Ausgabe 
24.6.1912
 
Einzelbild herunterladen

388

einen Gestalt des Brotes genießen und vorher zur Beichte gehen. Schwerkranke sollen sich mit den Sterbesakramenten ver­sehen lassen. 4. Die Jugend soll fleißig des Sonntags im Kate­chismus unterrichtet werden und alle Ertvachsenen sollen zum regelmäßigen Besuch der katholischen Gottesdienste angehalten werden.

Kanonikus Tr.. Johs. Ernst aus Hünfeld mußte, unterstützt von den Jesuiten, dieses Mandat alsbald in allen Kirchen der -Abtei vorlesen und zur Durchführung bringen,

(Fortsetzung folgt.) . ..

KalschmünZergeWchten.

So lauge es Geld gibt, so lange gibt es wahrscheinlich auch Falschmünzer. Die modernen Falschmünzer sind jedoch ihren Vor­gängern bei weitem überlegen und bringen ivirkliche Meisterstücke zustande. Das Paradies der Falschmünzer ist und war, wie der Müuzeusaminler Ernest Lehr in derBibliothögue universelle" nu§ eigener Erfahrung erzählt, Spanien.

Während seines Zlusenthaltes in Spanien Ende der achtziger Jahre war in Spanien so viel falsches Silbergeld im Umlaut, daß in jedem Laden beim Bezahlen die Silberstücke einzeln dem Klange riach geprüft werden mußten. Lehr erzählt, seine spanischen Freunde hätten ihn vorher hieraus ausmerksam gemacht, daniit er das Ver­fahren nicht als gegen sich gerichtetes Mißtrauen deute. Die meisten falschen Silbermünzen uoareu damals Pesetastücke von 4 Realen, denxn man ihre Falschheit durchaus nicht anseljen konnte, weil sie außen aus gutem Silber vom richtigen Feingehalt bestanden. Sie waren aber ans Kupierplatten hcrgestellt, die beiderseits sehr ge­schickt mit Silber plattiert waren. Durch cheinische Behandlung waren sie künstlich gealtert, so daß sie nur durch den Klang von «chleu Münzen zu unterscheiden waren, wenn man sie nicht ab- wageu wollte. Die Spanier allerdings kannten noch etn anderes Unterscheidungsuierkmal, das Lehr einmal von einem blinden Straßenhändler lernte, der ihm eine Silbermünze, mit der er ihn bezahlen wollte, mit den« Bemerken zurückgab, sie sei falsch. Die Spanier nämlich pieken mit der 'Messerspitze in die Mitte jeder Lulbermiiiize hinein, wodurch die dünne Silberschicht abgezogen und das rote Kupfer bloßgelegt >vird. Bei sehr genauer Be­trachtung sieht man den roten Fleck, und der blinde Straßenhändler hatte ihn durch den Tastsinn erkannt. SliiS der Zeit, wo Münz» gold und Mlmzsilber noch das Wertverhältnis 15:1 hatten, hat Nign die Gewichte der sranzösischen Silbermünzen beibehalteu, ob* « rrv e'*^er fpäter bedeutend im Preise fiel. Als das Silber w billig ivar, daß man aus richtigem Münzsilber Silbermünzen für die Halste des Qiemnuerteä Herstellen konnte, kamen in Spanien ein paar tu ästige Falschmünzer darail!, französische Füussrankstücke zu Prägen. Sie hatten vorzügliche Prägestöcke und machten die Münzen <° Mst aus echtem Silber nach, daß niemand sie von denen der amtlichen Münzen unterscheiden konnte, nicht einmal die Münz- beamleu selber, und verdienten so an jedem Fünffrankstücke die Halile. Nach dem Jahre 1870 konnten sie das um so eher wagen, als Spanien zmn Fraukssystem übergegangen >var und daher viel

Silbergeld im Umlauf war. Solche Silbermünzen sollen zu Millionen hergestellt und noch im Umlaufe sein.

Besonders sinnreich und hellte besonders interessant sind falsche Manzen, die, ebenmlls in Spanien, im Jahre 1864 hergestellt wurden. Es handelt sich um französische 20-Frankstücke in Gold iiut dem Bildnisse Napoleons III. Solche Goldstücke tauchten zn- rrachst in Toulouse in bedeutender Anzahl auf und verbreiteten sich allmählich durch Frankreich und Spanien. Diese falschen Münzen sind heute nicht nur von Sammlern sehr gesucht, denn sie sind wildem ivegen ihres Metallivertes sehr im Preise gestiegen. In Den sechziger Jahren war Platin vorübergehend bebeuienb billiger

Gold. Die Falschmünzer stellten daher LO-Fraucsstücke aus Platni nnt Goldüberzug her, die weder durch beit Klang, noch ourrt) das Aussehen von den echten zu unterscheiden waren. Die Herttellungskosten betrugen dabei nur 8 Franks, so daß der schöne Zerdieuit von 12 Franks am Stück übrig blieb. Heute, wo der Preis des Platins den des Goldes bedeutend übertrifft, kann inan, wenn ingn em solches falsches Platin-Goldstück in di» Hände be- fpmmt, auf ehrliche Weise ein gutes Geschäft damit machen.

Vermischter.

Kk. Das größte Geschäfts haus der Welt. Am Broadway in New York, zwischen der Barclaystraße und Park Rom, wird gegenwärtig das W o o l w o rt h - G e b ä n d e er- Zchtet. das nach seiner Vollendung das größte Gefchäftshans der Welt [etn wird. DerKonfektionär' >nacht über diesen Rieienbau stileressante Angaben. Sein Gesamtgewicht wird sich auf 250 Mil- Iloueii sonnen belaufen, die aus 69 Zementsälilen ruhen. Diese lind ans festem Feldbodcn aufgesührt und in Stahlsäulen eingehüllt, Die allem le 15.0 Tonnen wiegen. Das Gebäude wird ' 20 000 sonnen Strukturstahl enthalten, darunter Träger von 44 zu 30 chso.tstiud das7oO Fuß hoch emporragende Turmlicht wird 98 Meilen i,L^e,8efe(? -l,m,rcei'beu können. Für Fenster, Türen und Ober- Inht ist bereits Glas für 180 000 Mk. bestellt, doch ist damit der bedarf bei weitem nicht gedeckt. In den Wänden und Böden

werden über 30 000 Quadratsuß Hohlziegel oder Terracotta ver" ivendet, und der Bedarf an Zement wird Zehntausende von Säcken erfordern. Die seit zwei Jahren an dem Bau beschäitigten Arbeiter, ein ganzes Regiment, erhalten an Löhnen etwa 20 000 Mk. am Tag. Die 30 000 Quadratsuß Land, auf beiten sich das Gebäude erhebt, haben etwa 18 Millionen Mk. gekostet, die Ausgrabungen für die Fundamente, Erdgeschoß und Kellerräume über 4 Millionen Mk. Der Ban selbst wird nahezu 36 Millionen Mk. kosten, so daß das Gebäude eine Gesamtanlage von 55 Millionen Mk. darstellen wird. Der Flächenraum aller Stockwerke zusammen kommt etwa 9l/3 Hektar gleich und bietet Raum für 2000 Bureaus, die etwa 10 000 Personen beherbergen werden; an ein- und ausgehenden Personen iverden täglich iveitere 10 000 dazu kommen. Der Miets- ertrag wird, wenn das Haus vollständig besetzt ist, jährlich etwa 10 Millionen Mk. betragen. Das Gebäude wird außer dem Eiffel­türme, der 985 Fuß hoch ist, das höchste Bamverk der Welt sein und den Metropolitanturm noch um 50 Fuß überragen.

* Milderungsgrund. Richter:Haben Sie gegen den Antrag des Herrn Staatsanwalts etwas einzuwenden?" Ein­brecher: ,,J' töt halt um mildernde Umstand' bitten, weil ich eigentlich gar uet so viel hab' stehl'n woll'n, als ich erwischt hab'!"

Vie Zimmerpflanzen und ihre Pflege.

Woche vom 25. Juni bis 1. Juli.

i Amaryllis und Ballota werden ständig verwechselt. Das ist umso nachteiliger, als die Behandlung dieser beiden Lilien­arten von einander ziemlich verschieden ist. Für uns kommen be­sonders die Amaryllis vittata und die Ballota purpurea in Betracht, Die Sommerbehandlung der beiden genannten Arten ist folgende: Die Amaryllis blühen von Natur nicht im Winter und, kiinstlich angetrieben, nur dann, wenn sie vorbereitet werden. Die Zwiebeln werden z-u diesem Zweck nach der Blüte umgepflanzt, wobei man die alte Erde aus dem Ballen, ohne die Wurzeln zu beschä­digen, möglichst ausschüttelt. Als Erdmischung wird lockere Laub- nnd Mistbeeterde mit etwas altem Baulehm verwandt, dazu Sand: die Töpfe werden dann halbschattig gestellt und gleichmäßig feucht gehalten (durch Einsenken oder Umfütterung mit feuchtem Torf, Sägemehl oder dergl. und reichliches Gießen, aber erst nach der Bewurzelung), auch bisweilen schwach gedüngt. Nach Beendigung des Triebes (Juli) werden sie in vollen Sonnenschein gebracht und allmählich weniger gegossen. Ende September werden jie eingeräumt und völlig trocken, wenn auch nicht hell, und erft mit Treiben der Knospe Heller und wieder feuchter gehaltm. Die Ballota dagegen wird immer gleichmäßig feucht, und nut» der Blüte nur etwas trockener und kühler gehalten. Die Clivie, eine nahe Verwandte der vorigen, steht dagegen jetzt sonnig, aber von Juli an halbschattig!

Kamelien werden möglichst noch einmal verpflanzt (Laub­erde, Lehm und Sand). Wenn sich aber ihre (dickeren) Blüten­knospen gebildet haben, nicht mehr. Auch werden sie vorher (mit Beendigung des Laubtriebs) etwas trockener gehalten. Ole­ander (NeriuM Oleander) wird imimer ausgiebig gegossen! Die Sämlinge der Aeazie wird man jetzt verstopfen können: dabei kürzt man die Pfahlwurzel und stutzt, nachdem sich die Pflänzchen aufs neue gut bewurzelt haben, den Trieb ein.

Von den Nelken werden jetzt Stecklinge gemacht (während des ganzen Sommers).

Ableger und Stecklinge macht man auch vom Immergrün (Vinca, auch Sinn grün it a. genannt) wir empfehlen minor und major; außerdem rosea: letztere ist sehr schön, aber etwas empfindlicher als die andern Sorten und wird im Zimmer ge­halten. Reichliche und schöne Blüten liefert das Immergrün, obwohl es im Schatten gut gedeiht, indessen nur an sonnigem! Standort.

Rösselsprung.

Auslösung in nächster Nummer.

hält

ge

ma

von

hier

ver

chen

fei

nur

ehrt

ten

hau

weit

brtg

dich

ner

ach

für

dich

bei

oder

in

fe

tha

nie

der

aus

ne

wacker

tet

.Auflösung des Zitatenrätsels in voriger Nummer: Sicher tft bet schmale Weg der Pflicht.

Redaktion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl-schm Universttäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange,