Ausgabe 
28.9.1912
 
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samtag, den 28. september

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Die Dame im Pelz.

Roman von G. W. Appleto n.

(Nachdruck tierboten.)'

(Fortsetzung.)

Mein Freund setzte ihm die Sache so weit auseinander, wie er es für notig hielt, und bemerkte, daß wir die Persönlichkeit der Dame nur deshalb festzustellen wünschten, um mit ihren Bekannten in Verbindung treten zu können. Darauf begann ich die Beschreibung der Dame.

Ich war jedoch noch nicht weit gekommen, als ich cm dem Gesichtsausdruck des Hotelleiters erkannte, daß ich nicht fortzufahren brauchte. Er schüttelte langsam den Kops und erklärte uns dann freundlich, aber bestimmt, daß eine junge Dame, wie ich sie schilderte, in seinem Hause nicht abgestiegen sei. Unter bestem Dank baten wir um Entschuldigung un!d entfernten uns, um unser Glück nun im Hotel Cecil zu versuchen.

Mortimer brachte unsere Bitte in derselben Weise vor wie im Grand Hotel. Während ich dann gleichfalls eine Beschreibung meiner schönen Unbekannten gab, sah ich, wie der Geschäftsführer immer interessierter zuhörte, bis er endlich sagte: ,

O ja, diese junge Dame ist gestern morgen tn Gesell­schaft eines Fräuleins mit dem Southamptoner Schnell­zug hier angekommen. Sie hat ein paar zusammenhängende Zimmer gemietet und die Speisen für sich. und. ihre Be­gleiterin nach oben bestellt. [Jetzt, wo Sie mich daran erinnern, fällt mir übrigens jauch ein, daß sie am Nach­mittag weggegangen ist, um [in der Umgegend wohnende. Bekannte aufzusuchen. Sie wollte [am Abend wieder zu­rück sein, Und ich habe gar Nicht gewußt, daß sie nicht wredcr- gekommcn ist. Jedenfalls ist [ihre Zofe noch hier.

Ich war überglücklich über [diese Auskunft, denn das Mädchen würde uns nun selbstverständlich jeden -gewünsch­ten Aufschluß geben können.

Können wir sie vielleicht mal sprechen? fragte rch.

Aber gewiß, erwiderte der Manager. Entschuldigen Sie mich einen Augenblick, ich [will gleich hinaufschicken und Nachsehen lassen, ob sie in ihrem Zimmer ist. Damit ging er Irin cm3. i

Charley, sagte ich' zu meinem Freunde, als wir allein waren, du bist ein Teufelskerl. Dank deines Scharfsinns kommen wir wunderbar rasch [vorwärts. Im Lauf von ein paar Stunden werden wir alles wissen, was wir brau­chen. Ich will das Mädchen mit nach Richmond hinaus­nehmen. Bei ihrem Anblick [Wird der Äermsten sicherlich wieder alles einfallen. Die (Sache ist wirklich großartig.

Die Türe tat sich auf, Und der Hoteldirektor trat wieder zu Uns ins Zimmer. Ich bemerkte sofort die Veränderung in seinem 'Wesen. c , , _.

Ich glaube, sagte er, wir haben üns Heide geirrt. Die

Dame, die gestern angekommen ist, kann unmöglich die sein, nach der Sie sich [erkundigen, denn, toie's scheint, ist vor ungefähr einer Stunde ihr Gemahl hier gewesen, hat ein Telegramm von feiner Gattin [aus Brighton vorgezeigt und ist mit der Zofe weggegangen, sie dort zu treffen.

Zum Wetter! rief ich und schlug mit der Faust auf deu Tisch.

Aber, mein Herr, sagte der Geschäftsführer, was soll das heißen?

Daß ich kein Wort davon glaube. Verzeihung ich meine nicht etwa, was Sie sagen absolut uicht. .Mer die junge Dame hat keinen Mann. Deß bin ich so sicher, wie daß ich hier stehe. Außerdem ist sie auch nicht jn Brighton, sondern bei mir zu Haus in Richmond. -Das Mädchen ist -einfach weggelockt [worden, damit ich mir die gewünschte Auskunft nicht bei ihr holen kann.

Der Direktor zuckte die Schultern. Meines Herren, versetzte er, ich habe Ihnen alles gesagt, was ich weiß. Die Rechnung ist beglichen, und alles übrige ist nicht meine Sache.

Ganz richtig, sagte Mortimer, und to-ir danken Ihnen bestens für Ihre Freundlichkeit. Mehr konnten Sie ja nicht tun. Aber, ohne indiskret zu sein, würden Sie vielleicht noch die Güte haben, mir den Namen der Dame zu sagen, die Sie meinen?

Aber sehr -gerne, antwortete der Geschäftsleiter, der durch Mortimers ent-gegenkommend-es Wesen wieder etwas besänftigt war. Wenn Sie mit ins Bureau kommen wollen?

Wir ließen uns das selbstverständlich nicht zweimal sagen, und ein Einblick in das Fremdenbuch zeigte uns, daß die in Red-e stehende Dame sich selbst als M. Marcella, U. S. Ä., eingetragen hatte.

Hm, murmelte Mortimer. U. S. A. ist schou recht, und Marcella ist sicher spanisch, stimmt auch, 's ist nicht viel, aber immerhin etwas.

Ich war dagegen sehr verstimmt, als wir das Hotel verließen. Ja, Charley, sagte ich, dieses Mal sind sie uns über das ist Pech; aber wir werden der Sache doch noch auf den Grund- kommen.

Davon bin auch ich fest überzeugt, antwortete er anf- atmend. Nur Mut! Diese Sache werden wir zusammen ausfechten. Wahrscheinlich willst du jetzt nach- Rrchmond zurück; wenn du nichts dagegen hast, -will td); dich chrs Waterloo begleiten. Er winkte einem Droschkeukutscyer, und wir fuhren zusammen nach der Station.

Am Bahnhof taufte ich mir ein Abendblatt, ^ch warf im Gehen einen flüchtigen Blick auf -die Inhaltsangabe. Auf einmal blieb ich tote versteinert stehen.Die [Dame und der Doktor!", , , .,

Schon hatte ich auch den Artikel -erspäht, der unt fetter Ueberschrift auf der ersten Seite prangte und folgen- dermaßen lautete: , .,

Eine merkwürdige Geschrchte, die wir nur mit allem Vorbehalt wiedergeben, wird aus Richmond berichtet. -Der