Ausgabe 
26.9.1912
 
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Donnerstag, den 26. September

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WW N 8

Die Dame im Pelz.

Roman von G. W. A p p l e t o n.

(Nachdruck »erboten.)' (Fortsetzung.)

Nachdem der Notar sich die Geschichte angehört hatte vollkommen regungslos, als ob es die alltäglichste Sache von der Welt wäre stimmte er Mortimer in allem bei und gab seinen Leuten gleich die Anweisung, die erforder­lichen Schriftstücke sofort anzufertigen. Wir waren im Begriff zu gehen und versprachen, nach etwa einer Stunde zurückzu kehren^ als ich Zufällig einen großen eisernen Geld­schrank bemerkte. Da kam mir ein glücklicher Gedanke.

Wollen wir das Geld nicht gleich hier lassen? fragte ich.

Gesagt, getan. Als wir die Treppe hinuntergingen, meinte Mortimer lachend:

Wenn man's mit so teuflichen Kerlen vorhat, kann Man entschieden nicht vorsichtig genug sein.

Wir gingen ein Paar Minuten darauf gerade an einer engen Stelle desStrandes" und debattierten, wo wir essen wollten, als Plötzlich ein Droschkengaul stürzte und der Fahrgast dicht neben uns heftig aufs Pflaster geschleudert wurde. Es dauerte keine Minute, so befanden wir uns in einem großen Gedränge, und als ich mich durchzwängen wollte, fühlte ich deutlich eine Hand an meiner Brusttasche. Ich drehte mich schnell um und erblickte wieder das Gesicht, das ich gestern nacht an meinem Fenster gesehen hatte. Ich tat einen Griff nach ihm hin, er entwischte mir aber und war wie der Blitz verschwunden. Sobald ich aus der Menge herausgetreten war, bemerkte ich sofort, daß mein Rock mit irgend einem scharfen Werkzeug aufgeschnitten und alles, was ich in der Tasche gehabt hatte es waren größtenteils Papiere daraus verschwunden war.

Sieh hier! sagte ich zu Mortimer, der in diesem Augen­blick wieder zu mir stieß. Wenn ich das Geld nicht dort gelassen hätte, wär' ich's jetzt gründlich los.

Mortimer stand wie versteinert.

Hast du was von dem Kerl gesehen?

Jawohl.

Derselbe?

Genau derselbe.

Alter Junge, sagte er, das ist 'n starkes Stück. Wir haben es mit einem verteufelten Gegner zu tun. Darnach können wir es nicht wagen, in einem öffentlichen Restaurant über die Sache zu sprechen. Wir wollen in einen Klub zum Essen gehen.

4. Kapitel.

Da im Klub alle Tische besetzt waren, mußten wir während des Essens auf die weitere Unterhaltung über unseren Gegenstand verzichten. Mit Kaffee und Zigarre suchten wir uns jedoch eine abgelegene Ecke tm Rauch­zimmer.

Mortimer kam zuerst wieder auf unser Thema zurück.

Eine höchst merkwürdige Geschichte, wahrhaftig! begann er, und du bist, ich will nicht gerade sagen, in eine üble/ aber sicherlich in eine sehr eigentümliche Lage geraten. Wir wollen nns jetzt mal klar machen, welchd Rolle du eigentlich in der Sache spielst.

Das 'ist gerade das, was ich wissen möchte.

Also gut. Vor deiner Tür wird ein bewußtloses Weib gefunden. Du magst vielleicht kein guter Samariter sein, aber du bist Arzt. Du wirst hinzugerufen. Deine Pflicht liegt klar auf der Hand. Du läßt sie sofort in deine Wohnung bringen. Ist das eine tadelnswerte Handlung? Nehmen wir mal an, du hättest sie draußen in der Kälte umkommen lassen. Dann würde die ganze Stadt voll sein ob deiner llnmenschlichkeit. Das Weib hat plötzlich das Erinnerungsvermögen verloren. Um so mehr Grund für dich, dich ihrer auzünehmen. .

Das sind Dinge, die jeder Mensch zugeben muß, warf ich ein.

Schön. Außerdem bittet sie dich darum; und jetzt be­findet sie sich in der Obhut deiner Schwester, so daß üble Nachreden vollkommen ausgeschlossen sind.

Ich nickte zustimmend mit dem Kopf.

Die Tatsache, daß sie eine gewisse Summe Geldes im Besitz hat, fuhr Mortimer fort, ist bloß ein neben­sächlicher Umstand. Abgesehen von dem Mangel an Er­innerungsvermögen, befindet sie sich jetzt, wie du sagst, wieder bei vollem Bewußtsein und in voller Zurechnungs­fähigkeit.

So gut wie ich selbst.

Und kann über ihr Eigentum selbstverständlich nach freiem Ermessen verfügen. Soviel steht also unbestreit­bar fest.

Ganz recht, sagte ich; du darfst aber nicht vergessen, daß der Brief mit dem Gelde es mag nun hergekommen sein, woher es will an mich adressiert war. Den Fall gesetzt, du erhieltest ein Kuvert mit deinem Namen und deiner Wohnung darauf und fändest eine Fünfzig-Pfund-- Note drin ohne jedes Begleitschreiben. Was würdest du mit dem Schein machen? Aufheben oder einfach für dich verwenden?

Mortimer lachte.

Ich würd' ihn. sicher nicht aufheben, antwortete er dann; aber es ist ein kleiner Unterschied zwischen eurem Fünfzig-Pfund-Schein und fünfzigtausend Dollars in Bank­noten. ,,. t ,

Das ist allerdings ein kleiner. Unterschied, erwrderte ich Ich danke dir, daß du mich darauf aufmerksam ge­macht hast. Das hatte ich nicht überlegt. Entschuldige meine Unterbrechung. Bitte, weiter!

Nun kommen wir also zu dem geheimnisvollen Mäd­chen! Wer sie ist und ob sie loirklich mit Garcia unh seinen Mitverschworenen in irgendwelchen Beziehungen steht oder nicht, entzieht sich unserer Kenntnis. Wie du sagst,