Ausgabe 
25.3.1912
 
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vacht» Kreßmann, nfö sie wieder draußen waren.Und das im zwanzigsten Jahrhundert! Einfach unjlaublich!" Die Heiterkeit und die Zusprache der Herren hals Frau Söllnitz schließlich über ihre Besorgnis hinweg. Ihre Be­gleiter hatten gewiß recht: Es würde zu Hause schon alles in bester Ordnung sein.

(Fortsetzung folgt.)

Eine Heldin.

Mvelle von Wax Karl Böttcher- Chemnitz« (Nachdruck Verbotes

(Fortsetzung.)

Kathinka zuckte zusaminen und Ward aschfahl. Bor Entrüstung fand sie nicht gleich Worte, Endlich stieß sie hervor:Sie Unverschämter, == Sie --i Im Augenblick verlassen Sie mich."

Aber der Graf trat näher und griff nach ihrer Hand. Da schleuderte sie ihn im höchsten Zorn zurück, daß er taumelte, und rief:Sie Elender ich verachte Sie."

Sein Gesicht war entstellt, aus dem glatten Höflings- antlitz war eine verzerrte Fratze geworden.

Erhören Sie mich,S werden Sie meine Frau," keuchte er.

Kathinka wällte fliehen, aber er verstellte ihr den Weg und packte sie hart am Arm.

Werden Sie meine Frau."

Nie nie tausendmal nie."

Da wurde er plötzlrch ganz ruhig.

Ha Sie wollen nicht? Sie müssen. Jetzt fort Mit dem falschen Visier. Nicht aus Liebe begehre rch sie, sondern sie sollen mich rächen und meine Stellung bei Hofe ewig befestigen."

Durch Kathinras Herz zog ein Ahnen des Kommenden. Sie war von Schwäche übermannt und lehnte sich an den Stamm eines Straßenbaumes und blickte hilflos zu Hollen. Dieser fuhr fort:Oder glauben Sie, ich wüßte nicht um Ihre Liebe zum Herzog, dieser verbrecherischen Liebe, ich wüßte nicht von Ihren heißen Küssen am Garnisongehölz am Tage Ihres ersten Ausrittes mit dem Erbvrinzen, von Ihrem Flirten in Berlin und Luzern? Nichts weiter si diese Proben genügen. Sie und der Herzog sind ganz in meiner Hand, ein Wort von mir, und der Fürst und das ganze Land und Sie sind blamiert und dem Skandal preisgegeben. Und ich werde es sprechen, dieses Wort,- oas schwöre ich, nur Sie können die Sache ungeschehen machen, indem Sie mein Weib werden. Ihre Liebe zum Herzog ist groß, ich weiß es, und diese Liebe soll mich! rehabilitieren am Hose.1 Das ist mein Plan. 24 Stunden haben Sie Bedenkzeit, ist dann noch kein zustimmender Bries in meinen Händen, steht morgen abend Ihr ganzer Liebesskandal in einer Zeitung der Reichshauptstadt. Ich habe nichts zu verlieren hier. Und nun adieu."

Er wandte sich ab, nach zehn Schnitten jedoch blieb er stehen und sagte noch:Hoffen Sie aber nicht, daß der Herzog die Heirat nicht genehmigen wird, denn Ihre Aufgabe ist es noch, die Heirat zwischen uns! von Sr. «Hoheit zu fordern, weil Sie mich lieben." Er lachte teuflisch aus und schritt dann schnell davon.

Kathinka erwachte wie aus einem schrecklichen Traum. Sie stellte das Körbchen nieder und preßte beide Hände an die Schläfe. So verharrte sie lange Zeit. Plötzlich schreckte sie in die Höhe, faßte den Korb und lief hastig davon. Sie mied die belebten Straßen, und erst, als sie in den herzoglichen Park einbog, schöpfte sie Atem. Sie kam sich vor wie geschändet, sie glaubte, die ihr'angetane Schmach müsse ihr jeder vom Gesicht ablesen.

Durch das Hinterpförtchen schlich sie in das Garten­valais, und ohne erst die Fürstin zu begrüßen, schlüpfte sie in ihr ZimMer. Sie schloß sich ein una warf stich dann auf ihr Bett und in lautem Schluchzen löste sich! der Schmerz. Jedes Wort, jede Miene des Grasen trat ihr wieder vor die Seele. Sie fühlte ihre Ohnmacht, fühlte, daß sie dem Willen dieses Elenden machtlos preisgegeben sei. Aller­hand Pläne durchkreuzten rhr Hirn. Sre wollte fliehen, H sie wollte im Tode Rettung such!en, aber nur zu gut er­kannte sie, daß dadurch nichts gebessert sei. Graf Hollen; würde dann erst recht den Skandal provozieren und des Herzogs Ehre in den Staub ziehen. Bei diesem Gedanken

wällten ihr die Sinne schwinden. Ihre Liebe wurde mit ganzer Kraft wieder wach' und dieser Liebe entrang sich auch der heroische Entschluß, auf das Verlangen des Grafen einzugehen. Sie sprang auf, eilte an den Schreibtisch und warf etliche Worte aus einen ihrer Briefbogen.

Ich bin die Ihre. Kathinka von Hämmerling."

Sie schrieb hastig und schnell, in heißer Furcht, wieder wankend zu werben in ihrem Entschluß.

Dann kühlte sie sich Augen und Wangen mit einem feuchten Tuch, ordnete ihr Haar und trat dann in das Empfangszimmer. Dem diensthabenden Lakai überreichte! sie den Bries mit der Weisung, ihn sofort her Postau geben,- und nun trat sie gefaßt und ruhig an der Fürstin Bett«

So da bin ich wieder, Durchlaucht," sagte sie.

Schpn, mein Kind. Komm, setz Dich zu mir und erzähle vän unseren Kranken.

Erst jetzt kam es Kathinka zum Bewußtsein, daß sie ja gar kerne Kranken besucht hatte. Sie suchte nach einer Ausrede, doch die bläugrauen Augen der Fürstin schauten sie so gütig fragend an, sie vermochte nicht zu lügen. Das ganze Weh stieg wieder in ihr auf, die Selbstbeherr­schung verließ fie und laut weinend sank sie am Bett der Fürstin nieder.

Um Gottes Willen, Käthi, was ist geschehen?" rief Ihre Durchlaucht und zog das schluchzende Mädchen an sich!.

Aber lange, lange mußte sie ihr zureden, ehe sie Kathinka zum Sprechen brachte. Stoßweise, in abgerissenen Sätzen erzählte sie dann ihr Leid. Wie die Liebe zum Erb- prinzen entstanden sei, wie sie gekämpft und gelitten habe, wie sie sich endlich durch! ihre Freundschafts liebe zu Prinzeß Clarissa zur Entsagung durchgerungen habe und nun durch des Grafen niedriges Verlangen so hart gestraft werde.

Die Fürstin hatte schweigend der Beichte des Mädchens zugehört. Und als Kathinka geendet hatte, sprach sie mit­leidsvoll:Du armes, armes Kind." Und nach geraumer Zeit:Um Deine Liebe habe ich wähl gewußt auch daß Du sie überwinden würdest. Aber daß das Schicksal so hart sein könnte, wer hätte das geahnt."

Leise weinend sagte Kathinka:Ich nehme die Buße auf mich, so schwer mir es wird."

Die Fürstin richtete sich auf.Wie Du wolltest des Schurken Weib werden? Nie nie gebe ich das zu mag da werden, was will. Noch heute spreche ich mit dem Serzog. Ich weih, wie sehr er Dich liebt, mag er diese iebe vor der Welt bekennen. Das Land kann froh sein, daß es ein solches Weib, wie Du, zur Fürstin bekommt. Nicht Ahnen- und Fürsten'blNt machen den Herrscher, nein« die Gesinnung und das Herz." Erschöpft sank die alte Dame in die Kissen zurück.

Kathinka war aufgesprungen und deckte mit der Hand ihre Augen. Berauschend prächtige Bilder stiegen vor ihr auf. Sie sah sich an des Herzogs Seite im Krönungssaale stehen, von den höchsten Würdenträgern gehuldigt, vom Volke umjubelt, aber dazwischen grinste die höhnische Fratze Graf Hollens, und dann sah sre ein Mädchen aus dem Thronsaal schleichen, ^weinend und ihr drohend, und wie ein gellender Höllenschrei klang es ihr in den Ohren: Die hat mir meinen Bräutigam gestohlen Eure Fürstin ist eine Diebin."

Sie schrie selbst auf, gellend und! verstört, und dann lachte sie in wahnsinniger Lust und wankte zum Bett:Ich foll Herzogin werden, ich ich? Und was wird aus Clarissa? Und was wird aus Graf Hollen? Zu meiner verbotenen Liebe noch dieser Verrat. Nein, Fürstin,- mein Entschluß steht fest: Graf Hollen wird mein Mann, er hat mein Jawort."

Unglückselige, diese Uebereilung wirst Du bereuen ein ganzes Leben hindurch. Doch es ist ja noch nichts ver­loren. Ich werde den Herzog zu nur bitten, er soll selbst entfcheiden."

Aber Kathinka bat und flehte, davon abzustehen. Sie könne den von der Fürstin gebotenen Ausweg keinesfalls! beschreiten. Denn wie könne ein Glück bestehen, das auf den Trümmern eines anderen aufgebaut sei, und Prin­zessin Clarissa liebe den Herzog aus vollem Herzen.

Da schwieg die Fürstin. Sie zog Kathinka zu sich nieder und küßte sie auf Stirn und Münd, und sagte:Diü edles Mädchen. Du sollst von heute ab sein wie mein eigenes Kino«"

(Fortsetzung folgt.)