Ausgabe 
28.12.1912
 
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fett auch eine reichliche Portion gesunder Festigkeit vorhanden sein darf, auch das hatte der Sidelius am eigenen Leche ge-

^ilr9ieiit, diese Seite, die liebe Seele mit den starken Armen das; er die hatte verlieren müssen in ihren Bemühungen 1W sein Wohl! , , .. ,

Heber sein ernstes Gesicht huschte ein Lächeln, wahrend er sein Ziegenbärtchen neuerdings strich . . . Wie die Lene noch acht Tage vor ihrem Tod das Rettungswerk an ihm vollbracht hatte: es war zum Staunen!

Nein," gestand er sich laut,diese Seite!

''Schlaft,' sag ich! Ich rede mit der Mutter!"

Mutterle!" echote ein Kind weich, als mnarrne es die ferne Frau.

Schlaft bigott!"

^Schlaft! Ich denke, sie kommt wieder!" beruhigte er. Und für sich setzte er hinzu:Nur wird sie künftig Ameisele heißen! und damit legte er sich zu Bett.

*

Scholl am frühen Morgen, als die Spähen noch ihren Haupt- lärm vollführteu, stand Fidelins vor der Haustür. Er wünschte dem Ameisele einen guten Morgen, als sie auf dem üblichen Weg zum Metzger begriffen war, und fragte, ob sie bereits mit ich ins Reine gekommen sei über den Vorschlag, den er ihr kürzlich, angedeutet habe.

Ob denn das sein Ernst gewesen iet?

Sell will ich meinen!" ,

Ha nu, den ersten Vers singt mancher und denkt nicht an den zweiten!" .... , c ...

So will ich ihn grab' letzt fingen! Lanfen Sie mit nnr eilt Biertelstündle hinauf; es schwätzt sich besser"

Also!"

Und sie begaben sich in sein Schneiderstttbcheit.,

Etwas Gut's kann man in einem Biertelstündle immer sagen, wenn kein Aber eingeflochten wird!" begründete sie ihre Bereitschaft. , .....

Droben tat er einen kurzen Blick in ihre verständigen, ge­heimnislosen Bauernaugen und war ganz Sache:

Also; ich hab' mir schon längst gedenkt: Dn heiratest wieder! Allein woher nehmen und nicht stehlen! Wer sehnt sich nach einem Witwer mit sechs Kindern! Wir sind unserer Sieben und brauchen eine Achte, die täglich sechsfach Mutter ist und einmal Frau."

Das Ameisele guckte ernst in ihren Metzgerkorb hinein.

Ameisele. . . willst?"

Sechs Kinder zu bereinigen und zu versorgen, ift viel!' sagte sie.Aber imLöwen" wird mir die Sach' allmählich zuwider, seit ich tagsüber am .Herd zu schaffen hab' und nachts Gäste bedienen soll, wenn Hilfe not tut!"

Aha: sie war nicht gern bei den Studenten!

Und .wie lange so junges Volk trinken kann! Noch jetzt liegen manche davon im Bett und schlafen!" fuhr sie fort.

Da sollten sie möglichst bald eine Frau erwischen, wie ich eine besessen hab'! Eine Frau, die das Gleichgewicht wieder herstellt, wenn der Herr vom Hans zu viel Weinproben ab-

So, so?" lachte das Ameisele.Das tat ich natürlich arg gern wissen, ob die Kur auch Bestand haben wird. Ich hätte gelviß nicht die Kraft, sie zu wiederholen."

Ja was!" sagte er und befühlte Kopf und Arme.So eine Kur hilft bis an's selige Ende. Ich fühl' die Medizin noch jetzt innen und außen, auch wenn ein Jahr drüber vergangen ift!"

Schmeckte sie arg schön?" neckte sie.

Ha, was soll man schwätzen! Mehr nützlich als schön! Ich mein' grab, keine Stunde sei vergangen seit der Bataille. Ich laufe in der stockdunkeln Nacht mit meinem Hagelsrausch über den vereisten Acker vorn Dorfe aus, stolpere mauchiual und falle uud rapple mich wieder auf. i Und als ich 'auf den Kreuz­weg lostappe, wo die Hexen tanzen sollen am Schwursteiu, da packt mich jählings genau an der Stelle, wo ich schon drei Tage vorher verdroschen worden bin und wo das Korn auf der Tenne, wieder eine starke Hand hinten im Genick und ich brüllte wie der Marder in der Falle, aber der unsichtbare Geist haut zu lt>ie auf kalt Eisen. Uud wie ich endlich wieder aufrecht stehe, ist der Klopfgeist .spurlos verschwunden gewesen, genau wie beim ersten Ueberfall."

Man solt's nicht meinen! Diese Seite!" lachte das Ameisele.

Da leuchteten des Fidelins Augen stolz:Ja, die hat ge­wußt, was hilft und nach aiifänglichen Schiuerzen gut tut! Ja/ wie ich so heim stolziere mit meinem schmerzhaften Ge­stell . . . sei still, hab' ich mir gedacht, und schluck den Aerger hinter! Erwischen tust du den Sansbuben doch nicht mehr, der bei nachtschlafender Zeit alte Leute verdrischt! Und wie ich heim­komme, hat meine .Sette friedlich geschlafen und kein Wort ge­sagt. Aber vier Tage später hat sie mich und die Kinder zu sich gcrttfeit: Kinder, eure Mutter kann heute nicht ausstehn und

wird vielleicht immer liegen bleiben. Seid schön brav! sagte sich Jetzt so, Kinder wie meine, Erfahrungen haben sie noch feine,; die haben noch keinen rechten Sinn für so Sachen. Unfereinemi freilich fallen alle Sünden ein, auch noch, wenn man nachts Kalender macht oder die Sterne zählt",

Diese Seite!" wunderte sich das Ameisele wieder.

Nachher ist der Doktor einigemal dagewesen, bei der Seite^ Fidelins" ruft sie an einem Morgen.Lene?"Adieu, Fidelins!"Was redest du auch, Seite!"Mit mir geht'H zu Ende. Vergiß die Kinder nicht. Und nicht wahr: Du wirst nie mehr die Nächte durch draußen auf dem Dorf sitzen und einen Schoppen nach dem anderen trinken?"Ja! Ja,"" rufe ich.Denke zeitlebens an den Geist, der dir den Heimweg versalzen hat?"Ja, Lene! Du weißt davon?"Ehe ich die Augen zu mache," sagte sie,will ich dir die Wahrheit sagen: der Geist, der war nämlich ich. Ich bin er gewesen für unsere Kinder, nachdem all mein Zureden bei dir nicht mehr ge°- fruchtet hat"Seite!"Verzeihst du mir?" ,,^a, Seite!" .Schau, ich muß zu sehr in die Hitze gekommen sein draußen in der Kälte und zu rasch von dir heimgelaufen fein, damit du nicht erfährst, wer dir draußen im Nacken ge­sessen hat. Schon am nächsten Tag hab' ich meinen Körpetz gespürt, mehr vielleicht als du, und ich hab' dem Doktor gleich angesehen, daß meine Mühle am Abläufen war. Adieu, Fidelins!' Adieu, Seite!"Du verargst rnir's, nicht?"Daß du mir nicht Kränze winden würdest bei der Heimkehr, so viel hab' ich mir selber gedacht!" antwortete ich ihr noch, und da ift Ite ein- geschlafen, die' Sene."

Bärlein hielt einen Augenblick still Gedenkfeier.Ste tft daran gestorben, aber ich bitt tariert." ,

Das Ameisele strich ihm wie einem Kind über die Backen^ Willst nicht?" fragte er.

Was drückt dich?" ,

Mit den Kindern ivürd' ich wohl fertig, die find ge-

Wenn der Geist doch ivieder vergessen ivürde?"

Das .gibt's nie!" Und er lief an die Kommode.Schau her das Büchel. Darauf stehen an die tausend Mark bei der Sparkasse. Jetzt will ich nur eine Frage tun: meine Kinder werden eine rechte neue Mutter haben?" .

Das ist ausgeulacht und sicher!" bekräftigte das Ameisele.; Da warf er. ihr das Büchlein in den Korb:Das nimmst du jetzt mit; es gehört dir als Pfand dafür, daß ich den Klopf­geist nie vergesse!"

Und bleibt den Kindern sicher unfern Kindern!'^

Ganz recht! Willst mich jetzt?"

Ich will dich! Jetzt muß ich aber eilen; sonst wird int Löwen" zum ersten Male das Mittagessen nicht fertig!"

Da sauste sie davon ... Er riß das Fenster auf. Drunten raschelte alsbald das blitzblanke Waschkleid und ein Mädchen- gesicht lachte sonnig.

Ameisele!"

Ich muß jetzt eilen!"

Wir machen bald Hochzeit, weißt?"

Ha nu: ich mein, im Winter genügt lins ein Ofen!" 's wär' mir reift!"

Husch, husch verschwand sie im Metzgerladen und kaufte mit Kennerblick das beste Kälberne und Schweinerne.

Fidelins zupfte das Bärtchen:

Das Ding hätten wir gepackt!" Und an die Wüste mit den Dromedaren und den dreizehn Palmen dachte er hinfort nicht mehr. ________

Artthmognph.

1 6 9 9 2 5 fremdländische Münze.

2 1 9 8 5 ein Raubvogel.

3 6 12 Mineral.

4 5 2 3 Futtermittel.

5 2 1 Teil eines Wagens.

6 18 5 ein Fluß.

3 2 4 6 Nahrungsmittei.

7 2 9 2 ungarisches Komitat.

8 5 9 8 einen Baum.

9 6 5 1 Titel.

6 9 4 2 weiblicher Vorname.

3 2 2 9 8 Nebenfluß der Elbe.

Die Anfangsbuchstaben der gefundenen Wörter bezeichnen den Wunsch zahlreicher Sterblicher. Die Erfüllung desselben gereicht aber nicht selten zum Unglück.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung der Königspromenade in voriger Nummer: Tie Hälfte deines Lebens ist Erwerben;

Verlust, Enttäuschung, Trübsal Schlag at'if Schlag, Verzichten und Entsagen Tag für Tag

Erfüllt den andern Teil; der Rest ist Sterben!

Redaktion: K. N e u r a t h. Notatwnsdrurk und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.