Ausgabe 
26.10.1912
 
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(Fortsetzung folgt.)

Wie

jeden habe.

tüxc.

Das ganze Haus war erleuchtet wie zum Willkonr-, mengruß, und als Marcella erwachte und die ihr bekannte Gegend erblickte, stieß sie einen Freudenruf aus. wie ein Kind. Als wir die Treppe hinauf eilten, toiwbe die Haus­tür weit aufgerissen, und Marcella fiel fast in meiner Schwester Helens Arme. Einen Moment vergossen die beiden Mädchen Tränen der Freude und waren außerstande,

Abenteuer der Brigadier Gerard.

Kon C. Dohle.

(Fortsetzung.)

III.

der Brigadier nach der Schreckensburg kam)

fort von hier. t , r.

Ich umfaßte sie mit dem gesunden Arm und führte sie, ! indem uns ein Polizist leuchtete, behutsam an den Trag­stuhl. Dann legte ich sie vorsichtig darauf und deckte sie mit meinem Ueberzieher zu. In diesem Moment fühlte ich, wie mich jeniand leise am Aermel zupfte. Eine brttende Stimme flüsterte mir zu:

Darf ich nicht mitkommen, Herr Doktor? Ich hab solche Angst, allein hier bleiben zu müssen. Vielleicht kann ich der Dame behilflich sein. . p

Ich drehte mich um. Die Brttende war unser altes Dienstmädchen. Aber, ehe ich ihr erwidern konnte, dämpfte schon eine süße Stimme meinen Zorn und ries mir zu: .

Ach ja, Liebster, laß sie mittömMen. Sre soll nrcht allein hier bleiben. , , ., .

Wie du wünschest, meine Teuerste, antwortete rch, rn- dem ich mich über ihre Herzensgüte innerlich freute. Tas Mädchen und der Polizeimann schoben den Stuhl, way-

auch nur ein Wort yervorzubringen. Dann stürzte mit einem wilden Freudenschrei Luch Belton auf Marcella los und erdrückte sie beinahe in leidenschaftlicher llm- armung; und, sieh' da, das Wunder, woraus icf) so sehn­süchtig gewartet hatte, war plötzlich ein getreten.

Oh, Luch! Lucy! rief meine Geliebte, du hast Wun­der gewirkt; du hast mir endlich mein Gedächtiiis zurück- aerusen. Die Dunkelheit ist geschwunden, ich weiß alles ganz klar und deutlich, Gott sei Dank, tausendmal Dank!

Sie geriet darüber ganz außer sich vor Freude. Da ich aber merkte, daß sie sich zu stark aufregte und drängend der Ruhe bedurfte, so mußte ich, so leid es mir auch tat/ ihr diese Freude unterbrechen und sie gu Bett schicken. Sie folgte meiner Aufforderung auch ohne Widerrede Doch du lsiittest das erstaunte Gesicht Lucys und das glückliche Aufleuchten in Helens Augen sehen sollen, lieber Leser, als ich mein Lieb in die Arme schloß und Asin den Gute Nachtküß gab! Die drei Damen verließen dann zusammen das Zimmer, aber Helen kam bald wieder. Mortimer und ich hatten gerade angefangen, ihr unsere Abenteuer zu er­zählen, als es leise an der Haustür klopfte. Etwas über­rascht, ging ich selbst hin, unt nachzusehen. Es war das Dienstmädchen, das ich ganz vergessen hatte und das nun inständig uni Einlaß bat. Helen führ entsetzt zuruck und machte ein böses Gesicht, als ich die Unglückliche in die Stube führte. Aber eine kurze Erklärung des Sachver­haltes und die offensichtliche Reue des Mädchens jelbst hatten ihren Widerwillen bald gebrochen, und wir waren alle einverstanden, sie selbst ihre Geschichte gleich erzählen

Pferde schon ungednldig auf den Boden. Auch unser F Billy Watson war bereits bei dem Geschirr. Sein Gesicht strahlte vor Freude über die schwere Last Silbermünzcn, womit ihm Mortimer die Taschen gefüllt hatte,, und icy | glaube, er hätte bei unserer Abfahrt ein Hurrageschrei er­hoben, wenn er sich nicht wegen Marcellas bleichen Ge­sichts geniert hätte. Das Mädchen saß neben dem Kutscher, während Marcella und ich im Wagen platzgenommen hatten, wo mein guter alter Freund Charley den Dritten im Bunde bildete, um in dieser einzigen Nacht meine Freude mit mir zu teilen, wie er auch die Gefahr geteilt hatte.

Unser Kutscher, bei1' unten am Berge noch auf uns I wartete, war mit Recht etwas ungehalten über unser langes Ausbleiben. Aber Mortimer hatte ihn bald be­sänftigt. Als ich ihm über seinen schier unerschöpflichen Vorrat cm Kleingeld meine Verwunderung aussprach, klärte er mich dahin auf, daß er während meiner Ohnmacht durch unseren biederen Billy Watson einen Funfpfuno- schein habe wechseln lassen. Endlich waren wir auf deni Wege nach Richnrond, meinem Heim entgegen.

Ich hatte Marcella zärtlich in die Arme geschlossen, und ihr Haupt ruhte auf meinem ungestüm klopfenden Herzen, wo sie Ruhe suchte wie ein müdes Kind.

O, wesich unaussprechliches Glück fühlte ich in dieser Nacht' Die dumpfeste Verzweiflung war in die hellste Freude verwandelt. Keine Feder wäre imstande, sie zu beschreiben, kein Mund, sie auszusprechen. Während der ganzen Fahrt, die mir nur allzutürz vorkam, lag sie in meinen Armen, die Wiedergewonuene, friedlich und zu­frieden, schlafend in dem sicheren Bewußtsein, nun vor jeder Gefahr geschützt zu sein. Unser Wagen rollte lustig weiter. Wir sprachen im Flüstertöne, Mortimer und ich, wenn wir überhaupt sprachen, denn diese erhabenen Mo- inente schienen mir zu feierlich zum Reden, und ehe ich mir's versah ich hielt es kaum für möglich stand das Gefährt mit den dainpfenden Pferden vor meiner Garteu-

Sie erfüllen lediglich eine Pflicht der Gerechtigkeit, meine Freunde, wenn Sie mich init Hochachtung behandeln; tritt/chnen doch in meiner Person nicht nur ein alter, graubärtrger OtWr entgegen, der in 'Frieden sein Glas leert und seinPfeifchen dazu schmaucht, sondern die ganze große französische Natron, zu oer Sic sich ja auch rechnen. Der Mann, der hier M Jhnm ist einer jener großen Helden, welche als Junglinge schon Vetu.anen waren, das Schwert früher zu handhaben verstanden al^ das Rasiermesser mrd in hundert Schlachten dem Feinde me die darbe ihres Tornisters zeigten. Zwanzig ^ahre dadurch haben. wir Europa fechten gelernt, und selbst als es die ^ektwn "^e hatte wurde die grande armoe .Nickst durch das Baionett, nem, np durch das Thermometer bezwungen. Berlin, Neapesi ".men, Madrid,' Lissabon, Moskau sie alle sahcnnmsere,Fahnen meine Freunde, Sie tun recht daran, wenn ete Hhren Kmdern meinen Namen nennen und sie mit Blumen zu nur senden, denn diese Ohren haben die Siegesfanfarm Frankreich- gehört, oiefe

8U Mte Sache war ziemlich einfach gewesen. Am Tage nach Marcellas mysteriöser Ankunft hatte sm eui Fremder auf der Straße angesprochen und ihr zehn Pfund geboten für den Fall, daß sie ihre Stellung sofort aufgebe und dafür sorge, daß ein anderes Mädcheneine Freundin , , . non ihm an ihrer Stelle engagiert werde. Das Geld

rend ich die Laterne trug. . ... verlockend aewefen, als das; sie dem Angebot hätte

Oben stampften bei unserer Ankunft zwei kräftige I mr ju also leider eingeWilligt und

lckmn unaeduldia auf den Booen. Auch unser Freunc | ^si^ge von ihrem kranken Vater erfunden. Tann hatte sie tagelang von dem Manne nichts gesehen und gehört, bio er "sie an einer Stelle, die sie ihm angegeben, abgeholt und nach dem unheimlichen Gebäude in Millsield mine ge-

angewandt und die Wunde verbunden. Ich denke nicht, daß es irgendwie schlimm werden wird.

Ich dankte ihm herzlich und erkundigte mich Hann, was während meiner Bewußtlosigkeit passiert sei. Em Wacht­meister sagte mir: ««

Ihr Freund hier hat uns über alles aufgeklärt. Wir hatten ja schon von Scotland Yard Instruktionen wegen der Dame bekommen, waren aber leider auf einer ganz ver­kehrten Spur. Nun, Sie sind ja auch ohne uns mit den Herrschaften fertig geworden, Herr Doktor. Wir für unfern Teil haben noch den einen der Burschen ausgefangen. Er ist nicht unbedeutend verwundet und befindet sm; rn Polizei­gewahrsam. Der dritte ist unglücklicherweise entkommen

Ich dankte auch ihm bestens für seme Austlarung und wandte mich dann wieder Marcella zu. Die sah blay und müde aus und warf mir einen bittenden Mick zu.

Wir wollen nach Hause, sagte sie leise, bitte, wir wolleu

bracht hatte. , c «

Dort sei ihr mitgeteilt wlordeu, daß am selben Abend noch eine Dame eintrefsen würde, deren Pflege und Ob­hut sie zu übernehmen hätte, nähere Weisungen wurde sie von anderer Seite bekommen. Dieser andere sei der Baron von Gißen gewesen. Sie habe zu ihrem Schreien sofort gemerkt, mit was für Leuten sie es zu tun gehabt und auf welche Wege die zehn Pfund sie gebracht halten. Als einfältiges, harmloses Mädchen, das sich vom Glanze des Geldes hatte verführen lassen, war sie plötzlich m die Netze von Verschwörern geraten. Der Baron hatte sie darüber nicht im geringsten im Zweifel gelassen, Indern ihr offen erklärt/ daß sie bedingungslos zu gehorchen nnd ' Versucht des Verrats mit dem Leben zu bezahlen