Ausgabe 
26.8.1912
 
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stundenlang bt§ einer Mitleid hat und ihre Krüge füllt. ~od) denke man nur nicht, daß die gute Seele, die sich des armen Korgars erbarmt, das Gesäß des ^lnsgestoßenen zum Brunnen trage! Damit wurde sie sich ja mitsamt dem Brunnen verun­reinigen; nein, vorsichtig gießt sie von oben aus oem eigenen ue- schirr das Wasser in den Krng des Fremden.

Als man einige KorgarS in die Mission ausgenommen ha.te, verlangten die Christen, daß die Neuangekommenen vom Brunnen ausgeschlossen würden. Aber dessen bedurfte es gar nicht; denn die armen Leute wagten es nicht eimncil, zum Schöpsen zu gefeit, als man einen eigenen Brunnen für sie allein gegraben halte, bedurfte strenger Befehle und ivirklicher Drohungen der Missionare, sie dazu anzutreiben; sie fürchteteir nämlich, außerhalb der Mauern der Mission von Kastenleuten geschlagen und gestraft zu werden, wenn sie die alten Verbote übertreten. Aus demselben Grunde wollten sie die Kleider, ivelche die Glaubensboten ihnen geschenkt hatten, draußen nicht tragen. So lange ist das arme Volk zer- treteir imb gepeinigt worden, daß es nicht mehr wagt, die Rechte, die man keinem Sklaven abspricht, 311 beanspruchen. Dabei sind die Korgars sympathische, intelligente unb zuverlässige Menschen. Selbst in sittlicher Beziehung ist ihr Beben weit besser als das der übrigen Heiden. Nur einen Fehler haben sie: eine allzu große Eanstmut und Güte. K>

Vermischtes.

* Mailands künftiger Bahnhof. Seit Jahren schon wird im Weichbild der lombardischen Hauptstadt an der Verlegung der zahlreichen Schienenstränge gearbeitet, die Mailand wie ein ehernes Netz einschnüre>i imb der Ausdehnung der Ltabt, deren Bevölkerung immer noch stark anwächst, Hiiibernisse bereiten. Die Anlegung der neuen Dämme und Linien macht nunmehr auch eine Erweiterung des Bahnhofes ober vielmehr einen Neubau notwenbig. Der fast jedem Jtalienreisenden ivohlbekaimte, schon etwas altertümliche Mailänder Bahiihof mürbe vor etwa einem halben Jahrhundert angelegt unb hat sich schoii längst als zu eng unb unpraktisch für beit Riesenverkehr ber großen in Mailand zusammentreffenden Linien unb ber vielen kleinen für bis Provinz erwiesen. So ist beim in diesem Jahre von der Verwaltung der italienischen Staatsbahnen ein Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen ausgeschrieben worden, bei dem Hüffe Staechini, ein junger Mailänder Architekt, als Sieger hervorging. Die Haupt- fassäde wird 200 Meter lang sein; hinter ihr werden sich zivei große Hallen erheben, deren eilte die Eisenbahnlinien aufuehmen wird; die andere ist für die von und nach ber City fahrenden Tranis bestimmt, bie ber Reisende also noch im Bahnhofsgebäude besteigen kann, was bei schlechtem Wetter eine große Annehmlichkeit bedeutet.

* Bisweilen schläft auch der gute öomer. Seine umfangreiche Sammlung von Entgleisungen und unfreiwilligen Witzen der Dichter und Schriftsteller setzt Albert Cim in der Revue fort, und zwar kreidet er diesmal den Romanschriftstellern allerlei Gedankenlosigkeiten an. Der ältere Alexander Dumas hat mit feiner fixen Feder so unendlich vielen.Ausstellungen Anlaß ge­geben; aber Noch sind Stellen selten wie die aus demHalsband der Königin", wo ein geheimnisvoller, Fremder in einer auf­regenden Situation sich folgendermaßen äußert:Oh! Oh! mur­melte Don Manuel portugiesisch". Balzac schreibt inCousine Bette": Der Polizeikommissär antwortete schweigend:Sie ist nicht wahnsinnig". Ein andermal läßt er einer Person, der dre Augen fest verbunden sind, so daß sie nicht sehen kann, folgenden seltsamen Rat erteilen:Passen Sie gut auf, verlieren Sie keins meiner Zeichen aus dem Auge". Noch unmöglicher sind Sätze wie die folgenden:Der blinde König von Hannover mußte mit­ansehen, wie sein Königreich Preußen einverleibt wurde" (aus einer Erzählung von John Lemoine) und:Ginibre, ein ehr­licher Blinder . . . wirft einen melancholischen Mick auf die leere Flasche" (ausPscäire" von Pouvillonj.Der Großrabbiner von Frankreich, Isidor, obwohl durch einen Anfall von Paralyse zur Stummheit verdammt, wollte doch nicht unterlassen, seine Stimme int Gebet zu Gott zu erheben", heißt es in einem anderen Roman. Sehr zahlreich sind die Entgleisungen in Würgers ^Zigeunerleben"".Die schönste Stellung eines menschlichen Wesens", heißt es da z. Bist die des Mannes, der sich über gilt Werk beugt, um vor sich selbst aufrecht zu stehen". Bei einer illardszene erzählt Alfred Ässollant:Sie traten zusammen und hielten die Queues in der Hand, um besser zu hören". Trotz seines unermüdlichen Feilens sind auch Fl ändert eine große Menge solcher Faux-Pas passiert. Den .Anzug eines Priesters inBou- pard und Pscuchet" schildert er folgendermaßen:©ein Meß­gewand, von apselgrüner Farbe, mit Lilien reich bestickt, war himmelblau"". InMadame Bovarh"" toerben einmal 75 Franks in lauter 40-Sous-Stücken ausgezahlt; aber die Erklärung dafür ist uns der Dichter schuldig geblieben, wie man 75 Franks in 2-Franks-Stücken bezahlen kann. Daudet schreibt imTar- tarin de Tarascon"" den Arabern phänomenale Kinnbacken zu: ,-,'4000 Araber liefen hinterher, mit nackten Beinen, heftig gesti­kulierend, sinnlos lachend, und ließen in der Sonne ihre 600 000 weißen Zähne leuchten"". Dabei kämen auf jeden Araber gerade

Vie SimmerpflanM und ihre Pflege.

Vom 27. August bis zum 9. September.

Wir fahren fort mit dem Eintöpfen ausgepflanzter Gewächse (Primula 0b evniea, Aspidistra, ZiersPargcl, Nel­ken usw.). Auch Winterlevkojen und Goldlack werden in Töpfe gepflanzt. Die bewurzelten Stecklinge der letzten An­zucht pflanzt man zur Ueberwinterung in verhältnismäßig kleine Töpfe (N e l k e n, -F n ch s i e n usw.). Die Clivien werden Mitte bis Ende August sonnig gestellt, damit sie ihre Blüten bester vor­bilden; ebenso die Azaleen. ,

Ebenso wie Lorbeer werden auch andere Orangerie-Baume und -Sträucher in Form geschnitten (Evonymns, Ankuba usw.).

Der Apaganthus (Schmucklilie, Liebesblume) kann nach der Blüte verpflanzt (nicht zu häufig!) und geteilt roerben. Erd­mischung : nahrhafte Lehm- und Mistbeeterde, guter Wasserabzug, starke Holzkübel; Wurzeln möglichst wenig verletzen.

Zum Einpflanzen der Winterlevkoien und Goldlack verwenden wir fette lehmige Mistbeeterde, dazu getrockneten Kuh­dünger; auch kann man die Wurzeln zuvor m einen Brei aus Lehm und Kuhdünger tauchen. Zum Wtederemptlanzen des Kleestrauches .(Cytisus, Geißklee): nahrhafte Lauberde mit Mist-, Lehmerde und Sand. _

Mit dem Einräumen der empfindlicheren Gewächse wird ernst­lich begonnen, besonders auch mit der Einteilung dev für die Ueberwinterung zur Verfügung stehendeii Raumes! (Praktische Ausnutzung durch Börte und Stellagen.) Die Russellra wird eingeräumt; sie überwintert bei 1020 Grad Cesiius ziemlich trocken und hell. Ebenso der R 0 s e n e r b l s ch (Hibiscus); zuerst hält man ihn bei 1015 Grad Celsius ziemlich feucht (spritzen),- nach der Blüte trockener und kühler (510 Grad Celsius).

~ Wir erinnern an die Folgepflanzungen ttt der Blumenzwiebel- Treiberei. (Frühe Hyazinthen, frühe Tulpen.) Durch rechtzeitiges. Bestellen sorge man für ständigen Vorrat.

Das Philodendron (Baumsieb, Zehrwurzel) stellt man schattig bei 1020 Grad Celsius' auf und bespritzt häufig ferne Blätter und Lustwurzeln. Wir empfehlen die Sorten: Bifnnnati- sidunft gloriosum und inrperiale. Geräumige Topfe; kräftige Wst- und Lauberde, dazu Lehm und Sand,

150 Zähne. Kühn ist es, wenn Ferdinand Fabre inBarnabs" schreibt:Der Stoff, zu lebhaft gespannt, stieß einen Schrei aus"", Franyois Coppöe erzählt:Sie saß zwischen ihren Töchterii, zwei Zwillingen, von denen der eine wie der andere 18 Jahre alt waren"". ImMannequin d'osier" entschlüpft Anatole France folgender hinkender Vergleich:Tu siehst die Republik zwischen den Mächten schwimmen, wie ein Perlhuhn zwischen einer Schar Möwen"", wobei der Dichter augenscheinlich das Perlhuhn für einen Seevogel hält. Zu ergötzlichen Mißverständnissen hat die Venus v 0 n Mil 0 den Dichtern Anlaß gegeben. Nicht nur, daß einer den Fundort Milo füreinen Künstler, dessen Ruhm die Jahrhunderte überdauert"", erklärt, auch die Hände und Arme der armlosen Statue habcii oft zu schönen Vergleichen herhalten müssen. So schreibt Amsdse de Bast: .Er drückte auf ihre Hand, weiß und weich toic die der Venus von Milo, den ehrerbietigsten der Küsse"". Und Jules de Gastyne:.Sie hob ihren weißen Arm, geformt wie der Arm der Venus von Milo, leuchtend wie der Marmor"". Derselbe Autor läßteinen Neger erblassen"". Tie Schlankheit der Taille seiner Heldin schildert Charles Morouvel: Eine Männerhand hätte sie mit ihren zehn Fingern umspannen können"". Andere solcher Stilblüten sind:Daniel antwortete nicht; es !var das erstemal, daß er so zu seinem Vater sprach". Sie schnarchten, wie nur die reinen Herzen schnarchen'.Er war 70 Jahre und sah doppelt so alt aus.""

* Hyperbe l. Sergeant (der int Tornister eines Einjährigen einen Zahnstocher entdeckt):Was soll der Feldherrnstah im Tornister?"" .

* Boshaft. Fräulein:Als neulich bet uns eingebrochen wurde, sind mir auch meine sämtlichen Klaviernoten gestohlen wordeii."" Herr:Da hat der Dietz jedenfalls in der Nachbar­schaft gewohnt.""

Logogriph.

Mit einem0" aus der Erde Schoß, Von beißenber Schärfe, an Heilkräflen groß, Mit boppeltema" bnrchquert es bie Auen Des Thüringer Laubes, romantisch zu schauen. Mit doppelteme" erhofft es aus Schwingen Den Engeln vergleichbar empor zu bringen.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des magischen Dreiecks in voriger Numntdrr DEGEN EGER GES E R N

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R, Lange, Gießen.