Ausgabe 
25.4.1912
 
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Donnerstag den 25. April

M2 _ Nr. 65

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Der König von Thule.

Roman von Paul Grabein, (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Sein Augenglas einsetzend, sah er sie fixierend an, mit einem ganz impertinenten Lächeln, das ihr das Blut nun doch ins Wallen brachte.

Ihre Unbefangenheit könnte mir 'beinahe imponieren, gnädigste Frau."

Eva Söllnitz erblaßte. Hoch richtete sie sich auf:

Ich verlange jetzt eine Erklärung Ihres merkwürdigen Benehmens auf der Stelle!"

Er verblieb zunächst in seiner nachlässigen, lehnenden Stellung, die Arme auf der Brüstung verschränkt. Und so erwiderte er dreist, immer das Glas im Auge:

Sie sind sehr impulsiv, Gnädigest! Mer wie Sie befehlen." Und nun reckte auch er sich auf, um sie von oben her mit seiner Erösfnung niederzuschmettert.Glau­ben Sie wirklich, meine Verehrteste, gnädigste Frau," er legte eine ironische Höflichkeit in seinen Ton,daß ich blind bin? Daß die doch ganz auffällige Intimität, mit der Sie diesen Herrn da" er nickte kalt verächtlich mit dem Kopf nach Amthor hinbeehren, mir unbemerkt geblieben sein sollte?"

Die junge Frau wurde noch blasser; sie fühlte ihr Herz in den Hals hinaufschlagen vor Erregung. Aber mit fester Stimme fragte sie ihn, ihren Blick in den seinen bohrend:

Und haben Sie an dieserIntimität" etwas aus- zusetzen? Bin ich Ihnen über meine Freundschaften Rechen­schaft schuldig?"

Ah nicht im mindesten!" er verneigte sich mit ironischer Höflichkeit.

Dann verbitte ich mir auch jede Kritik Ihrerseits versteckt oder offen! Ich hoffe. Sie verstehen mich, Herr Regierungsrat!"

Ein strenger, kalter Blick traf ihn, und mit stolz zurück­geworfenem Kopf wandte sie sich ab.

Der Rogierungsrat blieb einen Augenblick stehen, wo sie ihn verlassen hatte, erst ziemlich verblüfft, fast beschämt. Wie sie ihn so hatte stehen lassen, mit einer wirklich impo­nierenden Hohert Donnerwetter, man hätte auf die Un­antastbarkeit dieser Frau schwören können. Dann aber schüttelte er schnell diese Regung ab. Dummheit! Er war doch keim Gimpel. Er würde sich doch von ihr nichts Mehr weiß machen lassen. Sie war eben eine raffinierte Schauspielerin, die die Rolle des gekränkten Frauenstolzes virtuos durchführte nichts weiter! Und ein Esel war er gewesen, daß er sick im Moment hatte verblüffen lassen, statt ihr mit einem höhnischen Wort zu ihrem Komödiespielen zu gratulieren. Er war jetzt wütend über sich, daß er da

eben ihren überlegenen Spott stillschweigend eingesteckt hatte. Es war doch ein starkes Stück: Sie, die allen Grund hatte, sich schuldbewußt zu fühlen, sie wagte ihn noch obenein zu verhöhnen!

Ah ein heißer Grimm, ein gesteigertes Verlangen nach Rache überkam ihn. Das sollte ihr nicht ungestraft bingehen! Er würde sich revanchieren. Jetzt wollte er sie noch ganz anders demütigen: Oeffentlich vor der ganzen Gesellschaft! Er wollte dafür sorgen, daß man sie im rechten Lichte sah und danach auch behandelte, sie und ihren Günstling.

Auch der Regierungsrat kehrte nicht wieder zu der lustigen Gesellschaft zurück; er ging hinüber nach dem Promenadendeck. Trotz der späten Stunde war es hier noch belebt; bei der Tageshelligteit mochte man ja noch nicht an Schlafen denken. Suchend blickte er über die Gruppen hin. Ah da war ja die geeignete Persönlichkeit, die er suchte, und schnell schritt er zu der Frau Medizinalrat Geoffroy hin, die auf dem ganzen Schiff als daswandelnde Auskunftsbureau" bekannt war. Sie mußte alles und ver­breitete alle Neuigkeiten mit einer erstaunlichen Betrieb­samkeit.

Guten Mend, meine gnädigste Frau. Noch auf?" begrüßte er die alte Dame, die mit zwei anderen noch im lebhaften Geplauder saß; die dicht zusammengerückten Bord­stühle bildeten eine ordentliche kleine Burg für diese, im halben Flüsterton geführte, diskrete Unterhaltung.

Ah, Herr Regierungsrat!" Die Medizinalrätin hieß ihn mit einem Handwinken willkommen.Nun, schon dienstfrei? Allerdings, Frau Professor Söllnitz ist ja bereits aufgebrochen; sie kam eben vorbei."

Herr Görtz verstand die spitzige Anspielung der Dame nur zu gut; aber sie ärgerte ihn heute nicht, im Gegenteil, sie bot ihm den gewünschten Anknüpfungspunkt. Er machte eine ironische Handbewegung:

Sie werden mit Ihrem Scharfblick, meine gnädigste Frau, doch längst erkannt haben, daß für gewöhnliche Sterb­liche in der Gnadensonne der Frau Professor seit einigen Tagen kein Platz mehr ist." ,

Die drei Damen sahen sich wie auf ein Kommando verständnisvoll an; unwillkürlich beugten sie sich dichter zu ihm hin.

Ach so Sie meinen, seit der isländische Doktor aufgetaucht ist! Nicht?"

Es blitzte in geheimer, boshafter Freude im Auge der Frau Medizinalrat auf.

Görtz nickte lebhaft.

Natürlich ! Es ist ja mehr als auffällig, wie sie ihn auszeichnet."

Sehen Sie! Was habe ich Ihnen eben gesagt?" Triumphierend blickte Frau Geoffroy ihre Nachbarin an.

Wahrhaftig ich bin doch gewiß nicht prüde," fuhr der Regierungsrat fort.Aber die Art, wie sich Frau Söllnitz mit diesem Herrn stellt diese offenen und heim-