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O das macht mir nichts!" versicherte sie , und tvvNte leichtfüßig die schmale Eisentreppe hinaufsteigen. Im selben Augenblick aber faßte der heftig einsetzende Sturm ihr Kleid und schlug es hoch empor.

Es war Amthor, als ob ein heimliches Männerlachen an sein Ohr schlug. Eine aufsteigende Zornröte im Antlitz fuhr er nach links herum. Da standen die drei mit zynischen Mienen und blickten freche nach der jungen Frau, die eine Sekunde lang ahnungslos von dem Vorgang gegen den sie int Moment ganz verwirrenden Sturm ankämpfte.

Bitte, kommen Sie herab! Schnell!" dringlich tönte ihr plötzlich Amthors Stimme im Ohr. Er zitterte vor Er­regung. Am liebsten hätte er sich sofort auf die Burschen da gestürzt; ihm war, als hätten ihre frechen Blicke ihr reines, schönes Frauenbild entweiht.

Fast erschreckt durch seinen plötzlichen dringlichen An­ruf gehorchte sie schnell.

Was ist denn?" Wieder neben ihm stehend-, blickte sie ihn mit den großen dunklen Kinderaugen verwundert fragend an. Ihre ahnungslose Reinheit hatte für ihn etwas Rührendes; sie kam ihm so heilig in diesem Augen­blicke vor. Selbstverständlich durfte sie gar nicht ahnen, was sein wahrer Grund gewesen war.

Es ist da oben doch- nicht gut möglich, sich aufzu­halten," wandte er vor, mit ihr zurückgehend, die drei da vorn keines Blickes würdigend.Man sieht zwischen den Booten auch nichts von der See ich habe eine andere Idee: Wir gehen nach vorn auf unseren Stammplatz," er lächelte sie nun wieder unbefangen an,auf die Back! Da sind wir heut sicher allein. Aber Sie müssen sich wasser­dicht anziehen, Ihren Gummimantel! Die See wäscht dort beständig herüber. Auch ich will mein Oelzeug holen."

Fünf Minuten später trafen sie sich vor dem Kajüten­ausgang am Zwischendeck wieder.

O!" sie hob lachend nach ihm die Hände.Sie sehen ja aus wie ein richtiger Seebär. Aber famos! Groß- artig!"

Bewundernd sah sie auf seine hohe Gestalt im langen gelben Oelrock und breitkrämpigen Südwester, der zu feinem wettergebräunten männlichen Gesicht im blonden Vollbart allerdings vortrefflich paßte.

Keine bloße Theaterdekoration," versicherte er, mit ihr nach vorn gehend.Ich brauche solch Kostüm wirk­lich manchmal, wenn ich mit unseren Fischern zum Vogel­fang oder zur Seehundsjagd- hinausfahre."

Nun waren sie auf dem kleinen Vorderdeck angelangt, auf dem allerdings das Wasser fast handhoch stand und über das der Sturm ungehindert hinbrauste.

Eva Söllnitz wollte eilig vorwärts, ganz nach der Spitze hin; im selben Augenblick sprang aber eine riesige Welle gegen den Bug an.

Achtung!" scholl es ihr ins Ohr, aber schon brach, vom scharfen Kiel ausgeschnitten, ein brausender, prasseln­der Schwall über sie herein mit einer Gewalt, daß ihr Hören und Sehen verging und sie nach- Atem ringend, auf dem glitschigen Boden auszugleiten drohte. Mit einem Aufschrei streckte sie die Hände, einen Halt suchend-, aus. Da fühlte sie sich von -einem starken Arm um die Schultern gefaßt, und als sie die -Augen rasch nun wieder öffnete, sah sie Amthors Antlitz über sie gebeugt, mit wassertriefen­dem Bart, aber frisch-roten Wangen und frohleuchtenden Augen.

»Ja, ja das ist nicht so ohne hier oben!" lachte er. Kommen Sie ans Geländer. Rasch, eh' die Brandung wiederkehrt!"

Da stand sie nun, ganz vorn an der äußersten Spitze des Schiffs, dicht neben ihm. Er hatte sich so gestellt, daß er sie gegen die Wellenseite hin mit seinem Leib deckte. Die Hände fest um das Eiseugeländer.geklammert, blickte Eva Söllnitz hinaus in das tobende Meer. Der unablässig brausende Sturmwind benahm ihr fast den Atem, und doch spürte sie ein wunderbares Gefühl froher Kraft in sich, wie ihre Brust so- seinen salzigen belebenden Hauch- trank.

Von der wilden Sturmgeiß-el aufgepeitscht, raste und schäumte ringsum das Meer in gigantischem Wutausbruch. Es schien seinen ganzen Zorn nun gegen das Schiff ge­kehrt zu haben, das es wagte, hier fern von aller Hilfe, in unermeßlicher Einsamkeit, feine Fluten zu durchqueren. Furchtbare Wogen rollte es heran, immer eine nach der anderen, Tausende, Myriaden so weit das Auge über das schwarzgraue Kampffeld schauen konnte; wie gewaltige.

dunkle stürmende Kolonnen mit weiß flatternden Helm­büschen wälzten sie sich -gegen das Bollwerk des Schiffs heran, gegen die hochragende Bastion des festen Bugs. Aber höher noch sprangen in wildem Ansturm die tollen An­greifer, prasselnden Geschoßhagel mit tosender Gewalt über Deck schleudernd.

Mit bang verhaltenem Atem und stockendem Herzen sah Eva Söllnitz jedesmal die haushohe, schwarzdräuende Wasserwand steil vor sich aufgetürmt, bereit, im nächsten Augenblick überzustürzen und" das Fahrzeug mit ihrem vernichtenden Schwall zu begraben, das gerade in der Tiefe des Wellentals lag. Aber dann hob sich blitzschnell jedes­mal der Bug des stolzen Schiffes und stieg hoch in den schwarzgrauen Sturmhimmel hinein, einen Augenblick oben! auf den Wogenkämmen schwebend, um im nächsten wieder mit jähem Sturz in die Tiefe zu fahren. Ein unablässiges ewig wiederkehrendes, schaurig-schönes Spiel.

Schweigend standen die beiden, ganz befangen von dem dämonischen Bann des grandiosen Kampfes der ent­fesselten Natur-gewalten und dem Echo ihrer Empfindungen,- das er wachrief.

Ein nie gekanntes heimlich-süßes Gefühl beschlich Eva Söllnitz jedesmal, wenn sie, vor dem drohend aufgetürm- ten Wellenberg erschreckend, unwillkürlich Hilfe suchend sich rückwärts beugte, bis sie Amthors Nähe spürte. Einmal bog sie sich ungewollt weiter als sonst zurück, so daß ihre Schulter sich einen Moment gegen feinen auf das Geländer gestützten Arm lehnte.

Haben Sie Furcht?"

Sie fühlte den Hauch seines niedergebeugten Mundes! to-arm an ihr Ohr schlagen. Ein süßes Rieseln überlief sie, während sie so mit geschlossenen Augen sekundenlang au ihm ruhte, und einen Augenblick war es ihm, alZ schmiegte sich ihre Weiche Schulter noch mehr an ihn.

Nein," hörte er ihre Antwort nur wie ein Flüstern, Nicht bei Ihnen "

Da kam es jäh über ihn, daß er ihren zarten, ihm! so vertrauensvoll hingegebenen Leib an sich hätte reißen mögen in einem ihn plötzlich überwältigenden Zärtlich­keitsausbruch. Doch seine noch wache Vernunft hieß- feine Hand sich fester um das Geländer klammern.

Sie spürte mit leisem Erschrecken das Zucken in seinem! Arm, und schnell beugte sie sich wieder nach vom,

(Fortsetzung folgt.)

Der wahre Sieger von Torgau.

Neue Forschungen des Großen Generalstabs.

Von Dr. Kurt Haack.

Es mag kaum eine Schlacht geben, deren geschichtliche Er- sorschung aus so große Schwierigkeiten stößt, wie die von Torgau." Dieser Satz, der sich in dem in den nächsten Tagen bei E. S. Mittler u. Sohn in Berlin erscheinenden 20. Heft derUrkund­lichen Beiträge und Forschungen zur Geschichte des preußischen Heeres" findet, erfährt dadurch seine überraschende Bestätigung, daß in diesem neuesten Werk des Großen tGeneralstabes der eigent­liche Sieg, die Herbeiführung der letzten Entscheidung einen bisher in diesem Zusammenhänge kaum erwähnten Offizier, dem da­maligen Hauptmann Fr. Wilhelm Ernst von Gaudi zu- geschrieben wird. Ein ganzer Kranz von Legenden und Sagen -hat sich ja im Laufe der Zeit um das blutige Torgauer Ringen! geschlungen; Tradition und Dichtung haben das geheimnisvolle Dunkel, das so undurchdringlich düster über den letzten, den Sieg bringenden nächtigen Stunden der Schlacht lag, poetisch verklärt, aber nicht durch historische -Wahrheit erhellt, und die Verhältnisse! selbst schufen dafür den -besten Nährboden: Beide Feldherren wer­den verwundet, beide sind, als der Tag «zu Ende geht, im Glauben, den Sieg davon getragen zu haben. In der Dunkelheit aber nehmen Unterführer selbständig den Kampf wieder auf, und- ihre Tätigkeit bringt dann erst in Wirklichkeit auf dem von den Flammen des brennenden Dorfes Süptitz erhellten Schlachtfelde die Ent­scheidung. Die wertvollste und bisher -für die Kriegsgeschichte des siebenjährigen Krieges noch nicht genügend ausgenutzte Quelle über diese komplizierten Vorgänge sind nun die Berichte Gaudis, der als Adjutant und rechte Hand des Generals Hülsen während der Kämpfe an wichtiger Stelle stand. .Gr hat die Ereignisse! der Schlacht in einem Schreiben an den Prinzen Heinrich kurz danach dargestellt und dann seine eigenen Erlebnisse und ein­gehende Erkundigungen zusammcngefaßt in seinem umfangreichen Journal, dessen hohe kriegshistorische Bedeutung nunmehr vorn Großen Generalstab dargetan wird,dem wir für die Erforschung des Siebenjährigen Krieges unser wertvollstes Material verdanken."

Der letzte Teil der Schlacht, bei dem der Sieg erfochten! würde, bildet ja den großen Streitpunkt der strategischen Fvr-