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Eine Heldin.
EfObelle von Wax Karl Böttcher-Chemnitz.:
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Elftes Kapitel.
Ein Jahr Ivar verflossen. Die Prunkhochzeit des Herzogs hatte die Residenz wochenlang in Aufregung gehalten. Auch Hollens Vermählung mit Kathinka war vorbei. Der Zufall, wie die Residenzler meinten, hatte es gewollt, daß der Herzog während dieser Hochzeit gerade beim Kaiser aus Schloß Wilhelmshöhe weilte.
Hofmarschalls bewohnten einen mächtigen alten Bau am Kanal. Dort lebten die Jungvermählten wie zwei sich völlig fremde Menschen. Nach außen hin korrekt, — waren sie allein, so suchte Kathinka ihren Haß nicht zu verbergen. Am Tage nach der Hochzeit war Hollen in Kathinkäs Boudoir gekommen und hatte gesagt: „Du hast mich bisher, ich muß es zu meinem Bedauern gestehen, nur als harten Egoisten und rücksichtslosen Streber kennen gelernt. Dies mußte ich aber sein, um meine Pläne durchzuführen. Jetzt sollst du mich aber auch als Edelmann kennen lernen. Ich weiß, wie du mich haßt. Ich verspreche dir, daß ich dir in nichts zu nahe treten werde. Nach außen hin sollst du meine Frau sein, sind wir für uns, dann bist du mir nur die Edeldame, und ich werde verstehen, das zu respektieren."
Kathinka hatte ihren Gatten befremdet angesehen und gesagt: „Ich hätte nie soviel edlen Sinn in dir gesucht, ich danke dir."
Damit waren die Grenzen fest gezogen und nie wurde davon gesprochen.
Kathinka weilte fast immer im herzoglichen Schlosse. Sie ritt mit der Herzogin Clarissa aus, oder besuchte die Fürstin, mit der sie dann im Parke spazieren ging. Ja, selbst die Hauptmahlzeiten nahm sie selten in ihrem Heim ein. Die Freundschaft zwischen der jungen Herzogin und Kathinka hatte sich immer inniger gestaltet. Die blühende, lebensdurstige Fürstin ahnte nicht, wie es um das Herz Kathinkas bestellt war. Sie wähnte sie glücklich, wie sie selbst in ihrem jungen Glücke schwelgte. Die spitze Zunge des Hofklatsches hatte sich bisher noch gehütet, der Herzogin das Geheimnis zu lüften, welches die Ehe Kathinkas umhüllte.
Der Herzog selbst begegnete seiner Gattin mit liebenswürdigster Höflichkeit. Freilich, viel Zeit widmete er .ihr nicht. Und klagte sie darüber, so entschuldigte er sich mit Regierungsgeschäften — und damit war Clarissa befriedigt. In Wirklichkeit führte aber der Herzog ein einsames, freudloses Leben. Die Regierung überließ er fast allein dem Staatsminister' Löwe. Er säß oft stundenlang tatenlos in seinem Arbeitszimmer und grübelte nach über sein Schicksal und Leben. Er konnte noch immer nicht fassen, wie in' Kathinka Liebe zu Hollen entstehen könnte, und dazu noch solch große Liebe, die sie ihn zum Manne begehren ließ, Immer und immer wieder tauchten Zweifel an der Wahrhaftigkeit dieser Liebe in ihm auf, aber wenn er bei Hoffestlichkeiten öder intimen Einladungen sah, wie zart besorgt sich Exzellenz Hollen um die junge Gattin bemühte, schwanden wieder die Zweifel.
Er beobachtete Kathinka immer und stetig, und es entging ihm nicht der lebensmüde Zug, der sich! manchmal, allerdings nur auf Momente, auf ihrem Gesicht zeigte.
Viele Male hatte er die Fürstin bestürmt, ihm die Wahrheit zu sagen, aber Ihre Durchlaucht beteuerte immer wieder, daß Kathinka glücklich sei und bat den Fürsten, sich keine Gedanken zu machen.
Kathinka vermied! absichtlich, mit dem' Herzog allein zu sein. Jeden Morgen gegen 10 Uhr besuchte Hans Jochen seine Gattin in ihren Gemächern, und fast immer traf er dann auch Kathinka an, die Clarissa zu einer Ausfahrt öder zu einem Spazierritt abholte. Die Unterhaltung betraf immer gleichgültige Dinge, etwa den bevorstehenden Ausflug oder eine Hofangelegenheit. Wollte der Zufall/daß die Herzogin noch nicht mit ihrer Toilette fertig war und sich nod) in ihrem Ankleidezimmer befand, so bat Kathinka um die Erlaubnis, Ihrer Hoheit der Herzogin die Morgengrüße des Herzogs überbringen zu dürfen, und dann zog sie sich schnell zurück.
Eines Morgens jedoch, als sic eben wieder mit tiefer,
vorschriftsmäßiger Höfverbeugung hinter den Portieren verschwinden wollte, hielt sie der Herzog zurück.
„Bleiben Sie doch noch einen Augenblick, liebste Exzellenz,"
„Wie Ew. Hoheit befehlen," antwortete Kathinka ruhig und gleichmäßig und nahm vor dem kleinen Schachtisch Platz.
„Nein, meine kleine Marschallin, mir liegt fern, Ihnen zu befehlen, ich hoffte, Sie plauderten gern ein Weilchen mit mir."
Kathinka fand nicht gleich Antwort. Mit nervöser Zerstreutheit schob sie einige Figuren auf dem Schachfelde hin und her, dabei siel der König um. Hans Jochen sah das und sagte: „Was hat Ihnen der arme König getan, daß Sie ihn so maltraitieren?"
Die junge Gräfin erkannte sofort die Anspielung des Herzogs und sagte kühl: „Es war ein Zufall, daß der König fiel, ich wollte ihm nicht wehe tun."
Se. Hoheit erhob sich und trat dicht vor Kathinka hin, und mit verhaltener, leidenschaftlicher Stimme sagte er: „Und haben Sie eine Ahnung, was Sie dem König durch diesen Zufall angetan? Ihren Schachkönig heben Sie einfach wieder auf, dann ist der Schaden geheilt, aber den anderen, den haben Sie vernichtet für sein ganzes Leben."
„Ew. Hoheit, ich flehe Sie an —. kein Wort mehr. Wenn Clarissa. . .
Er machte eine zornige, abwehrende Handbewegung: „Ach was, ich habe das Puppenspiel satt. Ich lechze nach Klarheit — ich ersticke unter diesem Leben hier. Oder glauben Sie, ein Mann wie ich könnte es ertragen, daß er um eines solchen Menschen willen, wie dieser Hollen ist, vergessen wird? Ich beschwöre sie, Kathinka, sagen Sie mir, ob Sie diesen Mann lieben?"
Kathinka hatte sich zurückgelehnt und preßte die Hände an ihren Kopf. Sie stöhnte unter des Herzogs Worten.: Ihre heiße, tiefe Liebe trieb sie an, alles zu gestehen.! Hinausschreien wollte sie es: „Ich hasse ihn — ich liebe nur Dick)." Aber da sah sie Clarissas Bild vor sich: Das uiw schuldige Antlitz mit den ewig lachenden Augen, — und sie wußte, verriet sie jetzt nur mit einem Worte den wehen Zustand ihres Herzens, so war der Herzogin Glück ein Trümmerhaufen. So stand sie auf und trat zurück, und! kalt und scharf sagte sie: „Ich bitte Ew. Hoheit ehrfiirchts- vollst, nie wieder solche Worte zu mir zu sprechen." Und hochgehobenen Hauptes schritt sie an ihm vorbei in der Herzogin Boudoir.
Doch der Herzog ließ sich nicht abschrecken. Wo er nur Gelegenheit fand, einen Augenblick mit Kathinka unbelauscht zu sein, bestürmte er sie, ihm' die Wahrheit zu sagen. Bei Hofbällen befahl er Ihre Exzellenz die Fran Gräfin zu Hollen auffällig viel zum Tanze. Dann flüsterte er ihr süße, berauschende Worte zu. Sie bat ihn leise, zu schweigen, er aber beteuerte ihr, daß er nie aufhören iwerde, sie anzuflehen, ihm doch! den wahren Zustand ihres Herzens zu verraten. Dann schwieg sie ganz.
Kathinkas Widerstandskraft war fast erschöpft. Mit aller Gewalt mußte sie die Bilder vor ihre Seele zerren', wie es werden würde, wenn sie des Herzogs Werben nach!- gäbe: Der Herzogin Unglück, ihres Gatten Rachsucht — und die furchtbare Schmach. Ihre Liebe raunte ihr zu: Nur einmal noch gönne mir eine selige Stunde, — aber sie wüßte zu gut, daß — einmal der Anfang gemacht — kein! Halten mehr sei.
In dieser Zeit machte die Herzogin den Vorschlag, etliche Wochen des Sommers in Güntherstal, der lieblichen Perle des Schwarzwaldes', wo der Herzog ein einfaches Landhaus besaß, zu verleben.
Hans Jochen war damit einverstanden, da aber wichtige Beratungen int Landtage bevorstanden, wollte er in der Residenz verbleiben.
Die Herzogin bat selbst den Hofmarschall um' die Erlaubnis, seine Gattin mit nach Freibuvg-Güntherstal nehmen zu dürfen. Hollen willigte natürlich mit großer Freude ein. So ward im Juli das Hoflager der Herzogin nach Güntherstal verlegt. (Schluß folgt.)
Vie Zimmerpflanzen und ihre pflege.
ii.
Die Aussaat.
Für den, der sich seine Blumen aus Samen heranzieheN will, richtet hierzu Töpfe oder besser kleine handliche Saat--


