Ausgabe 
27.4.1912
 
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einem Pfeifer (Märchenhafte Verkleidung für einen Geist der Hel oder einen Berggeist) in einen Berg gelockt, dessen Eingangstür hinter den Kindern znviel. Eine andere Tür war noch da, aber diese liest sich nicht öffnen. Der freigelassene Käfer sand einen Schlüssel, nnd die Kinder traten durch die geöffnete Tür in einen herrlichen Garten, d. h. in Holles Reich.

Wie der Storch, so wurden der Maikäfer und Marienkäfer Vls Boten angesehen, welche die Seelen aus der Unter- und Ober­welt bringen, wenn ein Kind geboren werden soll. 'Die Slawen nennen die Erdmutter Baba, daher den Maikäfer Babka. Von den slawischen Namen der Erdmutter stammt.unsere Bezeichnung Baba fltr Wiege ab. Der Maikäfer ist ein Geschöpf des obersten Lichtgottes und der Erdgöttin. Er dient den beiden Gottheiten und ist daher Vermittler zwischen den beiden Seelenreichen und den Seelen. Der erste Maikäfer wurde daher einst feierlich be­grüßt. Ein besonders interessantes Zeugnis für diese Maikäser- einholung hal>en wir in der Beschreibung des Ulrich Petersen, der für Schleswig-Holstein den Brauch bezeugt, daß der erste Maikäfer von geschmückten Kindern in die mit jungem Grün ge­schmückte Stadt eingeholt wurde. Der zweite Teil des Kinder­liebes, der die Aussorderung an den Maikäfer enthält, abends heimzukehren, erklärt sich folgendermaßen: Am Abend wurden die bösen Geister wach und die guten Gottheiten beginnen den Kampf gegen dieselben (der Abend ist im Lied angedeutet durch das Abendrot, das auf den Brand hinweist). In den Reihen der guten Geister must auch der Käser als ihr Geschöpf kämpfen. Summend fliegt er in der Schöpfung umher, die bösen Dämonen zu verscheuchen. Sein Vater ist also int Kriege, feine Mutter in Engelland, d. h. im Lande der Engel, und dieses ist abgebrannt, denn, wenn Odin gegen die bösen Nachtgeister auszieht, steht ja das Firmament in Flammen, brennt es da, wo man sich das Seelenreich dachte.

Aber auch sonst hat das Volk.dem Erscheinen des Maikäfers feine Aufmerksamkeit geschenkt. Ern Maikäserjahr bedeutet nach rtalienischem und französischem Volksaberglauben ein gutes Jahr, das zwar viel Getreide, aber wenig Wein bringt. Im allgemeinen sind ja die Maikäfer wegen ihres forstlichen Schadens verhaßt. Frühere Zeiten wußten sich zu Helsen, wie z. B. der Bischof von Chur (Graubünden), der 1481 die Maikäfer in ein ödes Tal verbannte, d. h. also dem Hungertode preisgab. (Bergt, den Zu­sammenhang mit den Tierprozessen.) Die Bedeutung des Mai­käfers im Denken des Volks spiegelt sich in allerlei volkstümlichen Benennungen wieder, so heißt z. B. in Leipzig ein Schnurrbart, dessen Flügel kurz gehalten sind, Maikäfer. Die Benennung scheint sehr alt zu sein und wird schon von dem berühmten Satiriker Philander von Sittewald (Moscherosch) Anfang des 17. Jahr­hunderts bezeugt. Bekannt ist auch die Benennung eines Garde­regiments in Berlin, dieMaikäfer" heißen. Als Grund gibt man an, daß dieMaikäfer" im Mai zuerst zu größeren Hebungen ausrücken. Wahrscheinlich ist jedoch, daß einmal ein Teil des Regiments in die königlichen Gärten nach Charlottenburg kom- mandiert wurde, um Maikäfer zu schütteln.

Der Volkswitz weiß auch von den Maikäfern zwei lustige Stück­lein zu berichten: Einst kam ein armer Teufel in das Dorf Gerolfing bei Ingolstadt. Er stellte seine Kraxe ab, ließ sich Speise üud Trank schmecken und als es Zeit zum Schlafengehen war, bat er den Wirt, diese als Pfand zu nehmen für seine Zeche. Auf die Frage des Wirts, was darinnen sei, erwiderte der Hausierer: Uhren. Tatsächlich war in der Kraxe ein Leben und Gekrabbel, wie in einem großen Uhrenhaus. Der Wirt gab sich also zufrieden! Und beherbergte den Fremden. Dieser machte sich aber am nächsten Morgen in aller Herrgottsfrühe davon und ließ seine Kraxe zurück. Als der Wirt nachfah, fand er statt der erwarteten Uhren lauter Maikäfer in der Kraxe. D as zweite Stücklein spielt in der schwä­bischen Donauniederung, wo einst große Maikäferplage herrschte. Die Bürger von Donauwörth hielten Rat, und jeder wußte andere Mittel zur Vertilgung vorzuschlagen. Die altmodischen Leute, die Ertränken vorschlugen, oder sie den Hühnern zum Fressen zu geben, wurden ausgelacht und dem Rate eines ganz Klugen statt­gegeben, der riet,. auf dem Marktplätze einen großen Holzstoß aufzurichten, wo die Bösewichte verbrannt werden sollten. Gedacht, getan. Man schüttete die Gefangenen auf den großen Holzstoß, als sich aber von unten wohlige Wärme zu verbreiten begann, wurden die Käfer lebhaft und flogen davon. Auf diese Wirkung waren natürlich die Umstehenden nicht gefaßt, das sah man ihren ver­blüfften Mienen an. Seit dem Vorfall werden die Donauwörther Mit dem SpitznamenMaikäfer" geneckt, wie ja auch in Schwaben der Spruch gang und gäbe ist:Er lacht wie ein Maikäfer über das ganze Gesicht", wenn jemand vor lauter Fröhlichkeit das Gesicht ganz verzieht und den Mund offen hält, wie der Maikäfer un Ueberfluß im üppigsten Fräße. (Bergl. für die beiden letzten Erzählungen:Bayerisches -schelmenbüchlein" von F. I. Brvnner, Meßen 1911.)

Die Zimmerpflanzen und ihre pflege.

Woche vom 30. April bis 6. Mai.

Jetzt, im Frühling und Sommer, ist die Zeit, wo man neue Pflanzen entlaufen sollte, auch wenn man nicht jetzt Geburks-

Und Namenstag hat. Denn die Blumen, die Man int Herbst rmh Winter kaust, gewöhnen sch schlecht oder nie an die Stubenlust, wie jedermann >veiß, der mit Bedauern die Schönheit z. B. der blühe adelt Azaleen schnell dahinscheideu sah. Farne und Blatt- begonien, alle anderen Blattgewächse, vor allem aber die Pflanzen, die im Winter blühen sollen, überstehen jetzt den Umzug ins gut gelüftete Wohnzimmer sehr gut.

Die Schmuck-Malven (Abutilon) dürfen, wenn sie im! Sommer blühen sollen, von jetzt an nicht mehr eingestutzt werden; man kann sie an kleinen Hvlzgestellen rankend Hochziehen. 'Die Schmuck-Tanne (Arauearia), die im Winter kühl (310 Grad Celsius) und ziemlich trocken gehalten wurde, wird int Sommer reichlich begossen und halbschattig im Freien aufgestellt. Verpflanzt! wird sie jetzt, falls es nötig ist; man nimmt dazu Laub-, Lehm- unb Mistbeeterde, dazu reinen Mauersand, aber ja ganz ohne Kalkbeimischung ; auch pflanze man sie nicht zu tief!

Die Camellie kommt int Sommer nicht ins Freie; sie bleibt besser am halbschattigen Fenster der gut gelüsteten Wohn­stube, wenn man sie verpflanzt, so nehme man dazu ein Gemisch aus Mistbeet-, Heide- oder Laub- und Rasenerde. Der wohl­riechende Los bäum (Clerodendron sragrans) wird, wenn nötig, verpflanzt (fette, lehmige Mistbeet- und Lauberbe); auch wird er zurückgeschnitten, wobei man gleich Stecklinge machen kann, und dann im Sommer halbschattig aufgestellt und häufig gespritzt und gegossen. So behandelt, wird er im Herbst aufs schönste blühen.

Das Cymbel kraut (Cymbälaria, Linaria, auch Frauen­haar und mit vielerlei andern Namen benannt) ist ein reizendes! Ämpelblümchen; es blüht bis tief in den Sommer und ist höchst anspruchslos; es gedeiht im kleinsten Winkelchen draußen und drinnen und schmückt überall den Platz, den man ihm gönnt. Nur muß man ihm eins geben: kalkhaltigen Boden. Man sät es jetzt aus oder sammelt es draußen ein.

Ebenso sät man jetzt Winterlevkojen und Goldlack und verstopft beide alsbald in Töpfe. Die Balsaminen kürzt man, and)! wenn sie blühen, stahl! ein. Aus denRosentriebvn muß man, wenn man Winterblüte wünscht, leider iede Knospe so früh wie möglich auskneifen. Von den kalt überwinterten Heliotrop wird man jetzt gute Stecklinge schneiden können, die man sich unter einer Glasglocke bewurzeln läßt. Die Lorbeerbäume und Kirschlorbeer verpflanzt man jetzt; aber nur, wenn nötig; man schneidet sie gleiccheitig in Form, wenn man solche wünscht. Unansehnliche oder kranke Pflanzen schneidet man dabei stark zurück und beschneidet auch den Wurzel­ballen, damit man kleinere Töpfe verwenden kann, in denen sie besser gesunden. Auch die abgeblühten Iris kann man jetzt ver­pflanzen und nimmt dazu kräftige, lehmig-sandige Erde und große Gefäße; Ende Mai stellt man sie ins Freie und gießt ttnb düngt sie kräftig. Von der Falschen Myrte (Myrsine) kann man jetzt Stecklinge stecken, die man lauwarm hält. Für den Einkauf von Tradeseantien empfehlen wir: navicularis, eine emp­findlichere Art, fürs Zimmer; dagegen viridis, die überall be- kannte, auch für den Balkon.

Königspromenabe.

Man bar? die einzelnen Wörter und Silben nur in der Weis* miteinander vet btnben, daß man rote der König auf dem Schach' breit stets von einem Feld au5 auf ein benachbartes übergeht-

denke

dies

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Auflösung in nächster Nummer.

.Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nummer;

Wcipert Eifen Rügen Wilbeiml Artlow* Garbaiee Tanganrog;

Wer wagt, gewinnt.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlas der Brühl'jchen Universitäts-Buch» und Steinbruderei, R. Sana». Dieta»