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macht, alle meine Bitten zu erMlen. Sie Verden es auch dieses Mal tun"
Er stand neben ihr und sprach bas Wort so leise, daß die anderen^ die leWast plauderten, sie nicht verstanden.
Sie sah mit haßerfüllten Augen in sein übermütiges und überlegen lächelndes Gesicht und knirschte wieder leise mit den Zähnen.
(Fortsetzung folgt.)
Die Reformation und Gegenreformation in Herbstein und den ehemals landgräflichen und ritterschaftlichen
Orten der östlichen und südöstlichen Vogelsbergs.
Von Pfarrer Zinn in Herbstein, (Fortsetzung.)
Alle evangelischen Pfarrer wurden abgesetzt und vertrieben und durch katholische Priester Zersetzt. Die widerspenstigen Gemeindeglieder wußte man durch schwere Geldstrafen und Androhung gleicher Ausweisung zum Gehorsam zu zwingen., Mit solchem Eifer gingen die Kommissare zu Werk, daß ste in der kurzen Zeil vom 26. Februar bis 26. März 1603 bereits die meisten Kirchen in dieser Weise mit Erfolg „visitierten". , £ne und da, wie z. B. in Hammelburg, mußten erneute Jesuiten- missionen unter dem Schutze der gewappneten Hand und strenge kaiserliche Mandate nachhelfeu. Doch verließen viele lieber Haus und Hof als ihren ©tauben. Im Städtchen Hammelburg allem gingen an 100 Evangelische um ihres Glaubens willen ins Elend. Auch nach Lauterbach kamen damals viele um ihres Glaubens willen aus solchen fuldischen Orten Vertriebene und baten um Aufnahme. Ende 1604 war das „Bekehrungswerk" der Hauptsache nach vollbracht. Rühmend konnte Papst Clemens VIII. un öffentlichen Kardinalskollegium als Verdienst Balthasars her- v'orheben, daß er seit seiner Wiedereiiisetzimg 20 000 Seelen zur katholischen Kirche zurückgeführt habe. Doch darf zum besseren Verständnis dieser Erfolge eins nicht verschwiegen werden. Zur selben Zeit nämlich, in welcher der Abt sein Bekehrungswerk unter kaiserlichem Schutz zu Ende führte, ernannte er den betuch- tigtcn Balthasar Nuß zum Zentgrafen in Fulda und ubertrug ihm zugleich die Direktion in peinlichen Mut- und Zaubersachen. „Seit dieser Ernennung", heißt es in der , Buchoma Zwengers (1882 Nr. 2), „trat in dem Lande Fulda eme Hexen- versolgung ein, welche in dem Zeitraum von nur 3 Zähren gegen dritthalbhundert Unglücklichen das Leben kostete. 5) Nach einem Eintrag in der Herbsteiner evüngel. Pfartchronik sah um das Jahr 1860 der damalige Herbsteiner Pfarrer Stock im Besitze des dortigen Laiibrichters Weidig eine alte, von einem ehemaligen Freiensteinauer Lehrer und Pfarrer geschriebene Chronik/) in welcher berichtet sei, daß Balthasar „schlechte Laien und Priester zurückreformierte", sein „Land mit dauernder Strenge leitete" und „obgleich in den Fasten"?) doch an einem Tage 7 arme Weiber wegen Hexerei habe verbrennen lassen und tu seiner letzten Regierungszeit „über die Maßen viel Manner und Weiber wegen Zauberei" habe brennen lassen. Ferner berichtet diese Chronik: Balthasar habe im ganzen Stift große persecutiones (Verfolgungen) verübt, und „wie er manches betrübte Herz und Gewissen gemacht, weiß männiglich". Bezeichnelid für den Haß, mit dem dieser Restaurator bei seinem plötzlich 1606 erfolgten Tode allgemein bedacht wurde, ist die Notiz desselben Freiensteinauer Chronisten, daß die Ritter sich weigerten, ihn zu Grabe zu geleiten, und daß das Volk sich erzählte, „die Zunge habe ihm einem wütenden Hunde gleich spannlang aus dem Hälfe gehängt", während ein Jesuit ihm „die Leichpredigt latme (lateinisch) geredt habe". Selbst die katholische Fulder Chronik, die 1839 zu Vacha gedruckt wurde und Balthasar lobt, Lr habe im In- und Ausland das größte Ansehen gehabt und sei mit dem Ruhmesdeukmal ewiger Verdienste gestorben, gesteht natu: ^Wenn sonst Würde und Frömmigkeit auch den unbarmherzigsten Krieger besänftigen, so lehrt uns hier die Erfahrung, daß es auch Ausnahmen gibt." Jedenfalls steht fest, daß Fürstabt Balthasar von Dernbach eine ungewöhnlich begabte Herrschernatur war, voll glühender Begeisterung für die katholische Religion in ultra- montan-jesuitischer Ausprägung. Unbekümmert durch sein in echtjesuitischer reservatio mentalis feierlich bei seinem Regierungsantritt reversiertes Versprechen: „So gerebelt wir mit Kraft dieses Briefes, was dieselben von Fulda rechtliche, nützliche und löbliche Freiheit und Herkommen von Alters gehabt und hergebracht
6) Nach Hattendorf a. a. O. Vgl. das „Fuldaer Historienbüchlein" des Domkapitulars Dr. Malkmus und die Gesch. der Hexenprozesse von Soldan, neu bearb. von Heppe.
«) Nachfrage nach dem Verbleibe dieser Urkunde waren bis jetzt, ergebnislos. , .! .
’) Tie österliche Beichte und Kommunion, die bevorstand nnd anbefohlen wurde, faiid gerade unter den Frauen große Ablehnung
haben, daß wir sie, ihre Erben und Nachkominen auch fürder dabei lassen uttb nach unserm Vermögen dabei handhaben und schirmen wollen ohne alle Gefährde", hat er, der Mahnung des Papstes Pius V. folgend, die Wiederherstellung des katholischen Glaubens und die Ausrottung des ihm verhaßten Protestantismus im Lande zu seiner Lebensaufgabe geuiacht. Mit einer Energie, die durch keine Schwierigkeiten und keine Enttäuschungen, selbst durch jahr- zehiitelange Verbannung, .nicht zu ermüden war, hat er sich für diesen Plan eingesetzt. Jedes Mittel, das Erfolg versprach, ist ihm recht gewesen. Menschliche Rücksichten, Billigkeitsgefühl und Erbarmen kannte er nicht. Sein Leben verzehrte sich in dem Streben nach dem einen Ziel, das er sich gesetzt hatte, und wie er zu Grabe ging, da war auch in Fulda und dem ganzen fuldischen Lande alles evangelische Leben in seiner Blüte geknickt und hoff- pungslos zu Grabe gegangen.
7. Wie Herbstein wieder katholisch wurde.
Als eilt'damals unmittelbar dem Fürstabt Balthasar unterstelltes Städtchen ist auch Herbstein in den Jahren 1603 und 1604 eilt Opfer der int vorigen Kapitel beschriebenen Gegenreformation geworden. Dafür können ivir zunächst ein gut katholisches. Zeugnis anführen, nämlich den nachmals zum Erzbischof von Freiburg gewählten Bischof Dr. Komp von Fulda. Dieser Kirchenfürst gab, als er noch Regens des Fuldaer Priesterseminars ivar> ein anonymes Schriftchen ohne Datum heraus mit dem Titelr „Balthasar von Dernbach, genannt Gräuel, Fürstabt von Fuldaj und Professor Dr. Heppe zu Marburg."') Tas Schriftchen wollte eine Widerlegung Heppes sein und nachweisen, daß die Rückkehr zum Katholizismus in der Abtei Fulda nicht durch obrigkeitliche Gewalttätigkeit, sondern allein durch die lesuttiscm „Pre- bigt des Wortes Gottes" und „aus freiem Willen der Bevölkerung" sich vollzogen habe. In Wirklichkeit aber ist die, Broschüre, die her Verfasser, dem sicher archivalisches Material zu Gebote stand, bezeichnender Weise nicht mit seinem Namen decken wollte, eine großartige Rechtfertigung Heppes; denn ste fuhrt ettte Menge Einzelheiten an, die, nicht durch die: Brille der befangenen und tendenziösen ultraniontanen Geschlchtsdarstellung/ sondern vorurteilslos im Lichte der geschichtlichen Wirklichkeit betrachtet, ebensoviele Zeugen für die Richtigkeit der Darstellung Heppes sind. So erzählt Komp z. B. von dem Verlauf der Gegenreformation zu Hammelburg, daß der neue Pfarrer und sein ^efutt dort Widerstand fanden, daß wiederholte Gesandtschaften und Jesuitenmissionen nötig wurden. Ganze 12 katholische Kommunikanten waren der Erfolg! Man nahm die Renitenten zur Ctnzel- befragung vor im Beisein des Amtmanns und Priesters, und, als alles nichts half, zog man ein Dekret des Kaisers Rn^ls heraus unb setzte eine Frist von mehreren Monaten, in welcher die Evangelischen entweder ihren Glauben oder dem Vaterlande entsagen sollten. Etwa 100 wanderten aus! Das Merkwürdigste aber ist, daß diese 100 Glaubenstreuen von Komp als ^rneift im Vermögen zurückgekommene, übelberüchtigte und der Magie ergebene (!) Leute" bezeichnet werden. Das Vermögen war ihnen in Wirklichkeit wohl durch obrigkeitliche Strafen für ihren Ungehorsam entzogen worden. Nun nahm man ihnen auch noch den ehrlichen Namen, indem Man sie der„Magie bezüchttgte, und wären sie nicht ausgewandert, dann hätte man ihnen sicher auch noch unter dem Vorwande der Hexerei grausam das Veben genommen. Wie ein frivoler Hohn auf ine geschichtliche bittere Wirklichkeit klingts, wenn Komp im Blick 'auf diese Ereignisse pathetisch schreibt: „Wer kann hier mit Heppe von Gewalttätigkeit reden? Kein Soldat, kein Schwertstreich, nur die Predigt des Wortes Gottes und die Gnade von Oben!" Man sieht an diesem Beispiel Kompscher Geschichtsdarstellung, daß emer reich an kirchlichen Ehren, aber arm an Liebe sein kann, an Siebe zu Andersdenkenden und an Siebe zur geschichtlichen Wahrheit. Dieser so beschaffene Autor gibt nun auf Sette 27 feiner obengenannten Broschüre auch eine Darstellung über den Verlauf der Gegenreformation Balthasars in Herbstein, die uns wegen der bann enthaltenen, offenbar auf alte protokollarische Aufzeichnungen zuruck- gehenben Einzelheiten interessiert. Sie lautet wörtlich: „Als ein Jesuit nach dem durch Berge und Wälder von ber übrigen! Abtei getrennten Städtchen Herbstein kam, das sich noch lange bent alten Klauben erhalten hatte,-) und seinen Austrag») mit- gcteilt hatte, — predigte et und feierte da er noch die heiligen Gewänder vorfand, die hl. Geheimnisse/) denen die Burger still und aufmerksam beiwohnten. Dem nachfolgenden Pfarrer erklärten die gutherzigen Leute, sie glaubten ihr Seben nach beit
i) Die Broschüre findet sich in der Ständischen Bibliothek äU ^Der offizielle Heb er tritt Herbsteins zumLuthertum geschah, wie wir in Kap 4 sahen, int Jahre 1548. Die prattstche Durc^ führung der Reformation in Lehre und Kultus aber ließ ich erst von 1558 an verwirklichen, als Valentin Eckhardt als erster evangelischer Pfarrer aufziehen konnte. ,
3) Gemeint ist die Verlesung des Religionsedikts Balthasars vom 24. Februar 1603. Da diese! Visitationen nach Komp bereits am 26. März vollendet waren, so muß bet Jesuit zwischen diesen beiden Terminen nach Herbstein gekommen fern,
*) d. h. die Mesfe.


