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bat sie einen amerikanischen Akzent und einen spanischen Typus. Garcia war zweifellos Spanier und Itejj, wenn ich mich recht erinnerte, damals durchblicken, daß er rn Kalifornien lebe. Sie trägt amerikanisches Schuhwerk und Kleider und hat einen Haufen amerikanisches Geld sei sich. Dieses Geld ist, wie du sagst, an deme Adresse gerichtet. Daraus geht offenbar hervor, day sie eme Amerikanerin und nach England gekommen ist, um dich tn einem besonderen Auftrage aufzusuchen. Warum gerade dich, bleibt vorläufig ein Rätsel.
Uitb zwar ein verteufelt schwer lösbares, alter Junge.
Unter den gegenwärtigen Umständen ganz entschieden; uDer wir wollen hoffen, daß wir bald Mittel und Wege finden, die uns der Lösung näher bringen. Und damit komme ich auf den springenden Punkt. Sie kommt trt London an, wahrscheinlich auf irgend einem Umweg, um ihren Feinden zu entgehen, und hat das. Glück, den Weg zu ihrem Bestimmungsort richtig zu finden. Sie langt auch an und mit ihr das Geld. So weit war von ihrem Standpunkte aus' alles wohl gelungen. Nun fangen aber deine Nöte an. Du folgst meinen Ausführungen doch?
Mit der größten Aufmerksamkeit.
Gut, angenommen, ihre Erinnerung kehrt nun nicht so rasch wieder, was willst du dann mit ihr beginnen? Du kannst sie selbst nicht auch in Chancery- Lane deponieren und den weiteren Verlaus der Angelegenheit einfach ab- warten. ,, ,,, , o ,
Diese Bemerkung ärgerte mich eigentlich etwas, denn es war keine Sache zum Spaßmachen.
Darüber brauchen wir nicht zu verhandeln, erwiderte ich, ich dachte, ich hätte mich deutlich genug ausgedrückt, als ich dir vorhin zu verstehen gab, daß ich die Dame als meinen Gast betrachte. _ Dieser Umstand würde mir durchaus nicht unangenehm sein; ich möchte im Gegenteil ^äßft! pst! Du gerätst wieder in Harnisch, unterbrach mich Mortimer scherzend. Ich will mich vorsichtiger ausdrücken. Ich wollte damit nur sagen, daß es der Dame selbst wahrscheinlich gar nicht unerwünscht sein wiirde, zu wissen, wer sie wäre, woher sie käme und zu welchem Zweck sie dich aufgesucht hätte.
Wahrscheinlich nicht, antwortete ich; aber hast du 'ne Idee, wie man das in Erfahrung bringen könnte?
Ich habe sogar zwei. Erstens pflegt ein Mädchen in diesem Alter nicht allein zu reisen, sie hat zweifellos eine Dienerin oder Gesellschafterin bei sich gehabt. Und dann ist tausend gegen eins zu wetten, daß sie zuerst in einem der großen amerikanischen Hotels abgestiegen sind. Wir wollen heute nachmittag einen Rundgang durch sie machen; in einem finden wir vielleicht ihre Begleiterin.
Es scheint mir eine ziemlich schwierige Aufgabe, sagte ich. Immerhin ist es nicht unmöglich, daß etwas dabei herauskommt. Und nun zu Idee Numero zwei.
Die ist, daß sie deine Richmonder Adresse von jemanden bekommen haben muß. Garcia wußte sie nicht, denn er brachte, wie du dich erinnern wirst, den Empfehlungsbrief von deinem Vater damals ins Hospital. Ich meine also, wir müssen auch dort mal vorsprechen und Nachfrage halten, ob eine junge Dame, wie du sie beschrieben hast, während der letzten Tage dort gewesen ist und sich nach deiner Adresse erkundigt hat?
Weiß Gott! rief ich. Das ist 'n großartiger Gedanke, da wird sich sofort Herausstellen, ob sie irgendwie mit Garcia in Verbindung steht oder nicht.
Ganz recht. Doch zuerst laß uns nun zum Notar zurückgehen.
Als wir ankainen, lag schon alles für uns bereit. Ich beschwor pflichtgemäß die im Protokoll niedergesetzten Tatsachen und unterzeichnete mit Mottimer gemeinschaftlich ei» zweites Schriftstück dahingehend, daß wir beide die Verantwortung für die Verwahrung der zehntausend Pfund übernahmen. Nach der Depositengesellschaft in Chancery Lane war es nur ein Katzensprung. Wir mieteten daselbst ein Fach, legten die fünfzig Tausend-Dollar-Noten hinein und erhielten jeder einen Schlüssel dazu. Als wir hinausgingen, atmete ich erleichtert auf.
Was das Geld- anlangte, sagte ich zu meinem Freunde, so können uns nun all die Verschwörer der Welt nichts mehr anhaben. Diese Sorge sind wir glücklich- los. Uebri- gens ist es von hier gar nicht weit nach- der Klinik; ßch
möchte Vorschlägen, zuerst dorthin zü gehen und- die Hotels nach-h-er abzuklappern.
Gut, meinte Mortimer; und wir begaben uns gerades- w-egs nach dem Spital.
Ch-arleys Scharfsinn bestätigte sich glanzend-. . Der Pförtner erinnerte sich ganz genau alles dessen, was wir tn Erfahrung zu bringen wünschten. Eine sehr schöne junge Dame — ein feines, elegantes Weib!, >wsie er sich ausdrückte — war am vorhergehenden Tage an seine Tür-e gekommen und hatte nach der Privatadresse des Herrn Doktor Edward Williams gefragt. Er hätte natürlich sofort gewußt, wen ie meinte, und drinnen nachg-esehen. Dann hatte er ihr die -gewünschte Adresse — Richmond, glaubte er, s-er es gewesen — auf ein Zettelchen geschrieben und gegeben. Sie schien hocherfreut darüber, fügte er lachend- hinzu, denn sie gab mir einen Sovereign. Es War doch hofsentlich recht so, Herr Doktor? , „
Ganz gewiß, George, gab ich ihtn zur Antwort; besten Dank! Wir Doktoren können, wie Sie wissen, leider nicht o mit Sovereigns nm uns werfen, aber hier haben Sie wenigstens ein kleines Trinkgeld.
Damit gingen wir weg.
Was sagst du nun? wandte ich mich- an meinen Freund. Ich geb' dir mein Ehrenwort, Charley, ich hätte im Leben nicht daran gedacht. Daß Garcia in irgend einer Weije mit der Sache in Zusammenhang steht, ist dadurch zweifellos erwiesen. , , .
Allerdings, erwiderte Mortimer, aber ich vermute, wir haben trotzdem noch ein schweres Stück Arbeit vor uns, ehe wir die Geschichte richtig aufgeklärt haben. Du mußt bedenken, daß wir von Garcia durchaus keine Kenntnis haben, und ebenso wissen wir nicht, welche Rolle Pein Vater in der ganzen Angelegenheit spielt. Hast du dir das schon mal überlegt?
Das habe ich nicht; deshalb brachte mich diese Andeutung auf einen.ganz neuen Gedankengang, der mich- aber der Lösung des Rätsels auch nicht näher führte, denn, wie ich -erwähnt habe, hatte ich von dem TUn und Treiben meines Vaters in der letzten Zeit keine Ahnung. Doch fiel mir ein, daß meine Tante Maria in dieser Beziehung vielleicht Aufschluß geben könnte.
Wo wollen wir uns nun zuerst hinwenden? fuhr Mot. timer fort, ins Grand, Cecil, Metropol oder Viktoria?
Versuchen w-ir's der Reihe nach, antwortete ich.
Schön, sagte er; und im nächsten Moment rollten wrr in einer Droschke nach dem Grand Hotel zu.
Es war eine etwas peinliche Sache, in einem solch großen und vornehmen Hotel nach- einer Dame zu fragen, von der man noch nicht mal den Namen wußte. Aber Mortimer verließ sich auf sein sicheres Auftreten und sein feines Taktgefühl. Er fragte sofort nach dem Direktor und ließ ihm feine Karte überbringen. Es dauerte auch gar nicht lange, so wurden wir in sein Privatb'ureau geführt.
(Fortsetzung folgt.)
Mderikens Verhängnis.
Humoreske von Adolf Thiele (Waldenburg).
„Also, Friederike, wenn Sie die Zimmer abgeschlossen haben, verstecken Sie die Schlüssel an dem bekannten Ort und schließen Sie dann auch die Wohnung gut ab!" sagte die „Gnädige auf dem Bahnhof zu ihrem Dienstmädchen.
„Gnädige Frau können sich ganz auf mich verlassen, versicherte Friederike, „ich wasche hinten noch auf und schließe alles gut ab.
Die Gnädige bestieg nun beruhigt in Begleitung ihres Gattern des Bankbeamten Gerlach, den V-Zug, um vom Anhalter Bahnhof aus die Reise in die Berge anzutveten. Ihr Gatte hatte sich diesmal entschlossen, seinen Urlaub in Thüringen zu verleben, und das noch nicht lange verheiratete kinderlose. Paar hielt -es für das Beste, Friederike während dieser Zeit bet ihren Eltchn, leidlich gut gestellten Landleuten in der Neumark, verweilen zu lassen. Nach drei Wochen sollte, sie dann zurückkehren und die Herrschaft erwarten. Gegen Einbruchsdiebftahl hatte der vorsichtige Herr Gerlach auch versichert — alles war in schönstes Ordnung. '■ ■ m L
Zu dieser Politik des Vertrauens gehörte auch das Vertrauen auf Friederikens Seele. -T-as Mädchen hatte sich in den drei Monaten, in denen sie Gerlachs „ihre Kraft widmete", zuver- ^^^Heute^war bei der Abreise alles etwas überstürzt worden, Friederike hatte daher noch einige häusliche Pflichten, so das prosaische aber notwendige Aufwaschen, zu erfüllen, elw üe dw


