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Sommerleutnants
Roman von Walter Bloem.
Copryght 1910 by Orethlein & Co.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
„'Morgen, meine Herren!"
„Guten Morgen, Herr Hauptmann!" Die beiden Offiziere verneigten sich.
„Ah, Herr Hauptnnann schenken uns die Ehre heute," sagte der Kasinovorstand, „ist ja Wohl das erstemal, seitdem Herr Hauptmann der Tischgesellschaft aus so überaus angenehme Weise entfremdet worden sind!?"
„Tja," meinte Hauptmann von Brandeis, „alles den Herren Zameraden von der Reserve zu Ehren! — Da ist nämlich der Maler Flamberg dabei, den hab td) seinerzeit als Rekruten ausgebildet. — Ich habe bei Herrn von Schoenawa durchgesetzt, daß er in meine Kompagnie kommt."
„So," meinte Menshausen, „also der ist Herrn Haupt- manns Fall?"
„Warum nicht?" entgegnete Hauptmann von Brandeis, „und übrigens — wissen Sie, wir gehen doch nächstens ins Manöver, und da weist ich aus Erfahrung. — Flamberg hat nämlich schon einmal bei meiner Kompagnie während des Manövers geübt — der ist unschätzbar als Menagenchef. Wenn ich die Manöververpflegung dem Windhund, meinem kleinen Carstanjen, überlasse, dann bekomm ich während der drei Manövertvochen nichts Vernünftiges zn essen und zu trinken — La halt' ich mich schon lieber an Flamberg — das ist. ein Genießer vor dem Herrn! — Außerdem hab' (icEy auch noch andere Absichten mit ih-M: er soll meine Frau malen!"
„So," meinte der Oberleutnant gedehnt, „wissen Sie denn auch, Herr Hauptmann, daß Flamberg in dem Ruf steht, von den Damen sehr — hm, hm! — verwöhnt zu werden?"
„Na, wennschon," sagte Brandeis phlegmatisch, „er ist Verlobt! — llebrigens war das eine ziemlich geschmacklose .Bemerkung von Ihnen, lieber Menshausen."
Der Hauptmann machte kurz kehrt und ging ohne Gruß in das Rauchzimmer zurück.
„Kennen Sie Frau von Brandeis, lieber Blowitz?" fragte Menshausen leise.
„Wenigstens Par renommse," erwiderte der andere, x,soll 'ne Schönheit sein, wie?"
„Schönheit —? viel zu wenig! Die Frau, wissen Sie, das ist — einfach 'ne Sache, verstehen Sie. — — Wie die an dieses schlafmützige Dusseltier, den Brandeis geraten ist, das wissen die Götter! — Stammt aus 'ner schwerreichen Düsseldorfer Fabrikantenfamilie — fabelhaft musikalisch — und ein Temp erament —! Wenn ich Brand eis wäre, die liest ich nicht fünf Minuten ans den Fingern! Nä, schließlich
so'n Reserveonkel — davor wird sie hoffentlich ihr guter Geschmack bewahren. — Wenn schon — dann soll's wenigstens in der Familie bleiben —!"
In diesem Augenblick trat der Stabshoboist, der Königliche Obermusikmeister Herr Biesicke ein, schritt stramm aus den Kasinovorstand zu und meldete: „Regimentsmusik zur Stelle!"
„Danke, lieber Biesicke! Na, nun können die Herren Kameraden der Reserve und Landwehr meinetwegen anrücken !" — (—
* '
Draußen auf dem Kasernenhof lag die Augustsonne in breiten goldenen Flächen ausgegossen — immerfort tauchten in diese gelbe Fläche glitzernde, flimmernde Punkte hinein.
Jetzt kam bei lustigem Pfeifen- und Trommelklang eine Kompagnie mit Staub und Schweiß bedeckt von der Feld- dienstübnng zurück. Der Hauptmann an der Spitze setzte seinen Gaul in Galopp, sprengte bis auf die Mitte des Kasernenhofes vor und kommandierte, daß es schallend an den langer: Fronten der Kasernengebüude widerhallte: „Augen — rechts!"
Hei! Da richteten sich all die marschmüden Gestalten noch einmal stramm äuf — mit einem Ruck flogen die Köpfe rechts herum, und in flottem Parademarsch zog die gleißende, waffenrasselnde Schar an ihrem Häuptling vorüber.
„Kompagnie — halt! — Mit Gruppen links schwenkt —7 marsch! Halt! Gewehr . ab! — Rührt euch"
Schon erschien, aus seiner behaglichen, kühlen Kompagniestube hervorgekrochen, der behäbige Feldwebel, erschienen Mannschaften vom Arbeitsdienst in Drillichzeug, Feldmützen und blauen Schürzen, um die von: Gefecht übrig gebliebenen Platzpatronen und Patronenhülsen abzunehmen '—: einige Befehle wurden noch ausgegeben — dann hieß es: „Stillgestanden! — Weggetreten!"
Und nach strammer Kehrtwendung ergoß sich die Schar der jungen Krieger wie eine heiße Flutwelle schweißdunstiger, wangcnbrauner Jugend in der Richtung auf die Kaserneneingänge uird-verlor sich schwatzend, lachend, stiefelpolternd in die hallenden Korridore.
Der Hauptmann warf seinem Burschen die Zügel seines Kleppers zu, voltigierte so elastisch, als ihm seine zweiundvierzig Jähre Lies gestatteten, vom Pferde herunter und wandte sich zu seinen Offizieren. Die standen, Hand am Helm, Säbel angefaßt, seiner Befehle gewärtig: „Ich danke Ihnen, meine Herren — wie wär's mit einem Schoppen im Kasino?"
„Selbstverständlich, Herr Hauptmann!"
Da standen in der geräumigen Eingangshalle des Ka- fernengebäudes die sechs eingezogenen Offiziere des Beurlaubtenstandes: „Ah, sieh da — die Herren von der Reserve und Landwehr!"


