Ausgabe 
29.5.1912
 
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Die von Gründingen.

Roman von Freiherr von Schlicht.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Der Baron erwartete die beiden Komtessen in der Reit- vahn, sie fanden ihn damit beschäftigt, das Sattelzeug Und die Riemen eingehend zu prüfen.

Dars ich fragen, wer den Komtessen bei dem Einkauf der Pferde geraten hat?" erkundigte er sich nach der ersten Begrüßung.

Unser Bruder Hans," gab Mexa zur Antwort, wahrend Dagmar ihrem Pferd ein Stück Zucker reichte.

Das sollten Sie lieber am Schluß der Stunde tun, Komtesse," rief er ihr zu.Pferde sind in mancher Hinsicht wie die Menschm, auch die verdienen ihre Belohnung erst nach getaner Arbeit, lobt man sie vorher, dann tun sie nicht immer ihre Pflicht."

Danke."

Eine leise spöttische Ablehnung klang aus diesem Worte heraus, aber er schien sie nicht zu hören.

Bitte sehr, Komtesse. Im übrigen werden Sie im Lause der nächsten Wochen noch so oft Gelegenheit haben, zu mir .danke' zu sagen, daß ich glaube, es ist besser, wenn wir von vornherein diesen Dank fortlassen. Ein Kaufmann würde sagen: es erschwert unnötig den Geschäfts­verkehr, und daß die Damen mir dankbar sind, oder es wenigstens sein werden, glaube ich auch so annehmen zu können."

Der Hieb saß, und ärgerlich biß Dagmar sich auf die Lippen.

Sie mußte sich eingestehen: Schuld hatte sie selbst. Warum behandelte sie den Baron nicht lediglich als das, toftg- er wär, mit kühler Höflichkeit? Dann setzte sie sich solchen Entgegnungen nicht aus, und verriet dadurch nicht, daß sie sich in Gedanken doch mit ihm beschäftigte, daß sie sich über sein Wesen ärgerte, und daß seine Keckheit, hierher zu kommen, sie empörte.

Worauf bezog sich Ihre. Frage vorhin, Herr Baron?" erkundigte sich Alexa jetzt.Wer das sage ich Ihnen gleich: wenn Ihnen meineLady" nicht gefällt, wenn Sie an der etwas aussetzeu, Hann haben Sie es ein für allemal mit mir verdorben was, Lady?" Und zärtlich schlang sie ihren Arm um den Hals des Pferdes, das ihr den Kopf zudrehte.

Der Baron erhob in komischer Verzweiflung abwehrend die Künde:Wie würde ich es wagen, Komtesse, den Lieb­ling Ihres Herzens zu tadeln! Ganz ernsthaft: Lady ist ein ausgezeichnetes Pferd, nur hat es einen Fehler, es eignet sich nicht für eine Dame. Ich habe Ihnen nicht gleich sagen wollen, um Sie nicht zu betrüben, aber Lady hat einen zu kurzen Hals, und dadurch eine schlechte Sattel­

lage. Die Schultern sind mir nicht schräg genug Und fallen nicht lang genug ab. Ja, es ist sehr schwer, für eine Dame ein passendes Pferd zu kaufen."

Mexa stand ganz geknickt da.Sie werden mir meine Lady doch nicht etwa fortnehmen wollen?"

Vorläufig noch nicht, Komtesse" beruhigte er sie,aber wenn es sein muß, dann fügen Sie sich bitte in das Uni vermeidliche. Sie reiten ja nicht Ihrer Lady wegen, son­dern um der edlen Reitkunst selbst willen, und da ist das Pferd doch nur das Mittel zum Zweck und nicht der Zweck selbst."

So passen Sie doch auf, Heinrich!" erklang da Dag­mars scharfe Stimme.

Der Baron, der ihr bisher den Rücken zugewandt hatte, um Mexa die Fehler ihres Pferdes zeigen zu können, drehte sich schnell um. Dagmar hatte sich in den Sattel heben lassen und wäre beinahe zur Erde geglitten, da ihrOld fellow" einen kleinen Settensprung machte, während sie noch mit dem Ordnen ihres Reitkleides beschäftigt war.

In Zukunft hebe ich die Komtessen in den Sattel,"- wandte sich der Baron an die beidejn Stallknechte.Merken Sie sich das." Und seine Worte an Dagmar richtend, fuhr er fort:Es ist wichtiger, Komtesse, daß Sie, sobald Sie im Sattel sitzen, das rechte Knie um das Horn legen, als daß Sie Ihren Rock zurechtziehen. Dazu ist immer noch Zeit, und in Zukunft werde ich auch das besorgen."

Der Tadel war gerechtfertigt. Hätte Dagmar gleich den richtigen Sitz eingenommen, so hätte die unerwartete Bewegung des Pferdes sie nicht beinahe aus dem Sattel gebracht. Trotzdem lag ihr eine Entgegnung auf den Lippen, aber sie schwieg. Warum widersprechen, warum ihm da­durch zeigen, daß seine Worte ihr nicht absolut gleichgültig waren?

Der Baron hob Alexa aufs Pferd, und dann schickte er die beiden Stallknechte fort:Sie können gehen aber einer von Ihnen bleibt draußen vor der Tür, damit er gleich zur Stelle ist, wenn ich ihn brauche."

Gleich daraus war der Baron mit seinen beiden Schülerinnen allein.

Wenn die Komtessen jetzt vielleicht so liebenswürdig sein wollten, mir etwas vorzureiten, so wäre ich Ihnen sehr dankbar. Tun Sie aber bitte, als ob ich gar nicht zugegen wäre. Versuchen Sie keine Kunststücke, die Ihnen vielleicht noch gar nicht gairz geläufig sind, sondern reiten Sie so, wie Sie es gewöhnt sind. Da ich noch nie den Vorzug hatte, die beiden Damen im Sattel zu sehen, muß ich mir erst ein Urteil darüber bilden^ wie weit Sie es in diesem Sport gebracht haben."

Dagmar merkte von neuem: in der Berstellungskunst hatte sie an ihm einen ebenbürtigen Gegner gefunden.. Mancher andere hätte die Wortenoch nie" vielleicht ab­sichtlich betont, um ihr dadurch auch den letzten Zweifel zu rauben, ob sie sich nicht vielleicht doch schon einmal