Ausgabe 
25.1.1912
 
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stein cs ausdrückte, die Gewinnung einiger erster Kräfte der Oper, die sanfte Pressung auf ein halbes Dutzend Hof­lieferanten Zur besseren Füllung der Verkaufsstände, das Arrangement der Tombola, für die Bettelbriefe an , die Schriftstellerwelt um Gratisexemplare mit eigenhändiger Widmung geschrieben, Bettelvisiten in den Ateliers um Ueberlassung einiger Skizzen unternommen werden mußten. Und dann die Proben zu den Dilettantenaufführungen.

Signe war fest geblieben: sie sang nicht. Aber dann war es Exzellenz Grmitegaß, die plötzlich mit ihrer dünnen ©timme einen anderen Vorschlag aufs Tapet brachte:Liebe Frau von Gudarcza, ich glaube, ich habe Sie neulich im Opernhause neben Ihrem Fräulein Tochter gesehen. Wir haben nämlich manchmal durch einen Vetter Plätze in der Kommandanturloge, und so saß ich Ihnen gerade gegen­über, wenn ich nicht irre. Ein feiten schönes Mädchen. Goldblond, wenn ich nicht irre. Noch eine Nuance mehr Rotgold, als das der Frau Neumann. Würde Ihr Fräulein Tochter nicht in den lebenden Bildern Mitwirken?"

Mutter war vorsichtig geworden und sagte nicht sofort zu. Signe war ja so unberechenbar. >

Aber Signe erklärte sich diesmal bereit. Nur müßte sie erst wissen, in welchem Bilde itnb als welche Figur in diesem sie mitwirken solle.

Das nun war Sache von Professor Bernhard Knut, der in seiner bekannten Liebenswürdigkeit wie alljährlich die künstlerische Leitung der lebenden Bilder" übernommen hatte. Der kleine große Modemaler wohnte ganz in der Nähe der Kilganstraße und ließ es sich nicht nehmen, per-t sönlich vorznsprecheu. Das tat er immer, tote spöttische Leutchen behaupteten:denn man kann nie wissen" nämlich ob nicht ein Porträtauftrag abfällt. Er kam und war begeistert. Er klemmte seinen Kneifer, bett er an langer dünner Goldkette über der schwarzeir Sammetweste trug, auf die Hakennase, er bat Signe hierher und' dorthin zu treten, zog persönlich den Fenstervorhang zurück:Mein gnädigstes Fräulein, das wird der Erfolg des Abends." Und dann legte er seine langen hageren Hände flach ancinan-i der, hob sie bittend hoch:Es ist ja sehr unbescheiden. Aber ich wage es dennoch. Ich habe ein Gemäldci auf der Staffelei, fast vollendet. Die Herzogin von Chouanne tritt mit ihren beiden Kindern beit ihr Schloß stürmenden Jako­binern entgegen. Beim großen Rubens, ich wäre unsag-, bar, unfaßbar glücklich, wenn wir dies Bild wählen dürften."

Er bat um einen Atelierbesuchnur auf zehn Mi- mitert." Aus den zehn Minuten wurde freilich eine Stunde, Und er bat und bat so lange, bis Mutter und Signe noch einmal kamen, und dabei wandelte sich das in der Tat fast vollendete Bild völlig, denn die Hauptgestalt nahm Signes Züge an.

Sie lachte selbst darüber.Der Professor hat eins köstliche Art, sich die Modellkosten zu sparen." Doch sie stand willig und geduldig. Freilich für ihren Geschmack war die Knutsche Art etwas zu konventionell, zu glatt. Aber er war von der Tagesmooe getragen; wenn die böse Kritik ihn auch oft, wie er selbst heiter erzählte, arg zer--, rupfte: seine Bilder gefielen, wurden glänzend bezahlt. Ich garantiere, daß unsereHerzogin" einen brillanten Platz auf der nächsten großen Ausstellung erhält," sagte er, sich die Hände reibend.Dafür will ich schon sorgen." Und er sorgte schon jetzt dafür, daß hier und! dort in den Tageszeitungen einige kleine Notizen unterKunst und Wissenschaft" erschienen. Einmal:Professor Bernhard Knut ist im Begriff, ein großes historisches Gemälde zu vollenden, das eine ergreifende Episode aus der französischen Revolution schildert. . ." es folgte eine Darstellung des Borgangs. Dann:Für die Hauptfigur in dem fast vol­lendeten neuesten Gemälde von Professor Bernhard Knut Die Herzogin von Chouanne" hat liebenswürdigerweise eine hiesige junge Aristokratin den Urtyp dargelichen, für den deren ganz eigenartige vornehme Rasseschönheit beson­ders geeignet erschien." Und endlich:Dem Vernehmen nach soll das neueste Gemälde von Professor Knut auf dem in Vorbereitung befindlichen Wohltätigkeitsfeste zum Besten der Hauspflege als lebendes Bild gestellt wer­den . . ."

Wenn Herr von Gudarcza in seiner Zeitung wieder «ine dieser kleinen Notizen las, schwankte er jedesmal, ob er sich ärgern ober sich darüber amüsieren sollte. Recht vornehm erschien ihm diese Art nicht, daß seine Tochter dadurch in gewisse Beziehung zur Oeffentlichkeit gebracht

wurde. Aber dann schineichelte es ihm doch wieder. Schließt lich: wäre Signe Konzertsängerin geworden, so hätte sie noch ganz anders in der Oeffentlichkeit gestanden. Und! wenn Signe bei all ihrem Feinempfinden selbst keinen An-j stoß nahm, warum sollte er sich ärgern? Also zog er es! vor, die Sache von der scherzhaften Seite zu nehmen, strich jede Notiz rot an und las sie bei Tisch vor. Wobei Dodo einmal mit köstlichem Ernst erklärte:Unsere Signe wird berühmt. Ich werde Herrn Professor Bernhard Knut, den ich furchtbar banal finde, zum Dank Pantoffeln Weihnachten sticken. Auf den linken kommt in Goldstickerei eine Palette, auf den rechten in Perlen ein Geldsack."

Signe ertrug solche kleine Sticheleien mit größtem! Gleichmut. Sie wußte, daß Professor Knut, den sie grade so banal fand wie die Schwester, in einem recht haben! würde: ihr mußte ein großer Erfolg zufallen.

Dann kam aber, im Lauf der Proben, noch etwas an--! deres hinzu, was ihr besondere Freude machte, immer aufs neue. Nach langem Wählen hatte der Professor für big beiden Kleinen, die ihr beizugeben waren, die rtchtigen Moi delle entdeckt. Es waren die beiden jüngsten Kinder von Frau Neumann, ein blondes Mädchen von vier Jahren, ein Knabe mit pechschwarzem Haarschopf von fünf Jahren. Ein wenig zu alt für dich", fand Mutter. Aber auch Mutter mußte zugeben, die Kinder waren entzückend. Fein- gliedrig, mit auffallend hübschen Gesichtszügen, beide blau-, äugig, beide nach dem ersten Befangensein von größter Zutunlichkeit gegen Signe. Und Signe konnte gar nicht satt werden, sich mit ihnen zu beschäftigen.

Frau Ida erinnerte sich wohl, daß ihre Aelteste früher, in Körlin, auch als sehr kinderlieb gegolten hatte. Dann war ihr das aus dem Gedächtnis entschwunden. Es schien auch so gar nicht recht zu Signes Wesen zu passen, wirkte fast wie eine fremde Zutat. Wenn Mutter selbst anfangs! den Kopf dazu schüttelte, mochten manche andere es als gemacht" ansehen. Frau Neumann sagte bei der ersten Probe:Quälen Sie sich doch nicht so mit den Görenh gnädiges Fräulein" um sich dann doch mit leiser Mutterst eitel feit zuzugestehen, daß ihre Jüngsten wirklich das Herz t'- schönen Mädchens erobert hätten. Signe zog, wenn ußS Bild" vorüber war, jedesmal mit den Kleinen in! eine Ecke und konnte mit ihnen spielen, wie eigentlich nur die eigene Mutter mit ihren Kindern spielen kann. Um die übrigen Teile der Proben kümmerte sie sich nicht. So wenig wie um die jungen Leutnants, die die stürmenden Jakobiner darstellten.

(Fortsetzung folgt.)

KaHcrs Geburtstag in der Hofküche.

Bon A. Oskar K l a u ß m a n n.

Die größten Ansprüche an die Leistungsfähigkeit der Hos--. küche und Schloßverwaltung stellt der in den Januar fallende Geburtstag des Kaisers und Königs. Auch die großen Hossestlich- keiten, bei denen tausende von Gästen mit Speise und Trank zu versehen sind, bringen der Hoflüche gewaltige Arbeit. Bei diesen großen Festlichkeiten wird aber der weitaus grösste Teil der Gäste an kalten Büfetts gespeist, und die nötigen Speisen lassen sich längere Zeit vorher fertigstellen. Außerdem handelt es sich hier immer um einen einzigen Abend, während bei dem Geburtstage des Kaisers der gesamte Apparat ungefähr drei Tage lang auf das äußerste angestrengt wird. Zahlreiche fürstliche Gäste mit Gefolge und Dienerschaft treffen zum Geburtstage des Kaisers in Berlin ein, gewöhnlich schon am Tage vorher, und der größte Teil dieser fürstlichen Besucher wohnt mit Gefolge und Dienerschaft im königlichen Schlosse. Für alle diese Persönlichkeiten ist während! der Festtage das Essen zu beschaffen, und da manche dieser Fürst­lichkeiten mit Gefolge und Dienerschaft erst am Tage nach Kaisers Geburtstag wieder abreisen, gleicht für drei Tage das königliche Schloß in Berlin einem großen Hotel mit intensivem Betriebe, der um so schwieriger ist, als es sich um Gäste handelt, die in hervorragendster Weise bedient werden müssen.

Allerdings ist man in der Hofluche auf derartige Ereignisse vorbereitet, und da die ganze Hofhaltung und durch diese die Küche' mit der Präzision eines Uhrwerks funktioniert, bereiten! auch diese Tage keine unüberwindlichen Schwierigkeiten, wenn auch die beteiligten Personen gewaltig arbeiten müssen.

Die ganze Einteilung der kaiserlichen Hofküche ist so be­schaffen, daß sie auch auf außergewöhnliche Ereignisse vorbereitet ist. Die Hofküche zerfällt in zwei große Abteilungen: in die Mund- Küche und in die Fremden-Küche. Die erstere liefert Speisen und Getränke für den täglichen Gebrauch der kaiserlichen Familie und des im Schlosse wohnenden Gefolges. Mr die Dienerschaft