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lische Religion gchäart waren. Oblv'oW er ein geborener und evangelisch erlogener Hesse war, gewannen doch die Bischöfe von Mainz und Würzburg und sein Schwager LiPPold von .Strahlendorf, das Hauptwerkzeug der katholischen Propaganda auf dem Eichsfelde, solchen Einfluß aus ihn, daß er vom bittersten Haß gegen den Protestantismus evstillt wurde. Von Kaiser und Papst ermuntert, nahm er die auf ihn gefallene Wahl zum Fürstabie an mit dem festen Entschlüsse, sein ganzes Land um jeden Preis wieder zum katholischen Glauben zurück zu führen. Wer noch verwunderlicher als die Kühnheit dieses Entschlusses ist die Tatsache, daß Balthasar, 34 Jahre später, tatsächlich seinen Plan verwirklicht sah und daß Ende 1604 die ganze Mrstabtei Fulda, mit Ausnahme von ritterschaftlichcn Patronatspfarreien, wirklich wieder katholisch war. Tast dies möglich war, erklärt sich einmal aus der propagandistischen Klugheit, Ausdauer und Energie Balthasars und der — Jesuiten, die er als seine Werkzeuge und Helfershelfer aus Trier und Mainz herbeirief, und dann durch die Rückendeckung und Förderung, die Beider Machenschaften bei dem starken Arme der katholischen Kaiser Maxif- Milian II. (1564—1596) und Rudolf II. (1596—1612) fanden. Es würde uns hier zu weit führen, wenn wir auf alle diese Machenschaften eingehen und alle die politischen Schachzüge und diplomatischen Winkelzüge vorführen wollten, mit denen Balthasar lind seine Jesuiten den vereinigten Widerstand der Bürgerschaft und Ritterschaft zu brechen, das Domkapitel aus ihre Seite zu bringen und alle von den Evangelischen eingelegten Rechtsmittel unwirksam zu machen wußten. Wir müssen uns darauf beschränken, nur den Gang der Ereignisse mit groben Strichen zü skizzieren. .Wer Genaueres darüber erfahren will, der lese das mehr- erwähnte Schristchen von Heppe und die unten angegebenen Schriften von Hattendorf und Eglofsstein?)
Mit kluger Verschleierung seiner letzten Ziele beschränkte sich Balthasar zunächst auf die Aufgabe, die Bewohner der Stadt Fulda für die katholische Kirche zurückzugewinnen. Während er sonst im Lande die evangelischen Ritter und Landsassen zunächst in der Ausübung ihres evangelischen Glaubens unb Kultus unbehindert ließ, beseitigte er in Fulda die evangelischen Prediger und Gottesdienste und ersetzte sie durch katholische. Auch damit noch nicht zufrieden, verbot er den Bürgern Fuldas, auf die umliegenden Dörfer zur evangelischen Predigt und zum Abendmahl zu gehen oder sich in Fulda von auswärtigen evangelischen Gcist- licheir kirchlich bedienen zu lassen. Durch strenge Befehle und Strafandrohungen bis zur Ankündigung der Landesverweisung nötigte er alle Hausväter mit ihren Hausgenossen, die Messe zu hören. Die Bevölkerung weigerte sich, die katholischen Gottesdienste zu besuchen imb die katholischen Priester anzunetzmen. Sie bat, auf ihre Kosten einen evangelischen Seelsorger sich annehmen zu dürfen. Wer umsonst. Balthasar wollte lieber die Kinder ohne Taufe und Unterricht aufwachsen und die Erwachsenen ohne Gottes Wort und Sakrament leben und sterben lassen, als nachgeben. Er hatte das Vertrauen, daß seine Beharrlichkeit und die BekehrungsMnste der Jesuiten, denen er trotz des Protestes der Ritterschaft die neu eingerichtete und einzige höhere Schule der Abtei int verlassenen Barfüßerkloster zü Fulda anvertraut hatte, schließlich den gewünschten Erfolg haben würden. Man muß eS den Jesuiten lassen, daß sie vermöge des Prinzips der Arbeitsteilung und der Beschränkung des einzelnen auf sein scharf abgegrenztes kleines Wissensgebiet in ihrer Schule hervorragendes an dilettantischer Gelehrsamkeit leisteten und daß sie proße pädagogische Erfahrung und Geschicklichkeit zeigten. Wer ihr Arbeiten und Forschen galt nicht selbstlos und vorurteilslos der allgemeinen wissenschaftlichen, geistigen und persönlichen Bildung der Jugend, sondern war nur Mittel zum Zweck des Seelenfanges für die römische Kirche. Den Zöglingen gewährte man mit päpstlicher Untersttitzung nicht nur freien Unterricht, sondern auch freie Pension und Kleidung. Man gestattete ihnen, ein äußerlich zwangloses und angenehmes Leben zu führen, und alle Aemrer und Ehrenstellen des Landes standen.den jungen Leuten, die zur Zufriedenheit ihrer Lehrer die Schule durchlaufen hatten, offen. Kein Wunder, daß auch schließlich mancher Bürger und harmlose Landadelige auf den Leim ging und der Schule seine Söhne anvertraute. In diesen zukünftigen Beamten und dankbaren Schülern gewann man die besten Werkzeuge der Gegenreformation. Inzwischen aber arbeiteten ihre Lehrer auch fleißig an der Seele des Volkes in öffentlicher Lehr- und Predigttätigkeit und im Verkehr von Mann zu Mann mit einer Ueberredungskunst, der ungelehrter und ungeschulter Laienverstand nicht widerstehen konnte, und mit einem religiösen Eifer, dem die vulgäre Frömmigkeit nicht gewachsen war. Nichts, was Erfolg versprach, blieb unversucht. Geschäftsleute und Arbeiter erhielten Arbeit, Lieferungen uttd Kundschaft, wenn sie sich zur Messe bequemten, und int anderen Falls wurden sie boykottiert. Arme und Kranke nahm Man nur dann in die Spitäler auf, wenn sie nach katholischem Ritus kommunizierten. Mit Darlehen an Bedrängte brauchten die Jesuiten nicht zu geizen, denn die Privilegien, Monopole,
3) Kattendorf, Gesch. des ev'. Bekenntnisses in der Stadt Mlda. Mlda 1903. Herrn. Freiherr von Egloffstein, Fürstabt Balth. v. Dernh. und die kathol. Restauration im Hochstift Mlda. München 1890. * \
Vorkaufsrechte und Einkünfte, die der Mt ihnen züwies, brachten ihnen Geld ein in Hülle und Fülle. Andererseits wußte ntan auch, gegebene Darlehen rechtzeitig zu kündigen, wenn der gewünschte Bekvtzrungsersolg bei dem Anleiher zu lange auf sich warten ließ. Getreide wurde aufgekauft Und ins Ausland verkauft. In der so künstlich geschaffenen Teuerung gab man unentgeltlich Brotfrucht an Arme ab, wenn sie zur Messe kamen. Verlobten verweigerte man die Erlaubnis zur Eheschließung, wenn sie nicht bei beit Jesuiten beichteten, und den Buchbindern verbot man, evangelische Bücher einzubinden und feilzuhälten. Den verheirateten Pfarrern gab man auf, ihre Frauen zu entlassen oder ihr AUrt niederzulegen. Adel und Bürgerschaft erkannten wohl die Gefahr und wehrten sich wie ein Mann. Sie machten Vorstellungen über Vorstellungen bei dem Abte, beriefen sich ans den Augsburger Religionsfrieden, schickten Beschwerden und Bittschriften an die benachbarten protestanttschen Fürsten, an den Kaiser, ans Reichskammergericht und an den Reichstag zu Regensburg. Der Mt wußte alles zu vereiteln und für ihn günstige lästerliche und reichskammergerichtliche Entscheidungen herbeizuftihren. Endlich, als alle zulässigen Rechtsmittel versagten, entschloß man sich zum Gewaltakt der Notwehr. Man lockte den Fürstabt im Einverständnis mit dem ehrgeizigen und herrschsüchtigen Bischof von Würzburg nach Hammelburg und nötigte ihn am 24. Juni 1576 unter ernstlicher Bedrohung ein Abdankungsmanifest zu unterschreiben unb Urfehde zu schwören. An seiner Stelle huldigte man dem Bischof von Würzburg als dem Verweser der Abtei. Die Jesuiten und katholischen Priester mußten aus Fulda weichen, und ein evangelischer Pfarrer hielt, vom Jubel der Bevölkerung begrüßt, wieder feinen Einzug. Wer die Freuds dauerte nicht lange. Der Kaiser, an dessen Hoflager Balthasar flüchtete, erkannte die Regentschaft des Bischofs twn Würzburg nicht an, ließ die Abtei durch den Deutschmeister Heinrich von Bubenhausen als kaiserlichen Kommissar und Administrator verwalten, dem später Erzherzog Maximilian, der Bruder des Kaisers Itudolf II. folgte. Das Reichskammergericht! sollte entscheiden zwischen Balthasar und seinen Gegnern. Inzwischen wurde wieder alles auf den alten Stand gebracht, und die Unterdrückung des »ümngeüschen Glaubens machte weitere Fortschritte. Man löste möglichst alle Psandschaften, die die Ritter auf suldische Orte in Händen hatten, ein und kaufte ihre Be- fitzungen und Rechte in den Landorten auf, um für kommende Seiten möglichst freie Hand zu haben. Mus die Bitte der Bürgerschaft nm Freilassung des evangelischen Bekenntnisses erklärte der Kaifer Rudolf am 28. Januar 1578, es habe in Mlda bei der Religion, „dazu sich die Obrigkeit bekennt", zu verbleiben. Wessen man sich bei weiterem Widerstande zu versehen hatte, zeigte im Jahre 1581 die Behandlung der Gemeinden Eckweißbach und Niederkalbach. Erstere wurde mit 1000 und letztere mit 600 bewaffneten Knechten überfallen, welche die Kirchtüren erbrachen, die protestantischen Geistlichen verjagten, katholische Priester ein»* setzten und die SBauent mit Gewalt in die Kirche trieben. Je sicherer man das baldige Anssterben des Protestanttsmus in Fulda erwartete, desto rücksichtsloser glaubte man nun gegen die evangelischen Landorte Vorgehen zu dürfen. Inzwischen betrieb Balthasar eifrig seinen Prozeß am ReichskamMergericht gegen seine Landstände und den Bischof von Würzburg. Ein vorläufiger Bescheid Rudolfs II. (1579) sicherte ihm den Besitz des! Schlosses Vieberstein und eine Jahresrente von 9000 Talern zu. Das Endurteil erfolgte am 7. August 1602., Es bedeutetz die Vernichtung des evangelischen Bekenntnisses in der Abtei Fulda, denn es lautet auf Wiedereinsetzung Balthasars und Verurteilung des Bischofs von Würzburg zur Zahlung einer Entschädigungssumme für den Wt und des Kapitels, der Ritterschaft und der Städte in eine Geldstrafe von 1Ö0000 Gulden.
Damit war der Sieg des Katholizismus in Mlda entschieden. Am 19. Dezember 1602 zog Balthasar wieder in Mlda ein und ließ sich huldigen. Mit Befriedigung faf) er, daß sein und seiner Jesuiten Werk während seiner Abwesenheit guten Fortgang genommen hatte. Das erste, was er tat, war die Abfassung eines allgemeinen Religionsediktes, das allen seinen Untertanen alsbaldige Rückkehr zum katholischen Glauben und Kultus befahl bet Androhung strenger Strafen und eventuell der Ausweisung für den Fall der Weigerung?) Tas Edikt, das das Datum des 24. Februar 1603 trägt und, wie aus seinem Inhalt hervorgeht, in allen Gemeinden der Abtei verlesen wurde, stellt folgende vier Hauptforderungen auf, die alsbald erfüllt werden sollen unb ihrem Wesen , nach Wteber- einfützrung des Katholizismus bedeuten: 1. Heilighaltung allen katholischen Fest- und Feiertage, aller Heiligen- und Fasttage nach den Satzungen der katholischen Kirche. 2. Dretmaltges kirchliches Aufgebot der Verlobten und Eheschließung nur vor dem verordneten Priester nach vorheriger Beichte und Kommnntou nach tätholischemRitus und mit nachfolgender Beurkundung. 3. Alla Laien sollen nächste Ostern bas Sakrament des Altars tn bet
4) Für Interessenten bemerken wir, daß bas seither mcht bekannte Edikt Balthasars dem demnächst auch in Buchform erscheinenden Abdruck dieser Abhandlungen in seinem vollständigen Wort» laut nach einem voM Verfasser im Marburger .Archiv gefundenen. Konzept desfelben beigegeben wird.


