Ausgabe 
24.8.1912
 
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Sommerleutnants.

Roman van Walter Bloem. Copyright 1910 by Orethlein & Co.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Der zweite Walzer ging zu Ende . . . Cäcilie stnd Martin hatten kaum sprechen können während des Tanzes . . . tief aufatmend machten sie Rast. Cäcilie schob die Fingerspitzen in Martins Arm . . . Keines wagte, das ändere anzuschauen; beide fühlten, der letzte Augenblick des Beisammenseins war nahe.

Morgen früh werd' ich die Ehre haben, Ihnen meinen Abschiedsbesuch zu machen, gnädige Frau!"

Den erlaß ich- Ihnen, Herr Flamberg Sie würden mich nicht treffen ... ich reise schon morgen früh ! Soll ich Ihnen sagen, wohin"

Ich bitte darum!"

So, Sie wissen also noch nichts? Mein Mann hat Ihnen noch nichts erzählt?!"

Ich habe keine Ahnung!"

Wir haben vor drei Tagen ein Gut gekauft... in der Nähe von Simmern. . ."

Was auf dem Hunsrück?" und unser Manöver

entwickelt sich zwischen Simmern und Birkenfeld ich weiß wohl! Ich nehme da oben meinen Sommer­frischensitz ... die Sassenbachschen Mädels nehme ich mir zur Gesellschaft mit . . . Das Korpsmanöver ist in unserer Nähe ... ich habe die Dislokation bereits studiert . . . wir werden einmal zu Ihnen ins Biwak hinauskvmmeu,. . . und vielleicht reiten Sie an einem Ruhetage mal zu uns hinüber. . ."

Martin konnte nicht sprechen. In jähem Entzücken und ahnungsvollem Schreck zugleich- taumelten seine Gefühle

Auf der Heimfahrt vom Urlaub hatte er abgeschlossen . . . es sollte ... es würde ja zu Ende sein am zweiten September ... Er würde sich alsbald nach der Uebung zur Landwehr versetzen lassen, würde Frau Cäcilie von Brandeis Niemals Wiedersehen . . . Den einen Abend nocfy unter den Augen des ganzen Regiments... da würde man schon Fassung bewahren können . . . dann Montag nach dem Dienst mit dem Hauptmann nach Hause... ein korrektes, liebenswürdig heiteres Abschiedsgeplauder unter den Augen des Gatten ... und dann . . . ade! . . . ade für ewig!

Agathe wartete ... ihr gehörte all sein Sehnen . . . jede Sekunde im Banne der schönen Frau War Verrat an dem geliebten Mädchen ... Also Schluß! . . . endgültig Schluß!

Und nun--?! . . . Schicksal, nimm deinen Lauf!

Kommen Sie, Herr Flamberg . . . notf) ein paar Takte . . . gleich ist's zu Ende

Hauptmann von Vr and eis stand in der Tür des Rauch- zimmers, die Zigarette zwischen den Fingern, und sah

schmunzelnd in das Gewühl des Tanzes hinein... ssin srisches, glückliches Lächeln lag auf seinen Lippen . . .

Die Königin des Festes ... ja, das war sie. . . seine Cäcilie . . . Die andern Danren . . . welche von denen war denn auch nur von toeitem mit ihr zu vergleichen!

Und wie sie tanzte . . . Selbst die ältesten Stabsoffiziere machten gute Figur mit ihr . . . Die alten Herren waren wie elektrisiert, wenn sie die federleichte Gestalt im Arm hielten . . . angesteckt von der rhytmischen Energie, die ihre Glieder durchpulste . . . Und wenn sie förmlich einen Meistertänzer wie diesen Flamberg gesunden hatte . . . den beiden zuzuschauen, das war ja wirklich- ein ästhetischer Genuß . . .

Ueberhaupt dieser Flamberg! . . . Doch direkt ein be­gnadeter Mensch! Stammte er nicht aus ganz dürftigen Verhältnissen? Freilich . . . aus einem Pfarrhause! Gewiß waren seine Eltern fciugebildete Leute gewesen . . . die gute Kinderstube! So was ist nicht nachzuholen und! nicht nachzuahmen . . . aber zur Gesellschaft im eigentlichen Sinne hatte er nun doch mal nicht gehört und wer merkte ihm das heute noch an . . . ein genialer Künstler, eine repräsentative Persönlichkeit, und dabei so'n famoser Kerl selbstbewußt natürlich! Na, das gehörte sich auch so! Aber dabei so einfach ... so ohne' Prätension . . . und Ehrenmann vom Scheitel bis zur Sohle . . .

Solche Reserveoffiziere sollte man mehr haben im Regi­ment! Andere Nummer als diese Windhunde, die Herren Dormagen und Klocke, diese Säbelraßler und Uniform-! fatzken!

Höchst erfreuliche Aussicht, in so angenehmer Gesell­schaft die drei Manöverwocheu zu verbringen. . . und wie reizend, daß nun auch Cäcilie in der Nähe war und auch noch ein wenig von der Gesellschaft des Malers profitieren würde, der ihr ja offenbar sehr sympathisch war. Schade, daß er und seine Zukünftige nicht in der Garnison wohnten; das wäre so recht ein hübscher Verkehr gewesen, die zwei. Cäcilie hatte unter den Damen des Regiments' noch immer nicht den rechten Anschluß gefuudeu ... die junge Braut, das müßte nach Flambergs Beschreibungen ein Umgang für sein anspruchsvolles Weib gewesen sein . . . Na,man würde eben bald nach Düsseldorf hinüberfahren und die jungen Leute int eigenen Heim aussuchen . . .

Ach ... das Leben war do chschön, wenn inan ein bißchen Dusel hatte! der freilich gehörte dazu . . . na, und über Mangel au Dusel hatte Fritz Brandeis wahrhaftig nicht zu klagen . . .(

Glänzende Tänzerin, Ihre Frau Gemahlin!" klang's da plötzlich neben ihm. Oberleutnant Menshausen, das geleerte Likörglas in der Hand.

Komisch . . . wenn der Mensch auftauchte, immer hatte mau so ein fatales Gefühl. . . Was war's doch gewesen? Ach so, seine läppische Bemerkung damals. . . Wanst doch? ah, als die Reserveoffiziere einrückden, . . , haha! Damals hatte er selber,, Brandeis, davon ge-