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Nut 7. Februar wurde Franz Wilhelm Vahlberss, Maurergeselle aus Braunschweig, durch das Fallbeil auf dem ^.rieb h-rn-
Am9. Juli kam die Frucht von Mai.nK, welche von dem hiesigen Kreisrat angekauft worden war, weil sie hier mcht zu bekommen war. Das Pfund Brot kostete o Kreuzer, die ..lest Kartoftelir 36 Kreuzer. Am 10. Juli wurden 80 Malter Frucht rm Spital gegen Lieferung von Brot versteigert.
Am 14. Juli wurde das Brot, der 4 pfundige Laib, zu 14 'Kreuzer verkauft. Am 30. Juli wurde durch die Schelle bekannt gemacht, daß das Brot von außen herein gebracht werden 5)111 91m 28 August haben die hiesigen Metzger ihre Patente auf dem Rathaus abgegeben mit der Erklärung, den 1. September ihre Gewerbe niederzulegen, welches auch geschehen ist, und keiner mehr geschlachtet hat. Am 7. September wurde das erste Fleuch int Zeughaus (Kaserne) verkauft und am 8. September das erste Vieh in der alten Güterivage (Ecke Schulstraße und Wagengasfe, als Schlachthaus benutzt) geschlachtet. Am 9. September verkaufte Georg Öonv das erste Hammelfleisch. Am 19. Oktober haben die Metzger wieder geschlachtet, jedoch mußten sie erklären, was sie schlachten wollten, Ochsen, Kühe oder Schweine. ,
Den 12. Dezember feierte Professor Dr. Nebel fern 5(hahr. Dokdor-Jubil äum.
1845.
Den 15. Februar wurden Nikolaus Fehl und Tobias Franz aus Freiensteinau wegen Ermordung des Johannes Fehl mittelst des Fallbeils auf dem Trieb hingerichtet. ,
Am 17. Dezember feierten wir das 25 jährige Berfassungs- fest, abends mit einem Fackelzug von Bürgern und Studenten, und haben die drei Gesangvereine mehrere Lieder vor dem Rathaus gesungen, nach dem war ein großes Abendessen im Buschengarten.
1846.
Am 10. Januar morgens hat Professor D. Bischoff in der Reitbahn einen Wolf und einen Bären vergiftet.
Am 18. Februar, als am 300 jährigen Todestag Dr. Martin Luthers, von morgens mit allen Glocken geläutet, nachher war vom Turm das Lied „Eine feste Burg ist unser Gott" geblasen. Am 22. Februar, als am Begräbnistage war es gerade Sonntag, da war großer Gottesdienst, wo ein Zug vom Rathaus, bestehend aus den vier Geistlichen, an der Spitze der Bürgermeister, welchen die zwei ältesten Bürger im Arm führten, deck ganze Stadtvorstand und eine große Anzahl Bürger, durch die Schulstraße an das Regierungsgebaude, worin sich sämtliche evangelischen Staatsdiener in Uniform befanden Und dem Zug anschlossen, in die Stadtkirche, wo dann Herr Kirchenrat Engel eine Rede hielt, während des 18. bis 22. Februars durften keine öffentlichen Belustigungen statt- fiuden.
Am 29. Juli, nachmittags 3 Uhr, kam der Erbgroßherzog mit seinem Bruder Alexander von Grünberg hier an und stiegen im Einhorn ab, wo alle Staatsdiener versammelt waren. Alexander besuchte denselben Tag das Wellenbad. Abends war großer Fackelzug von Bürgern und Studenten, und die Singvereine trugen mehrere Lieder vor. Den anderen Morgen fuhren sie auf den Schiffenberg, wo sie um 8 Uhr wieder zurück kamen. Da ließ dann der Erbgroßherzog die Deputationen Vorkommen. Alexander aber ging in die Reitbahn, wo ihm der Stallmeister Frankenfeld ein Pferd vorritt. Um zehn Uhr fuhren sie wieder von hier nach Butzbach.
Den 7. August morgens zogen die Studenten von hier nach Staufenberg und blieben da bis zum 9ten, wo sie morgens wieder in die Stadt einzogen. Ursache davon war, daß, ein Polizeidiener im Buschengarten einem Studenten mit dem Säbel über den Kopf gehauen halte und ihm dadurch verwundet, wo nun die Studenten mehrere Tage mit Singen und Schreien durch die Straßen zogen, sogar beit Reiter, als er ihnen eine Vermahnung gab, verspotteten, worauf des andern Morgens die Dragoner von' 95^6^ kamen und zwei Tage hier blieben; dies war nun der Grund des Studentenauszugs auf den Staufenberg.
Am 12. August hat Herr Plok im Rappen die Meßt Kartoffeln gekauft zu 1 Gulden 12 Kreuzer, die andere Woch« das Malter zu 8 Gulden.
1847.
Den 16. Mai war hier das erste Turnfest, woran teilnahmen die Turner von Friedberg, Butzbach und Usingen, welche von den Gießern auf dem Seltersweg (Frankfurter Straße) empfangen wurden und dann mit Musik durch die Stadt zogen bis auf Heu Turnplatz (Schwarzlach). Nachmittags zogen sie auf die Hardt (Schlenke).
Im Monat April und Mai kostete das Malter Kariloffeln 7—8 Gulden, der Weizen 28—30 Gulden, das Korn 24—25 Gulden, die Gerste 20 Gülden Und der Hafer 9 Gulden.
Vermachtes.
ckf. W i e Ehemänner ihre — Witwen b e st r a s e n- E h männer ihre Witwen? Ist denn das überhaupt möglich Gewiß, im Testamentei Hieriür bringt die französische Zeilschri? „Les Marges" ein paar hübsche Beispiele. Eines dieser Testamentest
lauteteetwafolgendermaßen: „TeureGattin, Duhastmich jeden Sonntag, den ®ott werden ließ, mit Deinen schrulligen Einiällen aufs lluerträglichste gequält. Ich hinterlasse Dir deswegen eine wöchentliche Rente von 25 Fr. Die Auszahlung erfolgt aber jeden Montag. Da ich weiß, wie unordentlich und verschwenderisch Du bist, wirst Du an jedem Sonntag keinen Pfennig Geld mehr haben und daher Aehnliches durchmachen müssen, wie ich." Aehnlich sorgsamst ausgetüitelt war das Testament eines anderen Mannes, der augenscheinlich unter seiner Frau auch schwer hatte leiden müssen. Es halte etwa folgenden Wortlaut: „Liebe Frau, in unserer 30jäh- rigen Ehe hast Du keinen Tag vorbeigehen lassen, ohne mich fürchterlich zu quälen, indem Du langweilige Geschichten, dumme Anekdoten und geschmacklose Witze erzähllest. Ich hinterlasse Dir eine jährliche Rente von 7500 Fr. Ich füge jedoch die Bedingung hinzu, daß Du mit Deiner Mutter zusammenlebst, einer Frau von ebenso giftiger Zungenfertigkeit, wie Tu selbst, die Du ebenso haßt, wie ich. Mutter und Tochter müssen außerdem einmal in jedem Monat mit meinem Recktsamvalt zusammen mein Grab besuchen und jedesmal ihre tiefe Rene darüber aussprechen, daß sie mir das Leben vergiftet haben." Man muß gestehen, daß es kaum möglich ist, diese Testamente an Rachsucht zu übertreffen. Nichtsdestoweniger ist dies einem steinreichen Amerikaner gelungen. Seiner jungen, schönen Witwe hinterließ er Millionen Dollar mit der Bestimmung, daß sie jedesmal 1000 Dollars Strecke zu bezahlen habe, wenn sie unverschleiert ausginge, tanzte oder einem Alaune zulächelte. „So bist Du (io schloß das Testament) bestimmt in einem Jahre zu Grunde gerichtet."-
Sprachecke der Allgemeinen Deutschen Sprachvereins.
— Ballon. Vielfach ist es bedauert worden,, daß sich bei den zahlreichen Verdeutschungen, die bei der Luftfahrt ein- geführt worden sind, keine für das Wort „Ballon" befand. Es ist nur bestimmt worden, daß dieses Fremdwort deutsch ausgesprochen werde und daß seine Mehrzahl nicht Ballons, sondern Ballone zu lauten habe (genau wie,Barone). Demgegenüber meint man, selbst deutsch ausgesprochen störe es neben den anderen echt deutschen Wörtern; Goethe spreche von des Luftschiffers Blanchard „Luftball", und mit Luftball verdeutsche auch Heyses Fremdwörterbuch das Wort „Ballon", wo dieses einen „Luftballon", wie es früher hieß, bedeuten soll. Der Franzose nenne auch einen Kinderspielball, ebenso wie einen „Lustball" ballon, das Wort bedeute also in seinem Ursprungslande nur einen Ball. Das Wort „Luftball" also würde nur den durch eine besondere Art „Lust" in die Lüfte getragenen Ball bezeichnen; es sei leicht verständlich, präge sich leicht ein, sei echt deutsch und werde deshalb immer richtig und überall gleich ausgesprochen und geschrieben, was bei „Ballon" nicht der Fall sei. Das ist alles gut und wohl, aber Fesselball oder gar Fesselluftball, und Leuk-- (luft)ball wären doch gar zu schwerfällig, und da wir das alt- eingebürgerte Fwemdwort doch kaum mehr vertreiben können, bleiben wir am besten beim Ballon, wie wir auch beim Balkon bleiben; aber deutsch wollen wir sie aussprechen. Diese beiden Wörter und Rückentlehnnngen: deutsche Wortstämme drangen ins Romamsche,- und wir nahmen sie mit der romanischen Endung zurück.
Büchertisch.
— Ein Augenblick int Paradies, Roman von Ida Boy-Ed, Verlag Ullstein u. Co., Berlin-Wien. Der neue Roman der Verfasserin, den man wohl zu den besten und reifsten zählen darf, wird wohl allgemein mit Freude und Interesse ausgenommen werden. Ihre gemütstiefe Kunst weiß namentlich dem reichen Seelenleben der deutschen Frau immer neue Seiten absugetoinnen und leidendes Heldentum zu stiller Größe, emporzuhebeu.^ ^n diesem Werke ist es die verschmähte Liebe einer hochsinnigen Frau,- die sie über Schmerz und Leid endlich zu schwererrimgenent, aber dauerndem Glücke führt. Es ist der Sieg des starken opfer- vollen Gefühls über zerstörende Glut sinnlicher Leidenschaft, beit in biesem Buche Iba Boy-Ed mit vollendeter Erzählerkunst ber« herrlicht hat. L \
vexier-Rätsel.
Es war Herr Ritter Waldeinar So sehr für seine Braut entbrannt, Daß aus des Ritters Schilde gar Der Name der Geliebten fianb. Und habt ihr richtig hingeschaut: Ihr seht den Namen seiner Braut. Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Diamant-Rätsels in voriger Nummer : I Ast Gleim Isegrim S o r a u 8 i i in
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindrnckerei, R. Lang«, Gieße»


