Donnerstag, den 2$. Oktober
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Die Dame im Pelz.
.Roman von G. W. A p p l e t o n.
(Nachdruck verboten.)
' (Fortsetzung.)
Ich war vollkommen verzweifelt und wurde auch nach der Rückkehr ins Hotel so scharf beobachtet, daß es mir unmöglich war, irgend welche Schritte zu Marcellas und meiner eigenen Befreiung zu tun. Endlich hörte ich, daß Sie — der wirkliche Doktor Williams — ins Hotel kommen würden, um dieser falschen Marcella gegenübergestellt zu werden. Nun hieß es für mich: jetzt oder nie. Ich mußte Ihnen Nachricht zukommen lassen, jköste es, was es.wolle. Es gelang mir, wie Sie ja wissen, Ihnen ein Zettelchen in die Hand zu spielen, worauf Sie mir umgehend antworteten. Infolge der Bestürzung, in die Sie das saubere Paar versetzt hatten, sand ich Gelegenheit, zu entwischen. Das Zimmer- Mädchen, das mir. Ihre Zeilen übermittelt hatte, wies mir einen Seitenausgang nach der Straße. Dort erkundigte ich mich nach dem Wege nach. Richmond, und nun bin ich hier.
Durch diese Schilderung wurde mir vieles klar, was mir vorher rätselhaft geblieben war; vor allen Dingen erkannte ich nun meine Pflicht gegen Marcella sehr deutlich. Sie war im direkten Auftrage ihres Vaters zu mir gekommen, um mir wichtige Nachrichten zu überbringen. Sicherlich wünschte er von mir, daß ich seine Tochter vor seinen und ihren Feinden beschützen sollte. Was war aber aus dem so bedeutungsvollen Schreiben geworden, das er ihrer besonderen Obhut anvertraut hatte? Warum hatte sie mir diesen Brief nicht gleichzeitig mit dem Geldbrief übergeben? Er enthielt sicher die nötigen Weisungen über die Verwendung des Geldes und über Marcellas eigene Zukunft, über die sie nun selbst vollständig im Unklaren war. Wo konnte der Brief sein? Hatte sie ihn verloren? War er dann ihren Feinden in die Hände gefallen? Doch dagegen sprachen verschiedene gewichtige Umstände.
Ich befragte Lucy aufs eingehendste. Sie wußte genau, daß Marcella Geld und Brief gewöhnlich auf dem Leibe getragen hatte, und hatte in der ersten Nacht im Hotel noch "'beides bei ihr gesehen. Es war auch nicht zu bezweifeln, daß sie beide Briefe an jenem Morgen mitgenommen hatte, als sie mich im Hospital hatte aufsuchen wollen, um mir die Dokumente ihres Vaters, derentwegen sie ja die lange Reise hauptsächlich unternommen, persönlich zu übergeben.
Mährend wir diese Frage miteinander erörterten, klingelte es plötzlich. Wir eilten auf den Flur, und herein trat ein Junge.
Wer von Jhüen ist Herr -Doktor Williams? fragte er.
Das bin ich, antwortete ich. Was bringen Sie?
Einen Brief für Sie, Herr. Und Sie sollen gleich mitkommen. Hier ist er. Ich soll Jhüen den Weg zeigen.
Er händigte mir ein zusammengefaltetes Stück Papiei. ein, und mit pochendem Herzen las ich folgende mit Bleistift gekritzelten Worte:
Kommen, kommen Sie sofort, sonst bin ich verloren. Sie können dem jungen vertrauen. Marcella.
Ich reichte den Zettel Lucy Belton.
Ist das Ihre Handschrift? fragte ich.
Sie stieß einen Schrei aus, in dem sich Freude und Schrecken zugleich ausdrückten.
O ja, ja. Es ist wirklich von ihr. Und Sie wollest sie retten? Sie wollen sie retten?
Mit Gottes Hilfe, ja, antwortete ich inbrünstig.
15. Kapitel.
Nun, Mortimer, sagte ich> mich an meinen Freund wendend, bu kommst doch mit?
So 'ne Frage, bis ans Ende, mein Lieber!
Das wußte ich ja. Aber es ist schade, daß du heute keinen Revolver bei dir hast, denn unsere Arbeit heute nacht wird, glaub' ich, nicht so glatt von statten gehen.
Deswegen brauchst du keine Angst zu haben; in meiner Tasche steckt ein ganz anständiges Instrument dieser Art. In den letzten Tagen habe ich mich als vorsichtiger Mann stets auf solche Fälle vorbereitet. Um so besser. Wo wollen Sie uns nun eigentlich hinführen? wandte ich mich fragend an den Burschen.
Nach Millfield Lane, Herr.
Das ist in der Nähe der Hampsteader Heide?
Mehr nach Highgate zu, Herr. Drüben an den Teichen.
Du kennst dich in den nördlichen Breiten ja besser aus, Mortimer, sagte ich zu meinem Freunde; wo ist also Millfield Lane — und wie kommen wir am raschesten dort hin?
Es ist eine der übelsten Gegenden in der ganzen Londoner Umgebung. Sie haben fein gewählt. Es gibt kaum einen zweiten Ort, der sich so gut zur Begehung eines Verbrechens eignete. Wie wir am besten hingelangen? Nun, das laß meine Sorge sein. Wie heißen Sie, mein Lieber?
Billy Watson, Herr.
Sind?
Ausläufer bei Minsk, einem Materialwarenhündler in Highgate Road.
9iuit, Watson, wie sind Sie hierhergekommen? Mit dem Zug?
Jawohl, Herr, Nordring — von Station Camden Road.
Also los! sagte ich nun, je eher, desto besser. Helen, Fräulein Belton bleibt natürlich hier bei uns!
Ei, was für 'ne Frage! rief sie. Das haben wir schon lange miteinander abgemacht. Aber nun haltet euch nicht mehr hier auf, damit ihr nicht zu spät kommt.
Um Gottes willen nicht! versetzte ich. Komm, Mortimer.
Als wir schon den Gartenweg halb hinunter waren, fiel mir plötzlich ein, für alle Fälle meine kleine Taschen^ apotheke mitzunehmen, ein Gedanke, der, wie sich später herausstellte, für unseren Erfolg entscheidend sein sollte.


