Ausgabe 
24.8.1912
 
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sprechen, daß er wünsche, Flamberg solle Cäcilie malen . . . und mm war das Bild bereits fertig. . .

Ja, ja, sie tanzt ausgezeichnet!" sagte er mechanisch.

Und wie sie bei der Sache ist! wenigstens wenn sie mit Herrn Flamberg tanzt--!"

--Wieso ?"

Ach, ich ich meinte nur so!"

So?! Sie meinten nur so! Ich hatte das Gefühl, als ob Sie sich! über irgend etwas. . . wunderten!"

I mich wundern? Nein, das nicht . . . sondern . .

Was?! was, wenn ich bitten darf?"

D ich es ist mir allerdings ausgefallen, daß die gnädige Frau dcnr Herrn von der Reserve gegenüber so überaus liebenswürdig ist! Das ist allgemein bemerkt worden."

Die Herren von der Reserve haben ihr Patent von Majestät genau so gut wie wir!"

Selbstverständlich, selbstverständlich!"

Nun also?!"

Immerhin sie gehören doch nicht zum engern Kreise des Regiments."

Herr Flamberg ist ein Freund meines Hauses."

Ach so ein Hausfr--ein Freund Ihres Hauses.

Verzeihen Herr Hauptmann meine Neugierde. Nun weiß ich ja Bescheid. Haben Herr Hauptmann schon einen Schnaps genehmigt! Nein? Ordonnanz! einen Benediktiner für Herrn Hauptmann!"

Ich danke! Ich habe kein Bedürfnis."

Nicht? Dann bitte ich! um Entschuldigung meine Pflichten als Kasinovorstand- . . ."

Bitte, lassen Sie sich nicht störew!"

--Was war das gewesen? Was für ein Mißton was für ein häßlicher Hauch war da herangeweht? Die gnädige Fran so überaus liebenswürdig gegen den Herrn von der Reserve das ist allgemein ausgefallen! Herrgott, war der Kommißtratsch denn schon wieder am Werk? Und an Cäcilie wagte sich das heran, an seine Cäcilie? H-immel- bombenelement!

Wo war sie nur? Schau da schwebte die weiße Ge­stalt hin wie eine Krone umschloß das braungoldene Haar die weiße Stirn fest schmiegte sie sich an ihres Tänzers breite Brust an Herrn Flambergs Brust

Wahrhaftig vielleicht doch ein bißchen zu fest für die scharfen Augen, die spitzen Zungen der Sittenwächterinnen da hinten auf dem Drachenfels. . . .

Und wie sie glühte ... er auch . . . Mein Gott, warum sollten sie nicht?! waren sie nicht beide Temperaments­menschen? fröhliche Genießer, die sich ganz Hingaben an den schönen, festlichen Augenblick. . .?

Immerhin . . . ein wenig Rücksicht nehmen mußte man schon . . . wir kennen do ch- dies Klatschweib er gesindel . . . ob das Unterröcke trägt oder Hosen mit Stegen. . . Viel­leicht . . . wäre doch, ein Wink der Warnung- an Cäcilie an­gezeigt . . .

Achs Unsinn! Wozu ihv die Unbefangene Freude trüben? Seine Cäcilie. . . er kannte sie doch! Und Flamberg! . . . Hand ins Feuer für be-n!

Der Walzer klang aus. Quer burch den ganzen Saal, mit strahlendem Lächeln, schritt Fritz von Brandeis auf -das Paar zu, d-as eben glühend, schweratmend-, den Tanz be­endet hatte. Und in heiterm Geplauder nahm er Cäciliens Arm und spazierte noch ein Weilchen mit iHv und Flamberg durch den Saal.

Mochten die Klatschweiber M die Mäuler zerreißen!

*

Der Drachenfels hätte seine Wahrnehmung- bereits fest­gelegt. Und die war: Einige der Damen des Regiments hätten sich einer ^entschieden zu stärken Bevorzugung des nicht aktiven Elements unter den Herren schuldig gemacht.

Auf der Bühne, wo vorher der Eintracht lieblicher Genius mit herzbewegenden Worten die stille Fried-enstätig- keit des Regiments Prinz Heinrich der Niederlande ge­priesen, war nun der Areopag der -alten Damen versammelt. D-a thronte inmitten die Kommandeuse und handhabte -eifrig das Lorgnon; zu ihrer Rechten Frau von Sassenbach, zur Lenken Frau von Czigorski. Und- um die drei Säulen des Regiments hierum gruppierten sich! die übrigen Damen, die Gattinnen der Podagristen -aus Pensionopolis . . . Nur ein einziges jugendliches Gesicht in ihrer Mitte, die Frau Hauptmann H-aller, eine sehr lebenslustige Frau von dreißig «ähren, die diesmal schweren Herzens auf die Fretlden

des Tanzes verzichten mußte, da sie ihren- drei Buben noch ein Geschwisrcrchen bestellt hatte.

Die rechte Flanke, wo Frau von Safsenbach saß, sprach nur von Fran von Brandeis; Was die Herzen der Gruppe außerdem bewegte, durfte mit Rücksicht auf die Majorin nicht zu Worte gelangen. Um so eifriger betuschelte dafür die linke Seite die allgemeine Beobachtung, daß Frau von Brandeis heute abend nicht die -einzige Dame war, die sich mit Vorliebe an gewisse Herren des Beurlaubtenstandes! hielt. »

Schon bei Tische hatte man bemerkt, daß das ältere! Fräulein von Sassenbach sich- weit weniger um ihren Tisch­herrn bekiimmerte, den -ernsten und zielbewußten Regi- mentsadjutanten, als vielmehr um ihr Gegenüber, diesen unmöglichen Herrn von der Landwehr, dessen schwarzblaner Waffenrock mit den altmodischen großen Knöpfen, dessen riesige Ep-aulettes und dessen trikotartig knapp die h-agern Beine umschließenden Hosen -allgemeines Entsetzen erregt hatten.

Ja, und kaum war die Tafel ausgehoben, da hatte sich Fräulein Nelly alsbald im Rauchzimmer eingefnnden und bei einer Zigarette mit dem merkwürdigen Bekannten weiter geplaudert.

Dann allerdings war der Tanz in seine Rechte getreten. Der schien nicht die starke Seite des eingezogenen Herrn zu sein; denn er stand meist in der Tür des Rauchzimmers Und schaute durch seine riesigen Brillengläser mit behaglicher Betrachtung in das Gewühl des Tanzes hinein. Wer ihn aber genauer beobachtete, konnte wohl bemerken, daß sein Blick ein bestimmtes Ziel verfolgte . . .

Nelly Safsenbach wanderte von einem Arm in den andern. Stets, wenn sie an Herrn Leutnant Frobenius- v-orbeistrich, flog -ein rascher, stiller Blick des Einverständ­nisses zu ihm hinüber. . .

, Ja, Wilhelm Frobenius sah nichts als seine Ret­terin . . . War sie nicht just das Gegenteil -altes dessen, was er an Weiblichkeit bisher gekannt . . . und war sie nicht zu­gleich die Verkörperung seines erträumten Frauenideals?!

Er hatte in der Literatur vor allem immer für die heroischen Mädchengestalten geschwärmt, wenn auch seine vielbewunderte stilistische Meisterleistung die Analyse der Gretch-engestalt war sein Herz zog ihn vielmehr zu den ausgesprochenen Mannweibern der Dichtung. . . freilich im Leben war ihm dergleichen niemals begegnet. . . ach,, ihm waren überhaupt wenig Fr-au en gestalten begegnet ich Leben...

Von den Damen des Regiments interessierte ihn, außer Nelly, nur noch eine, jene, von der sein Kamerad lurtbi Freund Flamberg ihm doch in einem Don -erzählt hatte,- aus dem .selbst ein noch naiveres Gemüt -als er hätte herausfühlen müssen, daß sie ihm mehr gewesen denn nur ein Modell . . .

Frobenius verglich- die beiden Frauen beim Tanzen. Cäcilie legte sich weich und anschmiegend in des Tänzers Arm. Es schien ihr angenehm zu sein, wenn man sie recht fest und nahe hielt. Scheinbar willenlos überließ sie sich der Führung ihres Partners, tanzte ruhig, schwebend; ihre Füße schienen sich kaum zu bewogen.

Nelly aber tanzte mit weitem Abstand, sehr selbständig, mit weit ausholenden Schleifern, wie um sich- auszutoben und auszutollen im Tanz. Wenn man sie so- sah. . . ihre Tanzwonne steckte an. . . man bekam Sehnsucht, sich von ihr hineinziehen zu lassen in diese Strudel, diese Wirbel, in denen sie sich tummelte wie ein los-gelassenes Füllen . . «

Ach, es war Jahre her, seit Wilhelm Frobenius zuni lebten Male auf dem Professorenb-all das Tanzbein pflicht­mäßig, aber Dhne Liebe zur Sache geschwungen. Damals hatte sich die alternde Tochter des Rektors und Dekans der philosophischen Fakultät lebhaft für den jungen, aufstreben­den Privatd-ozenten interessiert, und' manche mehr oder weniger zarte Llgd-eutung hatte ihm nahegelegt, er solle zugreifen und "seine Karriere sichern . . . aber die hoch-i sährende Nüchternheit des gelehrten Fräuleins hatte ihm ein Grauen eingeflößt. Er hätte sich sehr merkbar zurück­gezogen und war seitdem gesellschaftlich ziemlich kaltgestellt. Daß er auch heute noch- nicht -einmal Extraordinarius war, stand zweifellos -auch in -einem gewissen inneren Zu-! sammenhang mit jener Fahnenflucht. Nun, er hatte gesellschaftliche und berufliche Zurücksetzung zu verschmerzen! gewußt . , . (Fortsetzung folgt.)