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Turnier zu Ehren „Tas Schweizergrambit" genannt habe. Der Verlauf .dieser Stammpartie war folgender:
Weiß: Alex. Wagner (Stanislau). — Schwarz: Direktor V. Castin (Jassy) ।
1. f 2—f4, f 7 — f 5. 2. e 2 — e 4, f 5 X f 4. 3. S b 1 — c 3, Sg. 8-fg. 4. g 2—g 4, d 7—d 5. 5. g4-g5, L c8-g 4. 8. Lfl-e2, L g 4 X e2. 7. ' D d 1 Xe2, Sf6-g8. 8,De2-b5, Sb8-d7. 9. D b 5 X d 5, c 7—c 6. 10. Dd5xe4, Dd8-e7. 11. 8 g 1—f 3, 0—0—0. 12. S f 3-d 4, S d 7—c 5. 13. D e4-e3, D c 7—d7. 14. Sc3-e2, Dd7—d5. 15. Tbl—gl, Td8—d6. 16. d 2—d 3, Sc5—e6. 17. De3—h3, Kc—b8. 18. c2—c4.
Schwarz gab auf. Zwecks Bereicherung der Analyse habe ich sofort nach Beendigung dieser Partie gleichzeitig zwanzig.Korrespondenzpartien gegen die bedeutendsten europäischen Schachmeister, beziehungsweise Theoretiker begonnen Mit dem bisherigen Ergebnis von 11 Gewinn- und einer Remispartie auf 12 beendigte Spiele.
In der Schachwelt hat die Sache großes Aufsehen gemacht. Die in Pistyan versammelten Meister haben die Eröffnung analysiert, doch keine Widerlegung gefunden; und somit glaube ich, das Urteil Meister Spielmanns, welches, die herrlichen Gambitspiele aus der Reihe korrekter Schuleröfsnungen verbannen wollte, glänzend widerlegt zu haben. Tie Schachromantik hat noch lange nicht ihr letztes Wort gesprochen.
vermischtes.
— Elektrischer Schlaf. In der letzter Nummer der Berliner klinischen Wochenschrift berichtet Tr. Nagelschmidt über eine neue von ihm erzeugte elektrische Stromart, die 6et ihrer Anwendung — je nach dem Orte, an dem der Strom eintritt — eine völlige Aufhebung der Schmerzempfindung oder des Bewußtseins bewirkt. Es handelt sich um einen dosierbaren Wechselstrom. Bei entsprechender Stromstärke und bei geeigneter Anbringung der Elektroden konnte ernt Arm und an der Hand die Schmerzempfindung vollkommen ausgeschaltet werden; die Empfindungslosigkeit war so stark, daß tiefe Nadelstiche und operative Eingriffe nicht mehr gespürt wurden. Nur die Berührungsempfindung blieb zum Teil erhalten. Noch auffallender war die schlafmachende Wirkung, die vorderhand allerdings nur an Tieren nachgewiesen wurde. Ließ man den Strom am Gehirn eintreteu, so erfolgte eine vollständige Narkose, die beliebig lange aufrecht erhalten werden konnte. Nach den Tierversuchen zu urteilen, scheint dieser elektrische Schlaf vollkommen ungefährlich zu sein. Nach Ausschaltung des Stromes waren die Tiere,— Kaninchen und Hunde — in .kurzer Zeit stets wieder munter. Bei einem Kaninchen wurde die Narkose zweimal bis zumwölligen Aussehen von Puls und Atmung gesteigert, so daß das Tier wie scheintot dalag, und beide Male gelang es mittels rhythmischer Einwirkung des gleichen Stromes, das Tier wieder zum Leben zu erwecken.
— D ie Krone des Propheten. Der berühmte Tenor der Wiener Hofoper, Leo Slezak, erzählt in der „B. '3. a. M." scherzhaftes aus seinem Leben. Hier eine Probe: „Herr Kammersänger — die Krone! —" „Was denn?" — „Also nämlich die Krone vom Propheten, bitte." — „Wieso?" — „Also bitte, sie ist, wos man so sagt, also nicht in den Prophetenkuffer hineingegangen — jetzt hab' ich sie in Zeitungspapier gewickelt — aber fest mit Spagat (Bindfaden) bitte!" — So reichte mir Franz bei der Abreise ein Paket in den Schlafwagen, zog den Hut und ging. Elsa, mein Gemahl, war entsetzt! „Die schöne, neue Krone, mit den vielen Steinen, Ornamenten, Hermelinbesatz, — wie leicht könnte so etwaS verbogen und aus der Form gebracht werden." — Sofort war eine von den vielen Aergernis erregenden Hutschachteln entleert, die Krone hineingelegt und schlafen gegangen. — Nachts — Zollrevision! „Nichts Versteuerbares?" — „Nein, gar nichts, bitte!" — „Den Karton öffnen!" — Innerlich fluchend, äußerlich freundlich, knüpfte ich das Zeitringspaket auf, — der Beamte verfolgt aufmerksam jede meiner Bewegungen. Als endlich die hermelinbesetzte Krone zum Vorschein kommt, sagte er devot: „Danke gehorsamst, Hoheit, entschuldigen schon die Störtmg!"--
— Napoleon I. und S äuglings schutz. Wir leben im „Jahrhundert des Kindes". Die 'Frage des Säuglings- und Mutterschutzes liegt weit aufgerollt vor uns. Wir hoffen, daß die Humanität dem sozialen Elend gegenüber bald Triumphe feiern wird. Alle Regierungen suchen sich nach dieser Richtung hin zu betätigen. Und da müssen wir entdecken, daß wir eigentlich nur in ausgetretenen Pfaden wandeln. Schon Napoleon der Erste, der Soldatenkaiser, hat vor mehr als hundert Jahren einen geradezu vorbildlichen Mutterschutzverband begründet. Im Jahre 1811 entstand auf direkte Veranlassung des Kaisers die „Societe de la charite maternelle“, die den Zweck hatte: „Armen Wöchnerinnen beizustehen und die natürliche ^Ernährung des Kindes zu fördern". Diese Mitteilung bringt eine indische Zeitschrift, allerdings mit dem Nachsatz: „Es waren vermutlich nicht rein menschliche Empfindungen, nicht nur das Mitleid mit den armen Frauen und ihren Kleinen, die den Korsen zum Treffen dieser Maßregel bewogen. Es erscheint vielmehr die Annahme berechtigt,
daß er wie auch bei beut berüchtigten Paragraphen 340 seines „Code Civil“, der das Forschen nach der Vaterschaft (La recher- che de la paternite) verbietet, sein Auge lediglich auf die Vermehrung der Bevölkerung gerichtet hielt, die seiner Autorität unterstand und zwar aus dem Grunde, weil seine menschenmordenden Kriege andauernd neues und lebenskräftiges Material verlangten. Aber immerhin, was auch die Triebfedern gewesen sein mögen, die ihn zur Begründung der „Bereinigung für Mutterschutz" veranlaßt haben, die Tatsache der Begründung selbst zeugt für den weiten Blick des Kaisers in der höchst wichtigen Bevölkerungsfrage. „Der Kaiser stellte selbst 500 000 Franks aus feiner Privatschatulle zur Verfügung; das weiter notwendige Geld wurde durch Zeichnungen und Sammlungen aufgebracht. 'Die Frauen, die für die Unterstützung in Frage kamen, empfingen die Summe von 135 Franks, und zwar so verteilt, daß ein Betrag für die Aussteuer ausgesetzt ivar, ein zweiter für die Unkosten des Wochenbetts, während ihnen außerdem vierzehn Monate lang ein Zuschuß von sechs Franks pro Monat verliehen wurden, abgesehen von anderen kleineren Unterstützungen." Es gibt eben nichts Neues unter der Sonne, sagt Rabbi ben Akibä. Und die scheinbar neuen Ideen der Frauenbewegung sind oft alten Ursprungs.
bk. Lina Cavalieri über die Liebe auf den ersten Blick. Die schönheits- tmb liebeskundige Lina Cavalieri soll jüngst nach einer Mitteilung des „Gil Blas" eine Aeußeruug über die „Liebe auf den ersten Blick" getan haben. Sie glaubt, das sei vorweg genommen — an die Wirksamkeit der Liebe aus den ersten Blick, denn auf die Frage, was mau brauche, um geliebt zu werden, soll sie erwidert haben, indem sie eine Geschichte erzählte: „In einem Spielsaale Monte Carlos begegnen sich ein Mann und eine Frau, die einander noch nie gesehen haben. Sie tauschen einen Blick aus und — verstehen sich. Sie wissen, daß sie nicht ohne einander leben können, aber da beide nicht frei sind, dürfen sie nicht sprechen. Sie verlieren einander aus den Angen. Eines Tages führt der Zufall sie wieder zusaminen. Und dieses- mal verlieren sie sich nicht wieder. Eines Tages sagte ich zu einer Freundin: „Ein Herr aus meiner Bekanntschaft hat mich in Paris nach Ihnen gefragt." Und die Dame ruft sosort aus: „Das ist er, es kann kein anderer sein!" — Sehen Sie, ich glaube an die Liebe auf den ersten Blick. Wenit man liebt, liebt man sogleich."
* Der Zug der Kultur. Tourist „Schönes Kind, können wir jeder a Portion G'selchtes haben?" — Sennerin: „Des gibt's halt net, aber Kavierbrötchen oder a Hummer-Mayonnaise könni S' haben!"
* Das ist ganz etwas anderes. Tie Frau des Geschworenen, der über eine Schneiderrechnung furchtbar tobt: „Ja, wenn ich eine Mörderin wäre, dann hättest du mich schon längst freigesprochen!"
Sprachecke der Allgemeinen Deutschen Sprachverein;.
"Immer wieder K a n z l e i d e u t s ch. Bei der letzten Reichstagswahl erging au§ einer städtischen Kanzlei eine kleine Mitteilung an die Wahlvorsteher, an der man von dem sonst glücklicherweise doch schon recht weit verbreiteten Streben nach kurzer und deutlicher Fassung gar nichts merkt, und der wir daher gegennberstellen, wie es hätte gemacht werden können.
An die Herrn Wahlvorsteher.
Anläßlich einer entsprechenden Anfrage teile ich den Herrn Wahlvorstehern ergebenst mit, daß dem nichts entgegensteht, wenn einer etwa am Wahltage von im Wahl lokal amvesen- den Personen ausgesprochenen Bitte, der Protokoll sührer möge nach Nennung des Namens des einzelnen Wählers die unter der der Wähler in der Liste eingetragen ist, laut nennen, Rechnung getragen wird.
Den Wahlvorstehern zur Kenntnis:
Wenn im W a h l r a u m Anwesende bitten, der Schriftführer möge außer dem Namen des Wählers auch dessen Listen- n u IN m e r aufrufen, so darf dies geschehen.
Statt 57 genügten also 25 Worte! Fänden sich doch Wohltäter, die e§' ermöglichten, daß allen deutschen Kanzleibeamten Düngers treffliches Büchlein „Zur Schärfung des Sprachgefühls" in die Hand gegeben werden könnte! Es enthält 200 fehlerhafte Sätze mit Verbesserungen und sprachlichen Bemerkungen, die von einem Ausschüsse des Sprachvereins geprüft sind. Vor kurzem ist es in vierter Auflage erfchienen und bereits in 9000 Abzügen verbreitet. ________________
StStterätfel.
Erkelenz — Eschweiler — Bacharach — Bingen — Hofgeismar — Honnef — Mainz — Mühlhausen.
Die vorstehenden Städtenamen sollen derart geordnet werden, daß der erste Buchstabe des ersten Namens, der zweite des zweiten, der dritte des dritten usw. wiederum einen Städtenamen ergeben.
Auflösung in nächster Nummer,
Auflösung des Logogriphs fit voriger Nummer: Fackel,. Dackel.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen UniversttätS-Buch- und Steindruckerei, R. Lanae. Gießen,


