58

Mein

Sie mir. 'M

o

Aus Schneeschuhen.

Won Rechtsanwalt L. Raab Wetzen).

I. Nach dem Vogelsberg.

Am ersten Weihnachtsseiertag morgens im strömenden Regen mit Schneeschuhen am Bahnhof zu erscheinen, musste für Unkundige nnsatzoar sein; da war denn auch eine lange Jungfrau ne war sogar noch länger die zu ihrem Begleiter mit spotiiichem Blick aus meine Hölzer äußerteich mochte wissen, wo jeftt Schnee ist" Ich ärgerte mich nicht einmal und dachte nurDu yast ja keine Ahnung" und hasste, datz der Vogelsberg nicht em ,o schäbiger Kunde sein und Mich im Stich lassen werde^ ^re .-seitzwischen den Jahren" war doch sonst recht günstig sur Schnce- ch,i.bmu>^'wird schwere Rucksack geschultert sind das Tragen der Schneeschuhe, das Unangenehurste, beim Schisport, sangt an. Ich wähle den Gang über Rudingshain. Sprudelndes Wasser allenthalben; es kommtaus allen Änopslochern . Hatte ooch der vergangene Sommer nur den zehnten ^ davon gehabt!

Am Dorseingang lause ich in die Kirchgänger hinein, die den Feiertagsgottesdienst verlassen haben. <0n eines Bauern gut- mtigem Gesicht meine ich im Gemisch von Unglaubigtei, und Mitleid zu lesen, datz er inir vergebliches Abmühen mst meiner! Schlepperei Voraussagen möchte. So wenig kennt ihr nächsten stn- wolmer euren Vogelsberg! Jenseits der sungen geschastig rau­schenden Nidda nimmt mich der Dom, des hochstämmigen Buch- walds aus und nach kurzer Zeit umfangt mich die Feterlichlbit! der schweigenden Natur. Wie wohl tut diese Einsamkeit.

An ein paar Baumrodemaschinen mache ich Halt und sehe nur die Einrichtung an. Es ivar ein willkommener Anlatz, die Schnee­schuhe und den Rucksack abzuschultern; das Bergangehen hüt chwerer Last strengt doch an. Ja, ja, im Fri hl-alst reif hm Landsturm II. Wirklich, schon zu alt fürs Schneeschuhtaufen? Nein, ich lasse mich nicht so rasch zum alten Eisen werfen, frisch zn- gefasst, es geht schon weiter, es war nur Has Ungewohnte, ©tuben, sieche, Stadtverweichlichte. ®te Luft weht frischer, da kommt auch schon der erste Schriee, schüchtern ml Graben der langes : Waldschneise gelegen, vereinzelt, verloren oder wie achtlos über j Beim Hmaustreten aus dem Wald fällt mich ein Pfeifen mch | Stürmen an, Vogelsberger Heidewind aus. erster Hand, so verb^

Bewunderung auszusprechen." .

Sie antwortete nicht. Sie ignorierte ihn vollständig. Und wieder hörte ji.e die leise, raunende Stimme:Also

zu den Vorstandsdamen gehörte; auch von der Millionen- 1 erb sch ast ließ sie einiges einfließen

Das junge Mädchen wird Aufsehen machen. So sh und reich außerdem. Ein seltener Vogel, sozusagen, liebe Exzellenz. Wenn es geht, stellen Sw mir faulem... sv'ie war doch der Name? . . . richtig, Gudareza, nach I)Cr Man mußte Signe suchen. Schließlich wurde sie in einer der Garderoben gefunden, wo sie wieder, mit den Kindern saß.Durchlaucht mochten das gnädige Fram lein kennen lernen!" - e-te lacheste. "Adwu, Kindes Schlaft wohl" Magda und Karli hingen an ihrem Haise Aber mein Haar dürst ihr nicht so zausen . . . ntorgin besuch ich euch. So, nun noch einen "fußen Kuß . . . uno schlaft hübsch und träumt recht schön . . ." 1

Es war ausgemacht worden, daß die Mitwirkenden wah­rend des Abends in ihren Kostümen bleiben sollten, grau von Elsterburg wußte aus Erfahrung, wie sehr dav Farve und Leben in die Gesellschaft brachte. i

So wurde Signe doppelt schnell erkannt, als sie in der ersten Pause den Saal betrat. Sie hörte das leise Raunen: das ist sie" . . .die schöne Herzoglich . . . sie Wte, tote man ihr unwillkürlich Platz machte; sie sah, wie sich alle I Augen auf sie richteten. Und sie schritt mtic stolz erhovenem Haupte durch die Menge der Mitte zu, wo sie vorhin schon die Fürstin bemerkt hatte.

Die hohe Protektorin hatte sich in ihrer langjährigen Tätigkeit alsWohltatigkeitsspitze" einen besonders gütigen, liebenswürdigen, aber stets mit etwas .Herablassung ge­mischten Ton gegen die Mitwirteuden bei allen ihren y eit eit angewöhnt. Es lag immer ein wenig gesellschastiiche Re­serve darin.

Als Signe ihr gegenüberstand ui:d ihre tadellose, tiefe Verbeugung machte, versagte dieser Ton vollständig. Die Fürstin reichte ihr die Hand, dankte ihr, nickte und nickte wieder, erkundigte sich mit wenigen Worten nach den Estern und sagte dann, als das Klingelzeichen den zweiten Teil der Vorstellung ankündigte, indem sie dem jungen Madcyen nochmals die Hand zum Kuß reichte:Hoffentlich sieht man Sie in diesem Winter recht häufig, Fräulein von Gudarcza.' Alles ganz schlicht und einfach.

Der Vorhang ging auf. Signe wandte sich, um einen Platz zu suchen. Da traf ihr Blick ans den Prinzen Hoburg. Er stand seitwärts an der Wand, das Einglas im Ange, und starrte scharf zu ihr hinüber. So scharf, so ausgespro- | chen, daß Signe fühlte: er sieht nur dich. Sie ging schnell durch die nächsten Reihen und war froh, als sie weiter hinten einen Platz fand mitten unter wildfremden Menschen.

Die Vorstellung interessierte sie wenig. Dilettanten­kram, fand sie, dem man künstlich durch Einschieben von einigen Darbietungen wirklicher Bühnengrößen Relief zu geben versucht hatte. Ihre Ansmerkfamkeit war amf ge­stört. Sie mußte wider Willen immer aufs neue an Ho­burg denken. Wie kam der Prinz dazu, sie derart anzu- starren! Eigentlich war's fast beleidigend. Oder hielt erS für sein gutes Recht, weil jte soeben noch dort auf der Bühne gestanden hatte, weil sie noch,im Kostüm war? Faßte er's als Entgelt für den Obolus aus, den er auf dem Altar der Wohltätigkeit entrichtet hatte?

Nun er sollte nicht im Zweifel bleiben, daß ihr diese Art nicht behagte. -

Und dann dachte sie noch daran, was Baker vorgestern abend erzählt hatte. Vater hatte bei Hoburg-seine Karte ab­gegeben, als Gegenbesuch, und war angenommen worden. Aeußerst liebenswürdig natürlich.Eigentlich ein ganz nettes bescheidenes Kerlchen, dieser Prinz. Ich hatte so mein Vorurteil, aber er hat's zunichte gemacht. Er hat mir wirk­lich gefallen dein Prinz!" Und dabei hatte Va'er herz­lich gelacht, Mutter hatte, gelächelt, und Dodo wiederholte: Dein Prinz! Laß dir's nicht gefallen, Signe." Sie aber batte geschwiegen, geschwiegen mit hochgezogenen Achseln, wie sie oft schwieg, wenn sie dachte:Eine Entgegnung lohnt

Sie zürnen mir doch? Darf ich Ihnen denn nicht sagen, wie schön wie wunderbar schön Sie aussahen?" -

Sie fühlte seinen Atem in ihrem Nacken und empfand den diskreten Duft des Veilchenparfüms, das er bevorzugte. Er mußte sich ganz weit vorgebeugt haben. ~ ,

Warum so unbarmherzig, gnädiges Fräulein!

Da sagte sie endlich, ohne sich umzuwenden, leise, aber hart:Sie stören mich und andere."

Eine Weile schwieg er. Sie versuchte gewaltsam ihre Aufmerksamkeit auf die Bühne zu konzentrieren, wo em kleines Lustspiel sich in erschreckender Dilettanten-Langsam- keit abwickelte. Aber dabei dachte sie immer:Wie muß er sich bis hierher durchgedrängt haben. Wie unendlich peinlich ist es. Wenn nun irgend ein Bekannter hier m der Nähe sitzt und dich beobachtet." Scheu sah ]te nad) reditS und links. Nein sie war in eine Reihe von Zuschauern hineingeraten, die mindestens anscheinend völlig durch ote Vorgänge auf der Bühne in Anspruch genommeii waren, kleine Leute, die sich einmal den billigen Woh^ratigcett^- qenuß gegönnt hatten. , . , r ,

Wenn Sie wüßten, wie ich diesen Abend herbetge,ehnt habe," hörte sie wieder.Da lebt man nun m derselben Stadt, und es ist so schwer----" .

Diesmal kam er nicht weiter, denn die dicke Madame neben Signe, die andächtig beide Hände im Schoß über den Pompadour gefaltet hatte, unterbrach ihn mtt einem entrüstetenPst". Und von der anderen Seite kam auch ein leises, aber energischesRuhe. . .""

Signe stieg das Blut zu Gericht. Und sie beugte:,Wie kommst du nur nachher möglichst schnell nach vorn W den Kreis deiner Bekannten"

Endlich siel der Vorhang. _ ,

So schnell als möglich stand sie auf, wollte sich, durch die Masse drängen. Aber die stand wie festgcbannt, jubelte Beifall. Und da war Hoburg schon neben -ihr

Sie wollte ihn mit einem kalten, zuruckwetsenden -Blick abwehren. Doch tote sie ihn ansah, bemerlte sie, wie erregt cr war Der etwas süffisante Ausdruck, der bisweilen tn seinem Gesicht lag, war völlig gewichen. Er b. teste zu ihr auf wie ein Bettler. Wer tit diesem flehenden Blick lag doch noch etwas ganz anderes.

(Fortsetzung folgt.)

sich nicht!" ;

Plötzlich wurde sie von rückwärts angesprochen und er­kannte die dünne Stimme Hoburgs.

gnädiges Fräulein" hörte sievergeben her ich tonnte nicht länger warten, Ihnen meine