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wie Gewürze wirken.
Die Kochkunst tragt die Unentbehrlichkeit der Gewürze Rechnung, indenr sie sie verwendet, uni die Speisen schmackhafter zu wachen. Diese größere Schmackhaftigkeit wirkt aber auf dem Unwege über die Psyche auf die Speichel- und Magensekretion ein, und dies ist der erste Anteil der Gewürze bei der Verdauung. Außer diesem aber gibt es noch vier weitere Aufgaben der Gewürze, wie Alfred Gigvu in Basel, der hierüber gegenwärtig Untersuchungen ausführt, in der „Klinisch-therapeutischen Wochenschrift" auseinandersetzt. Manche Gewürze beeinflussen die Absonderung der Verdauungsflüssigkeiten unmittelbar. Kochsalz und aromatische Gewürze — die die Arzneimittellehre als Stomachiea verordnet — regen die Absonderung an. Hierher gehören der Jng- !ver, Zimt, Gewürznelken und Pfeffer. In ähnlicher.Weise wirken auf Magen- und Darmtütigkeit manche Bitterstoffe, jedoch nicht mit der Nahrung gegeben, sondern vorher in .den Blagen gebracht, K. B. die Bitterstoffe des Enzians, des Llbsynths und des Hopfens. Einige Gewürze tierischer Herkunft, die Würzstoffe der Fleischbrühe, des Kaviars, der Sardellen und einiger Käsesorten, wirken ähnlich wie die aromatischen unmittelbar fördernd auf die Tätigkeit des Vcrdauungskanals. Als beinahe vollkommen vernachlässigt stellt Gigon die Wirkung der Gewürze auf Hie Darmflora dar: manche Gewürzstoffe entfalten eine antibakterielle Wirkung. Hierher gehört z. B. das Allylsenföl, das in Radieschen und "Rettichen vorkommt, ferner ein ähnliches Del, das im Knoblauch, in Zwiebeln nnd verwandten Mlinmarten vorhanden ist. Es scheint, als ob die Kochkunst hiervon eine unbewußte Kenntnis habe, denn Nahrungsmittel, die pathogene Mikroorganismen enthalten könnten, Hummer, Schnecken, Kaviar und einzelne Käsearten, sowie Fisch- und Vogelgerichte, die Hautgout haben, pflegt man stark $u würzen. Eine vierte Eigenschaft, die manche Gewürze haben, ist die Wirkung auf den intermediären Stoffwechsel: sie sparen Eiweiß. Auf welche Weise dies geschieht, weiß man nicht sicher. Jedoch zeigt ein Beispiel gleich, worum es sich handelt: der Malaie und der Japaner leisten bei ihrer Kost von stark gewürztem Reis mehr, als unsere mitteleuropäischen Arbeiter. Vielleicht spielen Kaffee und Kaffeeersatzmittel eine ähnliche Rolle. Als letzte Wirkung der Gewürze ist schließlich der Einfluß auf das Nervensystem zu nennen. Alkohol, Koffein nnd Theobromin, deren Wirkungen ja hinreichend bekannt sind, gehören zu diesen. „Hirn- gennßmitteln". Gleichfalls gehört in diese Gruppe der Würzstoff der Vanille, der sich übrigens auch im Hafer findet, und die Wirkung der Lorbeerblätter scheint auf etwas ähnlichem zu beruhen.
vermißtes.
— Der Geburtstag der reich st en Frau der Welt. Aus New Nork wird berichtet: Europa würde vielleicht den Kopf schütteln, wenn es sähe, wie die amerikanische Presse dem 78. Geburtstag H e t t h G r e e n s fast ebenso viel Platz einräumt wie dem ganzen Balkankrieg. Die greise Geschäftsfrau und Multimillionärin wird von Jahr zu Jahripopulärer, führt sie doch noch heute mit unverminderter Kraft die Verwaltung ihres Millionenver- mögens, leitet ihr Geschäft, gibt ungezählte Hunderttausende ohne Lärm und Pose für gemeinnützige Zwecke und verschmäht es für ihre Person mit ihrem Reichtum zu prunken. „Sie ist eine jener Amerikanerinnen", so schreibt «ein führendes New Aorker Blatt, „die sich nicht schämt zu sparen und die recht erfolgreich gegen die hohen Lebenskosten ankämpft". Die alte Dame wurde natürlich von Reportern überlaufen nnd gutmütig lächelnd empfing sie die bunte Schar der Wißbegierigen in ihrem Bureau. Dort saß sie, auf ihrem Kontorsessel, in strenger Einfachheit gekleidet, aber ihre roten Backen verrieten, daß ihr Arbeit und Enthaltsamkeit wohl bekomme. Die Besucher waren nicht wenig verblüfft, als sie Hetty Green damit beschäftigt sanden, Zwiebeln zu kauen. Und vergnügt meinte sie: „Lächeln Sie nur, aber die gesunde Farbe meiner roten Backen verdanke ich diesen Zwiebeln: Zwiebel ist das gesündeste, was es gibt, und ich könnte nicht existieren, wenn ich nicht immer eine in Reichweite hätte." Dann plauderte Frau Hetty Green dreiviertel Stunden mit den Reportern und geizte nicht mit Winken und Ratschlägen für die Jugend. Denn damit hat sie sich abgefunden: an ihrem Geburtstag ist sie das Opfer der Oeffentlichkeit und an diesem einen«$oge muß sie ihre Zurückgezogenheit anfgeben.
* Bluineu als — Rattenfänger. Eine höchst eigenartige Entbeckmig machte unlängst ein Handelsgärtner in Bette- ionlaine. Er beobachtete nänrlich, wie ein Rattenpaar sich an seinen hübschen, hellroten Nelken, die er mit aller Liebe pflegte, dick und fett fraß Da der Gärtner durch diese sonderbare Geschmacksrichtung der 9inlten indes sehr geschädigt wurde, versuchte er, ihnen allerlei Delikatessen anderer Art, als da sind Käse, Speck, Schinken usw., in der vorsichtig ausgestellten Rattenfalle als Lockspeise mt- zubieten. Vergebens. Endlich probiert er es mit einer Nelke, lind richtig. Ter erste Nachtwanderer siel auf die ihm lieb gewordene Leckerei hinein und ward gefangen. Täglich unternahm er nun dasselbe Experiment und mit gleichem Erfolg, so daß er bald die Rattenplage als überwunden betrachten durste Diese merkwürdige Vorliebe der Tiere für starkdufteude Blumen will sich der ameri
kanische Gärtner zunutze machen imb eine Lockspeise mit Blumen- geruch Herstellen, die die lebenden Blumen ersetzen soll. Außer mit Nelken versucht er es gleichzeitig mit Rosen und Maiblumen und Ivill beobachten, welche dieser Blüten die stärkste Anziehungskraft auf die Ratten apsznüben vermag.
* Protest. Vater (auf das Thermometer blickend): „Heute sind neun Grad!" — Der kleine Fritz: „Wieso! Sonst sind doch neun nngrad!"
Lprachecke der Allgemeinen Deutschen tzprachvereinr.
D i e 2l k t i e n g e s e t t s ch a f t e ii a l s D e u t s cy v e r d e r b e r Seit etlichen zwanzig Jahren n mmt die Zahl der Altiengesell- scbaften, Gesellschaften in. b. H. usw. stetig zu, und seitdem finden sich in allen Nachrichten über sie sprachliche Fügungen, die jedem gesunden Sprachaefühl hohniprechen und doch mit Leichtigkeit vermieden werden fönnlen. Ta heißt es: „Tie Ungarische Heinrich Lavp A.-G. für Tiefbohrungen", „Die Hauptversammlung der Bletallbank und Nletallurgische Gesellschaft Akliengesellschait", „der Direktor der Vercinigte Gummiivarenfabriken", „die Deutsche Kabelwerke Akt.-Ges.", die „Höchster Farbwerke vorm. Meister, Lucius L Brüning Akt.-Ges. bezeichnet den meschäfisgaug als günstig", „die Direktion des Friedrich Krupp Grusonwerk", „Aktien der Deutsche Gasglüvlicht A.-G.", „Aktien der Schwelmer Eisenwerk Müller & Ko. A.-G.", „Teilschuldverschreibungen der,Siemens' Elektrische Betriebe A.-G.", Aule he der Mutter & Schulze G. in. b. H." usw. usw. Das ist a les fei» Deutsch: aber mau wird eiinuenben, die Gesellschaften seien gerichtlich so eingetragen und an dein gerichtlich festgelegten Namen dürfe nicht gedreht, noch gedeutelt werden. Ist es deiui wirklich gerichtlich verboten, „der Metallurgischen Gesellschaft" zu sagen? oder „die Aktien der Deutschen Gasglühlicht- Aktiengesellschaft" ? oder „die Hauptversammlung der Ungarischen Aktiengesellschaft für Tiefbohruugen Heinrich Lapp" ? oder „Abschluß der G. in. b. H. Müller & Schulze" (statt: . . der Mütter & Schulze G, in. b. H.) ? Wenn das wäre — der beschränkte Laienverstand würde es nun und nimmer begreifen. Kann denn nicht anch das Gericht, das doch sonst jetzt so sehr auf gutes Deutsch hält, dafür sorgen, daß die Firmen in tadellosem Deutsch eingetragen werden? Gibt es tatsächlich rechtliche Bedenken gegen solche Fassungen, die sprachrichtig sind, wie: „die Aktiengesellschaft .Schwelmer Eisenwerk Mütter & Ko.'", „die G. m. b. H. Mütter & Schulze'", „der Vorstand der A.-G. .Metattbank u. Metatturgifche Gesellschaft' besieht aus . „die A.-G. .Höchster Farbwerke" usw. usw.? In der Tat: wenn es nicht erlaubt sein sollte, diese Umstellung vorzunehmen — man könnte es nicht verstehen.
Bücherüsch.
— Tartarin von Tarascon von Alphonse D a u b’ e t, mit 45 Zeichnungen von Emil Preetvrins, darunter 11 Vollbilder. Erschienen im Gelben Verlag, Mundt und Blumtritt, Dachau. Es läßt sich darüber streiten, ob der Tartarin d-er beste humoristische Roman ist, jedenfalls gibt es schw«erlich einen, dessen genialer Humor noch heute so «hinreißend und unwiderstehlich wirkte wie der dieses berühmtesten Werkes Alph. Daudets. In der so geistreich erfundenen Gestalt des Mützenjägers und großen Löwentöters, den man den Don Quixote des 19. Jahrhunderts nennen könnte, kristallisieren sich die typischen Wesenszüge der französischen Rasse zu einem Bilde von lebendigster Anschaulichkeit. Emil Preetorius hat dem wertvollen Text entsprechende, sehr feine Zeichnungen geliefert.
— „Kikerik i", Hesse-Nassauer Geschichtercher un Gcdichter- cher von Karl «Heinz Hill. Verlag von Josef Marschall, Wiesbaden, Nikolasstr. 7. Preis 2 Mark. Drollige „Geschichtercher", „vieh-losophische" Tierfabeln, nette Schulscherze vom „kiaane Gc- zewwel", urkomische „Weltbetrachtimge", spaßige Siuglieder und eine bunte Schüssel „Tuddi-smddi" — das alles schenkt uns Hill's lustiger „Kikeriki". Der inhaltreiche Band eignet sich gleich seinem.Vorgänger „Pastille gege Grille" ebensogut als Vortragsbuch im geselligen Kreise, wie zur stillen Erheiterung im Sorgen- stnhl. _____
Köiiig$3iig.
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Auflösung in iWinter Nummer.
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Auslösung des Bilderrätsels in voriger Nummer r W i n t e t ü b e r 5 i e b e r.
Redaktion: K. Neurat h. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Dießen,


