielleicht trotz meiner Wunden" er verstummte; die erkaltende Hand umklammerte die meinige, ein tiefer Seufzer und es war vorüber mit ihm., ,

Das war ja eine schöne Geschichte! Hatte ich da auf einmal einen Auftrag bekommen, über den ich mir durchaus nicht ilar war, und der mir einen guten Teil meiner so wichtigen Zeit raubte. Anderenteils schien er wieder so wichtig zu sein, daß jch ihn keinesfalls unberücksichtigt lassen durfte. Ich öffnete die

Uniform des Verschiedenen, die der Kaiser deshalb so prächtig ausgestattet hatte, um die jungen Aristokraten geneigter zu machen- in jene neuorganisierten Regimenter einzutreten. Das kleine Paket Papier wurde durch ein seidenes Band zusammeugehalten; es trug die Adresse des Königs von Sachsen und in der einen Ecke den VermerkHöchst wichtig! Eilt!", den der Kaiser selbst in seiner mir wohlbekannten, unregelmäßigen, gespreizten Hand­schrift hinzugefügt hatte. Und diese drei Worte, sie redeten eine so deutliche Sprache, als ob mein Herr selbst zu mir gesprochen und mich mit seinen kalten, grauen Augen angeblickt hätte. Mochten meine Truppen auf ihre Pferde warten, und der Mar­quis inmitten der Heide schlafen der König sollte seine Papiere heute noch haben und wenn es mir und meiner Mähre ans Leben ging!

Nun hätte ich zwar gar kein Bedenken gehabt, auf der Land­straße im Walde weiter zu reiten, denn es ist ja Tatsache, daß man nie sicherer durch eine gefährliche Gegend reist, als unmittelbar nach einem Ueberfall, und daß die Zeit anscheinender Ruhe die größte Gefahr in sich birgt. Als ich jedoch meine Karte her- vorzog, sah ich, daß Hof mehr nach dem Süden zu lag, und daß es zweckmäßiger sein würde, meinen Weg längs der Heide hin zu nehmen. Nun gut, also über die Heide! Kaum hatte ich hundert Schritte vorwärts getan, so knallten zwei Flintenschüsse aus dem Gebüsch, und eine Kugel sauste an meinem Ohr vorbei. Augen­scheinlich waren die Lützower kühner als die spanischen Briganten- und ich wünschte mir Glück, nicht auf der Landstraße geblieben zu sein.

Alle Wetter, eine tolle Jagd! Knietief in Heidekraut und Ginster, quer durch verwachsenes Gesträuch, bergauf, bergab, immer mit verhängtem Zügel! Aber meine liebe, kleine Violetta strau­chelte nie; sicher und schnell, tote immer, trug sie mich dahin,- meinem Ziele zu, als hätte.sie gewußt, was auf dem Spiel« stand. Und ich? Nun, ich galt ja schon längst für den bestes Reiter in den sechs Brigaden der leichten Reiterei, aber so wie damals hatte ich wohl noch nie geritten. Mein Freund, der Bart, hatte mir von den Fuchsjagden in Englands erzählt nun, ich bin fest überzeugt, der schnellste Fuchs hätte mir an jenem Tage nicht entrinnen können. Immer gradeaus, querfeldein stürmten wir dahin, gleich der wilden Taube über unfern Köpfen! Als Offizier bin ich stets bereit gewesen, das Leben für meine Leute in die Schanze zu schlagen, wenn auch der Kaiser mir nie dafür Dank gewußt hat. Nun ja er hatte der Männer mehr- und doch nur einen einzigen doch still davon!

Tie Dämmerung begann, sich herabzusenken, als ich wieder auf die Landstraße kam und bald darauf gelangte ich in den Ort Lobenstein. Kaum hatte ich das harte Pflaster berührt, so verlor mein Werd eines seiner Eisen, und ich sah mich genötigt, die Schmiede aufzusuchen. Nun hatte der Mann schon Feierabend ge­wacht und das Feuer niedergehen lassen, so daß ich nicht daran denken konnte, meinen Weg vor einer Stunde fortzusetzen. Meiner Verstimmung über den unfreiwilligen Aufenthalt kräftig Ausdruck gebend, schritt ich nach dem kleinen Wirtshaus des Ortes und bestellte mir ein kaltes Huhu und ein Glas Wein. Hof war nun nicht mehr weit entfernt, so daß ich hoffen konnte, meine Papiere noch heute abend loszuwerden und morgen früh mit Antwort für den Kaiser Weiterreisen zu können. Doch, lassen Sie sich jetzt meine Erlebnisse im .Wirtshaus zu Lobenstein erzahlen- meinc Herren!

(Fortsetzung folgt.)

Eine hexenzunst.

Man wird mit einigem Staunen gelesen haben, daß in Eng­land scharfe polizeiliche Maßregeln gegen die Wahrsager ge­troffen worden sind. Es ist ihnen das Annoncieren in Zew tungen, an Anschlagsäulen und allen öffentlichen Platzen ver­boten worden, und man beabsichtigt, gegen den Unfug der Wahr­sagerei in England scharf vorzugehen. Ein vernünftiger Mensch wird ich kauui eine Vorstellung davon machen können, daß es nötig ist, sich diesen Leuten gegenüber auf etwas anderes als den gesunden Menschenverstand der Bevölkerung zu vertanen. Aber die Ausdehnung, welche die Magie gerade in der modernen Gesellschaft gewonnen hat, ist enorm. Die schwarze Kunst wird in weitestem Maße bei allen geschäftlichen und privaten Ange­legenheiten in Anspruch genommen. Leute tue alle andeien Fornien des Glaubens überivunden haben und das Christentum als Aberglauben von sich weisen, behalten sie als letzten Trost.

Es ist kein Mangel au Schwarzkünstlern in London ^n Scharen bevölkern sie die Hintergebäude von. Bondstreet und Mayfair. In einer spiritistischen Zeitung kann man an eurem Tage allein nicht weniger als 300 Anzeigen profesttonsinatzlger Zukunstsdeuter lesen. Und dabei annoncieren noch sehr viele gar nicht, sondern versenden eigene Zirkulare, und die meisten vermehren ihre Kundschaft nur durch Weiterempfehlung. Einige dieser Leute haben große Vermögen verdient, indem sie andern Vermögen vorausgesagt haben. Ihre Sprechzimmer sind voller als die der Modeärzte. Natürlich gehören auch viele Frauen zur Zunft. Eine dieser Wahrsagerinnen ist eine Dame von eleganter Erscheinung, reizenden Manieren und trägt den Ausdruck voll­kommenen Glaubens an ihre eigenen Prophezeiungen zur Schau,