Ausgabe 
28.2.1912
 
Einzelbild herunterladen

Mittwoch den 28. Februar

1 H

WWWiWP

a !

UMeM^-WsMMDÜM

Glückslasten.

EEontan von Hanus von ZobeltiA.

LNaMruck verboteL)

(Fortsetzung.)

'Sie dachte:Damals kam dir in der letzten Minute die 'Erkenntnis: es darf nicht sein. Damals harrtest du noch irgend eines großen inneren, befreienden Ereignisses. Warum heut nicht mehr? Noch nicht drei Monate sind feitbent vergangen was sind drei Monate? Du bist ja so jung noch. Jeder Tag kann es bringen. Ja, wenn du -nicht du wärst! Dir bringt kein Tag die Liebe. Worauf willst du eigentlich noch warten? Darauf, daß noch ein armer Horfeck deinetwegen fast den Verstand verliert? Daß nochein Braunstein unglücklich wird? So schlecht bist du doch nicht. Sieh ihn doch an"

Aber ihre Augen blieben geschlossen, und die Stirn blieb an der kühlen Fensterscherbe liegen.

. . . . ich habe darum die Hoffnung nicht aufgegeben," hörte sie wieder -neben sich.Ich bin ja wohl kein scharfer Beobachter, aber ich sah doch, daß niemand Ihr stärkeres Interesse erregte. Sie wurden ang-estaunt, bewundert, gewiß auch geliebt, aber Sie gingen durch die Welt, als ob- Sie das alles nicht berührte."

Muß denn durchaus Liebe sein, wo man eine Ehe schließt?" dachte sie.Wie selten mögen Ehen aus Liebe geschlossen werden, und sind darum nicht unglücklich. Wie ost werden die unglücklich, die Leidenschaft knüpfte Muß ich ihm -nicht wenigstens sagen, -als anständiger Mensch: Liebe kann ich dir nicht bieten. Aber wenn ich's sage, stelle ich unsere Ehe von vornherein auf ein falsches! Fundament. Und schweig ich, so lüg ich. Wer was ist Wahrheit? Ich konnte damals offen sein. H-eut nicht mehr."

all-die Wochen, in denen ich Sie nicht sah, hab ick nur an Sie gedacht. Ich ertrug es nicht mehr. Darum bin ich hier. Ich hätte auch jetzt geschwiegen, gewartet, gehofft . . . Da kam das glückliche Ungefähr. Wie eine Vor­bedeutung erschien es mir, als ich Sie hier traf . . . Signe,- gönnen Sie mir einen Blick"

Da wandte sie sich und sah ihn an.

Signe, Er griff nach-ihrer Hand, er löste sie vom Fensterrregel.

x,Signe . . . darf ich hoffen ..."

Sie lächelte. Sie -konnte wirklich lächeln und wurrderte sich darüber. Und dann neigte sie den Kopf:Ich will ver­suchen, Ihnen eine -gute Frau zu sein" ,

Er lachte.O, -Sie Närrin! Du Narrm . . . Itebe Signe . . ." ( 1 k

Er wollte sitz an sich ziehen. Wer er fühlte den leisen Widerstand ihres Körpers.-

Und er zog ihre Hand an seine Lippen.

12.

Die Eltern hätten gern den italienischen Aufenthalt abgekürzt, auch Dodo drängte nach Hause. Aber Signe wollte noch nach Süditalien, und Signes Wünsche waren jetzt mehr als je für Vater und Mutter maßgebend.

Nicht in Rom wollte Signe bleiben, aber erst recht nicht heimkehren. Die Hochzeit sollte bald fein, Mitte Juni schon; darüber waren Hoburg und sie sich sofort einig geworden. Aber Signe erklärte, daß es genüge, wenn sie gegen Ende Mai wieder in Berlin feien.

Signe war jetzt ganz ruhig. Ruhig und heiter. . Sie hatte den -erstaunten Eltern ihre Verlobung ohne jedes Zeichen innerer Erregung mitgeteilt; sie hatte den ironisch gefärbten Glückwunsch der Fürstin lächelnd entgegengenom­men. Nur ein -einziges Mal kam ihre Stimmung ins Schwanken, als Dodo sie mit großen fragenden Augen an­sah. Es stand darin deutlich geschrieben:Was haft du getan?! Signe, du liebst ihn ja nicht!" Wer sie kam auch darüber hinweg. Sie nahm die Schwester fest an ihr Herz und schloß ihr die Lippen mit einem Kuß.

Und selbst Dodo begann zu glauben, daß Signe glück­lich sei. Auch ihr mußte ja die .Harmonie in ihrem Wesen auffallen, die ausgegtichene Ruhe, die sie zeigte.

H-oburg war der aufmerksamste Bräutigam. Es lag nicht in seiner Art, innere Erregungen zur Schau zu tragen, aber Mutter sah wohl nicht falsch, wenn sie sand, daß ein stilles Glück aus seinen Augen strahle". Vater fand das Brautpaar bisweilen nach seinem Geschmack recht wenig zärtlich zueinander; dann schmunzelte er wieder:Die Wetterh-exe, die Signe, hält ihn eben kurz." Etwas Peinliches hatte die Verlobung der Tochter für die Eltern doch. Hoburg erwies sich auch ihnen gegenüber als über­aus rücksichtsvoll. Aber doch eben nur korrekt. Sie emp­fanden beide, daß, er, vielleicht wider die eigene Absicht, vielleicht nur infolge von Erziehung und Gewohnheit, eine gewisse Distanz hielt. Zu einer wirklich verwandtschaft­lichen Annäherung kam es nicht. Er blieb für sie doch der Prinz, und unwillkürlich nannten sie ihn auch so, wem< sie unter sich waren. Mutter sand sich leichter damit ab; sie lebte ganz in ihrer neuen Würde als Schwiegermutter einer wirklichen Durchlaucht. Vater drückte der Gedanke recht schmerzlich, daß auch Signe später von ihm ab­rücken könnte.

Wer für beide hatte all das Nene, das ihnen aus der Verlobung -erwuchs, doch so viel Jnteressq, daß ihre kleinen Sorgen und Bedenken stark in den Hintergrund' traten. Die Veröffentlichung machte freilich in der Heimat vielleicht nicht ganz das Aufsehen, das sie zuerst erwar­teten. Immerhin kamen Stöße von Zeitungsausschnitten, Depeschen, Glückwunschbriefen; sogar die römischen Zei­tungen brachten Artikelchen; der deutsche Botschafter fuhr vor; die Hotelportiers, das ganze Personal waren plötzlich von überwältigender Höflichkeit. Das alles hatte doch feine leisen Rsü^