Ausgabe 
28.9.1912
 
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sind der erste Deutsche, der mir heute mit schicklicher Höflichkeit entgegengekommen ist." -

Ihr Kaiser ist sehr gütig gegen mich gewesen; alles, was ich besitze, verdanke ich meinen Lieferungen für die sranzosyche Armee.. Aber nun genug; ich bitte Sie, reiten Sie davon und hüten Sie sich vor Lützows wilder Jagd!"

Banditen?" , L

Deutschlands wackerste Männer; aber um Gottes willen, leiten Sie fort, mein Leben steht aus dem Spiele!"

(Fortsetzung folgt.)

Wenn man Sold machen ksnnte.

Es ist noch keinem Menschen gelungen, Gold künstlich her­zustellen, und wahrscheinlich wird es auch keinem gelinge». Aber, wenn man Gold machen könnte, was daun? Bedeutete das wirk­lich eine so große Umwälzung, wie mau auf den ersten Blick cm- zunehnren geneigt ist?

DieRevue" hat diese eigenartige Frage einer größeren Reihe von Finanzleuten, Soziologen, Gelehrten und Schriftstellern vor- gelegt, und die Antworten besagen im wesentlichen alle das gleiche, daß'die künstliche Erzeugung des Goldes nicht das ganze gegen­wärtige Leben umkehren würde. Zwei der Befragten, der Mathe­matiker Poincare und Madame Curie haben in ihrer Antwort eine eigentliche Beantwortung allerdings abgelehnt, da die Annahme, auf der die Frage beruht, zu unwahrscheiulich ist. Andere dagegen haben ganz ausführliche Antworten gegeben. Frederic Passt; meint, die Erfindung der Herstellung künstlichen Goldes würde zunächst aus dem Weltmärkte eure ähnliche Umwälzung Hervorrufen, wie etwa die Entdeckung der amerikanischen Goldlager sie hervorgerufen hat, und dann luiirbe und müßte sich die Welt nach einem anderen Wertmaßstabe umsehen. Diesen anderen Wertmaßstab behandelt Max dtorbnn ausführlicher. Er führt aus, daß mit der Ent­wertung bes Goldes burchaus keine Eutwertrmg ber Besitztümer der Kulturmenschheit verbundeir sei: es gibt mir ein gemeines Metall mehr, wenn man Golb künstlich Herstellen kann. Man bars nicht Golb und Reichtum einauber gleichsetzen. Zum Reichtum gehören künstliche, wie natürliche Güter, die Erzeugnisse der Natur und der menschlichen Arbeit; alles, was dem Ä!euscheu zur Erhaltung des Lebens und der Lebensfreude dient: der Bodeu, Wege und Kanäle, Wohnhäuser und Werkstätten, Hausrat und Kleidungsstücke, Kunst­werke, Schmuck, Haustiere all das gehört zum Reichtum. Frei­lich kauft ober erzeugt man alle biefe Dinge gegenwärtig für Golb. Womit sollte man sie kaufen, wenn das Gold nicht mehr in Frage kommt? Mit auberenSymbolen bes Reichtums", beim Gold und Geld sind nur Symbole, die es bequem machen, den Reichtum zahlenmäßig auszudrückeu. Nordau kommt dann weiter dazu, man könnte etwa durch Gesetze eine gewisse Menge Getreide ober irgenb etwas anberes zur Gelbeinheit erklären, bann ginge in Hanbel und Waubel alles weiter wie bisher, nnb nur ber Uebergangszustanb brächte einige Verwirrung, besonbers aber den Besitzern von Golb- bergwerkeu, ober beiten, die uugemünztes Gold aufgestapelt hätten, gewaltige Verluste, während die, die gemünztes Gold besäßen, dieses beim Staate gegen Papiergeld eintauschen könnten.

Ter Finanzmann Neymarck kommt, von anderen Gesichts­punkten ausaehend, zu ganz ähnlichen Ergebnissen. Auch er sieht im Gold nur das Symbol und fügt hinzu, daß alles Gold der Erde, das die Menschheit im Besitze habe, eine verschwindend kleine Menge gegenüber den Werten sei, die in Güter- und Geldhandel int Um­lauf seien. Nach feiner Schätzung gibt es 800 Milliarden in beweg­lichen Werten, und während von 1888 bis 1910 die Goldproduktion 33 Milliarden betragen hat, haben sich in ber gleichen Zeit die beweglichen Werte um 338 Milliarden, also das Zehnfache der Goldmenge, gehoben. Beim Austausch von Werten spielt also das Gold keine Hauptrolle. Der Soziologe Eugen Fourniere geht.noch etwas weiter, indem er die Frage nach dem neuen Wertmaßstabe von seinem Standpunkte aus erledigt. Er meint, der Staat könnte etwa das Getreide als Werteinheit anneßmen ober aber einen neuen konventionellen Münzmaßstab wählen, ber nicht ein Hanptnahruugs- mittet sei, souberu, was manchen sozialistischen Theorelikern gewiß lieb wäre, bie menschliche Arbeitsstunde als Maßeinheit wählen. Das Papiergeld und alle Wertpapiere würden durch die Entwertung des Goldes seiner Ansicht nach kaum betroffen, denn die wahren Werte, die dem Geld auf dem Papier entsprechen, sind viel häufiger Grundstücke, Gebäude ober anbere Dinge, als Gold.

Ein schütze unter den Fischen.

' In neuester Zeit ist einigemal ein kleiner Fisch lebend aus Siam zu uns gelangt, der schon seit langer Zeit das größte Interesse der Naturforscher erregt hat und sicherlich zu den be­liebtesten Aquarienfischen gerechnet werden wird, toerat seine Ein­bürgerung bei uns gelingt, wie es den Anschein hat. Dieser Fisch ist der in Indien berühmte Schützenfisch, ein etwa hand­langer Fisch von gedrungener Gestalt und von graugrüner, auf der Unterseite silberner Farbe. Vier schwarze, über den Rücken lausende Querstreifen dienen ihm zum besonderen Schmuck. Aus­fällig an dem Fisch ist das Auge: es ist groß und beweglich und

zeigt, ganz im Gegensatz! zu den meisten Fischaugen, mit seiner! schwarzen Regenbogen- und hellgelben Hornhaut einen sehr leb­haften Ausdruck; es muß sehr scharfsichtig sein, denn der Fisch benutzt es zu ganz anderen Zwecken als die übrigen Flossentväger> er muß, wie ein Scharfschütze, ganz genau damit zielen könnend In stillen Buchten und Winkeln seines Heimatgewässers schwimmt der Schützenfisch an der Oberfläche umher, aufmerksam die Pflanzen am Ufer musternd. Da plötzlich hält er inne, an dem Stengel einer Wasserpflanze, etwa einen halben Meter über dem Wasser­spiegel, sonnt sich behaglich und ahnungslos eine fette Fliege. Einen Augenblick zielt der Schützenfisch, dann schleudert er cnrZ dem Munde einen Wassertropfen hervor, der das Insekt trifft) es ins Wasser Hinabwirft, wo es von dem blitzartig Heran­schießenden Fisch sofort ergriffen und verspeist wird. Es ist ganz erstaunlich, mit welcher Sicherheit, Schnelligkeit und Kraft dep Fisch das Wasser emporspritzt, und Mar auf Entfernungen vork einem Meter und mehr. Der Vorgang ist aber anders, als, er in Brehms Tierleben dargestellt wird. 'Der Fisch taucht nicht: mit Kopf und halbem Körper aus dem Wasser heraus und schleudert auch keinen großen Wasserstrahl nach der Beute, sondern er bleibt mit dem ganzen Körper unter Wasser, der Kopf berührt mit der Mundöffnung gerade die Wasserobersläche. Hat der Schütze ein Insekt erblickt, so bleibt er sofort still stehen, zielt einen Augen­blick ganz genau und schießt hierauf aus dem kaum geöffneten Munde einen dicken Wassertropfen in gerader Linie hervor nach seinem Ziel, das er mit ganz merkwürdiger Sicherheit trifft. Es kommt nur sehr selten vor, daß der kleine Schütze eiümal vorbeischießt.

Im Aquarium werden die-Schützenfische sehr rasch zahm und zutraulich und liegen bald ihrer geliebten Jagd ob. Sie spritzen nach jeder hingehaltenen Fliege, nach jedem auf der Finger- pitze liegenden Stückchen Fleisch. Es kommt auch ost vor, daß ie aus reiner Spielerei dem Beobachter ins Gesicht spritzen, elbst iuenit sich dieser in einiger Entfernung von dem' Becken befindet. Am besten kann man die Kunstfertigkeit des kleinen Schützen bewundern, wenn man das mit Wasserpflanzen bestandene Aquarium mit einer hohen Haube aus Drahtgaze bedeckt, so daß die darunter gesetzten Fliegen und Mücken nicht entfliehen können. Es sieht sehr possierlich aus, wenn der unermüdliche Jäger Mit sicherem Schüsse ein Insekt nach dem anderen von den Blättern und Stengeln herabschießt. Gelingt es, den Schützenfisch bei uns als Aquarienfisch allgemein einzuführen denn heute ist er noch sehr teuer dann wird er durch seine Munteirkeit! und die Vorführung seiner Schießsertigkeit sicherlich sehr be­vorzugt werden und die andern beschuppten Insassen des Aquariums verdrängen, die alle niehr oder weniger etwas langweilig sind..

Vermachtes.

* Ein preußischer Nogi. An den Selbstinord des japanischen Generals Nogi, den, wie jetzt bekannt wurde, das ehrenvolle Los traf, auf das alle treuen Diener des verstorbenen Mikado hofften, sind vielfach lange Auseinandersetzungen über das echt Asiatische des ganzen Vorganges geknüpft worden. Da ist es denn gewiß von Interesse, zu hören, daß es auch in Preußen einen solchen treuen Diener seines Herrn gegeben ch'at, der den Tod des geliebten Fürsten nicht zu überleben ^vermochte. Bis­marck erzählt in seinenGedanken und Erinnerungen" Pom Ge­neral Leopold von Gerlach, dem Vertrauten Friedrich Wil­helms IV., er hätte seinen Tod fast ^eigenwillig dadurch herbei­geführt, daß er der Leiche seines Königs Hei Wind und sehr hoher Kälte stundenlang in bloßem Kopfe, den Helm in der Hand, folgte. Er bekam' die Kopftose und starb nach wenigen Tagen. Durch sein Ende," bemerkt Bismarck nach dieser ^Erzählung, erinnert er an das Gefolge eines altgermanischen Fürsten, das freiwillig mit ihm stirbt."

M-errM!.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Städterätsels in voriger Nummer r Mainz, Bscharach, Gingen, Honnef, Mühlirausen, Erkelenz, Eschwe-ler, HofgeisuLar;

M a n n () e i m.

Redaktion: K. Neurath. Notationsdruck und Verlag ber Briihl'schen Universitäts-Buch- und Steiubruckerei, R. Lauge, Gießen.