Ausgabe 
24.10.1912
 
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Schwalbennestern, Schnecken, Seeschnepsen und säst alle Tiere, aus denen sich Gelee bereiten läßt, sind auf der Tafel des Reichen alltäglich.

Auch unter den vegetabilischen Nahrungs- und Genußmiiteln gibt es recht eigenartige Erscheinungen. So wird beispielsweise von den Neu-Hollandern das sogen,native bread gegessen, ein Brot", das nicht einmal des Backens bedarf. Es ist ein ohne jede Zubereitung direkt genießbarer, mehrere Pstmd schwerer Pilz, Mylitta anstralis, der einen ausgesprochenen Brotgeschmack besitzt Ebenso läßt sich als Natnrbrot die Rinde der in Afrika wachsen­den Dumpalme bezeichnen. Sie ist inehr als fingerdick unb schmeckt süß wie Nürnberger Pfefferkuchen, daher auch der Name Psefferknchenbanm". Tie Lieger pflegen die Rinde sofort zu essen, ohne irgendwelche Verdauungsbeschwerben zu verspüren.

Daß aber selbst Erde gegessen ivird, dürste nicht jedem be­kannt sein. Blanche Erdart soll sogar eine ganz vortreffliche- ware darstellen. Man findet Erdesser seit den ältesten Zeiten in China, in Sibirien, in Siam, in Java, in Sumatra, in Persien, in Indien. Zu den eßbaren Erden gehört z. B. die fette Erde, welche nach dem Bericht A. von Humboldts die am Orinoko wohnenden Ottomaken verzehren. Ter Hauptbestandteil dieser eßbaren erdigen Blassen sind lebende oder versteinerte Spaltalgen (Bacillariaceen), wie sie in dem sogen. Bergmehl sich finden. Sehr verbreitet ist der Brauch des Erdesseus aus dein bolivischen Hoch­land. Hier ist es eine leichte weiße Tonerde, die in der Nähe von Oruco gegraben wird und tut Nymara den Namenphasa" führt. Sie wird entweder roh gegessen oder geschlämmt und ztt Figuren «Töpfchen, Krügen, Dlonstranzen, Heiligen und bergt.) geformt. Diese Artikel werben auf bem Alarkte verkauft unb besonders von der indischen Bevölkerung zur Bereitnng einer Art Sauce gebraucht und mit gesottenen Kartoffeln gegessen. Atißerdent kennt man das Erdessen bet bett Negern von Guinea, aus dem indischen Archipel und an anderen Orten. Eßbare irdene Krüge werden in Portugal gefertigt; man nennt sieBilhas de Barro, spanischBucharas, und die Frauen des Landes betrachten sie als einen tvahren Lecker­bissen. Diese Verirrung des Nahrtmgstriebes soll übrigens keine nachteiligen Folgen zeitigen.

Wie schon erwähnt, sind indessen Absonderlichkeiten des Ge- schntacks nicht alleitt bei exotischen Völkern zu finden, sondern auch mancherlei merkwürdige Gerichte aus der Tafel europäischerFein- schmecker" sind geeignet, bet Leukctt mit normalem Geschmacks- empfinden bedettkliches Kopsschütteln ztt erregen. So brachte am Hoie des atts SchillersJtmgfrau von Orleans bekannten Karls VII., der mit der schölten Agnes Sorel glänzende Feste auf- führte, ein Koch namens Talleyrand eigeitartig kompoitierte Ge­richte auf die Tafel, z. B. Igel itt Orange gebraten, Reiher, mit Federn bekleidet, in attfgerichleter Stellung serviert, Störe itt Essig gekocht, Hühner, ganz in Zttcker eingemacht, Apfelsinett in Speck gebraten unb bergl. mehr. Der Kuriosität halber sei hier noch er­wähnt, baß ber Koch des Fürsten Katmitz itt Wien, rote der Küchen- schriststeller Dr. Kiese erzählt, für bett Hof des Fürsten eittmnl eilt Ragout hergestellt hat aus den zerschnittenen Sohlen von einem Paar alter Reitstiefel, welche er durch Essenzen und Beizen erweicht und durch eine Sauce, bereit Geheimnis er mit in das Grab nahm, zu einem Ragout verband.

vermischtes.

kf. Schwämme aus Papier. Jedermann kennt die künstlichen Schwämme, die aus Gummi hergestellt werden. Ihnen sollen nun, wie dieAnnales" melden, in Papierschwämmen Nebenbuhler erwachsen. Papierteich, so wird ihre Herstellung geschildert, wird mit Zinkchlorid in einen schleimigen Brei ver­wandelt, der durch Zusatz von Kochsalz und hierauf folgendes Spülen mit Alkohol zu einer Masse wird, aus der schwamm­ähnliche Gebilde durch geeignete Formen gepreßt werden. Diese Papierschwämme sollen den Vorzug haben, im Wasser völlig unverändert zu bleiben. Sie lösen sich nicht auf, faulen nicht und sollen an der Haut angenehm sein. Wenn sie nebenbei auch geruchlos wären und im Laufe der Zeit nicht bröckelig würden, tote es bei Gummischwämmen der Fall ist, wären sie diesen überlegen.

* Das Gebet der Jungfrau. In einer Gesellschaft von Musikern erzählte rn New York kürzlich Walter Darnrosch eine komische Geschichte aus dem Leben. Es handelt sich um einen sehr schüchternen, nicht mehr übertrieben jugendlichen Jung­gesellen, der viele Monate hindurch einer jungen Dame den Hof Machte und doch nie den Mut fand, bett entscheidenden Schritt Sh tun und um sie anzuhalten. Eines Abends führt er die heim­liche Königin seines Herzens, die sehr musikalisch war, in ein Konzert. Die Kapelle spielte gerade Nr. 6, das Stück gefiel dem Junggesellen außerordentlich, er beugte sich über seine Be- gleitenn . und flüsterte:Wie entzückend ist das doch! Wie heißt dies Stuck, kennen Sie es?" Die junge Dame lächelte und "UNU antwortete sie leise, aber eindringlich: Es ist das Gebet der Jungfrau". Und dabei reichte sie ihm das Pro- gramm und deutete mit dem Zeigefinger auf Nr. 6. .Der zögernde Lrebhaber nahm das Programm, las und

wurde sehr schweigsam. Nr. 6 war der MendelssohnM H o chzeits marsch. Am nächsten Tage faßte der schüchterns Hagestolz all seinen Mut zusammen und kaufte den Verlobungs- rtng, _ mit dessen Hilfe dann die Kluft zwischen dem Gebet der Jungfrau und dem HochzeitsMarsch endgültig überbrückt wurde.

. * Unmöglich. 'Hausfrau:Auf den Möbeln liegt wieder

w viel staub, daß Sie Ihren Namen hineinschreiben tonnen,- Marte! Stubenmädchen:O nein, gnädige Frau." ~7. Hausfrau:Doch, Marie, wenn ich es sage, dann können ®te. Stubenmädchen:Wirklich nicht, gnädige Frau. Ich kann ja gar nicht schreiben."

Büchertisch.

Uhlands Werke, in drei Teilen herausgegeben, mit Einleitungen und Anmerkungen versehen von Adalbert Silber- mann. Goldene Klassiker-Bibliothek, Deutsches Verlagshaus Bong u. Co.>, Berlin. Am 13. November ist Ludwig Uhland fünfzig ^zahre tot. Die Zeit scheint einem! viel zu kurz, nicht weil seine Werke veraltet wären, sondern weil Uhland von jeher mit allen Tiefen deutschen Wesens verwachsen scheint und man ihn sich nicht Hinwegdenken kann. Die Ausgabe enthält die Gedichte vollständig, mit Einschluß sämtlicher Nachlaßgedichte, die beiden vollendeten Dramen nebst einer reichlichen Auswahl der dramatischen Ent­würfe, endlich Prosaschriften. Erwähnen wir noch, daß das Werk, in zwei Leinenbände gebunden, nur 1,75 Mk. pro Band kostet, so dürfte klar sein, daß das Verlagshaus uns eine echte Volksausgabe geschenkt hat. ,

Meister-Novellen neuerer Erzähler. Bd. 8. mit Bildnissen und Einleitung von Richard Weitz. Leipzig, Hesse u. Becker Verlag. Auch in diesem Bande sind anerkannte Meister und Meisterinnen der Erzählungskunst mit solchen vereinigt, dis noch im Wettkampfe nach oben streben. Wilhelm Jensens Magister Timotheus, Fon tau es Karrenschieber weniger sein letzter Laborant" zum Teil auch Ferdinand von Saars Steinklopfer gehören von den alten Meistern in diese zweite Gruppe, die künstlerisch voM Mettschenleid und vom Leben im Schatten erzählt, von den Neueren Havemanns feine Stim­mungsbilderWeiden" undSchnee", D o r a D u n ck e r s Sturm, z. T. auch Strobls Teppich mit seiner angreifenden Tragi­komik ; Hermine Billingers eherne Glocken sind wenigstens dem Stoffe nach dazu ztt rechnen. Auf der Grenze steht des! Schweden Gustav af Geifer st amsgelbes Haus", das in bewunderungswürdiger Technik psychologisch tief grabenddie Beichte eines Thoren" gibt; auch der Humor der Thüringerin Martha Renate Fischer in den schreienden Hirschen und dem kleinen Napoleon ist etwas gedämpft. Für sich stehen Ossip Schubins märchenhafte feinsymbolische ErzählungenDas Wun­der" undTie Hoffnung". Eine lebensfreudige Grundstimmung in romantischer Einkleidung zeigt sich in Adolf SternsEt ego in Arcadia", und glänzender italienischer Sonnenschein liegt auf E. von Wolzogens versetzter Heiligen.

Belhagen u. Klasings Volksbücher. Man muß immer von neuem staunen, was für vortreffliche Bände der Verlag von Belhagen u. Klasings Volksbüchern für den billigen Preis von 60 'Pfennigen in die Welt sende. Da haben wir neuerdings eine Monographie über J>en Königsberger Maler Ludwig Dett- mann, die Dr. Franz Deibel, einer unserer begabtesten und modernsten Kunstschriststeller, verfaßt hat und die in ausgezeichneten Reproduktionen auch bildlich eine klare Vorstellung von bem- Schaffen des Meisters vermittelt. Die der Erdkunde gewidmeten Volksbücher werden.durch die lehrreiche und unterhaltsame Be­schreibung des Nordpols und seiner Entdeckungsgeschichte von Gustav Uhl und die anmutige Schilderung Nürnbergs durch Dr. Paul Joh. Roe vermehrt. Ein kräftiges Bild des Großen Ku r- s ü r st e n entwirft T-r. Wilhelm Steffens. An den F a u st wagt sich mit Glück auf diesem immerhin beschränkten Raum ein so vor­trefflicher Schriftsteller wie Karl Strecker.

Skat-Aufgabe.

Mittelhand spielt Coeur-Solo mit folgender Karte r

Das Spiel wird verloren, obgleich noch ein Trumpf im Skat liegt. Wie war die Kartenverteiltmg unb ber Verlauf des Spieles? Auflöitmg in iiuüjiter Nummer.

Auflösung des Räliels in voriger Nummer: Unterwalden.

Redaktion. K. Neurath. Rotationsdruck unb Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- unb Steindruckerei, R. Lange, Gießen,