Ausgabe 
25.1.1912
 
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Glückslasten.

Roman von Hanns von ZobelttA (Nachdruck Verboten,) (Fortsetzung.)

Mutter griff nur ein Wort auf. Sie sah Signe in ihrer schlanken Schönheit vor sich und sagte:Ihr beide? Was sprichst du von euch beiden! Dodo ist ein Kind, und Dvdo ist nicht hübsch."

Airs Kindern werden Beute. Dodo ist doch auch er- wachsen und unterschätzt sie nicht. Ich glaube gerade, sie ist Männergeschmack. Und im Grunde wären die Männer gar nicht so töricht ausnahmsweise, wenn sie diesen Geschmack bestätigtem"

Ah, das weiß ich besser." Sie ließ den Mick noch ein­mal über die Gestalt, über das Gesicht der Aeltesten, gleiten horchte dann, wie nebenan Dodo schmetterte:Das Müllern ist der Jungfrall Lust Fuvivallerah Juvi- vallerah" und lächelte.

Also ich kann Papa beruhigen. Er machte sich näm­lich schon seine Gedanken "

Signe brachte die Mutter bis zur Tür. Dann ging sie zum Flügel zurück. - Sie wollte eigentlich itorf) üben. Aber sie nahm die Karte des Prinzen von der blauseidenen Decke und ließ sie sinnend durch bte Finger gleiten, wieder und wieder. Und dann schloß sie plötzlich das Instrument. Die rechte Stimmung war verflögen. ----

Für Frau von Gudarcza wurde das .Hauspflegefest in den nächsten zwei Wochen immer mehr zum Mittelpunkt ihres Daseins. Die wirtliche Saison hatte noch nicht begonnen; die kleinen Gavottekränzchen und ein anderes Lämmer­hüpfen, an dem Dodo beteiligt war, fesselten sie wenig, und ein paar Herrendiners, zu denen Vater einige alte Freunde vereinigt hatte, boten ihr auch geringe Anregung. Höchstens daß es sie freute, wie bereitwillig dieHerren vom alten Eisen" alte pensionierte Offiziere nämlich-die Einrich­tung der Billa bewunderten und wie gut sie sich die Gu- darczasche Küche und den wohlversehenen Keller gefallen ließen. -

Das große Fest bei Kroll: das war doch etwas ganz anderes. Daß es etwas gemischt ausfallen würde, ließ sich zwar voraussehen; das verriet schon die Zusammen­setzung des engeren Komitees. Aber die quecksilberne Frau von Eisterburg nicht zwei Minuten hintereinander konnte man sie für ein ernsteres Gespräch festnageln mochte schon recht haben:Exklusiv dürfen wir nicht sein, meine Liebe. Das Tiergartenviertel ist nicht zu umgehen. Sie glauben auch gar nicht, wie wohltätig diese Damen find, wenn man sie zu nehmen weiß." Frau von Elster­burg hüpfte sie hüpfte immer trotz ihres höchst statt­lichen Gewichts aus der Fensternische, plauderte im Fluge einige Worte mit Frau Geheimrat Braunstein und hüpfte

zurück.Verzeihen Sie, ich wollte der Braunstein nut sagen, daß wir hoffen, sie wird die Teestube übernehmen ; . mit allem Drum und Dran natürlich von Bolsschen Schnäps- lein, Kuchen und kleinen Brötchen. Das gibt immer eine vortreffliche Einnahme. Und außerdem hat sie, ein wirklich süßes Töchterchen Magnet ersten Ranges. Ja also, da haben Sie Berlin W. Weh, weher, am wehesten. Aber Berlin C. ist auch nicht zu verachten. Sehen Sie dort drüben die große Blondine mit den Rubensformen. Das ist Frau Generalkonsul Neumann aus der Breiten Straße, im Som­mer Grünau mit eigenem Dampfer. Das Herz so goldig wie die .Haare. Sie soll die Konditorei haben und darf ein Dutzend Riesen-Baumkuchen dazu spendieren. Ich will nur gleich" Und Frau von Elsterburg hüpfte wieder davon.

Frau Ida sah ihr durch das Lorgnon nach und dachte: Nun, ich werde mit diesen Damen sicher keine Fühlung gewinnen." Aber merkwürdig genug: während sie mit Exzellenz von Grantsgaß, die in Abwesenheit der eigent­lichen Patroneß, der Fürstin Holm-Galm, bei den Vorstands­sitzungen präsidierte, immer in demselben grauseidenen Kleide mit der unheimlich winzigen Brillantbrosche am Hals- verschluß während sie mit der Hagern grauhaarigen Exzellenz gar nicht recht in ein cmgeregreres Gespräch kom­men konnte, ging das nachher mit Frau Neumann desto flotter. Im Nu Ha ien sich Berührungspunkte gefunden. Nicht wahr, gnädigste Frau, ich irre nicht: Sie haben die neue Villa in der Kilganstraße gekauft? Denken, Sie, die war eigentlich für meinen Onkel Langerbuch Sie wissen, der Chirurg gebaut worden ... ja, und dann starb Onkel Heinrich so plötzlich. Ich hab mir das Haus einmal int Rohbau angesehen und war ganz entzückt."' Und dann, bei einem Begegnen ein halbes Stündchen später:Aber nein, daß ich das vorhin ganz vergaß, hört nicht eine Ihrer? Fräulein Töchter auch bei Professor Müller Literatur-, geschichte? Meine Aelteste hat mir nämlich erzählt"

Ihre Tochter, gnädige Frau? Stieftochter dann wohl?"

Die schöne Frau lachte:O nein! Ganzweritable Toch­ter, wenn wir auch bisweilen für Schwestern gehalten wer­den. Ja also, meine Elly sitzt im Kolleg neben einem Fräu­lein von Gudarcza."

Das ist meine zweite Tochter Dorothee"

Dachte ich's doch. Wunderliche Jugend heut, nicht wahr? Sitzt im Hörsaal und arbeitet sogar im Labora­torium. Nun, ich halte schon darauf, daß es nicht über­hand nimmt mit der Arbeit, und zum Blaustrumpf hat meine Ellh auch keine Anlage."

Meine Dodo gewiß nicht."

Es war wirklich eine ganz nette Zivischennnterhaliunch ein Intermezzo zwischen all den geschäftlichen Erörterungen, über denen Frau Ida manchmal der Kopf schwirrte. Wie ging das durcheinander: Saalmiete uno Musik; Heran-, ziehenprominenter Persönlichkeiten", ivie Frau Brann-»