Ausgabe 
29.8.1912
 
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Donnerstag, Sen 29. August

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Roman von Malter B l o e m, Copyright 1910 by Grethlein & Co. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Dem Miniaturkrisg; welchen beide Brigarden, durch Kavallerie, Artillerie und Spezialwaffen verstärkt, im zwei­ten Manöverabschnitt gegeneinander zu führen hatten, lag eine iiberaus komplizierte Annahme für die, allgemeine 'Kriegslage zugrunde. Mer diese Annah,ine existierte eigent­lich nur für Sie beiden Detachementsführer. In das ge^- liebte Deutsch der Unterführer Und vollends der Mann-, schäften übersetzt, verwandelte sich! jede Gefechtsannahme, Verwandelte sich überhaupt das ganze Manöver in das äußerst einfache Rezept:

Marschieren, bis man an den Feind' hieran ist dann ausschwärmen, schießen, sprungweise vorgehen marsch) marsch, Hurra! .

Na und das hatte man ja gebimst bis die Schwarte! knackte!

Für das sogenanntegemeine Truppenschwein" und unter diesen Begriff rechnete man mindestens alles, was -tippeln" mußte, auch die Herren Leutnants der Infan­terie war so das ganze Manöver nichts weiter als ein abwechslungsreicher, strapaziöser imb wenig komfor­tabler Spaziergang ,mit mancherlei scherzhaften Unter­brechungen.

Also, meine Herren,"'schloß Major von Sassenbach eine längere Auseinandersetzung über jenes verwickelte und höchst theoretische Problem, das sich aus der allgemeinen Kriegs­lage ergab,der Witz vons Janze ist folgender: Durchs die Aufklärung ist festgestellt, daß der Feind! durch den Jdar- wald im Anmarsch ist, und zwar auf der Chaussee, die von Bischofsthron über LasGraue Kreuz",nach Bruchweiler führt. Wir stehen augenblicklich am Südeingang von Kemp­feld, das Nest halblinks vorn ist Bruchweiler; das müssen Wir' vor dem Feind erreichen und von seinem Nordwest- rande aus den Feind am Heraustreten aus dem Jdarwalde verhindern. Das erfte Bataillon ist vorn, das zweite und dritte folgt; das Schwesterregiment marschiert auf der Linie Schafbrücke-Schauren. Wir haben also, Gefechts- anschluß rechts und sollen im Angriffsfalle links über­flügeln, sonach bleiben wir im Bormarsch auf Bruchweiler, alleK übrige entwickelt sich historisch! ich danke Ihnen,: Meine Herren l" ,

Na, das strategische 'Geheimnis des Morgens hatte srch also gelüftet, und die Herren Kompagnieführer galoppierten zu ihren Kolonnen zurück.

Weiter ging's in strömendem Regen dUrch das stumme, Ärmliche Dorschen Kempfeld laut kakelnd stoben die .Hühner von der Landstraße herunter guf die bergenden

Misthaufen; flachsköpfige Buben und Mädel sprangen aus den Türen, schrien den Kriegern die ewige Kinderfrage zu: Saldat kummen 'er noch mieh?"

Langsam ansteigend gen Bruchweiler zu, schlängelte sich der lehmige Weg durch abgeerntete, teilweise bereits um­gepflügte Felder, deren nasse Schollen, von der Pflugschar ab gestochen, speckig glänzten . . . eine lange, dunkle Wand, von grauer, zerfranster Wolkendecke überlagert,, rechte sich der Marwald. Von dort her klangen immerfort die dumpjeu Schläge der Geschütze. Zur Rechten irgendwo, auf, einer umnebelten Höhe vergraben, antwortete die Artillerie des. Süddetachements . . .

Willkommene Musik für das Soldatenohr! Sie be­deutete: Bald hat sich's ausgekilometert und wir kriegen ihn am Kragen, den bösen Feind dann geht's ins Quartier. >

Ei verflucht, nein . . . nicht ins Quartier. . - Heute stand am Ende des Marschtages ein Biwak auf kotigem Stoppelfeld...

Noch drei Kilometer bis Bruchweiler.

Inmitten eines Hages von leise herbstlich gebräunten Obstbäumen träumte das verschlafene Dörfchen unterm' Schirm des Waldgebirgs . . .

Plötzlich rack . . . tack, tacktack vom Dorfrand her knatterten die ersten Gewehrschüsse durch! die brauenden

Dünste.

Nach einigen Minuten stob' in vollem Galopp ein Zug der diesseitigen Kavallerie, der Deutzer Kürassiere, den Anger entlang, in eiliger Flucht hinter der anrückenden. Infanterie Deckung zu suchen.

Wie schmutzige Mehlsäcke sahen die weißen Koller aus im trüben Morgenlicht...

Ihr Führer meldete im Vorbeirasen dem Maiorr -Bruchweiler wird soeben von abgesessener feindlicher Ka- Bollerte Befett !z/

Hochauf richtete sich der Major in den Bügeln: ,,Herr Leutnant Blowatz!" :

7,Herr Major?!"

Das Bataillon Entwickelt sich links gestaffelt, links der Chaussee vierte Kompagnie hinter der linken Flanke aufmarschiert, aber geschlossen, zu meiner Verfügung!"

Zu Befehl, Herr Major!"

Wer Adjutant preschte zurück. .

Wie der Blitz war Hauptmann von Brandeis vom .Gaul! herunter, warf die Zügel seinem Burschen zu, der dienst^ kundig sogleich zur Hand war:Die ganze Kompagmg nach links schwär- en! Marschrichtung: der große Baum in der Mitte des Dorfes!"

Und in heu Bügeln richtete sich auch! Leutnant Fro-, benius auf . . . Roland fuhr aus seinem Halbdusel mit Entsetzen empor Md machte einen kleinen Seitensprung: 7,Exerzierordnung! mit -Gruppen links schwerst marsch, marsch!" .