Ausgabe 
28.10.1912
 
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Dunkel gehüllt, und nur aus einem einzigen Fenster schimmerte ein Lichtstrahl. Fürwahr, das riesige, düstere Gebäude, das seinen Namen mit Recht zu tragen schien, machte einen unheimlichen Eindruck auf mich; aber mein Kamerad eilte ungestüm voran, und ich folgte, ihm auf dem ungepflegten Pfade, der nach der Eingangspforte führte. (Fortsetzung folgt.)

DerGlückspsenmg" im Dienste der Viindenfürsorge.

Seit kurzem ist die dänische Wohlfahrtspflege um eine gute Idee reicher, und 'man darf glauben, daß sie ihrem menschenfreund­lichen Ziele einen breiten Strom von kleinen Kupfer- und Silber­münzen zuführen wird. Der Urheber des neuen Gedankens, der hier mit einmütiger Begeisterung begrüßt wird, ist der hier sehr bekannte Postmeister Holböll, dem seinerzeit auch die Idee der Weihnachtsmarke zu verdanken war, wodurch in den letzten sechs Jahren der Riesenbetrag von ungefähr 1 Million Mark für wohl­tätige Zwecke aufgebracht worden ist. Der neue Plan Holbölls ist auf das Wohl der Blinden gerichtet, deren Los er durch seine Idee desGlückspfennigs der Neugeborenen" zu mildern unter­nommen hat. Ter Gedanke ist ebenso sehr einem warmfühlendcn Gemüt wie einem logisch denkenden Gehirn entsprungen; wer ist Wohl der nächste dazu, den Blinden zu helfen? Der Sehende und zwar soll es die erste Liebesgabe des mit dem Augenlicht gesegneten Neugeborenen sein, ein Scherflein zur Erleichterung des Schicksals derjenigen Unglücklichen zu geben, die sich nie am Anblick des blauen Himmels, des grünen Waldes, des lichten Tages erfreuen dürfen. Auf Grund der Holböllschcn Idee läßt jetzt derVerein für 'private Fürsorge der Blinden" eine große Anzahl Glückspfennige der Neugeborenen" prägen; das sind kleine ver­goldete Kupferheller, die als Symbole des Glücks einen Stern und ein vierblättriges Kleeblatt aufweisen. Einen solchen Glücks­pfennig sollen die Eltern des Neugeborenen kaufen, und die kleine Wiegengabe soll vom 'kleinen Liebling alsAmulett" getragen werden. Für i>en Absatz der Glücks Pfennige werden die Hebammen Sorge tragen; diese bringen der Idee des Glückspfennigs schon das größte Interesse entgegen, jede von ihnen wird künftig im Besitz einer größeren Anzahl der Glücksmünzen sein; jedem Wernpaar wird sofort, nachdem festgestellt ist, daß ihnen ein gesundes Kind geboren ist, ein Glückspfennig für ihren Neugeborenen angeboten werden. Tie Hebammen werden sich der Sache um so wärmer annehmen, als der Verein für die Blindenfürsorge ihnen 20 Proz. der Nettoeinnahme als Zuwachs zumFonds für bedürftige Heb­ammen" zugesichert hat. Es wird ein'Minimalpreis für den Glücks- Pfennig festgesetzt werden (wahrscheinlich von etwa 20 Oere); viele Elternpaare werden aber weit mehr zahlen, ja, mancher Vater wird, wenn ihm gar ein ersehnter Stammhalter als Erstgeborener be- schieden wird, in seinem Gefühl der Freude und des Stolzes für den Glückspfennig wohl gerne eine sehr beträchtliche Summe zahlen.

Der Erlös aus dem Verkauf der Glückspfemiige wird, unter Ab­zug der Provision der Hebammen, ganz und gar zur Unterstützung der 'Blinden Dänemarks verwendet werden. Es werden jährlich in Dänemark etwa 70 000 Kinder geboren, uni) es leuchtet deshalb, wenn man die Gebefreudigkeit der Dänen, und zumal derjenigen Dänen, die eben glückliche Eltern geworden sind, in Betracht zieht, ohne. weiteres ein, daß die durch den ,-Glückspfennig der Neu­geborenen" zu erzielenden Beträge wesentlich dazu beitragen wer­den, das Los der Blinden zu mildern. Eine Hilfe ist auf diesem Gebiet dringend erforderlich; die Stellung der unglücklichen Blin­den hat sich in Dänemark, wie auch anderswo, in den letzten Jahren in bedauerlicher Weise verschlechtert, da ihr Kampf ums Dasein, wegen der Konkurrenz der vielen neuerfunbenen Maschinen mit ihrer Handarbeit, immer schwieriger geworden ist.

Von vielen dänischen Müttern erhielt Postmeister Holböll zu seiner neuen Idee die wärmsten Glückwünsche. Einem dieser herz­lichen Briefe seien folgende schönen Worte entnommen:

. . . Tie Kinder der Zukunft werden den Glückspfennig als Amulett an ihrer Brust tragen. An die kleine Kupfermünze wir5 sich der Glauben knüpfen, daß sie dem Kinde Glück bringe, weil das Kind dadurch, -daß ihm die Münze um den Hals gehängt wird gleichzeitig dazu hat heilragen dürfen, einen Blinden zu erfreuen JÄes kleine 'neugeborene Kind in Dänemark wird von jetzt an ein Sonnensträhl auf dem dunklen Wege der Blinden werden. An die tiefe Freude über die Geburt eines Kindes wird sich künftig auch der Glaube daran gesellen, daß das Glück der Lohn guter

vermischter.

Warum nicht deutsch? In der Pariser Zeitung verösicntlrchte kürzlich Dr. Max Beer folgende nur zu beherzigens­werte Aage: In englischen Zeitungen machte man sich neu« uw über dre Duckst der deutschen Großstadtunternehmungen und vornehmlich der Berliner Unternehmungen lustig, fremde be- fonders französische und englische Brocken an deutsche Erzeug- ?,^ch'^eutsche Leistungen und deutsche Vergnügungen zu hängen. Und die Engländer erklären rundweg heraus, daß sie in dieser

»Nb Anlehnung an Fremdes der. Ä S Deutschlands,m internationalen Leben begründet sähen; anderen N ^er m allen Landen, wo deutsches Volkstum mit anderen Rasten tm Kampfe liegt, erwiesene Unfähigkeit, sein

eigenes Genie auszustrahlen und ihm Freunde und Anhänger zu unterwerfen; und auch die verhältnismäßig untergeordnete Rolle, die Deutschland, b. h. Widder vornehmlich Berlin, als Zielpunkt. der Europareisenden spiele. Nichts ist richtiger als diese Urteile. Und wenn dem Deutschen in Deutschland in der Freude am Ausländisch«: die Gefahr und das Ungebührliche nicht immer bewußt wird, das in der fremden Benennung ' heimischer Dinge liegt, so fällt es uns im Auslande lebenden Deutschen, sobald uns der Weg besuchsweise heimwärts führt, um so pein­licher und demütigender auf. Wie? fragen wir uns: mit Er­staunen und Wohlgefallen stellen wir fest, daß in der alten Heimat alles schöner, größer und vornehmer geworden; in Berlin haben wir Kaffeehäuser und. Theatersäle, wie sie prächtiger und stilvoller in London und Paris nicht sind: aber sie tragen eng­lische und französische Namen. Und wir beklagen tief, daß all diese wacker hergestellten Sachen beim deutschen Publikum erst des ausländischen Empfehlungszettels bedürfen, um Anklang zu finden. Und wir schämen uns vor den fremden Gästen, derest Spott und Selbstbewußtsein wir schnell herausfühlen, die bereit waren, zu bewundern was bewundernswert ist, und U cb erleg en» heit anzuerkennen, und doch plötzlich nur Schwäche sehen, Halt­losigkeit und mangelndes Selbstvertrauen inmitten all dieser Unter- nehmungs- und Arbeitswut, die einem Volke Ehre machen ... In einem großen Hamburger Gasthof las ich kürzlich auf der Speise­karte folgendes anziehende Gericht verzeichnet:Tunke ä la hollandaise", Tunke? Ala hollandaise? Und da hatte ich mit einem Male das ganz tolle, närrische Gebühren der deutschen Ge­schäftsleute und Unternehmer symbolisch vor Augen.Ich muß eine deutsche Speise aufschreiben", hatte sich der Wirt gesagt. So setze ich statt Sauce Tunke, das Wort Tunke, bas der Kaiser hoffähig machte. Wird man aber diese Tunke auch bestellen, essen und bezahlen? Ich muß sie doch noch näher empfehlen." So hängte er den französischen Schwanz an das deutsche Kraftwort und also entstand die neudeutsche Tunke ä la hollandaise, die von vielen Deutschen wahrscheinlich mit großem Behagen ver­zehrt, von den Ausländern aber, denen Tunke allein imponiert hätte, mit Witzen gepfeffert und versalzen wird . . . Die deutsche Sprache hat viele Gebiete nach jahrhundertelangen Kämpfen er­obert: sie hat in der Wissenschaft, Religion und Literatur ihre Fahne aufgepflanzt, im kaufmännischen und diplomatischen Welt­verkehr Erfolge errungen. Wann endlich wird fie kw die Palais de Danse, in die Pieeadilly-Cafes und in die Grands Hotels und die Table d'hvtes der heimischen Städte einziehen?

* Gege n d a sK e r n it e cb c n". Eine abscheuliche Stier- Quälerei wird häufig noch auf bem Lande an jungen Pferden ver­übt, und zwar in der Absicht, den Tieren zu heben. Wenn junge Pferde aus irgend welchem ßlrunbe schlecht fresse», so wird ihnen von einem kurpfuschend«, Hufschmied derKern" gesioctien oder gar gebrannt, d. h. es wird ihnen der (Kalmen des Oberkiefers, der bei fast allen jungen Pferden etwas fto: t uortriit, so dass er oftmals de» Rand der Schiieidezähne überragt, angeschnitten, oder, ivas noch viel schlimmer ist, mit dem glühend gemachten Sandlöffel (einem eisernen Schmiedegeräts gebrannt. In beiden Fällen tragen die Tiere sehr schmerzhafte Verletzungen davon. Tie nusgefübrten Operationen sind ohne jeglichen Nutzen, da das Pferd nut den Schneidezähnen sein Futter nur erfaßt und es mit den Backenzähnen zerkaut, mithin durch den bisweilen angeschivollenen Gaumen hinter den Schneidezähuen beim Fressen überhaupt nicht behindert wird.

Diamanträtsel.

In die Felder neben­stehender Figur sind fol­gende Buchstaben a a a a aa bbd. dddeeee eeeeeffg-ggiül llllmmnnnnnno > prrrrrrrrrstuuxz z derart einzutragen, daß die wagerechten Reihen ^folgendes bedeuten: j 1. Buchstabe.

2. Schicksalsgöttin.

3. Weibl. Personenname.

4. Europäisches Land.

5. Beliebte Blumen.

6. Dichter.

7. Männl.Persoiieuname

8. Italienische Stadt.

9. Stadt in Tirol.

10. Märchengestalt.

11. Buchstabe.

Die senkrechte und die ivagerechte Mittelreihe ergeben daS Gleiche.

Auflösung in nächster Nummer;

Auflösung des Rösselsprungs in voriger Nummer: Der Arzt, den die Statur mit eigner Hand geweiht, Ter unbetrüglicbfte, ist unire Mäßigkeit.

K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen,