Samstag, den 26. Moder

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Die Dame im Pelz.

.Roman von G. W. App le ton.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Der ganze Kampf dauerte nur wenige Sekunden, dann, trat eine Totenstille ein, die auch durch kein Wort unter­brochen wurde, als wir uns dem Bett näherten. Während Mortimer mir mit dem Licht leuchtete, unterzog ich den regungslosen Körper meiner Geliebten einer gründlichen Untersuchung. Kein Puls war fühlbar kein .Herzschlag wahrnehmbar. Der Körper Ivar kalt, die Kiefer waren fest geschlossen, die asehgranen Lippen zusammengepreßt. Ich beugte mich nieder, um den bleichen Mund der Toten zu küssen. Da bemerkte ich einen ganz schwachen, eigen­tümlichen Geruch, der meinen Verdacht sofort bestätigte. Sie war vergiftet worden, und zwar mit Blausäure. Keine Spur von Leben war mehr zu entdecke», an ein Wieder- aufwacheu kein Gedanke. Als mir diese Erkenntnis zum vollen Bewußtsein kam, erfaßte mich ein unsagbarer Schmerz; mein Herz drobte zu zerspringen, mein ganzer Körper unter der Wuchi dieses furchtbaren Schlages zu- sammenzubrcchen.

Da, auf dem Gipfel meiner Erregung, hob ich noch ganz automatisch eines ihrer bleichen Augenlider in die Höhe. Leise berührte ich die Hornhaut und entdeckte ein leichtes Zucken das Leben war also noch nicht ganz erstorben. Diese Hoffnung verlieh mir sofort wieder iteue Lebenskraft. Ich erinnerte mich im Moment meiner Taschenapotheke und begann mit Wiederbelebungsversuchen.

Zuerst befeuchtete ich ihre Lippen mit starkem Alkohol und hielt ihr das Gläschen unter die Nase. Mein Freund Mortimer mußte die kalten Hände warm reiben. Dann nahm ich schnell ein Fläschchen Strychnin und spritzte ihr etwas von dem tödlichen Gegengift unter die Haut. Darauf benetzte ich nochmals Mund und Naseneingang mit Alkohol und erwartete, meine Hand an ihrem Puls, wild pochenden Herzens die Wirkung der Einspritzung.

Endlich die Zeit erschien mir wie eine Ewigkeit fühlten meine Fingerspitzen eine ganz unmerkliche Zirku­lation. Ich legte die Hand auf die Herzgegend und fühlte gleichfalls schwache unregelmäßige Schläge. Das eine töd­liche Gift hatte das andere angegriffen, war dabei, dasselbe unschädlich zu machen. Ein Gefühl der Glückseligkeit und der Dankbarkeit kam über mich.

Nach einiger Zeit zeigten sich die krankhaften Zuckungen der Glieder. Langsam öffneten sich die Augen und schauten mich an, voll unaussprechlicher Freude und Seligkeit. Wie ein Kind hob sie die Arme zu mir empor und flüsterte: Gott sei. gedankt, mein Geliebter! Gott sei dank, daß du mir gerettet bist!" Mein Haupt sank auf ihre Brust, ihre

Arme umschlangen meinen Hals, ich wußte, daß sie end­lich mein war.

Dann vernahm ich nur noch das Nahen Don Menschen und das wirre Durcheinander von Stimmen. Ich merkte, wie meine Sinne schwanden, es drehte sich alles mit mir im Kreise herum, eine unsagbare Schwäche überfiel mich mein Bewußtsein war dahin.

Als ich (die Augen wieder aufschlug, fand ich das Zimmer voller Menschen. Erstaunt schaute ich mich um.

Was ist denn passiert? rief ich.

Gar nichts sehr Schlimmes, sagte ein Unbekannter mit sympathischem Gesicht, indem er sich zu mir niederbeugte. Sie werden gleich wieder auf dem Damm sein. Sie haben eine Verletzung an der Schulter und sie wahrscheinlich nicht weiter beachtet. Infolge des Blutverlustes und der Ab­spannung durch die starke Gemütserregung hatte sich ein kleiner Ohnmachtsanfall bei Ihnen eingestellt. Das war wirklich kein Wunder. Ich bin der Highater Bezirksarzt, nehmen Sie einen Schluck. Damit überreichte er mir eine Flasche mit Kognak.

Ich trank und blickte mich von neuem nm. Allmählich funktionierten meine Sinne wieder. Neben mir stand Mor­timer mit kummervollem Gesicht und Marcella, deren schmerzhafter Zug um den Mund und mitleidsvolle Augen mir eine besondere Art der Besorgnis verrieten. Zärtlich drückte sic mir die Hand. Da fühlte ich mich gleich wieder wohl, und die Erinnerung an die Ereignisse in diesem fluch­würdigen Hause kehrte zurück.

O ja! sagte ich und sprang auf. Nun verstehe ich. Ich hatte einen Schuß bekommen! Natürlich, jetzt fällt mir's wieder ein. Ich fühlte damals einen Schmerz in der Schulter, achtete aber nicht weiter darauf weil ich mich zu sehr um diese Dame ängstigte. Hat man's Ihnen erzählt?

Alles. Sie haben heute nacht Wunder gewirkt, Herr Kollege.

Wunderbar war freilich alles, erwiderte ich; doch sie darf keinen Augenblick mehr in diesem fürchterlichen Loch bleiben. Glauben Sie, daß sie heute nach die Reise nach Richmond aushalten kann?

Sehr wohl, antwortete der Distriktsarzt. Sie hat schon inständig darum gebeten, möglichst bald hier herauszukom­men, was mdit ihr er warf einen Blick in diese Höhle kaum verargen kann. Selbstverständlich ist sie noch schwach, aber diese Fahrt kann sie immerhin vertragen, und cs ist sogar tausendmal besser für sie, als wenn sie hier bliebe. Ihr Freund Mortimer hat schon die nötigen Vorbereitungen getroffen. Der Junge ist gleich nach der Polizei gelaufen, und es ist alles geregelt. Draußen steht bereits ein Kranken­stuhl, um die Dame bis auf die Hohe zu bringen, wo dann ein geschlossener Wagen wartet. Ihr eigenes Fuhrwerk am Fuße des Hüg°els können Sie unten nach Hause schicken. Was sie selbst anbelangt, so hat die Blutung vollkommen nachgelassen. Ich habe ein starkes blutstillendes Mittel