Ausgabe 
26.10.1912
 
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ich warf ihnen einen Mick zu, bei dein sie sich in ihren Sättelnj gehörig aufrichteten, bevor ich Duroc fragte:

Darf ich fragen, ob Ihr auf diesem Wege nach Norbert reitet?"

Ja, ich habe Ordre, bis Arensdorf zu patrouillieren," ant­wortete er. , ,

Dann erlaubt Ihr mir wohl, bis dahin mit Luch -zu rerten," sagte ich.Mich dünkt, in diesern Falle wird der weitere Weg der kürzere sein."

(Fortsetzung folgt.)

Glück ab!"

Eine Freiballon-Fahrt.

Glück ab!" riefen uns die 'anwesenden Vereinsfrennde zu und Glück ab" antworteten wir mit Mützenschwenken. Rasch erhob! sich der BallonMarburg", dem wir unser Leben anvertraut hatten, vom Gießener Gaswerk aus mit scharfem Südwestkurs in die Höhe und stieg in wenigen Minuten 600 .Meter hoch.

Die Aufforderung des Führers, unserenSalonwagen" in Ordnung zu bringen, ließ dann zunächst meine Gedanken von der Erde abschweifen. Um den vier Anwesenden einigermaßen .Bewegungsfreiheit zu verschaffen, müßte alles entbehrliche Gei- päck, wie Rucksäcke, Mäntel usw., an der Außenseite des Korbes angebracht werden. Der Führer hatte an dem oberhalb des Korbes befindlichen Ring zu. tim, und ich muß eingestcyen, daß ich dabei ein kleines Angstgefühl empfand, da der Führer sich dabei auf den Korbrand stellen niußte.

Inzwischen hatten wir uns schon ziemlich von Gießen entfernt, der Gleiberg war nur noch undciutlich, der Schiffen-« berg gar nicht mehr zu sehen, und wir näherten uns langsam den Wäldern des Taunus, während unser Ballon durch dia Sonnenstrahlen allmählich in eine Höhe von etwa 1000 Metern gezogen wurde. Während wir uns' ganz dem Genuß der Früh­lingsnatur Hingaben, entdeckten wir plötzlich einein weitläufigen Vcrwandten, dieViktoria Luise", die sich ungefähr über Nau- Heim befinden mochte, uns aber nicht bemerkte.

'Da ich niich inzwischen ganz gut an den Aufenthalt ini Gallon gewöhnt hatte, ließ ich mir von unserem liebenswürdigen Führer die Apparate erklären, von denen außer bem Ballon- iVariometcr noch ein ebenso «infach als sinnreich ausgedachter (Höhenmesser der wichtigste ist. Dieser ist mit einer Schnur jam Netzwerk befestigt und besteht aus einem blauen und einem roten Windrädchen. Die geringste, durch Agnderung der Tragkraft bedingte Steigung bewirkte sofort ein Drehen des blauen Rädchens, während sich beim Fallen aus den­selben Gründen das rote dreht. Diqse beidenRadler" dürfen auf der Fahrt nicht aus den Augen gelassen werden.

Während wir ein wenig aßen, kamen wir dem Feldberg immer näher und konnten deutlich die Häuser und auch Einzelne Men- schen erkennen. Da meldcke sich plötzlich unserroter Radler" !und zwar waren seine Drehungen so.schnell, daß man die Be­wegung kaum erkeunen konnte. Wir waren in eine tiefer» Luftschicht gefallen, die das Ballongas derart abkühlte, daß es rasch hinab ging und nun kam der Augenblick, den mir nufer Gießener Fahrtenwart bei der Ausreise als etwas für den Neu­ling aufregend geschildert hatte: das Aus warf en des Schlepp­taues. Dieses hat bei einer Länge von etwa 100 Metern ein Gewicht von 40 Kilo und hängt zusammengerollt an der Außen­seite des Korbes. Nun ertönte das KommandoFesthalten" iund wir nahmen die uns vorher angewiesenen Platze ein, um gegen Schwankungen gewappnet zu sein. Im Anfang wickelte sich die Sache ziemlich harmlos ab, aber plötzlich kam Leben in die Bude, denn es hatte sich ('in Knoten int Tau gebildet, der sich nicht von selbst' lösen wollte. Dabei näheirten wir uns trotz Ballastabgabe immer noch den Baumgipfeln. Es hieß also, die ganze Masse von Seil! herauf in dich Korb ziehen, wobei ich mich zum erstenmal aktiv beteiligen durfte. Was dabei etwas fHeklemmung verursachte, war die Besorgnis, daß sich das Seil ihn Eifer des Gefechts um eineht Körperteil eines Passagiers schlingen und diesen an die frische Luft befördern würde. Glücklicherweise brauchten wir die Arbeit nicht zu Ende zu ver­achten, denn der Knoten hatte sich währcind des Aufziehens gelöst und wir konnten diq wenigen Meter Seil, welche wir ein­gezogen hatten, wieder langsam hinablassen.

Da inzwischen die Bestrahlung .der Sonne sehr kräftig ge­worden war, hatten wir bald eine Höhe von über 2000 Metern erreicht und wir durften damit rechnen, uns noch qin bis zwei Stunden oben halten zu können.: lieber Lorsbach, erreichten wir die größte Höhe des Tages, 2300 Meter, in der wir uns fast eine Stunde ohne wesentliche Fortbewegung aufhielten. i

Was ich in dieser Stunde in der einsamen Stille des Luft- Weltmeeres, weitab von allem Kleinkram der Erdenbewohner, empfand, das war kein einfaches Genießen, das war Andacht Erbauung!

Wir trieben nun auf Wiesbaden zu und hofften auf eine Lan­dung vor dem Kurhaus, doch bekamen wir bald andere Richtung, näherten uns dem Main und den Fabrikschornsteinen von Höchst. Da die Ballastvorräte auf 3i/2 Säcke zusammengeschmolzen waren,

mußten wir uns mit idem Gedanken vertraut machen, daß die Herr« lichkeit bald ein Ende nehmen würde. Wir überflogen langsam den Main und faßten ein schönes Gelände jenseits eines größeren Waldes als Landungsplatz ins Auge. Kaum waren wir am! Ende der Waldung, als wir infolge verminderter Sonnenbestrah­lung erst langsam, dann rascher ins Fallen kamen. Je mehr wir uns der Erde näherten, desto schleuniger sank der Ballon, wobei wir uns dem Orte Walldorf näherten. Es war die Absicht gewesen, auf ben bebauten Feldern vor dem Dorfe nieder zu. gehen. 'Da aber der Wind unten etwas stärker war, fo konnten uns die wenigen herbeigeeilten Leute im ersten Augenblick nicht halten, so daß das Torf noch überflogen werden sollte. Ans das Kom^ mando des KapitänsMles raus" ging der letzte Ballast über Bord und schon hatten wir Rucksäcke usw. reisefertig gemacht, unt sie zu opfern und sie dann später wieder in Empfang zu nehmen. Doch nun erschienen schnell Mehrere hilfsbereite Menschen, so daß wir doch noch vor dem Dorfe landen konnten.

Auf das KommandoFesthalten" gingen wir in die Knie­beuge und schon erfolgte der erste Ausstoß. Ich fiel zunächst wegen des wohl nicht gut genug ausgeführten Klimmzuges aus beide Knie, um dann rückwärts gegen meinen Hintermann zu fliegen, dessen natürliches Polster dieseKollision" sehr dämpfte. Inzwischen war eine immer größere Anzahl Eingeborener herbei­geeilt, während auf dem benachbarten Friedhof gerade eine Be­erdigung stattfand. Auch die Trauergäste kamen heran und halfen im besten Feiertagsstaat. Wer Ballvnkorb setzte auf, dann stiegen wir wieder einige Meter, doch die Bauersleute zogen uns int buchstäblichen Sinne zu sich hinunter; die Erde hatte uns wieder. Knapp 10 Meter vor dem Dorfwirtshaus fand die Landung statt. Wir rissen den Ballon auf Und in wenigen Augenblicken war das, was sterblich an unserem Schiff war, in dem Aether üerflogen. Nun konnten wir deut Korb entsteigen.

Der Lustschiffer kennt drei Arten der Landung, nämlich: 1. sehr glatt (Damenlandung), 2. glatt, 3. glücklich; die unserige wurde Mit Note 2 zensiert. Der Führer war sogar im Zweifel, ob er nicht die Note 1 gehen könne, da der Korb noch aufrecht stand.

Nun ging es sofort an die Verpackung, zu welchem Zweck schon vorher jeder Mitfahrer ein Amt erhalten hatte.

Unter Beihilfe der Eingeborenen und mit Unterstützung des Polizeigewaltigen war in einer guten halben Stunde dieMar-, bürg" bahnfertig verpackt. Nach einem Abschiedstrunk traten' wir die Rückreise mit der Bahn an.

Vucherüsch.

Christian Reuter: Schelmuffskys R ei se­he s ch r e i b u u g. Mit einer Einleitung von Dr. Gottlieb Fritz und Illustrationen von Ludwig Berwald. (Hausbücherei-Band 41.) Verlag der Deutschen Tichter-Gedächtnis-Stiftung in Hamburg- Großborstel. Wer weiß heute noch etwas von S ch e l m u f f s k y? Man wundert sich, daß derSchelmuffsky", der im Jahre 1696 von einem Leipziger Studenten geschrieben wurde, so lange Zeit verborgen bleiben komcke und erst jetzt wieder nnS Licht gezogen wird. Denn er ist unbedingt eines der lustigsten Bücher, die je geschrieben wurden. Er übertrifft den Münchhausen an kornischer Kraft; er enthält eine Gestalt, die wie Shakespeares Falstaff der Weltliteratur angehört. Eine glänzende Satyr e - auf die lügen­haften Reiseschilderungen hat Christian Reuter schreiben wollen und zugleich eine gewisse Familie Müller verspotten wollen, deren Rache ihn noch lange Zeit verfolgte. Er schildert mit drolligen Einzelheiten seine Abenteuer und Heldentaten in fremden Ländern, und schließlich stellt sich heraus, daß er nie über das Nachbar­dorf hinausgekommen ist.

Rösselsprung.

Auflösung in nachper Nummer.

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Auflösung der Skat-Aufgabe in voriger Nummert Abkürzungen: tr Treff,' p Pique, c Coeur, car Correau trB Treff-Bube, pA Pique-, cD = Coeur-Tome usi. Im Skat liegen c9 und carD. Borband erhielt cA, c8, pA, p9, p8, p7, carK, car9, car8, car7, Hinterhand den Rest. Gang des Spieles: 1) V. pA M. pD H, carA = 25

2) V. p9 M. pK H. cZ = 14

3) H. trZ V. cA M. trA 32

Sa. 71 Augen.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen»