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Mittwoch, den 28. August
Sommrrleutnants.
Roman von Walter Bloem.
Copyright 1910 by Orethlein & Co.
(Nachdruck verboten.), (Fortsetzung.) Zweites Buch.
1. Kapitel.
^-Dat is en janz schöne Fegend hier. . . oben Regen j . . unten Dreck . . . nix im Magen — der Düwel soll't Mlen!"
In unaufhaltsamem Marsch schob! sich das erste Bataillon des Regiments Prinz Heinrich der Niederlande dem »Feind" entgegen.
Unaufhaltsam fluchten und wetterten die Unteroffiziere der Königlichen Zweiten:
„Ich glaub, hier regnet et überhaupt et janze Jahr!"
, „Weiß der Kuckuck, die vierzehn Dag, dat mer als hier obe rumkrabbeln, Hann mer noch! fei’ trockne Minute jehatt!"
„Ich sinn als janz aus em Leim . . . die Buxen reißen wie Schafleder... au de Stieweln platzen die Sohlen ab - . .!"
„Und trocken kriegt man die Brocken überhaupt nit Mehr!"
„Na, Friesen, Sie sagen ja gar nix!"
Der Einjährige schwieg.
Die Tragriemen des feldmarschmäßig gepackten Tornisters schnitten tief in die Achseln. Alle fünf Minuten wanderte das Gewehr von der rechten Schulter auf die linke Und von der Linken auf die rechte... in den Stieseln' schwappte eine lehmige Müssigkeit ... und hinter den Ohren entlang rieselte ein beständiges Rinnsal eiskalten Regen- Wassers in die Halsbinde hinein. . .
Von dem allen merkte Hans Friesen in diesem Augenblick auch nicht das Mindeste. . .
Hans Friesen merkte nicht einmal, daß ihm der kurze Pfeifenstummel zwischen den Lippen längst kalt geworden w ar . . .
Hans Friesen dichtete.
Ach. . . herrlich konnte man dichten auf solch einem Endlosen Marsch . . .
Den Kameraden, den aktiven Unteroffizieren, ging immer nach der ersten Stunde der Stoss für ihre Kommiß- gespräche aus.
Die Berichte über das letzte Quartier, die Klagen über den miserabeln Fraß, die Renommistereien über Abenteuer mit den Bauernmüdeln, das reichte nie weiter als eine knappe Meile. Dann bemächtigte sich der Kilometerstumpf- sinn der marschierenden Kolonne, zumal dann das Gewicht hes gepackten Affen allmählich immer fühlbarer würde. .
Dann aber begann Hans Friesens gute Zeit,
Wie mutwillige Schwalben schossen dann seine Gedanken der Marschkolonne voraus . . . strichen durch die regennassen Wälder zur Rechten und zur Linken, wo in der triefenden Feuchte zwischen vermodernden Baumstümpfen und Farndickichten ganze Kolonien grauer, gelber, violetter Pilze aus dem Boden gewachsen waren im1> mit ihren breiten Schirmdächern in lustigen 'Gruppen beisammen hockten. .
Wer weiter flatterten des Poeten Träume. . . zurück zur Garnison . . . um das blonde Haupt eines gewissen jungen Mädchens, das chargenmäßig in unerreichbarer Höhd über dem Unteroffizier stand, das er räumlich' in weiter Ferne wähnte . . . und das in Wirklichkeit, ohne daß Hans Friesen etwas ahnte, nur einen Dagemarsch weit in süß- träumender Ferienruhe unter den rauschenden'Hunsrück- Wäldern weilte. . .
Und Hans Friesen dichtete.
Eine Strophe nach der anderen fügte er zusammen . . . feilte Zeile auf Zeile in Gedanken durch und sprach sie sich so oft vor, bis sie sich unvergeßlich seinem Hirn eingeprägt hatten, damit er sie am Abend blank und sauber in sein Dienstnotizbuch eintragen könne. . . zwischen Vermerken über Brotempfang. . . Kompagniebefehle . . . Vorposten- instruktionen. . .
Nun. wiederholte er noch- einmal die ersten Strophen des Gedichts, das ihm aus' den triefenden Nebeln znge- weht war:
„Bist du die Oread'e,
Die lauschend Hinterm Felsen schwieg?
Bist du des Quells Najade,
Die aus der Plätscherwelle stieg?
Aus welcher Märchen ferne
Hast du dich in mein Sein verirrt?
Von welchem fernen Sterne
Bist du an meine Brust geschwirrt?"
Ja, die zwei Strophen saßen! Das ließ sich nicht bestreiten !
Nun müßte die Antwort kommen. • . also munter weitergereimt. . J
„Was soll das zage Fragen?
Ich halte dich ans Herz gepreßt. . ."
Ja, wahrhaftig, das hatte er getan, wenn es auch noch so märchenhaft klang ... er hatte sie gehalten, die schlanke, blonde Majorstochter, gehalten an seinem Herzen, das unterm Tressenrock des Unteroffiziers so verdammt unvorschriftsmäßig gepocht hatte. . .
Ach, und als er seinen Arm züm ersten Male um' den Weichen Körper g ' gt. . . Richtig — so mußte es ja iveitergehen:'
„Fühl' deines Herzens Schlagen.
Ach. . . und dann. . . dann war ja das Unvergeß-i liche. . . das schier Unglaubliche gekommen . . $
„Und Lippe weilt auf Lippe fest . .
Schau, da wär ja wieder eine Strophe beisammen H und auch die Amd feg auf ihren vierzehn Versfüßen . . -


